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Exklusion und Victim Blaming

8. Dezember 2015 um 17:15 Uhr von Atari-Frosch

Administrative Durchsage: Ich kann aus Kapazitätsgründen nicht immer auf Kommentare reagieren, auch wenn eine Reaktion eigentlich dringend notwendig wäre. Daher habe ich soeben die beiden letzten Kommentare des Users „Küstennebel“ zurückgestellt, der User ist ab sofort moderiert.

Victim Blaming, also Fehlerzuweisungen an Opfer, akzeptiere ich in meinem Blog nicht. Wer Opfern auch von Behörden die Schuld daran gibt, durch den Mißbrauch, die falsche Anwendung oder durch Ignorieren von Gesetzen sowie durch die Unterschlagung von Unterlagen, Lügen und Nötigung geschädigt zu werden, ist Teil des Problems.

Erst recht kann ich nicht die Beleidigung und Herabwürdigung von Transmenschen dulden (ja, „Transe“ ist eine Beleidigung). Was jemand zwischen seinen Beinen hat, geht andere gerade mal einen Scheißdreck an. Umgekehrt: Egal ob sich jemand als Frau, Mann, bigender, nonbinary, genderfluid oder agender/nongender oder was weiß ich definiert, dann ist das so zu akzeptieren. Das hat was mit grundsätzlichem Respekt vor Menschen und der Menschenwürde zu tun.

Zudem: Wenn jemand gerade mit dieser Art der ständigen Diskriminierungen psychisch so kaputt gemacht wird, daß sich diese Person in psychiatrische Behandlung begibt und dort exakt dieselbe Diskriminierung wieder erfährt, ist der betroffenen Person das wohl kaum vorzuwerfen, sondern unserer transfeindlichen Gesellschaft. Auch hier: Wer die Diskriminierung gut findet, ist Teil des Problems.

Und schließlich ist es auch nicht akzeptabel, jemandem vorzuwerfen, er habe Fehler gemacht, weil andere sich nicht an ihre eigenen Zusagen gehalten haben (hier: Aktion Mensch gegenüber Aleksander Knauerhase). Nein, als Mensch mit einer Behinderung von einer Organisation, die angeblich für Menschen mit Behinderungen eintritt, belogen und betrogen zu werden, ist nicht Naivität, und ist nicht der Fehler desjenigen, der belogen wurde.

Ende der Durchsage.

7 Kommentare zu “Exklusion und Victim Blaming”

  1. Joachim quakte:

    Keine Ahnung, was Küstennebel da sagte. Es könnte aber sein, dass wir ihn missverstehen.

    Es wäre denkbar, dass hier victim blaming in Wirklichkeit die Suche nach einer Handlungsstrategie ist. Wenn Dir niemand hilft, dann musst Du Dir selbst helfen. Denn die Welt ist nicht fair.

    Was Du aus meiner Sicht durchaus tust!

    Es wäre besser (Küstennebel), zusammen zu stehen und sich nicht gegenseitig fertig machen, selbst wenn das noch so gut gemeint ist. Jeder Mensch hat seine Grenzen und die muss man lernen. Küstennebel genau so gut wie du und ich. Niemand ist perfekt.

    Kurz, sei nicht zu streng, auch wenn wir niemals Diskriminierung dulden werden. In keinem Fall. Da bin ich bei Dir.

    Und nu antworte mir nicht oder nur dann, wenn du Lust dazu hast.


  2. Atari-Frosch quakte:

    @Joachim: Nein, da geht es schon lange nicht mehr um Mißverständnisse, im Gegenteil. Und es geht auch nicht um alternative Handlungsstrategien, sondern um Bevormundung und das Herabwürdigen dessen, was ich mache oder was andere, die immer wieder von der Gesellschaft in die Magengrube geschlagen werden, machen.

    Daß „die Welt“ nicht fair ist, ist zum Beispiel kein Grund, mir zu sagen, daß ich gefälligst bestimmte Dinge zu tun habe, weil das eben so ist. Denn was heißt das? Es heißt, ich akzeptiere die Gegebenheiten. Wehre ich mich dann doch wieder, kann ich damit rechnen, daß es heißt: Ja wieso, Du hast die Gegebenheiten doch schon akzeptiert, also ist das doch OK.

    (Nein, nicht „die Welt“ ist unfair. Ein paar dumme Arschlöcher und eine große Menge Ignoranten und noch mehr, die aus Bequemlichkeit ihren Verstand nicht gebrauchen wollen, sind nicht fair.)

    Das Fertigmachen lief hier übrigens recht einseitig. Ich habe dem damit jetzt Grenzen gesetzt. Bis hierhin und nicht weiter.


  3. maith quakte:

    Find ich gut!


  4. Joachim quakte:

    Oh wei Frosch, ich kann dich so gut verstehen. So gut, dass ich wünschte es wäre anders.
    Gerade habe ich einen langen Analysetext gelöscht.

    Um es klar zu sagen: Du bist nicht falsch. Du bist nicht dumm, ganz im Gegenteil. Du kennst sehr genau deine Stärken, wie auch deine Grenzen und Schwächen. Du hasst Ungerechtigkeit. Du besitzt massives Detailwissen. Meine Schwester würde zudem sagen, du wärst eine „ganz Liebe“. Du brauchst dich für gar nichts zu rechtfertigen.

    Was soll ich dir da noch sagen? Habe erbarmen mit den Menschen? So leicht kommst Du mir nicht davon. Ich sage dir, setze dich auf den Arsch und fange an. Bring die Dinge in Ordnung in dem Wissen, dass du nicht falsch bist und niemandem etwas Böses willst. Gib nicht auf. Wenn dir die halbe Welt als verrückt erscheint, so ist es eben, dann sollten wir anfangen, das zu ändern.

    Beginne mit einem Kommunikationstraining. Etwa so, wie Führungskräfte das auch tun. Kauf dir ein Buch darüber. Werde Fachfrau in diesem Punkt. Lerne zu verstehen, was da für die Leute auch auf dem „Amt“ so wichtig ist, dass sie lieber Lügen, als einen Fehler zuzugeben. Lerne ihre geheimen Botschaften zu verstehen, die Sprache des Hände, der Körperhaltung und des Ausdrucks im Gesicht zu sehen und das Wissen darum zu nutzen. Übe vor dem Spiegel. Lass den Menschen immer eine Hintertüre offen, genau so, wie es eigentlich deinem Selbstverständnis entspricht. Sieh, wenn jemand zugibt, er hätte „verloren“ und agiere dann angemessen. Das schafft Freunde und Verständnis. 90% der Kommunikation zwischen Menschen geht überhaupt nicht um die Sache. Ein guter Teil davon wird nicht einmal in Worten ausgedrückt.

    Auch wenn du vollkommen im Recht bist, sogar massiv selbstkritisch bist, sie verstehen dich nicht. Sie können dich nicht verstehen und du verstehst sie nicht. Das musst du ändern. Das kannst du ändern, ohne dich zu verbiegen. Du wirst gewinnen damit und machst die Welt besser. Dazu muss man kein Smalltalk lieben.

    Frosch, es ist immer zu lang und dennoch viel zu kurz. Das Ende meines gelöschten Posts bleibt mal aus dem Zusammenhang gerissen stehen um den blöden Besserwisser doch ein wenig zu relativieren.

    Warum ich dir das sage? Warum du für die Welt verantwortlich sein sollst? Müssen die anderen nicht auch ein wenig Hirn, Verantwortung oder Verständnis zeigen? Sind denn die vorgegeben Werte der Menschen eine Lüge? Ja, gegenüber den Urkräften und Instinkten sind sie eine Lüge. Niemand, auch nicht Küstennebel und nicht das „Amt“, selbst Du und ich nicht, können sich darüber hinweg setzen.

    Warum ich dir das also sage? Es ist ganz einfach: Ich möchte nicht, dass du dich verletzt und nicht, dass du verletzt wirst. Pass auf dich auf.


  5. Atari-Frosch quakte:

    @Joachim:

    So leicht kommst Du mir nicht davon. Ich sage dir, setze dich auf den Arsch und fange an. Bring die Dinge in Ordnung in dem Wissen, dass du nicht falsch bist und niemandem etwas Böses willst.

    Ähm, nein. Sorum läuft das mit der Inklusion nicht. Das heißt nicht, daß ich in der Hinsicht nichts mache, aber gerade wenn mir sämtliche Kapazitäten entzogen werden, ist es nicht primär meine Verantwortung, die Gegebenheiten zu verändern. Mit Kapazitäten habe ich da durchaus Ideen, die aber nicht in die Richtung gehen, die Dir vorschweben: Es ist wiederum nicht an mir, mich auf Biegen und Brechen anzupassen, nur damit Leute vielleicht mal zuhören. Denn dann heißt es, so sagt die Erfahrung der Autisten: Du bist doch normal, was willst Du denn, alles bestens, niemand muß denen zuhören, die anders sind, die können sich ja anpassen, sieht man ja an Dir.

    Was die Kapazitäten angeht, guck Dir mal diesen Tweet meiner Anwältin an:

    ActivaCDE @ActivaCDE
    Heute hat das Sozialgericht dem JC eine richtige Klatsche verpasst. Hat nur so geknallt.

    19:46 – 9. Dez. 2015

    Sie fügte noch an: „Das Sg hat dem JC praktisch vorgeworfen, gelogen zu haben.“ (Sg = Sozialgericht; JC = JobCenter)

    Sag ich doch.


  6. Joachim quakte:

    Halt halt halt, ich habe nicht davon geredet, dass du dich anpassen sollst. Was ich gelesen habe, was ich lebendig sah und was ich hörte braucht keinerlei Anpassung an irgend etwas. Das hast du gar nicht nötig.

    Doch wo ist das Problem, etwas zu lernen, wo du Schwächen hast, die dich selbst stören? Etwas nicht zu können ist doch kein Fehler. Ein Fehler ist es nur, etwas nicht zu können, es doch zu wollen und schon vorher aufzugeben, weil man meint, man lerne es doch nicht. Mensch Frosch, ich setze sogar eine Brille auf! Das finde ich viel schlimmer, als ein Buch zu lesen. Die Alternative, eine „Reise im Ofen ins Weltall“ ist vielleicht temporär regenerativ, doch nicht wirklich praktikabel. Irgendwann musst du wieder raus, wie auch immer dein persönlicher Ofen aussehen mag. Außerdem gibt es da noch das Bodenpersonal.

    Erde an Frosch! Erde an Frosch! Ich will dich nicht verletzten. Mein Vorschlag ist auch nicht die einzige Möglichkeit. Doch mir scheint das relativ leicht realisierbar. Es gibt da einige einfache Tricks… Ein wenig Wissen, was in der Regel „normale“ Menschen auch nicht haben und ein wenig Training und du machst es dir sehr viel leichter. Du brauchst dich gar nicht herabgesetzt zu fühlen. Es geht auch nicht primär um das blöde Amt. Die bekommen hoffentlich so oder so eines auf’s Dach.

    Es geht um deine Kraft, deinen Energiehaushalt und darum, Raum für wichtige Dinge zu schaffen. Willst Du fliegen, so brauchst Du einen Pilotenschein. Sonst droht der Crash.

    Übrigens, der Vorwurf, der hinter „so sagt die Erfahrung der Autisten“ den beziehst du bitte nicht auf mich. Wenn du so über mich denken würdest, so fände ich das sehr traurig.

    Bitte lass uns das Wort Normalität streichen. Es interessiert mich einfach nicht, wie normal jemand ist. Es interessiert mich, dass Inklusion nichts ist, als Menschen menschenwürdig und als sie/er selbst, als Individuum zu behandeln. Wobei mir gerade auffällt, das man so ja gar nichts mehr „includen“ muss. Wer hat sich diesen „Sch…“ nur ausgedacht?

    Mir scheint, so Mancher redet von Inklusion und diskriminiert gerade genau damit. Soll ich dir sagen, wie ich sowas dann finde? Ich schätze, wir verstehen uns.


  7. Atari-Frosch quakte:

    @Joachim:

    Doch wo ist das Problem, etwas zu lernen, wo du Schwächen hast, die dich selbst stören? Etwas nicht zu können ist doch kein Fehler.
    […]
    Ein wenig Wissen, was in der Regel „normale“ Menschen auch nicht haben und ein wenig Training und du machst es dir sehr viel leichter.

    Damit könntest Du auch einem Geburtsblinden sagen, wenn er sich ein bißchen anstrengt, dann könne er das mit den Farben schon noch lernen.

    Welche Schwächen sollte ich denn mit Dazulernen überwinden können? Daß ich bei Gefährdung meiner Existenzgrundlage erstmal zusammenbreche? Daß ich nicht immer Menschen um mich herum ertrage (oder nur ganz wenige, bestimmte Menschen)? Oder daß ich nicht so direkt sein soll?

    Das läßt sich nicht mit einem Hilfsmittel wie einer Brille beseitigen. Ich sehe es auch überhaupt nicht mehr ein, mir bestimmte Fähigkeiten aneignen zu müssen, weil andere diese für wichtig halten und obwohl ich damit auf meine Schwächen reduziert werde. Gerade seit ich weiß, daß ich im Spektrum bin, ist mir klar, daß ich mich dahingehend schon viel zu lange viel zu sehr und völlig chancenlos bemüht habe. Und letztendlich ist es dann doch wieder Anpassung: Handhabbarer werden für die Umgebung. Damit die mal zuhört. Vielleicht. Aber nicht, um sich selbst zu verbessern.

    Nein, mit der Erfahrung der Autisten warst Du nicht gemeint, sondern Menschen, denen andere Autisten begegnet sind und die genau so behandelt wurden: Erst bitteschön anpassen mit aller Gewalt, aber dann gilt man ja nicht mehr als autistisch, also muß keine Rücksicht mehr genommen werden.

    Stattdessen würde ich mich gern auf meine Stärken stützen, aber solange die Umgebungsparameter nicht stimmen, sind diese Stärken blockiert. Die Gesellschaft denkt defizitär: Wer eine erkennbare Schwäche hat, kann ja gar keine Stärken haben. Alternativ: Wer eine unsichtbare, nicht erkennbare Schwäche hat, der ist bloß zu faul.


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