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REWE: Preiserhöhung x 3

22. Juni 2015 um 16:56 Uhr von Atari-Frosch

REWE – jeden Tag ein bißchen besser? Eher regelmäßig ein bißchen teurer. Manchmal sogar ein bißchen viel teurer. Hier habe ich ein schönes Beispiel für eine Preiserhöhung bei einem Produkt, die gleich auf drei Ebenen stattfand.

Das Produkt: REWE Beste Wahl Penne Spinat Gorgonzola (Tiefkühlware). Noch vor etwa vier Wochen kostete die Packung 1,45 €, nun auf einmal wird sie für 1,89 € angeboten. Der erste erkennbare Unterschied: Eine dünne Plastikfolie, die das Erhitzen im Mikrowellenherd erleichtern soll – vorher stand in der Beschreibung, daß man den Pappdeckel abziehen und dann wieder lose drauflegen sollte. Bei der neuen Verpackung steckt die eigentliche Schale (immer noch aus überzogener Pappe) in einer Pappverpackung und hat dann eben diese dünne Folie mit drauf. Aber die Verpackung ist nur eine der Änderungen.

Schaut man nämlich genauer hin, dann stellt man schnell fest: Das Produkt wurde nicht nur einfach teurer. Irgendwie hatte ich auch direkt den Eindruck, daß weniger drin ist. Und tatsächlich: In der neueren Packung sind nur noch 350 g Nudeln mit Käse, während ich auf der alten Packung die Mengenangabe 400 g finde. Somit ist es bereits an zwei Stellen teurer geworden.

Die Preisdifferenz beträgt bereits an dieser Stelle fast 49 %! Denn wenn nur das Gewicht reduziert worden wäre, läge der neue Preis bei 1,27 €. Da der neue Preis nun aber 1,89 € beträgt, kauft man jetzt weniger Produkt für einen höheren Preis, es liegt also bereits eine doppelte Preiserhöhung vor. Die geänderte Verpackung und das bißchen Folie können eine solche Preissteigerung nicht erklären.

Nun könnte man meinen, es seien vielleicht jetzt bessere Zutaten verwendet worden. Schauen wir mal:

Alt (400 g, 1,45 €):

Wasser, Hartweizengrieß, Vollmilch, Spinat 12,5 %, Rapsöl, Gorgonzola 3,4 %, Sahne, Weizenmehl, Edelpilzkäse (Blauschimmelkäse) 2,0 %, Kräuter, Speisesalz, Stärke, Gewürze.

Neu (350 g, 1,89 €):

Wasser, Hartweizengrieß, Vollmilch, Gorgonzola 12 %, Spinat 11,4 %, Rapsöl, Sahne, Emmentaler, Stärke, Speisesalz, Weizenmehl, Weizenstärke, Dextrose, Gewürze, Pastinaken.

Daß die Anteile nicht in Gewicht, sondern in Prozent angegeben werden, macht's einfach: Es ist jetzt weniger Spinat drin, und statt des teuren Edelpilzkäses wurde der Anteil am Gorgozola deutlich erhöht und ein bißchen Emmentaler dazugegeben. Außerdem kommen noch Dextrose (also Traubenzucker) und Weizenstärke sowie eine nicht spürbare Menge an Pastinaken dazu. Hier ist also der dritte Teil der Preiserhöhung versteckt, der sich allerdings natürlich nicht berechnen läßt.

Die alte Portion hat laut Packungsaufschrift 2.845 kJ, die neue 2.687 kJ. Würde sich die Kalorienzahl entsprechend des Gewichts reduzieren, dürfte die 350-g-Packung aber nur 2.489 kJ haben.

Also, nochmal zusammengefaßt: Das Gewicht wurde reduziert, der Preis erhöht und die Zutaten verbilligt, so daß sich eine Preiserhöhung von mindestens 50 % ergibt. Und schließlich hat das ganze auch noch mehr Kalorien als vorher.

REWE – jeden Tag ein bißchen besser? Ähm, nein, jedenfalls so nicht.

[Update 2015-06-26 16:30] REWE reagierte heute auf diesen Artikel. Leider verbieten sie die Veröffentlichung der E-Mail – ist sie ihnen etwa peinlich? Denn sie gehen nicht darauf ein, warum das Produkt jetzt mindestens 50 % teurer ist und dafür weniger Inhalt hat. Stattdessen erklären sie, was ich schon weiß: Daß jetzt mehr Gorgonzola drin ist, weil das ja ein „wertgebender Bestandteil“ sei. Danke auch. Ich würde gern lieber weiterhin davon satt werden können.

Außer auf die Preiserhöhung wird auch nicht darauf eingegangen, warum der ebenfalls „wertgebende Bestandteil“ Spinat reduziert wurde, oder warum da jetzt unbedingt Traubenzucker mit drin sein muß. Zufrieden bin ich mit der Antwort nicht.

Und warum man es in der Abteilung Qualitätssicherung nicht schafft, direkt öffentlich auf einen Blogartikel zu antworten, muß ich bestimmt auch nicht verstehen. [/Update]

7 Kommentare zu “REWE: Preiserhöhung x 3”

  1. Gerechtigkeit für alle quakte:

    Tja, die müssen nun den Mindestlohn zahlen.
    REWE und auch die Zulieferer usw.


  2. Atari-Frosch quakte:

    Da könnte ich verstehen, wenn alle Produkte ein wenig teurer würden. Als Begründung dafür, warum ein einzelnes Produkt deutlich teurer wird, kann das eher nicht herhalten.


  3. Feenminze quakte:

    Hallo Froschel,

    REWE ist bei einigen Produkten sauteuer.. teilweise ohne Unterschiede zu den gleichen Produkten bei einem Discounter.
    Ich mache es einfach so, dass ich in nur mehr als einen Supermarkt gehe und die Preise vergleiche.. so komme ich noch günstig über die Runden. REWE hat bei uns übrigens auch Milchprodukte regelmäsig im Angebot, also runtergesetzt.. teilweise erheblich. Solche Gelegenheiten nutze ich und hol dann auch mal auf Vorrat ein.
    Und letztendlich kannst Du auch bei einem Discounter völlig überteuert einkaufen.. ich kenne Beispiele, wo es im Discounter teurer war als im Supermarkt (REWE, EDEKA oder KAISERS). Ich finde es mittlerweile nicht mehr nervend, in 4 verschiedene (manchmal auch mehr) Kaufhallen zu gehen. Allerdings kann ich Dich wiederum gut verstehen.. für Dich ist es nicht so leicht, einfach mal den Einkauf zu splitten. Eine Lösung für Dich hab ich leider nicht zur Verfügung.. da bräuchtest Du wahrscheinlich Helfer, die Dir den Einkauf in verschiedenen Läden abnehmen.. aber da hätte selbst ich nicht genügend Vertrauen und koennte das auch nur in Ausnahmefällen bei einzelnen Dingen, die vllt mal im Angebot sind.

    Gruß
    Feenminze


  4. Küstennebel quakte:

    Naja, der Gorgonzolaanteil hat sich immerhin verdoppelt, wenn nicht verdreifacht (grad zu faul zu rechnen).

    Das stimmt schon, der kostet pro 100gr. zwischen 1,50 – 2,50 Euro pro 100g für Endkunden und ist ein norditalienischer Markenkäse https://de.wikipedia.org/wiki/Gorgonzola_%28K%C3%A4se%29

    Nun ja, aber im Grunde Ihrer Kritik stimme ich zu: So oder so ist es ein Täuschungsmanöver gegenüber dem Kunden.

    Aber Sie hätten ein solides ehrliches Produkt auch selbst in der Hand. Nudeln kosten 250gr. ca. 30 Cents, Gorgonzola 75gr. ~1,25 Euro, 100ml Sahne ~25 Cent, TK Spinat 100g 10 Cents. Natürlich müsste man auf die Bequemlichkeit des Fertigprodukts verzichten, es wird nicht wirklich billiger, man hätte noch etwas Arbeit damit, bekäme dafür ein etwas ehrlicheres Produkt und mehr davon warscheinlich, weil in den 350 gramm, wie ich das sehe erhebliche Mengen Wasser enthalten sind, da die Nudeln bereits vorgekocht sein müssen um in die Mikro zu können…

    Mit dem selbst gemachten Produkt zahlt man so warscheinlich weniger und braucht nicht mal 250gr sondern eher 125gr. Trockennudeln. 15-20 Min Nudeln kochen, 5-15 Min Soße zu Bereitung, 4 Min Geschirr waschen mal aussen vorgelassen.

    Ich habe schon lange entschieden, das ich „Mogelprodukte“ nicht mehr kaufe. Seitdem streiche ich alles, das unehrliche Etiketten bekommen hat, weniger Inhalt bei höherem Preis etc. Am Ende landet man bei sehr einfachen Gerichten, aber es spart eine Menge Geld insgesamt 😀

    Also nur damit klar ist, das ich hier nicht Rewe und die Praktik verteidige, solche Schritte zu tun. Andererseits wurde ja auch alles sorgfältig deklariert. Wirklich hinterlistig ist das eigentlich nicht, aber sicher enttäuschend für Stammkunden, Neukunden des Produkts sehen da sicher weniger Probleme.

    Endlose Preisstabilität kann man halt bei keinem Produkt erwarten und das Zusammensetzungen sind ändern, Rezepte den Marktbedingungen angepasst werden halte ich für die natürlichste Sache der Welt. Wenn ich einkaufen gehe, sehe das mein Wunschrezept gerade teuer ist, ändere ich meinen Rezeptwunsch auch ab. Dann bleiben die Kräuter weg, oder der Braten wird statt aus teurem Rind eben doch aus Schwein zubereitet.

    Man kann jetzt der Industrie finde ich hier nicht vorhalten, das das dort auch passiert. Nur an der Informationspolitik könnte man einfach etwas ändern. Man muss nicht immer jeden realistischen oder notwendigen Schritt der Produktgestaltung und Anpassung als einen Vorteil für den Kunden deklarieren. Wenn man die Kunden halt veräppelt muss man sich nicht wundern wenn diese sich veräppelt vorkommen.

    Ansonsten ist Rewe als Supermarkt immer noch ein Licht am Markt, meiner Auffassung nach. Die Regionalproduktserie, das Supermarktsortiment, die dadurch höhere Kostenstruktur etc. Die Diskount-Konkurrenz macht es sich sicher in vielen Teilen einfacher.

    Der Vorteil ist halt das man alle Preisklassen bei einem Rewe hat, alle Wunsch-Produkte findet oder zumindest Substitute angeboten werden.

    Beste Grüße


  5. Atari-Frosch quakte:

    @Feenminze: Ein Laden ist für mich schon schlimm genug. Mehrere abzuklappern, ginge definitiv über meine Kapazitäten. Deshalb lasse ich überwiegend liefern und gehe nur noch in den Laden, wenn es gar nicht mehr anders geht, wenn ich was vergessen habe oder wenn die Lieferung mal wieder unvollständig war.

    Dabei komme ich mit REWE tatsächlich nach meinem derzeitigen Stand noch am günstigsten weg (allerdings: Mindestbestellwert 40,00 €). Edeka liefert auch, ist dabei aber wesentlich teurer. Andere Lieferanten sind oft auf Bioware oder bestimmte Spezialitäten beschränkt und auch generell teurer, dazu kommen längere Lieferzeiten, weil sie Paketdienste in Anspruch nehmen – was wiederum heißt, daß Tiefkühlware nicht dabei sein kann.

    Günstig sagte ich, nunja, eigentlich am billigsten. Denn der Lieferservice hat es seit Dezember letzten Jahres nicht geschafft, auch nur ein einziges mal korrekt und vollständig zu liefern. Wie das bei den anderen aussieht, kann ich natürlich nicht einschätzen.


  6. Atari-Frosch quakte:

    @Küstennebel:

    Natürlich müsste man auf die Bequemlichkeit des Fertigprodukts verzichten,

    Nein, es geht nicht um „Bequemlichkeit“. Ich muß, wie eben schon zu Feenminze erwähnt, meine Kapazitäten einteilen. Kochen gehört dabei nicht immer zu den Tätigkeiten, die noch drin sind.

    Endlose Preisstabilität kann man halt bei keinem Produkt erwarten

    Natürlich nicht (obwohl es tatsächlich Produkte gibt, welche die Inflation nicht mitzumachen scheinen). Aber ~50 % auf einen Schlag? Da müßte man sich vorher ja massiv verkalkuliert haben. Deshalb fiel mir das – abgesehen von der gleichzeitigen Mengenreduzierung – ja auch so stark auf. Andere Artikel werden auch teurer, natürlich, aber nicht gleich um die Hälfte.

    Nur an der Informationspolitik könnte man einfach etwas ändern.

    Allerdings! Ich wäre sehr dafür, wenn in den Läden nicht nur Vergünstigungen, sondern auch Verteuerungen angegeben werden müßten. Sowas vermisse ich generell schon länger.


  7. Küstennebel quakte:

    Aber ~50 % auf einen Schlag?

    Wie gesagt, das sehe ich nicht so, ich sehe eine geringere Preiserhöhung und die Veränderung der Gewichtsanteile der teuersten Zutat. Man darf nicht ignorieren, das das gesamte Rezept sich verändert hat und die teuerste Zutat jetzt einen stattlichen Anteil hat von 12,5 %. Das sind gut 44 Gramm im Gegensatz des vorigen Rezepts 13,4 Gramm.
    Das muss man einfach sehen, das das die teuerste Zutat im Rezept ist. Ich sehe wie ich ausführlich beschrieb eine komplexe Rezeptveränderung hin zu einem ehrlicheren Produkt. Es steht ja Spinat-Gorgonzola drauf. Das Vorgängerprodukt erscheint mir etwas heuchlerisch … 13,4 Gramm ? Dann aufgeblasen mit billigerem Blauschimmelkäse? Naa…
    Jetzt ist es solider und der Preisunterschied wird natürlich auch an den Kunden weitergereicht.
    Trotz der Gewichtsreduktion ist warscheinlich der Nährwert annähernd gleich geblieben? Mit dem angstiegenen Anteil von Käse steigt auch der Fettgehalt. So macht man jedenfalls leckeres Essen 😀

    Es ist wirklich wie Udo Pollmer öfters betont hat: Die Kunden wollen verarscht werden und Ihre Empörung stellt in den Raum, das Ihnen der Preis wichtiger zu sein scheint, als der Inhalt.

    Interessant ist auch dieser Preis- und Produktevergleich (Vielleicht finden Sie darunter eine Alternative, die Ihren Preisvorstellungen entgegen kommt:

    http://www.supermarktcheck.de/lebensmittel/index/cat_id:2138/q:Penne+Gorgonzola+Tiefk%C3%BChl/

    Ursprünglich war das Produkt also 30 Prozent unter dem üblichen Markt-Preis für vergleichbare Produkte. Dieser Preisvorteil wurde wohl auch durch den geringen Gewichtsanteils des teuren Gorgonzola erkauft.
    __

    Das Sie nicht den Antrieb finden zu kochen, ist schade, verstehe ich aber. Kenne das auch. Antriebsmangel/Motivationsstörungen und oder Depressionen sind wirklich ätzend und irgendwann reicht nicht mal mehr der Drang nach gutem Essen und Kochvergnügen um einen in Bewegung zu versetzen.

    Ich wünsche Ihnen alles Gute!


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