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Hyperfokus

5. Mai 2014 um 15:32 Uhr von Atari-Frosch

Zwei Tweets von @zombiekitty78 von heute bringen eines meiner Probleme auf den Punkt:

Nicht die Kitty @zombiekitty78
Hyperfokusierung auf Reaktivierung des alten Laptops und kein Geld um es wirklich sofort umzusetzen. Maaaaan!

14:21 - 5. Mai 2014

Nicht die Kitty @zombiekitty78
Keine Möglichkeit, das zu machen, wofürich Energie hätte, also unendliche Müdigkeit für den Rest.

14:58 - 5. Mai 2014

Unzählige Male habe ich mir das anhören müssen: „Wenn Du X tun kannst, kannst Du auch Y machen!“ Nein, verdammt, kann ich nicht!

Allerdings hatte ich das bislang – auch nachdem ich bereits von meinem Autismus wußte – nicht so stark auf den Hyperfokus bezogen. Der hatte sich für mich ein ganzes Stück enger definiert, nämlich damit, wie ich mich in einer Aufgabe verlieren und alles um mich herum vergessen kann, wenn mich die Aufgabe anspricht.

Aber offenbar funktioniert dieses Ding „Hyperfokus“ auch andersherum: Es ist nur Energie für etwas bestimmtes vorhanden, die aber nicht für anderes genutzt werden kann. Also in etwa so, als hätte ich jede Menge Dieselkraftstoff zur Verfügung, aber einen leeren Benziner in der Garage. Oder als hätte ich eine Tauchausrüstung, müßte aber auf einen Berg steigen.

Leider habe ich so gar keine Wahl, zu entscheiden, welche Art von Energie gerade zur Verfügung steht. Ich kann mich zwar an ungeliebte Aufgaben langsam, manchmal über Tage bis Wochen hinweg, heranprokrastinieren – die Technik habe ich schon vor vielen Jahren eingesetzt, als ich mir des Problems noch gar nicht bewußt war –, das bedeutet aber, daß ich für diese, sagen wir mal, Zweckprokrastination auch den Freiraum haben muß. Wenn zu viel auf einmal auf mich einprasselt, funktioniert die Technik nicht mehr.

Danke, Kitty, ich hab wieder ein Stückchen mehr verstanden.

6 Kommentare zu “Hyperfokus”

  1. Fozzie quakte:

    Und mit der mentalen Ausstattung soll das mit einer Selbständigkeit funktionieren?
    Ich hab da meine Zweifel.

    Aber die Analogie mit Diesel und Benzin find ich gut.


  2. Hsns Bonfigt quakte:

    Das geschilderte Problem haben 99% aller Menschen. Aber diese 99% reißen sich dann zusammen und machen ihren Job dann trotzdem.

    Danach fühlt man sich i.d.R. auch wieder richtig gut.

    Und wenn der „Hyperfokus“ stört:
    Einfach abschalten. Säufer z.B. sind auf Alkohol hyperfokussiert, ein Entzug kann helfen, den Focus wieder so zu erweitern, daß auch andere Optionen wahrgenommen werden.

    Natürlich kann man sich stattdessen prima konditionieren, ich sage ja auch immer zu meiner Frau „ich kann nicht kochen, waschen oder aufräumen, denn ich bin ein Mann und keine Schwuchtel“, und ja, das klappt so gut, daß man selber irgendwann dran glaubt.

    Auf lange Sicht ist damit aber keinem geholfen.

    Die „Versagung“ der Stütze würde ich als Chance begreifen, denn wenn Dir der Provider das Internet abklemmt, dann bist Du FREI und kannst Deinen Focus wechseln.

    Fahrradfahren, daß Frühjahr am Rhein genießen, vielleicht eine Putzstelle annehmen – da kommst Du ‚raus unter Leute, die auch etwas anderes im Kopf haben als den 37. billigen Unix-Abklatsch.

    Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, da bringt es die Geschäftsführerin von http://www.manomama.de auf den Punkt, funktioniert nur über Arbeit.


  3. Atari-Frosch quakte:

    @Fozzie: Ein Angestelltenverhältnis funktioniert damit jedenfalls nicht. Als Selbständige kann ich Aufträge ablehnen, als Angestellte nicht.

    @Hans Bonfigt: Wenn DU Dich über Arbeit (gegen Geld) definieren willst – bitteschön, aber laß anderen die Wahl, sich anders zu definieren. Das Grundgesetz sagt: Jeder hat das Recht auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit – wo steht, daß das nur im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses gilt bzw. nur für die, die zufällig (viel) Geld haben? Den Absatz such ich noch.

    Die “Versagung” der Stütze würde ich als Chance begreifen, denn wenn Dir der Provider das Internet abklemmt, dann bist Du FREI und kannst Deinen Focus wechseln.

    Sehr witzig. Der Internetanschluß ist nicht alles, was auf dem Spiel steht. Ich weiß ja nicht, aber so ganz ohne Strom, Heizung oder gar völlig ohne Wohnung wird das mit dem Leben auch recht schwierig.

    Das geschilderte Problem haben 99% aller Menschen. Aber diese 99% reißen sich dann zusammen und machen ihren Job dann trotzdem.

    Und jetzt machst Du Deine Schubladen, in die ich eh nicht passe, bitte mal wieder zu, ja? Mit dieser unbelegten Behauptung bist Du nur Teil des Problems, nicht Teil der Lösung.

    Und wenn der “Hyperfokus” stört:
    Einfach abschalten.

    Sagst Du das auch zu einem Rollstuhlfahrer? Einfach die Querschnittslähmung abschalten, wenn sie stört, ne? – Um zu Deiner Bildung beizutragen:

    Manche Kinder mit Asperger-Syndrom werden dadurch klinisch auffällig, dass sie ihre Aufmerksamkeit nicht willentlich steuern können (siehe auch exekutive Funktionen) und bei Aktivitäten, die sie nicht selbst gewählt haben – zum Beispiel in der Schule –, in hohem Grade unkonzentriert sind, woraus sich selbst bei hoher Intelligenz erhebliche Lernschwierigkeiten ergeben können.

    Quelle: Wikipedia: Asperger Syndrom – Konzentrations- und Lernprobleme (die Aussage gilt keineswegs nur für Kinder).

    Klar, einfach abschalten. m(


  4. Das Nuf quakte:

    Bleib lieber zuhause und ruh dich aus. Ich schaff ja das Geld für dich ran.


  5. Küstennebel quakte:

    Hats denn mitlerweile geklappt?

    Hyperfokus würde ich übrigens nicht dazu sagen. Sie haben schon Recht, ich hab ja selbst ADHS und noch undiagnostizierte Asperger, daher weiß ich worum es geht. Das mit dem Asperger weiß ich erst seit kurzem und GENAU das was sie beschreiben, ist für mich so oft ein Problem gewesen. Das Leben teilt sich in Dinge, die durch die ADHS bestimmt sind: Aufmerksamkeitswechsel hü und hott, und dann in die Dinge, die dann, wenn sie durch Ablenkung oder eine Zwangslage irritiert werden, einfach nur unkontrollierten Frust erzeugen. Da geht dann nichts anderes, das Gehirn braucht erstmal seine Ruhe.
    Klar wird mir das auch erst seit ich das mit dem Asperger weiß und durch den Schleier der ADHS und einer zwar nie geförderten, aber auch heute noch nachvollziehbaren „Hochbegabung“ diese Symptome „sehen“ kann.

    Was ich sagen will: Die Leute haben keine Ahnung! Das Neurogewitter das uns so aus der Bahn wirft, das kennen die gar nicht. Vielleicht könnte man es mit denen vergleichen, die Migräne haben – das kann auch sehr schlimm werden. Letztlich müssen diese Menschen dann die Migräne aussitzen bzw. können mit Medikamenten die Schmerzen unterdrücken, aber dadurch sind sie nicht immer arbeitsfähig, sie bleiben in dieser Phase Lichtempfindlich, die Schmerzen können bei geringster Anstrengung schlimmer werden, die Dauer des Migräneanfalls verlängern. Das Hirn muss da durch, irgendwas löst das Chaos aus, meist eine individuelle Form der Überforderung. Einigen reicht Neonlicht, andere nur bischen Streß, der nächste braucht nur zuviel Fern zu sehen.
    Migräne ist meine ich eine gute Erkärung um denen, dies nicht verstehen können etwas näher zu bringen.

    Is des Laptop jetz heile? 🙂


  6. Atari-Frosch quakte:

    @Küstennebel: So starke Schwankungen in der Aufmerksamkeit hab ich eigentlich gar nicht, ich glaub, das ist dann eher die ADS-Schiene. Nur eben die Blockade, wenn es das „falsche“ ist.

    Was das Laptop angeht: Keine Ahnung, Kitty hatte dann nix mehr dazu geschrieben.


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