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Frosch macht (keine) Faxen

19. Mai 2016 um 23:50 Uhr von Atari-Frosch

Es fing an mit einem Brummton auf meiner Telefonleitung und einem alten Telefon ohne CLIP. Und vorerst endete es ohne ein Freizeichen, dafür mit am Papier klebender Inkfolie und weiterhin mit Brummton. Aber der Reihe nach:

Mein Telefon funktioniert eigentlich noch, ist aber schon richtig alt. Nein, kein Bakelit, und Tonwahl kann's auch, aber eben … alt. Das Telekom Modula war so um 1990 in Mode gewesen, und zu der Zeit brauchte ich halt ein Telefon für meinen damals nagelneuen Anschluß – mein erster eigener überhaupt.

Schon seit längerer Zeit habe ich außerdem einen unangenehmen Brummton in der Leitung, der mich beim (seltenen) Telefonieren doch ziemlich stört. Und es wäre schon schön, wenn ich im Display die Nummer des Anrufers ablesen könnte – aber CLIP kennt das Gerät nicht, das gab's erst mit der Einführung von ISDN ein paar Jahre später (deshalb sagte man auch: ISDN = Ich Sehe Deine Nummer). Also hielt ich auf eBay die Augen nach einem etwas moderneren Gerät offen.

Dabei stellte ich keine hohen Ansprüche (glaube ich); die meisten Geräte haben viel mehr Funktionen, als ich je brauchen werde. Ich wollte ja eigentlich nur telefonieren. Ohne Brummton und mit Rufnummernanzeige. Optimalerweise mit nicht zu kleinen Tasten, einem schön großen Display mit großer Schrift (meine Augen sind nicht mehr die besten, gerade im Nahbereich) und ganz optimalerweise mit einem Hörer, der nicht so eckig ist wie der des Modula, sondern den ich mir auch mal zwei Stunden lang ans Ohr halten kann, ohne daß ich hinterher eckige Ohren habe.

Nach einigem Stöbern blieben schließlich zwei Senioren-Telefone mit der schönen Zusatzfunktion einer optischen Klingel – sicher praktisch, wenn ich die Kopfhörer aufhabe – und eine Fax-Kombi in meiner Beobachtungsliste übrig. Moment, Fax? Im Jahr 2016? Hmja. So zweimal im Jahr wäre sowas wirklich nicht schlecht. Letztendlich entschied ich mich tatsächlich dafür. Ich bot den einen Euro Startpreis, sonst wollte keiner mitbieten, und für insgesamt unter 10 Euro bekam ich ein offensichtlich gebrauchtes „Philips magic2voice 6in1“ mit einer Kinder-Kritzelei auf der Vorderseite des Handbuchs und der Nummer und dem Namen des Verkäufers im Speicher.

Das war Mitte März. Nachdem es noch ein wenig Driss mit der Bezahlung gab, weil der Verkäufer keine IBAN, sondern nur die klassische Kombination aus Kontonummer und BLZ hinterlegt hatte, kam es dann eine gute Woche später an. Und blieb erstmal, wenn auch bereits prinzipiell ausgepackt, liegen, weil es mir nicht gut genug ging.

Was ich dann allerdings schaffte, war, das schon halb ausgepackte Gerät aus Tischhöhe versehentlich auf den Boden zu schubsen, ohne es auch nur ansatzweise getestet zu haben. An der Papierhalterung war etwas abgebrochen, und ich habe keine Ahnung, ob das so angekommen war oder erst bei dem „Absturz“ geschah. Nunja, dumm gelaufen.

Heute wollte ich dann endlich mal ausprobieren, ob man damit auch noch mehr anfangen kann, als es runterzuschubsen.

Nun ist es ja nicht so, daß ich noch nie ein Faxgerät gehabt hätte, aber dieses hier benutzt, anders als mein altes Thermofax aus den 1990ern, das ich schon lange nicht mehr besitze, eine Drucktechnik mit einer sogenannten Inkfolie. Mit einer Folie, schwarz und noch dünner als klassisches Durchschlagpapier, kann das Gerät auf Normalpapier drucken. Die Folie wird dabei auf voller Blattlänge am Blatt entlang transportiert, und der damit benutzte Teil ist nicht nochmal verwendbar. Die Folie hält also nicht ewig lange. Eine neue Folienrolle soll laut Handbuch 260 Seiten A4 bedrucken können.

Der Verkäufer hatte das Gerät allerdings als Thermofax angeboten und mir noch per Mail erklärt, daß er „eine zweite Rolle“ dazugeben würde. Gemeint war aber jetzt natürlich keine Rolle Thermopapier, sondern eine mit Inkfolie. Nun gut, sollte eigentlich egal sein; da ich damit nur selten faxen (oder kopieren) würde, war mir nur wichtig, daß das Druckmaterial nicht eintrocknet oder sonstwie unbrauchbar wird, wenn es länger nicht genutzt wird. – Die zweite Rolle ist übrigens nicht schwarz, sondern mittelblau, da bin ich schonmal gespannt, ob die Drucke überhaupt lesbar sein werden. Aber erstmal wollte ich es mit der offensichtlich bereits angefangenen schwarzen Rolle versuchen.

Genaugenommen sind das zwei Rollen: Von einer wird abgewickelt, die andere wickelt die gebrauchte Folie wieder auf. Das klingt einfacher, als es ist: Die aufwickelnde Rolle bleibt nämlich nicht stabil in ihrer Halterung, sondern rutscht auf einer Seite gerne wieder raus. Ob das dem Sturz zu verdanken ist oder ob das schon so war, kann ich natürlich nicht beurteilen; die blauen Rollen sehen jedenfalls äußerlich genauso aus, es ist also nicht unbedingt anzunehmen, daß an den schwarzen etwas weggebrochen ist.

Die Rollen da reinzukriegen und die dünne Folie zu spannen, war schon ein wenig fummelig. Da es mehr (scheinbare) Rollenhalterungen gibt, als tatsächlich verwendet werden, dachte ich erst, die blauen Rollen gehörten gleichzeitig mit rein. Aber nein, das Handbuch erklärte mir, daß die mittleren Führungen einfach ignoriert werden. Öhmja, wenn Ihr meint …

Als nächstes brachte ich die Papierhalterungen an und freute mich, daß sie trotz eines abgebrochenen Teils und zweier Anbrüche immer noch funktionsfähig sind und sich am Gerät einstecken lassen. Papier kam auch gleich mit rein. Dann noch den Hörer über Spiralkabel angestöpselt, das Telefonkabel vom alten Telefon ins neue Gerät, Strom dran und –

– dann wollte es erstmal Zeit und Datum eingestellt haben, es wähnte sich nämlich Ende September 2001. Dann piepte es mich an, es habe kein Papier; das mußte ich noch ein wenig zurechtrücken. Als nächstes den Hörer abgenommen und – es gab kein Freizeichen. Aber einen Brummton. Der könnte also vom Telefonkabel kommen. Immerhin könnte ich darauf angerufen werden, das habe ich mit meinem Mobiltelefon getestet. Das Gerät klingelte, laut und deutlich.

Faxgerät mit herausgequollener Inkfolie

Zunächst erfuhr ich aber noch: Wenn ich dreimal die OK/Menü-Taste drücke, dann druckt mir das Ding einen Stand all seiner Einstellungen. Das fand ich mal 'ne gute Idee und drückte die Taste dreimal. Das Gerät fand das nicht so gut. Es druckte mir zwar die Seite mit der Funktionsübersicht aus. Dabei blieb jedoch die Inkfolie nach einem guten Drittel am Papier kleben und wurde mit diesem aus dem Gerät rausgezogen, statt wieder aufgewickelt zu werden. Es kostete mich bald eine Viertelstunde, um die dann zerknitterte Folie, die sich auch noch im Deckel verklemmt hatte, aus dem Gerät zu befreien und dahin aufzuwickeln, wo sie hingehörte. Dabei sprang auch immer wieder die Aufwickelrolle aus ihrer Halterung, was die Sache nicht gerade erleichterte.

Immerhin ist der Ausdruck sauber und gut lesbar. Somit konnte ich nun ein paar Daten neu ins Gerät einspeichern, wie zum Beispiel meinen Namen, meine Telefonnummer und ab wann es für mich Tag oder Nacht ist. Denn für Tag und Nacht kann man dann getrennt einstellen, ob das Fax anspringen soll oder nicht, und nach wievielen Klingeltönen Fax und Anrufbeantworter reagieren sollen. Auch die Klingellautstärke kann unterschiedlich eingestellt werden, und schließlich kann man noch vorgeben, ob das Mithören in dem jeweiligen Tagesabschnitt eingeschaltet sein soll oder nicht.

Nun kam ich auf die Idee, einfach mal zu wählen, auch wenn da kein Freizeichen zu hören war. Es passierte nichts. Ich wollte eigentlich eine andere Taste mehrfach drücken, kam aber wieder auf die OK/Menü-Taste, woraufhin das Gerät unaufhaltsam auf ein neues die Funktionsübersicht druckte – natürlich wieder mit angeklebter Folie …

Und dann sagte mir das Handbuch: Ja nee, so ein Gerät kannste beim NFN-Stecker nicht in N stecken wie ein Telefon, das will bitteschön nach F. Ein Kabel mit F-codiertem Stecker war allerdings nicht dabei. Da muß ich mal noch gucken, ob ich bei meinen alten Modems was Passendes finde.

Aber heute nicht mehr. 😉

3 Kommentare zu “Frosch macht (keine) Faxen”

  1. SackOhneSenf quakte:

    N-Stecker -> Messer -> seitliche Nuten abschneiden -> in F-Dose stecken = U codierter Stecker (Universal)


  2. SackOhneSenf quakte:

    … aber irgendwie steckt in deinem Artikel ein Fehler:

    F = Fernsprechen, N = Nicht-Fernsprechen

    Ein Telefon sollte also an die F Dose, Anrufbeantworter und reine Fax-Geräte an eine N Dose, Kombigeräte sind Fernsprechgeräte, gehören also an die F-Dose … soweit die Theorie; in der Praxis ist es egal, solange nur ein Gerät an der Dose angeschlossen ist


  3. SackOhneSenf quakte:

    … und so nebenbei:

    Ich hatte hier mehrere ältere Telefone von der Telekom, die hatten nach einiger Zeit alle den Effekt dass sie anfingen zu brummen, dann wurde die Sprache immer schlechter zu verstehen bis es unerträglich wurde.

    Ich hab auch eine Theorie (unbestätigt): Vermutlich hast du einen DSL-Anschluss und dein Telefon an einer Router-Box (All-IP) angeschlossen. Leider scheinen ältere Telefone die für den deutschen Markt produziert wurden, nach einiger Zeit an den Router-Boxen Probleme zu bekommen. Zumindest gibt es im Netz ähnliche Fälle und Problem-Beschreibungen. Ganz alte Einfach-Telefone, Billig-Telefone aus der USA und natürlich modernere Telefone funktionieren an Router-Boxen jedoch ohne Probleme.

    Ich vermute, dass die Apparate betroffen sind, die versuchen mehr Strom aus der Leitung zu ziehen, um die Anzeige und anderes zu versorgen. Ist eine alte Telefonleitung zu schwach, geht einfach die Spannung zurück und das Telefon schaltet die Zusatzteile ab. Bei Router Boxen schwankt dann gern die Spannung an der Leitung, was sich als 50 oder 100 Hz Brumm bemerkbar macht.


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