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Armenhäuser

16. September 2014 um 17:05 Uhr von Atari-Frosch

Im Juni schrieb ich:

Auf die Lager, in welche die „Überflüssigen“ zusammengetrieben werden, kann man allerdings durchaus warten, sofern die nächsten zwei, drei Bundesregierungen wieder aus asozialen Wirtschaftslobbyisten zusammengesetzt werden.

Nun fängt es an. Noch nicht in Deutschland, und noch nicht in Gesetzesform, aber als Vorschlag eines Abgeordneten – außerhalb des Sommerlochs. Und quasi vor unserer Haustüre, in Österreich:

In einem Artikel in der österreichischen Zeitung Vorarlberger Nachrichten wird über den Vorarlberger Nationalratsabgeordneten Christoph Hagen (Team Stronach) berichtet. Verlinken kann ich den Artikel leider nicht, weil er hinter einer Paywall liegt; mir liegt ein Scan vermutlich der Printausgabe vor, den ich wegen des Urheberrechts besser nicht weiterverbreite (er kursiert allerdings auf diversen sozialen Plattformen). Ich zitiere daher direkt und indirekt relevante Ausschnitte.

Der Herr Hagen hat nämlich ganz konkrete Vorstellungen darüber, was man mit Erwerbslosen so alles anstellen sollte. Bereits in der Überschrift heißt es: „Man muss die Leute so erziehen, dass sie wieder arbeiten gehen“. Dann erzählt er von Lebensmittelgutscheinen, die Eltern bekommen sollen, weil sie ihre Kinder sonst bestimmt nicht versorgen, sondern alles für Alkohol und Zigaretten ausgeben.

Aber der zentrale Punkt seines Vorschlages besteht darin, erwerbslose Menschen in „Armenhäuser“ zu schicken:

[…] „aber es muss nicht jeder einen Luxusstandard haben“, sagt er: „In Armenhäusern wird man versorgt. Die Leute können gemeinnützig arbeiten und Taschengeld verdienen. Es gibt einen Gemeinschaftsraum mit Fernseher sowie Dusche und WC am Gang“, erklärt der Vorarlberger. Ein kleines Einzelzimmer mit Bett sollte Hagen zufolge die Privatsphäre garantieren: „Es muss sich wieder lohnen zu arbeiten. Viele Leute nützen den Staat nur aus. Man muss sie so erziehen, dass sie wieder arbeiten gehen.“

Told you so.

Ich werde jetzt nicht nochmal den ganzen Sermon mit Grund- und Menschenrechten aufdröseln und auch nicht nochmal ausführlich erklären, daß es gar nicht so viele Arbeitsplätze gibt. Auch daß ein nicht so ganz geringer Teil der Erwerbslosen (mit Sicherheit auch in Österreich) gar nicht mehr richtig arbeiten kann, chronisch krank ist oder Kinder oder andere Angehörige versorgen muß. Und ich muß glaube ich auch nicht mehr erklären, daß das Ganze ganz üble braune Hetze ist. Das habe ich in den letzten Jahren, glaube ich, zur Genüge getan.

Stattdessen könnte ich jetzt vermutlich einen Tageszähler laufen lassen, wann der erste deutsche Politiker diese Idee aufgreift und ganz toll findet.

Dann kommt mein nächstes „told you so“.

14 Kommentare zu “Armenhäuser”

  1. Pepe quakte:

    Klar gibt es Arbeitsplätze. Zumindest solche die den Arbeitgeber nix kosten.
    1-Euro-Job? Pah! Das ist sowas von gestern. Warum denn noch was bezahlen

    http://www.jungewelt.de/2014/09-15/012.php

    So traurig dass ich grad den Tränen nah bin.


  2. Atari-Frosch quakte:

    Oh, schön. Die Kostenlos-Arbeiter sollen „lebens­praktische Fertigkeiten im Umgang mit Behörden“ lernen. Also: Auf die Knie fallen, immer Ja und Amen sagen, verloren gegangen wordene Unterlagen auch beim fünften Male noch mit einem freundlichen Lächeln abgeben, alle Beleidigungen dankbar über sich ergehen lassen usw.?

    „Traurig“ ist nicht, was mir dabei einfällt. Das richtige Wort heißt „wütend“.


  3. Hans Bonfigt quakte:

    Du wieder. Was spricht eigentlich gegen ein chices Armenhaus ?

    Leerstehende Kasernen gibt es beispiesweise genug, die kann man ordentlich herrichten mit einer Gemeinschaftsküche und weiteren Sozialräumen. Das muß doch nicht schlecht sein ?

    Die Bewirtschaftung könnten die Bewohner selbst übernehmen und sich z.B. gegenseitig helfen. Du zum Beispiel könntest dort ein WLAN einrichten. Schön fände ich es, wenn man zu einem Drittel Flüchtlinge aufnehmen würde, die dann von den Mitbewohnern dann Sprachunterricht bekommen könnten.

    So kommst Du unter Leute und findest neue Aufgaben.

    Leider ist es so, daß viele „Hartz-Eltern“ die „Stütze“ sowie das Kindergeld für Alkohol und Tabak ‚raushauen und Frau und Kinder dann betteln oder klauen schicken – da habe ich leider zwei Fälle in der eigenen Familie. „Bier ist ein Armeleutegetränk“, höre ich da, man trinkt Asbach-Cola, zahlt „mit seinem Guten Namen“, in dem man in der Stammkneipe eine „Pappe“ läßt und am Monatsersten wird die Kohle vom Amt in die Kneipe getragen.

    Bedarfsgerechte Versorgung von Menschen, die in Not geraten sind, sieht für mich anders aus: Zahlung in „Naturalien“.

    Hattest Du nicht selbst einmal den Wunsch an die Arge herangetragen, eine Haushaltshilfe gestellt zu bekommen ? Da wäre es doch prima, wenn sich eine kleine Solidargemeinschaft die Arbeit teilen würde. Braucht man wirklich mehr als ein schön eingerichtetes Zimmer für seine Privatsphäre ?

    Ich fände das einen Schritt in die richtige Richtung.


  4. Küstennebel quakte:

    Du wieder. Was spricht eigentlich gegen ein chices Armenhaus ?

    Das es nicht funktioniert, Menschenverachtend ist und nicht dem Staat, sondern den privaten Abzockern nutzt.

    Die Bewirtschaftung könnten die Bewohner selbst übernehmen und sich z.B. gegenseitig helfen. Du zum Beispiel könntest dort ein WLAN einrichten. Schön fände ich es, wenn man zu einem Drittel Flüchtlinge aufnehmen würde, die dann von den Mitbewohnern dann Sprachunterricht bekommen könnten.

    Super Vorschlag in der Theorie. Praktisch wäre das natürlich fachlich hochqualifizierte Arbeit. Wenn dann mindestens ein staatliches Anstellungsverhältniss mit branchenüblichen Löhnen rauskommt, kann man das auch den Menschen zumuten.

    Die entlassenen Fachleute werden das zu verhindern wissen.

    Das Flüchtlinge, Asylanten, die nicht mal eine Arbeitserlaubnis haben, Deutsch lernen sollen, ist quatsch. Die sollen möglicherweise wieder gehen? Wieso die Verschleppung der Fälle? Wieso die aggressive Anti-Asylpolitik? Niemand will das die hier bleiben, ausser einiger privatwirtschaftlicher Abzocker, die so noch eine Stufe unter Hartz4 zum Ausbeuten haben.

    Leider ist es so, daß viele “Hartz-Eltern” die “Stütze” sowie das Kindergeld für Alkohol und Tabak ‘raushauen und Frau und Kinder dann betteln oder klauen schicken – da habe ich leider zwei Fälle in der eigenen Familie.

    Na dann kusch dich und zeig sie an. Das ist illegal. Aber das Ihnen Ausbeutung nicht illegal erscheint wundert mich jetzt nicht, aber seien sie sicher: Illegales Verhalten, Leistungserschleichung am untersten Ende in der Gesellschaft ist fast unmöglich. Umgekehrt wird ein SChuh draus: Die Jobcenter, Kommunen und andere Verantwortliche berauben arme Menschen in Deutschland um die knappen Ressourcen, die ihnen der Gesetzgeber und die Rechtsprechung grad so eben zähneknirschend zubilligen.

    Seltsam übrigens das Leute „Ihres Schlages“ mindestens einen Kennen, von den Leuten, die sich durchschmarotzern mit Hartz4 und bescheissen und beklauen und berauben und saufen rauchen, ihre Kinder prügeln, die Frauen mißhandeln und so weiter.

    Ihre Familienverhältnisse scheinen sehr fragwürdig zu sein. Respekt und Solidarität haben Sie ja offensichtlich nicht beigebracht bekommen. Sie können das aber noch lernen, indem Sie Ihren emotionalen Quotienten weiterbilden – Eine Therapie könnte da helfen.

    Bedarfsgerechte Versorgung von Menschen, die in Not geraten sind, sieht für mich anders aus: Zahlung in “Naturalien”.

    Wie lustig. Naturalientausch, Naturalienzahlung *auslach

    Sorry, das ist seit einigen Jahrhunderten unüblich geworden. Rückständischen Menschen scheint das nicht weiter aufgefallen zu sein, ich Empfehle Ihnen http://de.wikipedia.org/wiki/Geld zur anfänglichen Weiterbildung.

    In einer Kapitalisierten und strukturierten Gesellschaft wie der unseren ist Geldleistung = Naturalienleistung.

    Letzen Endes ist in der Wirtschaftslehre die Annahme üblich, das jedes Individuum eine eigene individuelle Bedürfnissstruktur hegt. Insofern sind Naturalien nicht nur unpraktisch und eine Strafe, sondern auch unpassende Lösungen. Was soll der Apfelallergiker mit Äpfeln? Derjenige, der Butter nicht essen möchte oder soll, mit Butter? Umgekehrt was soll jemand mit Margarine, wenn er Butter präferiert und für seine Gesundheit und sein Wohlbefinden braucht?

    Auch hier empfehle Ich Ihnen eine intensive Weiterbildung. Dieser Begriff taugt auch, das Sie sich ein bischen Gedanken machen über ihre eigenen Bedürfnisse und warum es Ihnen so schwer fällt anderen Menschen ihre Bedürfnisse zufrieden stellen zu lassen. Vielleicht ist es für Sie dann ja doch von Wert, von Neid und Mißgunst abzulassen und zu lernen, das Ihnen selbst das nichts bringt und Ihrem eigenen inneren Frieden schadet. Konzentrieren Sie sich doch auf Ihre Bedürfnisse und schauen SIe was Ihnen fehlt, das Sie diese Haltung entwickelt haben? Ich meine das nicht von Oben herab, es würde mich freuen, wenn Sie (oder andere Ihres Schlagen, für die gilt alle dasselbe) aus diesem Beitrag einen persönlichen Nutzen zögen führ ihre ganz persönliche Entwicklung.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Bed%C3%BCrfnis#In_den_Wirtschaftswissenschaften

    Lesen Sie also aufmerksam den gesamten Artikel zu „Bedüfrniss“. Viel Spass und viel Erfolg bei ihrer Weiterbildung.

    Hattest Du nicht selbst einmal den Wunsch an die Arge herangetragen, eine Haushaltshilfe gestellt zu bekommen ? Da wäre es doch prima, wenn sich eine kleine Solidargemeinschaft die Arbeit teilen würde. Braucht man wirklich mehr als ein schön eingerichtetes Zimmer für seine Privatsphäre ?

    Ja. Asperger brauchen mehr Raum für sich, für ihre Einzelheit. Darüber schreibe ich, weil Frau Frosch offen über diesen Aspekt ihrer Persönlichkeit bzw. Charakters spricht.
    Nichts desto trotz brauchen Asperger auch Hilfen, das ist nicht neu, lange bekannt. Könnte Frau Frosch wie sie wollte hätte sie sicher was besseres zu tun als sich Monatelang um die paar Kröten mit dem Amt zu streiten ohne zu wissen, was morgen auf dem Tisch steht.

    Auch hier: Bilden Sie sich weiter!

    http://de.wikipedia.org/wiki/Autismus

    Mit ein wenig Bildung kommt vielleicht Verständniss für Andere und am Ende finden Sie auch Verständniss für sich selbst. Das ist immer ein Gewinn. Viel Erfolg!

    Küstennebel


  5. Küstennebel quakte:

    Das Flüchtlinge, Asylanten, die nicht mal eine Arbeitserlaubnis haben, Deutsch lernen sollen, ist quatsch. Die sollen möglicherweise wieder gehen? Wieso die Verschleppung der Fälle? Wieso die aggressive Anti-Asylpolitik? Niemand will das die hier bleiben, ausser einiger privatwirtschaftlicher Abzocker, die so noch eine Stufe unter Hartz4 zum Ausbeuten haben.

    Huch, das klingt als wäre ich gegen das Asylrecht! Ganz im Gegenteil, ich beschrieb nur das, was meines erachtens den Umgang mit Asylrecht die letzten zwei Jahrzehnte prägte, nicht meine Auffassung!

    Nur damit hier kein Mißverständniss entsteht 😀


  6. JoachimA quakte:

    Ach ja, die alte Leier..

    Arbeitslose kasernieren, morgens Schippe oder Besen in die Hand und Hausmeister Paschulke hat die Aufsicht, damit sie ja nicht rumstehen und rauchen. Dafür gibt es Taschengeld, Kantinenfraß und Gemeinschaftsduschen.

    Hatten wir schon, nannte sich Reichsarbeitsdienst und galt noch lange nach dem Untergang des 1000 jährigen Reiches vielen als Beweis dafür, dass beim GröFaZ eben nicht alles schlecht war: Die Arbeitslosen waren von der Straße und bauten dafür neue, die Autobahn. Und sogar Urlaubsreisen und Kreuzfahrten gab es bei „Kraft durch Freude“ und der Käfer ist nix anderes als ein KDF-Wagen. Nur das mit den Juden war nicht halt so schön, aber sonst… Kollateralschäden sind nun mal unvermeidbar. Man kriegt das Kotzen wenn man es zu Ende denkt.

    Die neuere Version hört man gelegentlich zwischen Erfurt und Gera: Die Miete war beim Erich 19 Mark Ost, die Straßenbahn kostete 20 Pfennig, alle hatten Arbeit und die FDJ konnte genauso gut marschieren wie eine Generation zuvor die HJ, Urlaub gab es quasi für lau im FDGB Ferienheim und niemand hatte die Absicht, eine Mauer zu bauen. Das Einsperren und bespitzeln von zuletzt 17 Millionen Menschen war eben auch ein Kollateralschaden – so what.

    Insofern tickt Herr Hagen nicht so viel anderes als sein Landsmann, der vor 81 Jahren anfing jene autoritäre Denke – egal ob faschistisch oder realsozialistisch oder einfach nur dumm – in Politik umzusetzen.

    Und diese Denke ist – fürchte ich – populärer als wir uns wünschen. Und wahrscheinlich unausrottbar.

    JO

    P.S. Wer wissen will wohin die Reise in Deutschland ganz konkret hingeht beschäftige sich mal mit dem SGB2 in Hinblick darauf, was unter 25 jährigen an Rechten genommen wird und wie schön verklausuliert und scheinheilig die Begründungen für amtlich verordnete Obdachlosigkeit, Freiheitsberaubung und Entmündigung bis zur Prozessunfähigkeit per Gesetz sind.


  7. Hans Bonfigt quakte:

    | Nur das mit den Juden war nicht halt so schön, aber sonst…
    | Kollateralschäden sind nun mal unvermeidbar.
    | Man kriegt das Kotzen wenn man es zu Ende denkt.

    Du denkst das zuende, was Du dir ausgemalt hast. Ich habe kein Arbeitslager schönreden wollen, sondern ein Armenhaus befürwortet. Als Angebot, das man nutzen kann. Zum Beispiel, wenn es jemandem schwerfällt, das zu tun, was man eigentlich tun will, vulgo: den Arsch hochzukriegen. Das schafft man in einer „WG“ besser.

    Der faschistische Ansatz, leider stark verbreitet und in der Tat unausrottbar, ist aus dem Neid heraus geboren: „Ich muß malochen, und der Hartzer macht sich einen feinen Lenz“.
    Ich finde, unsere Gesellschaft kann es sich durchaus leisten, Menschen zu unterstützen, die aus dem Konsens „Arbeit gegen Geld“ ausgestiegen sind. Aber hast Du schonmal einen zufriedenen Hartzer gesehen?
    Wäre ich „Betreuter“ des „Jobcenters“, klar würden mir vor allem Urlaube und Gadgets fehlen. Gerade auf heise.de gesehen, daß es jetzt eine Sucherkamera gibt, welche richtige Objektive aufnimmt, keine Rallyestreifen hat und nicht so aussieht, als wäre es bizarres Spielzeug aus dem Sexshop. Also, die gönne ich mir jetzt ‚mal.
    Aber wirkliche Freude, und das ist bestimmt nicht nur bei mir so, stellt sich ein, wenn man Erfolg hat. Es ist etwas Wunderschönes, wenn man gebraucht wird. Und wenn etwas funktioniert.

    Wenn Menschen in einer Sozialgemeinschaft leben, dann kristallisieren sich individuelle Stärken heraus, also, ich zum Beispiel kann Elektrogeräte bauen und reparieren, ganz gut schlossern und könnte auch Leuten, die Spaß daran haben, auch ein bißchen Deutsch und Mathe beibringen. Bestimmt finden sich auch Mitbewohner, die Musik machen können. Leute, die Spaß am Kochen haben. Es muß doch kein „Kantinenfraß“ sein.

    Man kann auch eine ganze Menge bei anderen lernen. Jetzt ohne Scheiß: Handarbeiten würden mich schon interessieren, vielleicht einmal wieder ein bißchen Schach oder Billard spielen.

    Solidarität erfahren.

    Anarchie ist machbar, Herr Nachbar.


  8. Hans Bonfigt quakte:

    Richtung „Küstennebel“:
    Wenn ich meine eigene Verwandtschaft nicht denunziere, dann heißt das nicht, daß ich Ausbeutung für legitim halte, da geht doch einiges durcheinander.
    Was das Betrügen betrifft: Das klappt „ganz unten“ ebenso wie „ganz oben“, man muß sich nur ein wenig anstrengen. Leute „meines Schlages“ kennen nicht einen, sondern dutzende Beispiele. Fängt doch morgens schon an, wenn man in den Spiegel guckt. Also zum Beispiel ein Kumpel, der seine Stütze mit Zigaretten-Direktimport aus Polen „aufstockte“, tat sich mit ein paar Kollegen zusammen, sie kauften eine komplette Zigraettenmaschine und machten ihre Zigaretten fortan selbst. Geniale Logistik, und vielleicht habe ich sogar bei der Inbetriebnahme geholfen. Was mir aber stinkt, ist der, der tagtäglich Autos repariert oder Malerarbeiten durchführt, und dem kleinen Krauter, der von Berufsgenossenschaften, Autoherstellern und Finanzamt gleichermaßen ausgeblutet wird und mit Ach und Krach seine Leute bezahlen kann, die Butter vom Brot nimmt.
    Alle Welt regt sich über den ganz und gar nicht unsympathischen Herrn Hoeneß auf, der ziemlich übel gezockt und unterm Strich innerhalb von drei Jahren zwei Millionen verloren hat: Der darf jetzt sechzig Millionen zahlen und bekommt das mit zwei Jahren Knast versüßt.
    Da finde ich das Tun des Leistungserschleichers als verwerflicher. Insbesondere deshalb, weil dadurch die Gesamtheit der Unterstützten in Mißkredit gerät.

    Was jetzt nun „Geld“ betrifft:
    (Betriebs-)wirtschaftslehre, ob Kondratjew, Sarrazin oder was auch immer mir da untergekommen ist — Geld wird überbewertet. Die wichtigste „Gegenleistung“, die ich bekomme, ist Vertrauen.

    Den Tip, mich „weiterzubilden“, verfolge ich nicht weiter. Erstens bin ich einigermaßen zufrieden, zweitens hab ich bloß Lokführer gelernt und drittens schrecken mich Deine unsauberen Schlüsse ab – auch Dein Youtube-Video war um keinen Deut besser.


  9. Küstennebel quakte:

    Alle Welt regt sich über den ganz und gar nicht unsympathischen Herrn Hoeneß auf, der ziemlich übel gezockt und unterm Strich innerhalb von drei Jahren zwei Millionen verloren hat: Der darf jetzt sechzig Millionen zahlen und bekommt das mit zwei Jahren Knast versüßt.
    Da finde ich das Tun des Leistungserschleichers als verwerflicher. Insbesondere deshalb, weil dadurch die Gesamtheit der Unterstützten in Mißkredit gerät.

    Wenn „DU“ kein Troll bist Junge, dann hab ich noch nie einen gesehen.

    So grenzdebil kann kein Mensch sein, das er meint das jahrelange Steuerhinterziehung eines Multimillionärs straffrei gehört und diese Staatsschädigende „MADE“ zu Unterstützern eines Staates zählt. Das ist jemand der den Gewinn will, aber keinen Beitrag leisten! Bzw. seinen Beitrag verkürzen will.

    Mit der Entscheidung für Weiterbildung wäre das nicht passiert! Bildung Statt Enthirnung“

    Menschen, die keine soziale Ader haben sondern aus ihren eigenen Habgierigen Gründen handeln, machen hier die Moralapostel! Ich lach mich scheckig 😀


  10. JoachimA quakte:

    @Hans Bonfigt

    Unrecht hast Du nicht, aber was Du entwirfst ist leider eine Traumwelt, die so nicht funktioniert – von ein paar Ausnahmen und freiwilligen!!! Gemeinschaften die sich zusammen tun mal abgesehen. Z.B. in einigen der Bauwagensiedlungen oder zumindest oberflächlich (früher?) in der „Freistadt Christiania“ in Kopenhagen, wobei ich besonders bei letzterer aus eigenem Erleben weiß, dass da auch nicht alles Gold ist was glänzt. Leistungs- und Anpassungsdruck unter den sog. „Alternativen“ meist größer ist als in der Gesamtgesellschaft. Solidarität und Toleranz funktionieren gut wenn es nicht nervt und nichts kostet – hier wie da.

    Was ich zu Ende gedacht habe habe ich mir nicht ausgemalt, es ist das, was dabei raus kommt, wenn man die Leute in welcher Form auch immer „zwangsbeglücken“ will. Wenn die Gesellschaft als ganzen funktionieren soll müssen alle mitmachen. Und da sind „Armenhäuser“ genau der verkehrte Ansatz. Ghettos, Problemstadtteile und sog. soziale Brennpunkte haben wir ja schon.

    JO


  11. Hans Bonfigt quakte:

    Wo steht, daß ich befürwortete, daß Steuerhinterziehung straffrei sein sollte?
    Im übrigen hat die Steuerfahndung vor Gericht ausdrücklich und ungefragt dargelegt, daß von dem behaupteten „Gewinn“ nichts übriggeblieben ist. Von horizontalem und vertikalen Verlustausgleich und solchen Dingen fange ich gar nicht erst an.
    Im übrigen hat augerechet der Vorsitzende Richter des Bundesfinanzhofs (!) in einem bemerkenswerten Kommentar darauf hingewiesen, „daß das Steuergeheimnis die Voraussetzung dafür sei, daß die Finanzämter überhaupt in die Unterlagen der Steuerpflichtigen schauen dürfen“. Wie nun zweifelsfrei herausgekommen ist, wurden die Rechte von Hoeneß massiv und fahrlässig verletzt. Hat dieser Mann noch einen rechtsstaatlichen Prozeß bekommen ?

    Kommt hinzu: Anstatt so eine weinerliche Figur abzugeben wie Werner Niefer („Ich wußte ja nicht, daß man in Italien anhalten muß, wenn man mit dem Bus eine Fahrradfahrerin umgemangelt hat“) oder Herr Ackermann, der leider eventuell eine Falschaussage leisten mußte, weil er Teile dieser Aussage aus Zeitgründen von seiner Rechtsabteilung hat vorbereiten lassen, steht Hoeneß zu seinen Fehlern und tritt die Strafe an.

    Gestatte, daß mir solche „Maden“ tausendmal lieber sind als manche Hartz IV – „Helden“.

    Ich weiß nicht, ob ich aus „habgierigen Gründen“ handele. Das tut auch gar nichts zur Sache. Mir ging es nicht um eine quantitative, sondern ene qualitative Betrachtung und da finde ich die Handlungen des vielgeschmähten Hoeneß weit weniger verwerflich und obendrein auch menschlich verständlicher als den fortgesetzten Sozialbetrug durch unehrliche „Leistungsbezieher“. Das ist doch nun wirklich so, als würde man den Klingelbeutel in der Kirche plündern. Dabei ist der Vermögensschaden nicht einmal das schlimmste – weitaus schwerwiegender ist der Vertrauensverlust. Aufgepeitscht durch die Zeitung des Deutschen schlechthin, ich erinnere da an „Florida-Rolf“ und „Arno Dübel“, gehen zwei Drittel der Bevölkerung davon aus, daß alle Hartzer bescheißen und schmarotzen.
    Und so passiert es, daß viele Bedürftige gar nicht erst zum Amt gehen, weil sie sich schämen. So geht es dank Hartz IV den Bedürftigen schlechter und den Betrügern besser.

    Um da jetzt wieder zum „Armenhaus“ zurückzukommen: Sachleistungen statt Geld verhindern Betrug. Um bei Deinem Beispiel zu bleiben: Mag sein, daß für einen Allergiker ein Apfel ungeeignet ist, aber er kann damit seine Kinder ernähren, jedoch keinen Flachmann kaufen.
    Gut, man könnte damit einen Fifi ansetzen …

    Wie immer gilt: „Es gibt nichts Böses, außer man tut es“ … Oder wie war das nochmal ?
    Will sagen: Ich fände es gut, wenn man einmal ein Forschungsprojekt „Armenhaus“ auflegen würde.


  12. Hans Bonfigt quakte:

    –> Joachim:
    In Bezug auf „Zwangsbeglückung“: Gut, daß Du das nochmal erwähnst: Ist natürlich absolut unmöglich in einer Demokratie und führt IMMER genau dahin, wohin Du gedacht hast. Deswegen sage ich ja immer, „Es ist schon schlimm, unter der Diktatur der Unanständigen zu leben. Aber Gott schütze uns vor der Diktatur der Anständigen!“ (Ist natürlich geklaut).

    Ja und ja, ich kann mir schon vorstellen, daß es da RIESIGE Probleme gibt, wenn man so ein Projekt startet. Aber wenn Du dir zum Beispiel einmal
    http://manomama.de
    anguckst: Da kann ich nur den Hut ziehen. Da sind Projekte, dafür spendet man nicht, dafür opfert man. Das macht auch wieder Hoffnung. Dabei ist m.E. der springende Punkt, den die junge Frau postuliert, ziemlich wörtlich der: „Teilhabe am gesellschaftlichen Leben funktioniert bei uns nur über Arbeit“. Dadurch, daß sie es geschafft hat, zusammen mit ihren Mitarbeitern einen profitablen Laden aufzubauen, der sich nebenher auch noch sehr angenehm gegen „KiK“ und Co. absetzt, hat sie Ihren Mitarbeitern geholfen, Würde und Anerkennung wiederzuerlangen.

    Von dieser Sorte brauchen wir mehr !

    Nebenher, Richtung Sabine: Wäre das nicht etwas für Dich ? Die brauchen da doch auch Telephonie, Rechner, ggfs. Machinensteuerungen (letzteres ist bei Textilmaschinen hochgradig interessant). Du bewirbst Dich da als IT-Betreuerin und ich stifte die Hardware. Nur ‚mal so als Schnapsidee.


  13. JoachimA quakte:

    Ist Dein verlinktes Beispiel das, was sie mal auf RTL verwurstet haben? Da sag ich nichts zu, drei Minuten davon auf youtube gesehen, die Augen aufmachen und genau hinhören…

    Apple macht in Design, BMW in fortschrittlich, Frosch (der Putzmittelhersteller) in grün, Aldi in billig, Nike in hipp und sportlich und die eben in sozial. Jeder baut sich ein Image auf.

    Hier gibt es ein mittlerweile riesiges Projekt mit Gartenplege, Gebrauchtwarenhandel, Wohnungsentrümpelungen, Hausmeisterdienste etc. Alles unter dem Motte Integration, Arbeit schaffen, Chancen für alle usw. Klar können die billig: Das Personal zahlt das Arbeitsamt, die Bürgerarbeiter und 1Euro Jobber bringen richtig Kohle und das „Sozialkaufhaus“ ist Alibi wegen der Fördermittel.

    Einen Schrank unter 150 Euro gibt es nicht, alles was weniger Wert wäre wird entsorgt weil der hin und her Transport nicht lohnt. Röhrenfernseher und Computer werden eh sofort auf den Container geschmissen. Küchen bauen sie nicht mehr ab sondern zertrümmern sie. Nur Elektrogeräte wie Kühlschränke und Waschmaschinen nehmen sie gerne, die kann man dann weitergeben und über das Sozialamt abrechnen.

    Es geht um das abgreifen öffentlicher Mittel, um nicht mehr und nicht weniger. Da sie so 150 bis 200 Leute aus der Arbeitslosenstatistik fallen können sie machen was sie wollen, man kommt kaum dagegen an.

    JO

    Ach ja zu Armenhäuser und Fresspaketen:

    Es ist einer der wesentlichen Fortschritte in der Wohlfahrtpflege, dass man von Naturalien auf Geldleistungen umgestiegen ist. Dass es Leute gibt, die ihr Kindergeld versaufen, ja klar gibt es das. Aber sollen deshalb ALLE bestraft werden. Übrigens auch in der Mittelschicht…

    Klar kann man in Kasernen Wohnraum schaffen. Aber bitte Apartments und Wohnungen, aber keine Heime.

    Geldleistungen statt Almosen wie im Mittelalter war eine der Forderungen der katholischen Soziallehre im 19. Jahrhundert und in den Bismarck’schen Sozialreformen. In die Zeit davor wollen wir doch hoffentlich nicht wieder zurück.


  14. Küstennebel quakte:

    Um da jetzt wieder zum “Armenhaus” zurückzukommen: Sachleistungen statt Geld verhindern Betrug. Um bei Deinem Beispiel zu bleiben: Mag sein, daß für einen Allergiker ein Apfel ungeeignet ist, aber er kann damit seine Kinder ernähren, jedoch keinen Flachmann kaufen.

    Sie sind und bleibne mißgünstig, vom Neid zerfressen oder schlicht grenzdebiler Kandidat.

    Bevormundung, Blockwartmentalität und die Unterstellung das die ARMEN die raffgierigen Arschlöcher wären und vergessen dabei in den Spiegel zu glotzen.

    Wer erlaubt deinesgleichen Unmenschen und Wichtigtuern eigentlich anderen Menschen Vorschriften zu machen?

    Lass es sein, kümmer dich um deine eigene asoziale Familie. Da hättest du selbst genug zu tun, aber da haste keine Chance und keinen Schneid, keine Eier inner Hose. Lieber an anderen deine eigenen Probleme abarbeiten.

    Meine Güte! Machen Se ne Familien-Therapie aber Verschonen Sie die Gesellschaft mit ihrem Unsinn ihre negativen Schemata an unschuldigen Menschen abzuarbeiten.


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