LOGO: Atari-Frosch

Froschs Blog

Computer und was das Leben einer Frau sonst noch so zu bieten hat

Zur Website | Impressum

Kein „Spirit of Health“ in Hannover! (3)

26. April 2014 um 19:16 Uhr von Atari-Frosch

Auch wenn’s finanziell weh tut – es war mir heute wichtig, nach Hannover zur Anti-MMS-Demo zu fahren, die Christopher Lauer angemeldet hatte.

Mit Kamera, Smartphone und meiner gestern geschriebenen Rede in der Tasche machte ich mich heute früh kurz nach 6:00 Uhr auf den Weg. Für den Hinweg hatte ich mir den ICE543 rausgesucht, der auch pünktlich um 09:28 Uhr in Hannover ankam. Vom Hauptbahnhof Hannover aus ging es dann weiter mit dem Bus 134 zum HCC. Dort standen schon ein paar Nasen neben einem Polizeiauto und steckten Schilder zusammen.

Um etwa 10:00 Uhr begrüßte Christopher die Versammlung und meinte, er sei im Vorfeld „darauf hingewiesen worden“, daß die Kongreßteilnehmer lediglich ihr Recht auf freie Meinungsäußerung wahrnähmen; das gleiche würden wir jetzt auch mit unserer Gegen-Demo machen. Wir sollten uns nicht provozieren lassen und auf jeden Fall friedlich bleiben. Die Demo sei angemeldet von 10:00 bis 12:00 Uhr und bleibe stationär vor dem Eingang des Kuppelsaals des HCC.

Wir hatten uns gerade aufgebaut, da kamen ein paar Leute aus dem Kuppelsaal des HCC. Mehrere Herren pöbelten uns an mit der Frage, wieviel uns die Pharmaindustrie bezahlen würde, daß wir da rumstehen, und was uns das einbringen würde. Ein Mann im Anzug und eine Frau in einem schwarzen Kleid fotografierten uns; bei der Frau konnte ich erkennen, daß sie uns einzeln heranzoomte. Wir blieben friedlich.

Einer der beiden Polizisten, die die Demo bewachten, unterhielt sich angeregt mit Christopher Lauer. Er hatte uns vorher gewarnt, daß das spontan eskalieren könnte. Vermutlich konnte er die Kongreßteilnehmer nicht einschätzen.

Wir standen derweil mit unseren Schildern da, verteilten Flyer an ein paar Leute, die in den Kuppelsaal wollten, und unterhielten uns untereinander und vereinzelt auch mit Kongreßteilnehmern. Dazwischen wuselten zwei Journalisten, ein Kamerateam vom NDR und ein weiterer Kameramann herum; letzterer gehört vermutlich zu SpiegelTV.

Nach einer Weile ging ich zu Christopher, um zu fragen, ob ich die Rede nun halten solle; zeitgleich kam er auf mich zu, um mich zu fragen, ob ich denn die eingereichte Rede halten wollte. 😉

Also richtete er mir das Megafon ein, das er vorher schon bei der Eröffnung benutzt hatte, zeigte mir, wie ich das Mikrofon bedienen muß, und ich erzählte ein bißchen was:

Mein Name ist Sabine; im Netz kennt man mich als Atari-Frosch. Ich bin Asperger-Autistin.

Autismus sehe ich als eine Varianz menschlichen Lebens, wie es viele gibt: Beginnend bei Augen- und Haarfarbe über Körper- und Schuhgröße bis hin zu charakterlichen Eigenheiten. Es gibt die ruhigen und die aufbrausenden Menschen, intelligente und weniger intelligente, Blitzmerker und solche, die Situationen nicht so schnell erfassen.

Viele dieser Eigenheiten haben keinen wesentlichen Einfluß auf unser Leben, manche aber eben schon. Und manche haben so einen massiven Einfluß, daß es den Umgang mit den betroffenen Menschen schwierig macht. Ich bin zum Beispiel ein Mensch, der nicht nur vieles wörtlich nimmt, sondern vor allem alles wörtlich meint, was er sagt.

Sobald Du anfängst, meine Aussagen zu interpretieren, liegst Du vermutlich in den meisten Fällen falsch. Denn ich sage wirklich das, was ich meine, und ich meine nicht noch mehr hinter dem, was ich sage. Da neurotypische Menschen zur Interpretation neigen, hatte und habe ich deshalb immer wieder Probleme und Mißverständnisse. Das geht soweit, daß sich Menschen von mir beleidigt fühlen, weil ich einfach eine Tatsache oder eine Wahrnehmung benenne und sie daraus einen Vorwurf oder gar eine indirekte Beleidigung interpretieren – die ich gar nicht im Sinne hatte.

Aber Autismus ist nicht einfach eine Behinderung. Die Veränderung in unseren Gehirnwindungen bewirken auch, daß wir Dinge anders sehen. Ich möchte Euch etwas über dieses andere Sehen erzählen.

Ich sehe was, was Du nicht siehst!

Seit über 30 Jahren gehört Fotografie zu meinem Leben dazu. Ich könnte gar nicht mehr ohne Kamera, sie ist für mich ein Utensil wie Zahnbürste oder Kleidung. Was ich fotografiere, unterscheidet sich aber teilweise von dem, was Neurotypische fotografieren. Warum? Weil ich mehr sehe.

Immer wieder erlebe ich es, daß ich auf Ausflüge, Veranstaltungen etc. gehe, hinterher meine Bilder zeige und dann höre: „Wie, wo oder wann war das denn, das hab ich ja gar nicht gesehen!“ Ja, Ihr seht viele Details nicht, weil Euer Gehirn sie als unwichtig ausfiltert, noch bevor Ihr sie bewußt verarbeitet. Wie viele Autisten habe ich nur eine sehr eingeschränkte Filterfunktion – übrigens nicht nur visuell, sondern auch akustisch, haptisch, taktil, olfaktorisch (riechen) usw. Ich sehe das, was Ihr nicht seht – oder erst mühsam lernen müßtet, wolltet Ihr es auch sehen. Aber vorsicht: So viele Eindrücke sind anstrengend 😉

Auf der anderen Seite seht Ihr, also sehen neurotypische Menschen etwas, wofür ich schon immer blind war. Ich habe mich als Kind immer gefragt, was das soll, daß von mir verlangt wird, im Gespräch meinem Gegenüber in die Augen zu sehen. Was sollte ich da sehen? Die Augenfarbe, ja, schön. Aber ich glaube, das war nicht gemeint. Niemand konnte mir erklären, wozu das gut sein sollte, weil es für alle anderen Menschen in meinem Umfeld einfach so selbstverständlich war, daß sie nie drüber nachgedacht haben.

Heute weiß ich, daß Ihr daraus einiges ablesen könnt. Stimmungen, Emotionen; das, was nicht gesagt wird. Für diese Informationen bin ich blind – mindestens genauso blind wie Ihr für die Details im Alltag seid. Mehr noch: Ihr könnt lernen, auf die Details zu achten. Augen lesen lernen werde ich in diesem Leben nicht mehr schaffen.

Daher schaue ich im Gespräch nur in die Richtung meines Gesprächspartners; zumindest, wenn meine Konzentration das zuläßt. Wenn ich zu sehr unter Anspannung stehe, ist selbst das zu anstrengend. Ihr seht es als höflich an, dann trotzdem hinzuschauen. Ich sehe es als höflicher an, den Blick abzuwenden und lieber dem Gespräch zu folgen, statt Euch anzugucken und vom Gespräch nichts mehr mitzubekommen, weil ich beides zugleich nicht verarbeiten kann.

Aber ich sehe dafür auch wieder anderswo Dinge und Details, die Neurotypische oft übersehen. Arbeitgeber waren früher immer mal wieder recht erstaunt darüber, wie ich mit eigentlich ungeeigneten Mitteln oder mit Werkzeugen, an die sie im konkreten Fall gar nicht gedacht haben, Aufgaben gelöst habe. Die Neurotypischen haben diese Möglichkeiten vorn vornherein ausgefiltert und daher nicht ernsthaft in Erwägung gezogen. Und ich hab sie einfach genutzt.

Kurz: Wir sind nicht „abnormal“ oder „falsch“. Wir sind nur anders.

Was hier beim Kongreß „Spirit of Health“ vermittelt werden soll, ist, daß Autismus heilbar sei – was unterstellt, es sei eine Krankheit und eben nicht, wie wir mittlerweile wissen, eine neurologische Varianz. Diese angebliche „Heilung“ soll erreicht werden, indem betroffenen Kindern Desinfektionsmittel eingeflößt wird. Statt die Varianz der Natur zu akzeptieren, wollen Menschen hier mit Gewalt Kinder dazu zwingen, der neurotypischen Norm zu entsprechen – was sie unmöglich können, denn die veränderten „Verschaltungen“ im Gehirn von Autisten lassen sich nicht „korrigieren“.

Ist es nicht schlimm genug, daß viele von uns früher oder später im Leben Depressionen bekommen, weil wir ständig erfahren bzw. uns anhören müssen, daß wir „falsch“ und „unnormal“ seien und uns gefälligst anpassen müßten? Muß man den Hilflosesten unter uns auch noch Gift einflößen und sie körperlich krank machen, um ihnen ins Hirn zu brennen, wie „falsch“ und „abnormal“ sie angeblich sind?

Liebe Eltern von autistischen Kindern!

Ich bin, was ich bin. Niemand darf sich herausnehmen, mir vorzuschreiben, wie ich zu sein habe, um Euren neurotypischen Normen zu entsprechen. Schon gar nicht mit Gewalt, mögen das nun Schläge sein oder Vergiftungen – so groß ist der Unterschied nämlich nicht. Und das gleiche gilt für Eure Kinder!

Genauso wie Ihr streben wir nach Harmonie, denn was unharmonisch ist, ist uns mindestens genauso unangenehm wie Euch. Wir versuchen, mit Euch zu reden, wenn wir das können, und Euch zu erklären, wie unsere Bedürfnisse aussehen. Häufig ernten wir dafür herablassende Blicke und Äußerungen: „Kann ich mir nicht vorstellen“ ist eine der häufigsten, mit denen ich konfrontiert werde. Sorry, Leute, die Probleme anderer Menschen enden nicht an Eurem Vorstellungsvermögen. Es gibt da noch so ein kleines bißchen mehr.

Was wir brauchen, ist als allererstes Akzeptanz. Genauso, wie wir versuchen, Euer – aus unserer Sicht – Anderssein zu akzeptieren, soweit es in unseren Möglichkeiten liegt, erwarten wir, daß Ihr uns akzeptiert. Wir haben Eigenschaften, die wir nicht ändern können. Überlegt mal: Die habt Ihr auch, es sind nur andere.

Stellt Euch mal für einen Moment vor, die Mehrheit der Menschen sei autistisch. Und dann kommen Eltern auf die Idee, ihre „abnormalen“ Kinder, die ständig alle Aussagen wild interpretieren und Dinge hineindenken, die gar nicht gemeint sind, damit „korrigieren“ zu wollen, daß sie ihnen Desinfektionsmittel geben. Oder sie schlicht verprügeln.

Klingt kraß, was?

So, und jetzt denkt nochmal darüber nach, was Ihr Euren Kindern antun wollt und andere Eltern ihren Kindern bereits antun.

Danke für die Aufmerksamkeit.

Gegen 12:00 Uhr fragte Christopher, ob wir verlängern wollten, das sei durchaus möglich; er selbst wollte wohl noch dableiben und flyern, das ginge ohne offizielle Demo-Verlängerung, aber wenn wir weiter Schilder hochhalten wollten, müßten wir verlängern. Da niemand dableiben wollte – mir persönlich taten die Füße weh, ich stehe nicht gern – wurde die Demo dann um 12:00 Uhr offiziell beendet.

In der Abschlußansprache machte er noch darauf aufmerksam, daß er in den letzten Tagen als Anmelder der Demo einschüchternde Anrufe bekommen hatte. Er bat darum, falls das auch anderen Teilnehmern passieren sollte, dieses ihm oder der Polizei mitzuteilen und ggf. einen Rechtsanwalt zu beauftragen. Er erwähnte auch, daß wir „möglicherweise“ von Kongreßteilnehmern abfotografiert worden waren; allerdings wußten wir alle, daß das eine Tatsache ist; wir hatten es fast alle gesehen.

@crackpille, @Fritten, @mundauf und noch eine Frau nahmen mich im Auto mit zurück zum Hauptbahnhof; eine Mitfahrgelegenheit zurück nach Düsseldorf hatte ich leider nicht finden können. Die anderen Teilnehmer kamen entweder direkt aus Hannover oder aus anderen Richtungen bzw. waren selbst mit dem Zug angereist. Am Hauptbahnhof gingen wir dann noch zu einem Asiaten zum Mittagessen, unterhielten uns noch eine Weile angeregt und trennten uns dann gegen 14:00 Uhr. Mit dem ICE548 fuhr ich um 14:31 Uhr (plus ca. 15 Minuten Verspätung) nach Düsseldorf zurück.

Ein Fahrschein für IC wäre um 1,50 €, ein Fahrschein nur für Nahverkehrsverbindungen um 8,50 € günstiger gekommen; dafür wäre ich mit der Regionalverbindung eine Stunde länger unterwegs gewesen; das hätte sich alles nicht wirklich gelohnt. Der ICE war hier also kein Luxus. Nur falls jemand meckern wollte. 😉

Wir waren insgesamt 20 erwachsene Teilnehmer und ein Kind gewesen (laßt Euch nichts anderes erzählen, ich hab nachgezählt, war bei der geringen Anzahl ja auch recht einfach). Das ist natürlich nicht viel; im Kongreßgebäude dürften wesentlich mehr Leute gewesen sein. Trotzdem hoffen wir, damit ein Zeichen gesetzt zu haben, daß solche Veranstaltungen in Deutschland nicht ohne Widerstand stattfinden dürfen. Sollte es weitere Veranstaltungen dieser Art geben, wird hoffentlich auch der Widerstand wachsen.

Der Bericht von @mundauf: The Spirit of Bullshit.

[Update 2014-04-26 22:28] Die Fotos sind dann auch fertig. [/Update]

[Update 2014-04-29 11:32] Bei der GWUP gibt es eine kommentierte Presseschau zur Anti-MMS-Demo mit weiteren Links. [/Update]


36 Kommentare zu “Kein „Spirit of Health“ in Hannover! (3)”

  1. Fozzie quakte:

    Mädel, Du hast echt nicht nicht mehr alle Latten am Zaun, dass Du dein spärliches Geld dafür aufwendest nen paar Verirrte zu bekehren. Das ist so effektiv wie die Wand anzureden.


  2. Ganz was anderes .. (Autismus.Auseinandersetzung) | Kommentare aus der AMAZONAS-Box quakte:

    […] vielleicht mal beim Frosch nachlesen … (siehe auch Weiteres im Blog […]


  3. Franz quakte:

    Demonstrationen funktionieren anders – da kommt doch niemand auf die Idee „Verirrte zu bekehren“.

    Es geht darum, daß in der Öffentlichkeit Gegenwehr oder so ähnlich sichtbar wird. Außerdem kann darüber berichtet werden, Multiplikatoreffekte ..

    Warum also Schwachschreiben? Hat doch geklappt?


  4. nimabe quakte:

    Vielen Dank!

    Ich habe alles gelesen und ein schlechtes Gewissen, weil ich mich nicht aufraffen konnte und ich staune, was Du alles geschafft hast (die Rede), denn so etwas könnte ich niemals.
    Ich danke Euch allen, dass Ihr Euch stellvertretend für so viele von uns dort hingestellt habt, trotz der Repressalien und der Anstrengungen.


  5. Fozzie quakte:

    @nimabe: Du brauchst kein schlechtes Gewissen haben, denn das was Frosch hier veranstaltet hat ist völlig wirkungslos. Die Leute aus der alternativmedizinsichen Szene sind gg sachliche Argumente völlig immun.


  6. Fozzie quakte:

    Demonstrationen funktionieren anders – da kommt doch niemand auf die Idee “Verirrte zu bekehren”.
    Denk bitte mal dran was für Leute zu solchen Kongressen gehen und mindestens 50€ für ein Tagesticket bezahlen. Das sind Leute die mit alternativmedizinischer Quacksalberei ihr Geld verdienen und die man nicht erreichen kann. Da wird man höchstens als von der Pharmaindustrie gekauft hingestellt wie hier geschehen.


  7. Atari-Frosch quakte:

    Fozzie, es reicht jetzt. Wenn Du meinst, das alles sei sinnlos, dann mach was anderes, was Du für sinnvoll hältst. Aber pfeif hier nicht Leute an, die tun, was sie für richtig halten.


  8. Atari-Frosch quakte:

    @nimabe: Ich kenne dieses schlechte Gewissen sehr gut; es geht mir oft so, wenn ich eine Veranstaltung oder Demo etc. nicht besuchen kann, weil Geld und/oder Kraft nicht reichen. Ich hatte gerade die Tage einen schönen Energieschub (vom Wetter, vermutlich), also habe ich das auch ausgenutzt.

    Reden halten ist üblicherweise nichts, was ich gerne mache. Ich stehe nicht gern im Mittelpunkt und präsentiere mich einem Publikum, egal welchem und egal wie groß. Aber in diesem Fall war mir das einfach ein Bedürfnis, genauso wie die Teilnahme an sich.


  9. wako quakte:

    Danke Atari-Frosch!
    Ich denke, ich habe jetzt verstanden, warum wir uns vor einiger Zeit nicht verstanden haben.
    Du bist ein sehr mutiger Mensch, Chapeau!


  10. Gertrud quakte:

    Hallo, Atari-Frosch, liebe Sabine! Eigentlich gehöre ich zu den Alternativen und verwende selber MMS. Aber deine Rede hat mich sehr beeindruckt! Auch ich hatte gedacht, die Demonstranten könnten nur solche sein, die von der Pharma bezahlt sind. Auf die Idee, dass es Betroffenen, also wie du Asperger-Autistin sein könnten, bin ich gar nicht gekommen.
    Ich finde deine Sichtweise sehr sehr interessant und ich bewundere, wie du zu dir selbst stehst. Es tut mir sehr leid, dass ihr von Kongressbesuchern angepöbelt wurdet und ich entschuldige mich für diese dafür (wenn das geht). Ich finde es sehr wichtig, dass man sich gegenseitig zuhört und sich gegenseitig toleriert. Das scheint aber recht schwer zu sein, denn viele Alternative und viele Alternativgegner verhalten sich äußerst aggressiv. Ich nehme an, das liegt daran, dass viele alternativmedizinisch Interessieren von vorne herein glauben, kämpferisch sein zu müssen, weil hinter den anderen eine so große finanzielle Macht steht (Ärzte- und Pharma-Lobby), die uns zwingen will, unsere Kinder gegen unseren Willen impfen zu lassen und die uns in der Öffentlichkeit verteufelt, weil wir uns günstig zu kaufende, nicht patentierbare aber wirksame Mittel, die wir bei vielen Krankheiten ausprobiert und als wirksam erlebt haben, nicht verbieten lassen wollen.
    Das Thema Autismus ist bei dem Thema MMS eines von vielen Themen und ich denke mir, dass viele MMS-Befürworter sich damit noch nicht ausreichend beschäftigt haben.
    Leider muss ich jetzt gehen. Schaue heute Abend noch einmal rein. Ich grüße euch. Gertrud


  11. Heiko quakte:

    Hallo Gertrud,
    ich bin selber Vater zweier Kinder und von daher weiß ich, das es in Deutschland – im Gegensatz zur DDR und anderen Staaten – keine Impfpflicht gibt und die StIKo nur Empfehlungen ausspricht.


  12. Fozzie quakte:

    Auch ich hatte gedacht, die Demonstranten könnten nur solche sein, die von der Pharma bezahlt sind.
    Au Backe, für diesen Denkreflex müsste man sich eigentlich schämen.


  13. Michael Stehmann quakte:

    Was diejenigen, die MMS anwenden, mit denen, die beispielsweise Ritalin empfehlen, gemeinsam haben, ist die Vorstellung, dass Anderssein und ein damit einhergehendes nicht erwünschtes Verhalten krankhaft seien. Dabei gilt nicht die Sicht und Einschätzung des Betroffenen, sondern die seiner Umgabung, meist Autoritätspersonen (Eltern, Lehrer, Ärzte etc.).

    Diese Haltung respektiert den Anderen nicht in seinem So-Sein, sondern macht ihn zum therapiebedürftigen Patienten, weil man sein So-Sein, nicht ertragen (tolerieren) kann.

    Insoweit gibt es anscheinend wenig Unterschiede zwischen den Anhängern verschiedener Therapieformen und -richtungen.

    Diese Haltung ist deshalb so gefährlich, weil sie versucht, Intoleranz durchzusetzen und zwar letztlich mit allen Mitteln. Anderssein wird nicht akzeptiert und schon garnicht respektiert.

    Ich verkenne nicht, das manche an ihrer physischen oder psychischen Konstitution leiden. Dieses Leid gilt es zu lindern, soweit dies möglich ist, beispielsweise durch Respekt, Rücksicht, Zuwendung und weitmöglichste Integration, aber nicht mit aller Gewalt und um jeden Preis. Gerade bei psychischen „Störungen“ gibt es historisch und leider auch rezent ein wahres Horrorkabinett von „Therapien“, sodass man sich unwillkürlich fragt, wer dort ein Problem hat, wirklich der „Patient“ oder doch nicht eher der „Therapeut“.

    Wer das Anderssein eines Anderen als für sich unerträglich findet, sollte daher jeden Versuch unterlassen, den Anderen zu therapieren, denn er ist außer Stande, den Willen des Anderen zu respektieren.


  14. Fozzie quakte:

    @Michael: Das Dysfunktionale geht idR aucht mit einem Leiden einher. Daher ist es meistens nicht falsch dijenigen die für andere auffällig sind auch zu behandeln.


  15. Atari-Frosch quakte:

    @Fozzie: Wolltest Du damit gerade zeigen, daß Dir genau jener Respekt fehlt, den Michael beschrieben hat? Den Eindruck habe ich ja schon länger. SCNR

    Wer bestimmt denn, was „dysfunktional“ ist, und daher – wie auch immer – behandelt werden sollte, auch wenn er gar nicht krank ist? Helfen bei einem Leiden ist was anderes, dazu gehört aber auch erstmal, das Problem zu akzeptieren und nicht vor allem zu erwarten, daß der „dysfunktionale“ Mensch sich erstmal anzupassen habe.


  16. Fozzie quakte:

    @Atari-Frosch: Ich glaube kaum, dass Du lediglich unter deiner Nicht-Akzeptanz leidest …
    Außerdem heißt Helfen-Wollen ja nicht gleich Nicht-Akzeptanz.


  17. Gelesen und zum Lesen empfohlen: Sonntag 27. April 2014 - 16 Links | Melas Asperger- und ADS-Blog quakte:

    […] Kein „Spirit of Health“ in Hannover! (3): Atari-Frosch war auf der Demo gegen den “Spirit of Health”-Kongress und berichtet über ihre Beobachtungen. Zum Nachlesen gibt es auch die Rede, die sie im Verlauf der Demo hielt. – by Atari-Frosch – Tags: autismus, mms, spirit of health – http://blog.atari-frosch.de/2014/04/26/kein-spirit-of-health-in-hannover-3/ […]


  18. michael quakte:

    Hier gibt es ein paar Bilder der Demo-Schilder und weitere Links zum Thema: http://www.autismus-buecher.de/MMS-Stopp.htm . Ich war zwar nur zu Beginn dabei, aber insgesamt sind durch diese Aktion sehr viele Menschen auf das Thema aufmerksam geworden.


  19. Alex Schestag quakte:

    Michael, ich finde den Vergleich zwischen MMS und Ritalin kritisch. Und das aus mehreren Gründen:

    1. MMS ist hochgradig toxisch und gesundheitsschädlich. Die Nebenwirkungen von Ritalin sind selbst bei längerer Anwendung im ADHS-Kontext zu vernachlässigen.

    2. MMS hilft bei den Dingen, bei denen es helfen soll, nicht. Ritalin hilft bei ADHS nachgewiesenermaßen.

    3. Du wirst jetzt sagen, dass 2. kein Argument ist, weil man auch ADHS als normale Variation menschlichen Seins anerkennen sollte, anstatt es mit Psychopharmaka zu therapieren. Die Haltung kann man haben. Allerdings haben Menschen mit ADHS auch teilweise Probleme, die ganz unabhängig von der gesellschaftlichen Akzeptanz sehr schwerwiegend sein können. Dazu gehört zum Beispiel eine höhere Suchtneigung. Entgegen der weitverbreiteten Behauptungen der Ritalin-Gegner macht Ritalin dagegen nicht abhängig, sondern lindert wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge diese höhere Suchtneigung sogar deutlich.

    Kurz: MMS ist gefährlicher esoterischer Humbug, während Ritalin eine akzeptierte Behandlungsform für Probleme von ADHS ist, die leider nun mal auftreten. Ob man sich mit Ritalin behandeln lässt, kann letztlich jeder selbst entscheiden. Aber der Vergleich mit einem nutzlosen Gift hinkt.


  20. Atari-Frosch quakte:

    Zum Thema Ritalin: Das Problem ist hier wohl nicht das Medikament an sich, sondern seine Anwendung. Ritalin bei AD(H)S ist völlig in Ordnung, wenn es den Betroffenen damit besser geht. Tatsächlich wird es aber heute wohl auch gern verschrieben, wenn Kinder einfach sehr lebhaft sind, damit Eltern und Lehrer ihre Ruhe haben. Das ist der kritische Aspekt dabei.

    Übrigens nehmen das nicht nur AD(H)S-Betroffene: Marudor hat Narkolepsie und bekommt es auch: Medikamente.


  21. Atari-Frosch quakte:

    Noch was an Gertrud: Wenn jemand die „alternativen“ Heilmittel ablehnt, heißt das noch lange nicht, daß er die Pharma-Industrie gut findet. Ich finde gut, daß wir Antibiotika haben und wir uns gegen Krankheiten impfen lassen können, aber es gibt auch Medikamente bzw. Medikamententypen, die ich ablehne oder zumindest sehr kritisch sehe.

    Dazu gehören insbesondere Psychopharmaka, hier wiederum speziell Antidepressiva, bei denen nie vorher klar ist, ob sie wem wie helfen, oder anders, die manchen helfen, aber noch lange nicht jedem, und teils massive Nebenwirkungen haben. Und eigentlich weiß auch niemand, warum sie bei einem Teil der Leute so wirken, wie sie wirken.

    Ich hab da so meine eigenen Erfahrungen und kam zu dem Schluß, daß ich auf das Zeug überhaupt nicht anspreche – von den Nebenwirkungen mal abgesehen, die haben immer ziemlich gut funktioniert. 😉

    Umgekehrt gibt es einen Aspekt bei den Heilpraktikern, den ich in der klassischen Medizin und unserem Gesundheitssystem generell schon lange vermisse: Sie nehmen sich richtig Zeit für ihre Patienten. Auch damit durfte ich schon Erfahrungen machen. Ob die Globuli, die ich damals (Ende 2000) bekam, meine Bronchitis spontan geheilt haben oder ob das Zufall war (was genauso möglich ist), weiß ich nicht und kann ich nicht beurteilen. Wichtiger finde ich jedoch, daß mir die Frau eine gute Stunde lang zugehört hat. Das habe ich seitdem bei keinem Arzt erlebt.


  22. Fozzie quakte:

    Frosch, Du bekommst da was in den falschen Hals. Nicht, dass ich solche Menschen nicht akzeptiere wie sie sind. Es ist vielmehr so, dass man als Mensch mit einer solchen nicht „neurotypeischen“ Veranlagung eine erhöhte Wahrscheinlichkeit hat eine psychische Störung zu entwickeln. Du hast vielleicht die Erfahrung gemacht, dass Psychiatrie dir nicht hilft, aber vielen Autisten kann Psychiatrie helfen.


  23. sabine quakte:

    Respekt vor dieser Frau, nur wenn ich lesen, die Heilpraktiker haben uns fotografiert, frage ich mich, benutzen diese Scharlatane dieselben Methoden wie Scientology, um ihre Kritiker einzuschüchtern?

    […..]
    Ein Mann im Anzug und eine Frau in einem schwarzen Kleid fotografierten uns; bei der Frau konnte ich erkennen, daß sie uns einzeln heranzoomte. Wir blieben friedlich.
    […..]
    Er erwähnte auch, daß wir „möglicherweise“ von Kongreßteilnehmern abfotografiert worden waren; allerdings wußten wir alle, daß das eine Tatsache ist; wir hatten es fast alle gesehen.
    […..]

    Im Blog von http://www.psiram.com kann man alles nachlesen, die haben auch Wiki über die Messe und alles Heilpraktiker!


  24. Moritz quakte:

    Hallo Sabine,
    ich habe deine Rede live gehört und fand sie toll und aufschlussreich. Sie hat mich zum Nachdenken angeregt und ich freue mich, dass du sie hier auch nochmal „abgedruckt“ hast, so dass ich sie weitergeben konnte.
    Nun werde ich mal etwas in deinem Blog stöbern und bin gespannt, noch mehr zu erfahren.
    Alles Gute,
    Moritz


  25. “Warum foltert ihr Kinder?” Die MMS-Demo in Hannover @ gwup | die skeptiker quakte:

    […] weitere Teilnehmerin hat bei Froschs Blog ihre Rede veröffentlicht, die sie als Asperger-Autistin bei der […]


  26. Mephisto quakte:

    Ein klein wenig neben dem Thema, aber da es in Atari-Froschs Rede vorkam:

    Als Fotograf sieht man immer ein wenig anders als Nicht-Fotografen. Das hat nicht zwangsläufig etwas mit Autismus zu tun. Bei mir z.B. ist der „Filter im Gehirn“ sogar überdurchschnittlich stark ausgeprägt (ist auch manchmal eine Last ;)), aber den beschriebenen Effekt („Wie, wo oder wann war das denn, das hab ich ja gar nicht gesehen!“) kenne ich auch.


  27. Michael Stehmann quakte:

    @ Alex Schestag:

    1. Dass MMS aus biochemischer Sicht nicht nur unwirksam, sondern schädlich ist, dürfte unter naturwissenschaftlich denkenden Menschen unumstritten sein. Nur wirst Du mit diesem Argument einen Anhänger alternativer Konzepte nur in seltenen Ausnahmefällen wirklich überzeugen können.

    2. Ich habe weder bestritten, dass es Menschen gibt, die therapiebedürftig sind, noch behauptet, dass Psychopharmaka nie indiziert sein können.

    3. Mir geht es auch darum, einerseits kritisch zu hinterfragen, ob in allen oder auch nur in den meisten Fällen beispielsweise der Einsatz von Ritalin wirklich indiziert ist und ob es nicht in vielen Fällen nicht kausal wirkungsvollere nichtmedikamentöse Therapieformen gibt, die allerdings meist aufwendiger sind. Nicht immer ist die einfachste „Lösung“ auch eine adäquate.

    4. Vor allem aber geht es mir darum, nach den Motive für eine Therapie zu fragen. Soll etwas unternommen werden, weil der zu behandelnde Mensch leidet, oder weil er nicht so „funktioniert“, wie andere, beispielsweise die Eltern, dies von ihm erwarten, und diese darunter leiden?

    Ich fand in diesem Zusammenhang in dem Artikel von Julitschka eine sehr einfühlsame Beschreibung, die aufzeigt, wie verzweifelt manche Eltern sind, die ihren Kindrn MMS antun. Zugleich weckt dieser Bericht die Hoffnung, dass manche von ihnen noch so „offen“ sind, dass man ihnen helfen kann, mit ihren Kindern adäquat umzugehen.


  28. Fozzie quakte:

    Mephisto: Und Filterprobleme sind kein Autismus-typisches Problem, das gibt’s bei vielen Menschen und mache leiden auch drunter.


  29. Mephisto quakte:

    @Fozzie: Das ist mir bewusst, aber ich bezog mich auf eine konkrete Passage in Atari-Froschs Rede und da ging es um Autismus.


  30. Fozzie quakte:

    Frosch, Du wirst schon von prominenenter Stelle zitiert:
    http://blog.gwup.net/2014/04/28/warum-foltert-ihr-kinder-die-mms-demo-in-hannover/


  31. Fozzie quakte:

    Frosch, Du bist berühmt:
    https://www.youtube.com/watch?v=hSxv5gnXT88
    Bei 4:32 bist Du eine Sekunde zu sehen!!!


  32. Atari-Frosch quakte:

    Sei nicht albern. Niemand ist „berühmt“, weil er ein paar Sekunden lang in einer Fernsehreportage zu sehen ist. BTW, das ist nicht das erste Mal, daß ich irgendwo im Fernsehen zu sehen bin, vielleicht auch nicht das letzte Mal. Na und? Diese Art von Berühmtheit, die manche Leute anstreben, liegt mir nicht.

    Ich bekam vor längerer Zeit (hatte auch eine größere Vorgeschichte gehabt) tatsächlich mal eine Einladung in eine Talkshow, allerdings zu einem Thema, das mich überhaupt nicht interessierte. Es mag sicher Leute geben, die dann trotzdem die „Chance“ ergriffen hätten, aber mich läßt sowas kalt. Wenn ich mich in die Öffentlichkeit stelle, dann für etwas, wofür ich eintrete, und nicht, um mein Gesicht im Fernsehen oder in einer Zeitung zu sehen.


  33. Atari-Frosch quakte:

    Oh, eins noch zu @Fozzie und @Mephisto wegen des Sehens:

    Als Fotograf sieht man immer ein wenig anders als Nicht-Fotografen.

    Auch schon mit 13 Jahren und mit der ersten Kamera? – Ahja.


  34. Atari-Frosch quakte:

    Und noch eins zu @Fozzie:

    Mephisto: Und Filterprobleme sind kein Autismus-typisches Problem, das gibt’s bei vielen Menschen und mache leiden auch drunter.

    Es gibt sie in diesem Maße auch bei AD(H)S und Hypersensiblität, die beide Überschneidungen mit Autismus haben, und möglicherweise noch in anderen Kombinationen. Ja und? Du tendierst dazu, Probleme bei anderen herunterzuspielen. Das hilft aber keinem, im Gegenteil, und es trägt auch nicht sinnvoll zu einer Diskussion bei.


  35. Sabine quakte:

    http://blog.psiram.net/2014/06/jim-humbles-toedliche-geschaefte/

    In der Sendung Kontraste letzten Mittwoch wurde über MMS und andere Eso Sachen sehr, sehr kritisch berichtet darunter auch „Eltern“ die Ihre Kinder mit MMS misshandeln, mit Einläufen. Unglaublich was dort in der ARD zu sehen war.

    Bei Psiram gibt es den Link zur Sendung:

    http://blog.psiram.net/2014/06/jim-humbles-toedliche-geschaefte/


  36. Atari-Frosch quakte:

    Danke für den Hinweis! Ich glaube, ich sollte mehr Psiram lesen.


Kommentieren

Bitte beachte die Kommentarregeln!

XHTML: Du kannst diese Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>