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Versagung der Leistungen (2)

17. Juni 2014 um 18:54 Uhr von Atari-Frosch

Anderthalb Monate ist es nun her, daß das Amt für Repression, Grundrechtsentzug und Existenzvernichtung (ARGE) meine Existenzvernichtung beschloß; Zeit für eine erste Bilanz.

Ohne ein privates Darlehen stünde ich jetzt vermutlich schon mit dem Rücken an der Wand. Zum Glück erfuhr ich, daß so etwas ohne spätere Anrechnung möglich ist, wenn ein schriftlicher Darlehensvertrag abgeschlossen wird. So sieht’s derzeit aus:

Das Sozialgericht Düsseldorf hatte meinen Antrag auf Einstweilige Anordnung nach drei Wochen abgelehnt. Die Stellungnahme des ARGE dazu bestand zwar nur aus einer Ladung erkennbar halb blind zusammengeklickter Textbausteine (in einem wurde ich als „Herr“ bezeichnet) und ging mit keinem Wort auf meinen Widerspruch ein. Das Gericht zitierte zwar noch aus meinem Widerspruch, zog daraus aber keinerlei Schlußfolgerungen, sondern fand wohl die Textbausteine des ARGE schöner oder so – und folgte der dort nicht vorhandenen Argumentation. Daraufhin habe ich eine Fachanwältin für Sozialrecht beauftragt, mich zu vertreten, und sie hat Klage beim Sozialgericht eingereicht.

Kurze Zeit später kam dann auch der weitere ablehnende Bescheid des ARGE auf meinen Widerspruch hin, unter anderem mit dem bissigen Hinweis, der Briefkasten könne gar kein „Loch“ haben, ich hätte ja gar nicht versucht, etwas abzugeben. Klar, völlig logisch, ich werf das Zeug ein, es kommt nicht an, also hab ich gar nicht versucht, es einzuwerfen. m(

Es ist aber auch ein seltsamer Zufall, daß da immer genau die Briefe nicht ankommen, die zusätzliche Arbeit machen, kann ich gar nicht verstehen sowas …

Durch das Darlehen konnte bzw. kann ich jetzt erstmal einige akute Rückstände decken:

Gas (das heißt: Warmwasser, Heizung und Herd/Backofen): Die Stadtwerke Düsseldorf meinten, sie könnten mir die Rückstände „im Zuge der Gleichbehandlung aller Kunden“ nur für drei Wochen stunden. Mit dem Darlehen habe ich die Rückstände und den Abschlag für diesen Monat bezahlt; für Juli und vielleicht August reicht es auch noch.

Strom (das heißt: Licht, Kühlschrank, Mikrowellenherd, Wasserkocher, Brotbackautomat, PC, Ladestrom für Mobilgeräte; aber auch Telefonanlage – zwischen ISDN-Anschluß und Analogtelefon – und Zündfunken für die Gastherme – für Warmwasser und zeitweise Heizung –): Die Naturstrom AG setzte eine Mahnsperre bis 15. Juni. Die Rückstände werde ich diese Woche aus dem Darlehen bezahlen. Auch hier wird es noch für Juli und vielleicht August reichen.

Telekom (also Telefon, Internet): Bisher nur Mahnungen, keine explizite Sperr-Androhung. Auch das wird diese Woche beglichen, auch hier wird es bis maximal August reichen.

Miete: Auf eine E-Mail an die (seit März neue) Hausverwaltung kam keine Reaktion. Sie hatten zwar im Mai gemahnt, aber seitdem habe ich nichts mehr gehört. Gerade, weil die Hausverwaltung noch nicht lange zuständig ist, kann ich sie nicht einschätzen. Die Mieten für Mai, Juni und Juli kann ich aus dem Darlehen begleichen, für August wird es nicht mehr reichen.

Lebensmittelversorgung: Seit Anfang Mai lebe ich überwiegend von billigen Dosen-Ravioli, billigen TK-Pizzen und gemischten Resten aus meinem Vorrat; dazu billigstes Müsli fürs Frühstück. Statt Brot aus dem Regal nehme ich wieder Brotbackmischungen, von denen die günstigsten etwa die Hälfte dessen kosten, was Regal-Brot kostet. Dafür verbraucht der Brotbackautomat halt wieder mehr Strom. Durch kleine Hilfen aus meinem Umfeld kann ich diese Art von Basis-Versorgung noch eine Weile aufrecht erhalten.

Server: Mein letztes kleines Stückchen Autonomie, nämlich dieser Server hier, wird durch Freunde gesichert, bei denen ich noch ein kleines Guthaben stehen habe. Einen Umzug all der hier laufenden oder auch nur der wichtigsten Dienste woandershin schaffe ich nervlich derzeit nicht, und ich bin nicht bereit, all das aufzugeben, was ich da in den letzten Jahren aufgebaut habe, weil eine Behörde Scheiße baut und ein Gericht das auch noch toll findet.

Was nicht in Geld ausgedrückt werden kann, ist meine psychische Verfassung. Für diese Jahreszeit ungewöhnlich heftige Depressionsschübe, das Gefühl ständigen Drucks, Retraumatisierung in Bezug auf die gleichartigen Ereignisse im Jahr 2002 (mit tatsächlichem Wohnungsverlust), und lähmende Angst vor dem, was nach August passieren wird, wenn das Darlehen verbraucht ist.

Denn eins ist klar: Das Sozialgericht wird sich nicht sonderlich beeilen. Meine Rechtsanwältin wies mich darauf hin, daß von Sozialgerichten generell und bis hoch zum Bundessozialgericht eine Dringlichkeit wegen drohendem Wohnungsverlust frühestens dann gesehen wird, wenn die Räumungsklage zugestellt ist. Frühestens, das heißt, manchmal auch erst dann, wenn schon der Gerichtsvollzieher anklopft. Ab diesem Punkt muß der Vermieter nicht mehr einlenken, sondern kann auf der Räumung bestehen.

Die Sozialrichter würden es auch nicht als unzumutbar ansehen, mal eine Weile ohne Strom, warmes Wasser oder (falls nötig) Heizung zu leben.

Ich möchte solchen Richtern ja mal zur Hausaufgabe machen, nur eine Woche lang alle ihre Sicherungen rauszuziehen. Natürlich, da sie gut verdienen, können sie dann eben einfach außerhalb essen gehen, wenn Kühlschrank und Herd nicht mehr zur Verfügung stehen; diesen Luxus haben Zwangsverarmte nicht. Aber ob sie dann ihre Urteilsbegründungen zu Hause bei Kerzenschein diktieren? BTW, bei Kabelanschluß geht dann auch Telefonie nicht mehr, weil das Kabelmodem Strom braucht.

Auch der Petitionsausschuß des Landes NRW, bei dem ich direkt nach meinem ersten Besuch bei der Rechtsantragsstelle des Sozialgerichts vorgesprochen habe, hat sehr, sehr viel Zeit. Als nach Einreichung aller Unterlagen dann endlich mal eine Bestätigung kam, hieß es darin, das könne jetzt ein paar Monate dauern, und jede Nachfrage oder jede Nachreichung von Unterlagen kann das weiter verzögern. Danke auch, ich glaube, das hätte ich mir sparen können.

Zuletzt kam jetzt ein weiteres Schreiben, daß man die Sache an den Petitionsausschuß des Bundes weitergereicht habe – ohne Begründung für dessen angebliche Zuständigkeit. Denn der Petitionsausschuß NRW sagt ausdrücklich in seiner Broschüre, daß er für Probleme mit kommunalen und Landesbehörden zuständig sei, und das ARGE ist definitiv eine kommunale Behörde. Jetzt darf ich wohl drauf warten, daß die Sache auf Bundesebene endgültig versandet. So nebenbei bedeutet es, daß meine ARGE-Akte an eine weitere Stelle geht, die dann nichts unternimmt, und ich warte nur drauf, daß sie irgendwo auf diesen vielen Reisen dann auch noch verloren gegangen wird. Wäre ja nicht die erste Sozialakte von mir, die bei besonderer Dringlichkeit dieses Schicksal ereilt.

Solidarischer, sozialer Rechtsstaat Bundesrepublik Deutschland – derzeit klingt das für mich wie ein Hohn.

… to be continued …


11 Kommentare zu “Versagung der Leistungen (2)”

  1. JoachimA quakte:

    „Ohne ein privates Darlehen stünde ich jetzt vermutlich schon mit dem Rücken an der Wand. Zum Glück erfuhr ich, daß so etwas ohne spätere Anrechnung möglich ist, wenn ein schriftlicher Darlehensvertrag abgeschlossen wird. „

    Wer sich so lange mit Argen, Sozialämtern etc. rumschlägt sollte das wissen. Es ergibt sich einfach aus der Tatsache, dass der Staat NICHT für private Schulden aufkommt – was im Prinzip so richtig ist.
    Ausnahmen sind z.B. Mietschulden.

    „So sieht’s derzeit aus:

    Das Sozialgericht Düsseldorf hatte meinen Antrag auf Einstweilige Anordnung nach drei Wochen abgelehnt.“

    Damit war zu rechnen.

    „Die Stellungnahme des ARGE dazu bestand zwar nur aus einer Ladung erkennbar halb blind zusammengeklickter Textbausteine (in einem wurde ich als „Herr“ bezeichnet) und ging mit keinem Wort auf meinen Widerspruch ein.“

    Warum wohl auch?

    „Das Gericht zitierte zwar noch aus meinem Widerspruch, zog daraus aber keinerlei Schlußfolgerungen, sondern fand wohl die Textbausteine des ARGE schöner…“

    Das hat mich Schönheit nichts zu tun. Sie waren wohl rechtlich irrelevant.

    “…oder so – und folgte der dort nicht vorhandenen Argumentation. Daraufhin habe ich eine Fachanwältin für Sozialrecht beauftragt, mich zu vertreten, und sie hat Klage beim Sozialgericht eingereicht…“

    Nachdem was ich bisher von Dir gelesen habe wirst Du da verlieren. So funktioniert es nun mal nicht.

    „Kurze Zeit später kam dann auch der weitere ablehnende Bescheid des ARGE auf meinen Widerspruch hin, unter anderem mit dem bissigen Hinweis, der Briefkasten könne gar kein „Loch“ haben, ich hätte ja gar nicht versucht, etwas abzugeben. Klar, völlig logisch, ich werf das Zeug ein, es kommt nicht an, also hab ich gar nicht versucht, es einzuwerfen. m(„

    Also Frosch, dass die Briefkästen der Argen, Sozialämter, Jobcenter etc. oft gleich mit dem Aktenschredder verbunden sind, das weiß doch jeder Dösel seit Jahren!
    Jeden noch so winzigen Fetzen Papier IMMER mit Zeugen abgeben! und das quittieren lassen
    oder per Einschreiben mit Rückschein schicken
    oder – wenn es ganz dicke kommt – durch den Gerichtsvollzieher zustellen lassen.

    Alles andere ist ein Glücksspiel. Das kann funktionieren, muss es aber nicht.
    Das ist leider so, und zwar schon lange.

    „Es ist aber auch ein seltsamer Zufall, daß da immer genau die Briefe nicht ankommen, die zusätzliche Arbeit machen, kann ich gar nicht verstehen sowas …“
    Das hat mit Zufall nun gar nichts zu tun.
    Vielleicht hatten sie aber auch nur ihre depressive Episode und konnten just in dem Moment nicht arbeiten. Ansonsten: s.o.

    „Durch das Darlehen konnte bzw. kann ich jetzt erstmal einige akute Rückstände decken:

    Gas…

    Strom….

    Telekom….

    Miete….“
    Kurz und knapp: Das Kind ist bereits in den Brunnen gefallen. Vielleicht sollte in Deinem speziellen Fall zumindest die Mietzahlung direkt durch den Sozialhilfeträger erfolgen.

    „….Was nicht in Geld ausgedrückt werden kann, ist meine psychische Verfassung.“

    Das ist so. Wohl ALLE vom Sozialstaat abhängigen fühlen sich über kurz oder lang schlicht beschissen.
    „Für diese Jahreszeit ungewöhnlich heftige Depressionsschübe, das Gefühl ständigen Drucks, Retraumatisierung in Bezug auf die gleichartigen Ereignisse im Jahr 2002 (mit tatsächlichem Wohnungsverlust), und lähmende Angst vor dem, was nach August passieren wird, wenn das Darlehen verbraucht ist.“
    Bis August sollte es möglich sein zumindest eine sog. wohnsitzsichernde Grundversorgung“ (Miete, um die 120 Euro Taschengeld und Lebensmittelgutscheine. Strom und evt. Heizung, aber nicht Telefon werden direkt vom Träger beglichen) zu organisieren.
    Das sie nun jedewede Zahlung verweigern spricht dafür, dass sie ganz genau wissen, was sie tun. (Das zu begründen IST ARBEIT für die). Du hast sie eben etwas zu lange geärgert und sie mit deinem Verhalten auch geradezu motiviert es zu machen. Bei „unserer“ Arge hätten sie das bei Deinem Verhalten längst so gemacht und ich wüsste nicht, wie man dagegen angehen sollte.

    „…Meine Rechtsanwältin wies mich darauf hin, daß von Sozialgerichten generell und bis hoch zum Bundessozialgericht eine Dringlichkeit wegen drohendem Wohnungsverlust frühestens dann gesehen wird, wenn die Räumungsklage zugestellt ist.“

    Wann den sonst? Dann schon wenn einer die Miete verzockt hat?
    Übrigens: Von der Räumungsklage bis zur Räumung vergehen lt. Gesetzt mindesten zwei bis drei, in der Praxis eher sechs. (Termin, Versäumnisurteil, Fristsetzung etc. Wenn jemand sich wehrt – auch mit den fadenscheinigsten Begründungen – dauert es ca. ein Jahr bis der Gerichtsvollzieher kommt.)

    „Die Sozialrichter würden es auch nicht als unzumutbar ansehen, mal eine Weile ohne Strom, warmes Wasser oder (falls nötig) Heizung zu leben.“
    Quatsch. Pure Unterstellung. Nur sind die Sozialroichter nicht dafür zuständig DIR speziell Strom zu verschaffen.
    „Auch der Petitionsausschuß des Landes NRW, bei dem ich direkt nach meinem ersten Besuch bei der Rechtsantragsstelle des Sozialgerichts vorgesprochen habe, hat sehr, sehr viel Zeit…..“

    Ich verrate Dir mal was: Es gibt außer Dir auch noch so drei oder fünf andere Leute die Probleme haben und auch warten müssen…

    JO


  2. Das Nuf quakte:

    Wie soll denn dein Leben weitergehen? Ab August ist’s Geld weg und das Darlehen wirst du doch nie und nimmer zurückzahlen können.


  3. Hans Bonfigt quakte:

    Zu ‚Das Nuf‘:
    Finde ich prima und notwendig, daß sich jemand ‚mal Gedanken macht, wie man helfen kann.
    „Arno Dübel“ und „Florida-Rolf“ hatten wir ja schon, man kann den Fall also nicht mehr medial vermarkten.
    Weitere Darlehen oder Geschenke sind Leidensverlängerung.
    Mir tut es immer leid um intelligente Menschen, die persönlich viel einstecken mußten und auch so mit unserer „Ordnung“ nicht zurechtkommen. Die Kultur einer Gesellschaft kann auch daran gemessen werden, wieviele Mitmenschen „auf der Strecke bleiben“.


  4. Das Nuf quakte:

    Das bedeutet, ich bin an ihrer Lage schuld?


  5. Küstennebel quakte:

    Gibts kein Spendenkonto?

    Ich trau mich kaum zu sagen… Lebensmittelgutscheine … im Notfall? Wird auch nicht einfach, ja ich weiß ist schrott. Aber ich wollts einmal schreiben.

    In sehr knappen Zeiten hatte ich auch schon ärger mit diesem Müsli, das Geld reicht oft dann nicht für Milch. Ich fands praktisch dann auf Zuckerwasser/gesüßten Tee umzusteigen. Manchmal ist auch ein aromatisierter Tee nen guter Selbstbeschiss :o)

    Beste Möglichkeit günstig klar kommen: Haferflocken/Billigmüsli. Omelett kann auch sehr gut helfen. Quark-Öl-Teig is auch sehr ergiebig mit Mehl und Ei. Sonst leb ich noch havon Reis + Bohnen und Nudeln + irgendein Öl + Geschmacksträger (mal Pfeffer, mal Röstzwiebel, mal Chili und manchmal auch einfach nur Maggie/Fishsoße/Soja/Sambal etc.).

    Vielleicht is das was für dich dabei. Soll auch kein Hartzi-Kochbuch werden, ich mache das selbst auch so und habs auch meist nicht dicke und häufiger viele Wochen so rübergebracht und musste es selbst erst mal lernen mit wenig satt zu werden.

    Hoffentlich klärt sich das. Nach Harald Thome wären Spenden kein anzurechnendes Einkommen. Paypal?

    S56 http://www.harald-thome.de/media/files/SGB-II—Folien-11.05.2014.pdf


  6. Hans Bonfigt quakte:

    „Das bedeutet, ich bin an ihrer Lage schuld?“

    ‚Schuld‘ ist immer so abstrakt.
    In den Augen eines echten ‚Hartzers‘ trägt wohl jeder Schuld, der sich an dessen Wohlbefinden vergeht, indem er darauf hinweist, daß er unfreiwillig dessen Lebensunterhalt erwirtschaftet. Ist übrigens noch schlimmer, Du brauchst glatt 10 Normalverdiener, um einen Arbeitsverweigerer durchzufüttern.

    Andererseits gilt unser Grundgesetz uneingeschränkt auch für Arbeitsscheue. „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“, das mag es im Mittelalter gegeben haben.

    Kommt noch hinzu: Der Staat wird gerne zum Vertragsbrecher. Sieh‘ die Rente an:
    Du wirst gezwungen, in die gesetzliche Rentenversicherung einzusteigen und dann wird, Jahre später, Deine Altersversorgung aufgeweicht. Nehmen wir an, Du erreichst ein Lebensalter von 70 und erwartest die Rente mit 65: Dann kürzt man Dir „‚mal so eben‘ weit über 60% Deiner Altersbezüge, denn Du mußt zwei Jahre länger arbeiten und einzahlen, bekommst aber nur die Hälfte heraus. Von der faktischen Rentenminderung durch Mehrwertsteuererhöhungen oder Kürzungsorgien bei der Krankenkasse will ich jetzt gar nicht reden.
    Insgesamt haben wir es mit einem veritablen Vertragsbruch zu tun – warum sollte sich „Arno Dübel“ oder die Autorin hier ihrerseits an bestimmte Verträge oder Konventionen halten müssen?

    Auf der anderen Seite:
    Da hat ein Fußballmanager über eine Reihe von Jahren in großem Stil Monopoly gespielt und unterm Strich etwa zwei Millionen Euro verzockt. Jetzt muß er zur Strafe 60 Millionen nachzahlen und dreieinhalb Jahre in den Knast. Und jeder, von der Putzfrau bis zum Chefredakteur, fühlt sich berufen, sich über die „Doppelmoral“ des Delinquenten zu entrüsten.
    Aber keine Sau regt sich darüber auf, daß immer weniger Menschen immer mehr „Bedarfsträger“ mitfinanzieren müssen. *Ich* will mich gar nicht beschweren, habe so etwas wie einen ganz gut bezahlten Beruf und Nachwuchs war in meinem Lebensplan nicht vorgesehen. Von den 60 Stunden pro Woche machen mir 45 Freude. Und ich sehe es durchaus als Privileg an, im Supermarkt einfach nur nach Gusto in den Einkaufswagen werfen zu können, was ich will, ohne auf den Preis zu achten.
    Es gibt aber auch Menschen, die haben keine Putzfrau, dafür aber zwei Kinder, sind alleinerziehend UND haben eine Vollzeitstelle. Und kriegen das alles TROTZDEM gebacken mit Kinderaztterminen, Rundumpädagogik und Job. Und haben trotzdem noch sowas wie ein Leben, wobei letzteres doch eher selten vorkommt.

    Vor diesem Hintergrund würde ich mich persönlich bis in die Steinzeit und in Grund und Boden schämen, der Sozialagemeinschaft jahrzehntelang auf der Tasche zu liegen. Aber sowas von.


  7. Atari-Frosch quakte:

    @Küstennebel: Lebensmittelgutscheine und Tafel sind für mich die gleiche Form von No-Go: In beiden Fällen wird die Demütigung nur mit anderen Mitteln fortgesetzt. Eine Hilfe sind sie nicht.

    Meine Essenskombinationen sind ähnlich, halt meinem Geschmack und meiner Küche angepaßt.

    Danke für den Hinweis auf das PDF, hab ich mir mal gespeichert. Ja, in Grenzen sind Spenden anrechnungsfrei, das heißt, wenn mir jemand, wie schon geschehen, ein paar Lebensmittel bringt oder auch mal ein paar Euro daläßt, kann mir keiner was. Mein PayPal-Konto dagegen nützt mir jetzt gar nichts, weil ich Guthaben, das da draufsteht, ja nicht in bar abholen kann. Ich müßte mir dort vorhandenes Geld auf mein Girokonto ausbezahlen lassen, was ich derzeit für, sagen wir, nur begrenzt sinnvoll erachte. Das Geld aus dem Darlehen habe ich jeweils in bar bei den Banken der entsprechenden Gläubiger einbezahlt. Kostete Gebühren, aber was soll’s, hol ich mir wieder.

    Das Neueste in dieser Sache ist, daß das ARGE auf einmal mit mir reden will. Also, angeblich zumindest. Termin ist morgen. Ich bin selbst gespannt und werde berichten. Begleitung habe ich mir natürlich organisiert.


  8. Atari-Frosch quakte:

    @Das Nuf: Wenn es nach ARGE und Gesetzgeber geht: Gar nicht, schließlich bin ich ja 1. überflüssig und 2. ungehorsam. Und es scheint hier so manche Leute zu geben, denen das vielleicht ganz recht wäre.

    Wenn ich wüßte, wie es weitergehen soll, hätte ich wohl kaum diese depressiven Schübe, oder?

    Ich weiß es nicht. Ich kann nur abwarten, was jetzt demnächst so rumkommt.


  9. Atari-Frosch quakte:

    @JoachimA

    Also Frosch, dass die Briefkästen der Argen, Sozialämter, Jobcenter etc. oft gleich mit dem Aktenschredder verbunden sind, das weiß doch jeder Dösel seit Jahren!

    Achja? Seltsamerweise scheint das nicht gerichtsbekannt zu sein, sonst hätte das Gericht ja entsprechend reagieren können. Wenn meine Verlängerungsanträge, auf dem gleichen Weg eingereicht, regelmäßig ankommen und bearbeitet werden, muß ich davon ausgehen können, daß auch andere Post denselben Weg nimmt.

    Ansonsten: „Victim blaming“ ist Dir schon ein Begriff, oder?

    Ich verrate Dir mal was: Es gibt außer Dir auch noch so drei oder fünf andere Leute die Probleme haben und auch warten müssen…

    Dann sollen sie das nicht anbieten, weil es gerade bei Sozialleistungsbeziehern immer dringlich ist. Gläubiger warten nicht monatelang, bis sich jemand mal dazu durchringt, was zu arbeiten.


  10. Küstennebel quakte:

    Jau, die PDF ist schon gut, aber noch besser ist seine ganze Internetpräsenz zu kennen, denn er hält diese PDF, die ja Bestandteil seiner gesamten Ausrichtung ist, jederzeit aktuell und bietet sie mitsamt einigem anderen zusätzlich an.

    http://www.harald-thome.de/

    Ich frag mich immer wieso nicht mehr Leute auf ihn verlinken, es braucht ausser seiner PDF nur noch lesen und schreiben, rudimentäres Rechnen und dann kann man in der Kommunikation und im Kontakt mit Hartz4-Amtssachen viele Probleme leichter vermeiden und schneller zum Punkt kommen, wenn Meinungsverschiedenheiten / unterschiedliche Auslegungen ein Richterurteil brauchen.

    Nun, das mit den Lebensmittelgutscheinen sehe ich anders, die Tafeln verstehe ich auch das sie ein politisches Instrument sind. Im Zweifelsfall mag es jemandem aber zeitweise nützlicher Anker sein. Für mich, geb ich zu, käme das auch nicht in Frage, ich würde ebenfalls einen anderen Weg wählen.


  11. Gardiners-Seychellenfrosch quakte:

    Da ich es früher nicht wusste und bereue da nicht früher hingegangen zu sein. Die fast einzig netten in einer bösen Welt sind von der Heilsarmee… Weiss ja nicht wo du wohnst, sonst würde ich eine Heilsarmme-Filale für dich googeln… Die Leute dort hören dir zu helfen dir unbürokratisch bei allem was du brauchst sei es Lebensmittel, Geld für Strom usw. https://www.heilsarmee.de/duesseldorf/ueber-uns.html

    Der einzige Ort wo Gestrauchelte der Gesellschaft Hilfe erwarten könnten scheint bei der Heilsarmee zu sein….

    Ist meine Meinung über das JC-System doch nicht völlig abwegig… Eine AS-Diagnose hilft aber sehr beim JC und med. Dienst.

    Bei mir geht es grad zw. Arbeitsagentur+Jobcenter hin und her…. Keiner weiss was die andere Behörde treibt….. Es ist zum Mäusemelken, ich würde ja gerne was arbeiten, aber unter Bedingungen die zu meinen Stärken passen…

    HartzIV und Selbstständigkeit: Hier, frag mal meinen Vereinskollegen, der hatte so wie ich es auf FB gelesen habe sehr viel zutun mit der ARGE Berlin….http://marcel-buelles.de/blog/ Jep, Selbständigkeit und aufstockendes Hartz IV ist nicht mehr vorgesehen… Entweder du kannst von deiner Selbständigkeit selbst leben oder du lässt es…


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