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Eine Jahrhundert-Mondfinsternis

30. September 2015 um 0:01 Uhr von Atari-Frosch

… und was man dabei als Fotograf so alles falsch machen kann. Und ja, ich hab wohl gut reingelangt in die Fettnäpfe. Dabei ist es äußerst unwahrscheinlich, daß ich noch einmal eine Mondfinsternis zu sehen bekomme, bei der der Abstand zwischen Mond und Erde so gering ist und der Mond auch noch als Vollmond erscheint.

Zunächst mal: Die Fotos liegen hier bei Picasa: Mondfinsternis / „Blutmond“ 2015

Was geschah und was ich falsch gemacht bzw. gelernt habe:

Ich blieb am Sonntag Abend direkt auf und hatte zuerst sogar überlegt, die 2 km an den Rhein zu laufen, zum Beispiel auf die Rheinkniebrücke. Aber das war mir dann doch zu viel. Zudem hatte ich gesehen, daß der Vollmond ziemlich hoch stand, also hoffte ich darauf, daß er das später auch noch tun und es dann genügen würde, auf den Fürstenplatz raus zu gehen.

Denn zur Zeit der Mondfinsternis stand der Mond im Südwesten und war somit weder von meinen Fenstern zum Hinterhof noch von dem nach vorne zur Straße raus zu sehen; er stand nämlich quasi zur Längswand des Hauses. Und da ich nicht durch Häuser durchgucken kann, mußte ich halt dann doch raus.

Zum ersten Mal ging ich etwa um 2:10 Uhr runter, damit war ich aber eindeutig zu früh dran. Immerhin hatte ich einen erstklassigen Blick auf den sehr hellen Vollmond. Kurz nach 3:00 Uhr ging ich dann nochmal rauf, um mich aufzuwärmen, nur um zu erfahren, daß das Spektakel – der Eintritt in den Kernschatten der Erde – genau um 3:07 Uhr beginnen sollte.

Also ging ich nach kurzer Pause wieder runter, um den Mond bereits „angefressen“ vorzufinden. Dort unten blieb ich dann bis um 4:15 Uhr; die Totale hatte wie vorhergesagt um 4:11 Uhr begonnen. Dabei hatte ich allerdings vergessen, die Lesebrille, die ich auch am PC trage, wieder gegen die Fernsicht-Brille zu tauschen; so konnte ich den roten Mond nämlich nicht wirklich scharf sehen, und noch ein drittes Mal die Treppen rauf und wieder runter wollte ich auch nicht.

Wieder oben in der Wohnung stellte ich um etwa 5:00 Uhr fest, daß der Mond so weit herumgekommen war, daß ich ihn jetzt von den hinteren Fenstern aus sehen konnte. Also fotografierte ich weiter, diesmal eben vom Fenster aus. Der Winkel war noch sehr steil, ich mußte also ganz weit auf eine Seite des Fensters, um den Mond mit dem Objektiv erfassen zu können. Das hieß auch: Kamera auf etwas auflegen ist nicht. Ich mußte wieder „aus der Hand schießen“. Bei Belichtungszeiten von mehreren Sekunden heißt das automatisch: Scharfe Bilder gibt es nicht. Ich hatte zwar gehofft, es könnte genügen, das Objektiv an die Scheibe anzulehnen, aber es hat offensichtlich nicht genügt, nicht einmal bei einer Belichtungszeit von nur noch einer Sekunde.

Alle Foto-Fettnäpfchen in der Zusammenfassung:

  1. Ich hatte den Weißabgleich nach ein paar Bildern auf Kunstlicht gestellt, was ich üblicherweise mache, wenn ich einfach nur so den Mond fotografiere. Hier ist ja auch sehr viel Streulicht von den Straßenlampen außenrum. In diesem Fall hätte ich aber wohl besser Tageslicht oder Schatten voreingestellt, denn die Fotos haben vor allem in der Verdunklungsphase einen starken Blaustich.
  2. Ich hatte mir kein Stativ besorgt. Großer Fehler. Den Vollmond kann man normalerweise mit zwischen 1/125 und 1/250 s fotografieren (bei nahezu vollständig offener Blende). Der „schattierte“ Mond brauchte wesentlich längere Belichtungszeiten. Die Fotos wären zwar auch mit Stativ dann unscharf geworden, weil sich der Mond ja auch weiterbewegt, aber nicht so extrem wie bei mehrsekündigen Belichtungszeiten aus der freien Hand.
  3. In der Verdunklungsphase hatte ich zu lange Belichtungszeiten gewählt. Statt 1/125 s hätte es auch 1/200 bis 1/250 s getan; daß der Mond sehr hell war, hatte ich ja schon vorher festgestellt. Daher sind die Fotos aus dieser Phase zumeist überbelichtet.
  4. Bei den Bildern ab 5:01 Uhr hätte ich das Fenster aufmachen sollen, trotz der Kälte. Die zusätzliche Spiegelung in der doppelten Scheibe machte die Bilder noch undeutlicher, und die Fensterscheiben nahmen möglicherweise auch noch etwas Licht weg. Bei 200 mm Brennweite, also voll ausgefahren, hat das Objektiv sowieso nur noch eine Lichtstärke von 1:6.3.
  5. Nicht nur wegen des Weißabgleichs, sondern generell wegen der unsicheren Lichtverhältnisse hätte ich alles auf RAW fotografieren müssen. Ich hatte damit erst mit dem Foto von 5:21 Uhr angefangen. Möglicherweise wäre es dann auch nicht nötig gewesen, für die Bilder mit dem roten Mond auf ISO 400 zu gehen und damit das „Rauschen“ massiv zu verstärken.

So nebenbei kennengelernt: darktable. GIMP kann zwar mittlerweile sehr viel, ist aber nicht in der Lage, Bilder in RAW-Formaten einzulesen und nachzubelichten (mit JPGs geht das nicht mehr, weil ein wesentlicher Teil der dafür notwendigen Informationen weggeworfen wird). darktable ist zwar schnell installiert, hat aber eine sehr gewöhnungsbedürftige Oberfläche und keine Pull-Down-Menüs. Für diese Fotoserie habe ich bei den RAW-Bildern daher nur den Weißabgleich wieder auf Tageslicht umgestellt und die Bilder dann als JPG exportiert. Vermutlich sind Nachtaufnahmen wie diese auch nicht unbedingt der beste Einstieg in so ein Programm.

Nunja. Die nächste Mondfinsternis kommt bestimmt. Vielleicht sehe ich in meinem Leben ja auch nochmal so einen roten Mond. Und dann vielleicht sogar mit der richtigen Brille. 😉

3 Kommentare zu “Eine Jahrhundert-Mondfinsternis”

  1. bed quakte:

    …und der Mond auch noch als Vollmond erscheint.

    Guter Witz.
    Das liegt in der Natur der Sache, ist automatisch bei dem Line up Sonne, Erde, Mond so 😉


  2. HorayNarea quakte:

    Exakt das gleiche Ereignis passiert 2033 nochmal, insofern ist „Jahrhundert-Mondfinsternis“ jetzt vielleicht nicht ganz passend 😉


  3. Wolfram quakte:

    Hallo,

    ja gute Bilder von der Mondfinsternis zu machen war nicht so einfach. ich habe auch sehr viel Anläufe gebraucht um am ende ein gutes Bild zu erhalten. Da habe ich dann bei 600mm f8.0 ISO100 1/100sek. geschossen. Mit den Werten sollte es dann auch 2033 klappen 😉

    [EDIT: Werbelink entfernt. Ich hab das mit den Kommentarregeln nicht ganz grundlos aufgeschrieben. –Frosch]


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