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Jahresrückblick 2015

31. Dezember 2015 um 0:36 Uhr von Atari-Frosch

Eigentlich möchte ich auf dieses Jahr gar nicht zurückschauen. In gewisser Weise war es ein schlechter Abklatsch von 2014, das auch schon ein ziemliches Horror-Jahr für mich gewesen war. Trotzdem, um es abzuschließen, ist so ein Rückblick vielleicht doch gar nicht so schlecht.

Am 2. Januar erschien ein Artikel von mir zum Thema Hartz IV in der Reihe „#Leere Versprechungen – Hartz IV und die Folgen“ auf dem Blog der Piratenpartei NRW: Zynismus in Gesetzesform. Die Nachwirkungen der dort geschilderten Ereignisse kosteten mich nochmal etwa drei Monate Erholungszeit. Ja, ich brauche da halt länger; für mich ist so ein Angriff auf meine Existenz und Menschenwürde nicht dann schon vorbei, wenn sie rein technisch erledigt ist.

Deshalb war ich in den ersten drei Monaten dieses Jahres auch nicht so wirklich aktiv. Allerdings kam mir da im Januar eine seltsame E-Mail unter, die für einen obskuren Kongreß warb ((No) Spirit of Health 2015), und ich dachte trotz meiner gesundheitlichen Einschränkungen ernsthaft darüber nach, eine Demo anzumelden. Daneben verfolgte ich natürlich die Nachrichten insbesondere zu den Themen Charlie Hebdo und Pegida und las außerdem mehr über Autismus-Themen.

Fotos von Januar/Februar:

Im März schaffte ich es dann wenigstens mal, ein Lebenszeichen im Blog zu geben; da ging es vor allem darum, daß mir das ARGE die Wohnung streitig machen wollte. Außerdem war ich mutig genug, um trotz meiner Situation zu den Chemnitzer Linux-Tagen zu fahren; gebloggt hatte ich darüber nicht und vor Ort hatte ich auch kaum fotografiert, aber dafür gab es wieder viele „30 seconds on speed“-Aufnahmen.

Fotos vom März:

Anfang April befaßte ich mich mit gendergerechter Sprache, und so ein Stück weit kann man das als Vorläufer zu meinem kürzlichen Artikel Was ist schon normal? sehen. Allerdings war ich da noch nicht so weit wie heute, mich selbst als agender bzw. nongender einzuordnen.

Ende April ging es dann um die praktischen Folgen der E-Mail vom Januar. Zwar hatte ich keine Demo angemeldet, aber das vor allem deshalb nicht, weil andere, besser organisierte Leute da schon etwas vorbereitet hatten. Dem schloß ich mich dann einfach an und stellte mich drei Tage lang zusammen mit Piraten, der Giordano-Bruno-Stiftung und Verbraucherschützern vor die Kasseler Kongreßhalle:

Den letzten Tag, an dem der Infostand früher abgebrochen wurde, nutzte ich dann auch noch für eine kleine Sightseeing-Tour durch die Kasseler Innenstadt.

Fotos vom April:

Anfang Mai habe ich dann auch mal was für die Freie Software getan und ein Plugin für WordPress in deutsch übersetzt bzw. eine zusätzliche deutsche Sprachdatei dazu geliefert: Kommentar-Plugin für GNUsocial jetzt auch in deutsch. Sowas würd ich gern öfter machen.

Ansonsten hatte sich das ARGE was Neues ausgedacht, um mich loszuwerden: Ich sollte jetzt einen Rentenantrag stellen, weil die BA-Ärztin, die meine Umzugsunfähigkeit festgestellt hatte, nun auf einmal auch der Meinung war, ja nee, arbeiten kann die auch nicht. Ist auch klar, weil ich das nicht kann, hab ich 'ne Firma angemeldet …

Schließlich fuhr ich Ende Mai nach Mannheim, Heidelberg und Frankfurt/Main, um ein Konzert von Chris de Burgh und zwei Demos zu besuchen und außerdem endlich mal wieder ein wenig Geocaching zu betreiben.

Fotos vom Mai:

Im Juni wurde es dann erstmals ernst mit dem Zwangsverrentungsversuch des ARGE. So nebenbei erlebte ich außerdem eine abenteuerliche Odyssee eines Postpakets, das übrigens wohl auch nicht mehr ankommen wird, weil der Absender den Einlieferungsschein nicht mehr hat und DHL auf den Vorschlag, eine eidesstattliche Versicherung des Absenders zu liefern, nicht reagiert hatte.

Ich nahm an der #fsa (Freiheit statt Angst)-Demo in Düsseldorf teil, die Patrick Schiffer angemeldet hatte, machte mir Gedanken über die Möglichkeit eines Backup auf VHS, und ein Rant mußte auch mal sein: „Hast Du nichts besseres zu tun?“. Und dann rechnete ich noch durch, daß ein Produkt bei Rewe plötzlich unauffällig wesentlich teurer geworden war. Schließlich übersetzte ich noch eine Erklärung, mit der sich eine der Vertreiberinnen von MMS (Chlorbleiche als „Medikament“ u. a. angeblich gegen Autismus) freiwillig-unfreiwillig dazu verpflichtete, ihr Dreckszeug nicht mehr in Illinois anzubieten, woraufhin auch ihr Internet-Angebot dazu verschwand – denn sie konnte natürlich nicht steuern, daß nur aus Illinois nicht darauf zugegriffen werden kann.

Fotos vom Juni:

Der Sommer dieses Jahres hätte eigentlich prächtig sein können, wir hatten lange keine so hohen Temperaturen mehr im Sommer gehabt. Genau genommen hatten wir schon unnatürlich hohe Temperaturen, die selbst der heiße Sommer 2003 nicht übertreffen konnte. Allerdings war es nicht durchgehend heiß. Das machte das Wetter anstrengend; durch die ständigen Temperaturschwankungen hatte ich alle zwei bis drei Wochen einen depressiven Absturz, weil ich praktisch jedesmal einen bekomme, wenn die Tagestemperatur-Differenz von einem Tag auf den anderen mehr als 10 °C (nach unten) beträgt, also wenn es mehr als 10° C kälter wird. Bei durchgehender Hitze hätte ich sicher weniger Probleme gehabt.

Anfang Juli machte ich mir Gedanken über eine geldlose Welt, konnte an dem Thema aber erstmal nicht dranbleiben. Gedanklich befasse ich mich durchaus noch damit, aber ich brauche mehr Ruhe, um daran weitertüfteln zu können. Und dann gab's da mal wieder Trollerei mit dem ganzen Paket an Diskriminierung, Beschimpfung, Ableismus, Hetze und Fatshaming mitsamt ausführlichem QED: Offener Umgang mit dem Anderssein.

Fotos vom Juli:

Im August stellte ich mal klar, was ich nicht will (und was auch eigentlich sonst niemand wollen kann). Als Twitter die Zeichenbegrenzung bei DMs weggenommen hat, schrieb ich ein Proof of Concept für GnuPG-verschlüsselte DMs.

Was man nicht sah: Im August wurde ich außerdem von einem Altgläubiger aus dem Jahr 2002 (Titel aus 2003) gepfändet. Der depressive Absturz kam prompt, und ich konnte mich nicht fristgerecht zur Wehr setzen. Mein Konto war den ganzen Monat über von diesem Gläubiger blockiert worden, ich konnte nichts bezahlen, Lastschriften platzten. Und am Ende des Monats, als sie es wieder freigaben, fehlten dann knapp 400 Euro – den Verlust konnte ich nur durch extreme Einsparungen beim Essen wenigstens einigermaßen wieder rausholen, aber das Geld fehlte über Monate. Ich habe in der Zeit 5 kg abgenommen. Und ich fragte mich: Wo ist die Hoffnung?.

Dann war da noch die Sache mit Aktion Mensch. Darin war ich nicht direkt verwickelt, aber es hat mich sehr getroffen: Eine Organisation, die vorgibt, sich für Menschen mit Behinderungen einzusetzen, fördert eine Therapie, die autistische Kinder dressiert und schließlich bricht. Nicht etwa, um ihnen zu helfen, sondern um sie für ihre Eltern besser handhabbar zu machen. Und ohne sich um die Folgen zu kümmern: Aktion Mensch und ABA. Mir tut sowas in der Seele weh.

Trotz der prekären Situation und mit Hilfe von netten Mitmenschen konnte ich dann immerhin für einen Tag die FrOSCon in St. Augustin besuchen. Ende August schrieb ich dann noch einen längeren Artikel für #BloggerfuerFluechtlinge: Auf der Flucht.

Fotos vom August:

Im September regte ich mich über geplante Grenzkontrollen auf und nahm einen Tag später an der Demo „Grenzen auf!“ Teil. Kurz darauf mußte ich mich schon wieder aufregen, nämlich über eine privilegierte Konsumentin, die meinte, daß Lieferdienste doch völlig überflüssig seien. Außerdem hatte ich so einige Autismus-Erkenntnisse. Gegen Monatsende gab es dann nochmal eine Demo, diesmal gegen TTIP. Und schließlich gab es da noch eine Jahrhundert-Mondfinsternis und was man dabei als Fotograf so alles falsch machen kann.

Fotos vom September:

Im Oktober stellte ich den üblichen Weiterbewilligungsantrag beim ARGE, der dann prompt abgelehnt wurde, weil ich die Frechheit besessen hatte, nicht brav einen Rentenantrag zu stellen (muß ich zwar nicht, aber man kann's ja mal versuchen). Als positiven Gegenpol hatte ich plötzlich und unerwartet eine Einladung nach Greifswald bzw. an die Ostsee mitsamt privatem Crowdfunding für die Fahrtkosten und war dann mal für eine knappe Woche weg: 11 + 1 = Urlaub.

Danach hatte ich es mit einem Thinkpad X220 mit Stolperfallen zu tun, das erst nicht ins BIOS und dann nicht mein USB-CD-Rom erkennen wollte, schließlich vom Stick installiert wurde und dann als Sahnehäubchen auch noch ein lustiges Tastatur-Problem hatte. Und zwei Tage später befaßte ich mich dann noch ausführlich mit der Volkskrankheit Depression und damit, was Geld und Arbeit damit zu tun haben. Schließlich gab's dann nochmal einen Konzertbesuch, wieder Chris de Burgh, diesmal in Köln.

Fotos vom Oktober:

Ende Oktober kam dann der ablehnende Bescheid des ARGE auf meinen Weiterbewilligungsantrag. Sie meinen es ernst und wollen mich wirklich endgültig erledigen: Zwangsverrentungsversuch des ARGE (2). Ich fiel erstmal in den nächsten Depressionsschub und beauftragte eine Rechtsanwältin. Damit das überhaupt klappte, mußte ich so dermaßen viele Anträge (vor allem Prozeßkostenhilfe) ausfüllen und Unterlagen zusammensuchen, daß ich es fast nicht geschafft hätte. Und es nicht schaffen zu können, ist offenbar der Sinn des ganzen Procederes: Man will die Überflüssigen ja loswerden. Im Rahmen dieses Papierkriegs geriet ich in einen ziemlich heftigen Shutdown, und das sogar zu Hause. Zeitweise dachte ich auch wieder an das Fenster. Was da abläuft, ist systematische Menschenverachtung.

Fotos vom November: keine.

Anfang Dezember schrieb ich erst einmal einen Beitrag zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen: #WirSchweigenNicht. Einen Tag später dröselte ich nochmal anhand meiner eigenen Erfahrungen ausführlich auf, warum angebliche Hilfen keine sind, nur als solche dargestellt werden und im ungünstigsten Fall sogar noch mehr Schaden anrichten. Als Folge mußte ich dann auch noch erklären, warum ich Exklusion und Victim Blaming in diesem Blog nicht dulde (schlimm genug, daß man das überhaupt erklären muß).

Auf Einladung konnte ich dann wenigstens noch, wie üblich, für ein paar Tage nach Mannheim zu meiner Mutter und nach Heidelberg zu Alex und den dortigen Weihnachtsmärkten fahren. Erholsam war es aber nicht unbedingt, denn den Druck konnte ich nicht abschütteln.

Nach einigen Aktionen meiner Anwältin erfuhr ich dann, daß das Sozialgericht dem ARGE kräftig eins vor den Latz geknallt hat: Das Gericht hat dem ARGE quasi erklärt, daß es gelogen hat (ACH!). Das ARGE hat das nicht beeindruckt, es hat halt einfach keine Lust, seine Pflichten zu erledigen. Mir reißt so langsam das Seil, und obwohl ich sehr gerne zum 32C3 gefahren wäre, habe ich meine Teilnahme abgeblasen (und bin trotz allem, was ich dort sicher verpaßt habe, ganz froh darum, denn ich hätte das wirklich nicht durchgestanden; ich war nicht einmal beim „Congress Everywhere“ im Chaosdorf). Schon letztes Jahr hatte ich auf den Congress verzichtet – aus ähnlichen Gründen.

Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb hatte ich an den Feiertagen nochmal einen massiven Absacker und mußte mich ab Sonntag schon zwingen, rechtzeitig aufzustehen, um die Vorträge beim 32c3, die ich mir im Live-Stream ansehen wollte, auch ansehen zu können. Ebenfalls am Sonntag schrieb ich dann noch einen Blogartikel, der mir schon länger im Kopf herumging, über Normalität und Normativität: Was ist schon normal?. Am selben Abend zog es mich raus, ich wollte etwas laufen, und lief mit der Kamera zur Rheinkniebrücke. Einen Tag später gab ich dann nochmal eine kurze Statusmeldung, nachdem ich erfahren hatte, daß auch das faschistische Repressionsamt am Verschleppungs-Spiel teilnimmt und gegen den Beschluß des Gerichts, das nun dieses Amt zur Zahlung verdonnert hat, ein Rechtsmittel eingelegt hat.

Fotos vom Dezember:

Das heißt: So richtig abschließen kann ich das Jahr gar nicht; die Existenzvernichtungs-Feldzüge der Ämter gehen nahtlos ins neue Jahr über. Und langsam wird es trotz Unterstützung hier und da richtig eng.

Hartz IV muß weg.

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