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Von Wheezy zu Jessie mit etwas „VooDoo“

25. Januar 2017 um 21:24 Uhr von Atari-Frosch

Gestern Abend habe ich es endlich mal geschafft, meinen Hauptrechner seerose von Wheezy auf Jessie zu ziehen. Also wie üblich alle Quellen geändert, dann apt-get update und apt-get upgrade und schließlich alle zurückgehaltenen Pakete nachinstalliert bzw., wenn das nicht sinnvoll erschien, gelöscht. Zum Schluß kam dann der neue Kernel und Reboot.

Damit könnte die Geschichte zu Ende sein, wenn – ja, wenn danach nicht ein paar komische Dinge passiert wären. Denn obwohl das Upgrade von Wheezy auf Jessie schon vor einiger Zeit auf meinem Notebook ganz problemlos durchlief und danach auch alles funktionierte, war die gleiche Prozedur auf dem Hauptrechner nicht ganz so folgenlos.

Zunächst mal war mir im Laufe der apt-get install-Orgie wohl doch so ein bißchen systemd-Zeug mit reingerutscht, das ich ja eigentlich gar nicht haben wollte. Und das, obwohl ich vorher bereits per Pinning bestimmt hatte, daß ich das nicht will, indem ich in /etc/apt/preferences.d eine kleine Datei anlegte mit folgendem Inhalt:

Package: systemd-sysv

Pin: release o=Debian

Pin-Priority: -1

– so wie es Axel Beckert in seinem Vortrag Debian ohne systemd beschrieb und wie das auf dem Notebook auch funktioniert hatte.

Im Laufe der apt-get install-Orgie hatte ich allerdings das Paket sysvinit nachinstalliert, wo ich sysvinit-core hätte nehmen sollen. Ersteres zieht systemd automatisch nach.

Nach dem Reboot und dem Konsolen-Login fiel mir dann auch als erstes auf, daß sich ein Prozeß namens systemd-login beschwerte. Auf Nachfrage im IRC fanden Axel und ich schließlich heraus, daß ich aus irgendwelchen Gründen das Paket packagekit installiert hatte, das wiederum systemd-shim nachzog. Also:

# apt-get remove packagekit

# apt-get remove systemd-shim

Letzteres wollte colord, gnome-settings-daemon, gvfs, gvfs-backends, gvfs-daemons, libpam-systemd, policykit-1, systemd-shim und udisks2 wegräumen, was es auch durfte. Trotzdem hatte ich danach keinerlei Seltsamkeiten oder gar Abstürze. Mir war nur aufgefallen, daß icedove (Thunderbird) weiterhin Links mit konsequenter Boshaftigkeit im iceweasel (Firefox) aufmachen will statt im Chromium, der immerhin als Standard-Browser definiert ist. Aber ich war dann auch nicht mehr lange auf und fuhr das System bald runter.

Heute nun wartete das aktualisierte System mit weiteren Überraschungen auf. Zunächst kam alles ganz normal hoch. Aber nach einer guten halben Stunde verschwanden von jetzt auf eben im icewm alle Fenstertitel, alle Beschriftungen in den Fenster-Tabs unten in der Startleiste, alle Texte im Startmenü, und auch die Popups bei Netz- und CPU-Last sowie der Uhrzeit strahlten mich in leerem Gelb ohne Inhalte an. Die Icons waren überall stehengeblieben, es fehlten nur die Texte. Mechtildes Idee, mal das icewm-Theme zu wechseln, war zwar ohne die Menütexte erst etwas schwierig, brachte mir aber schließlich die Texte zurück. Und sie blieben auch da, als ich wieder auf mein übliches Theme zurückwechselte. Allerdings wurde mit der ersten Umschaltung die Reihenfolge der Fenstertabs unten in der Startleiste neu gewürfelt.

Bislang blieb das Phänomen ein Einzelfall; seitdem ist es nicht mehr aufgetreten.

Aber damit mir nicht langweilig wird, konnte ich vorhin plötzlich mitten im Betrieb nicht mehr zwischen Chromium-Tabs umschalten. Ich war ja eigentlich sehr froh gewesen, daß ich endlich wieder Chromium nutzen kann; in Wheezy war der ja zuletzt völlig kaputt gewesen, und ich mußte den trägen iceweasel/Firefox benutzen, um ins Web zu können. Und jetzt wollte Chromium schon wieder nicht mehr.

Als er auch nach mehrfachem Herumprobieren gar nicht mehr reagierte und sich auch nicht schließen ließ, schoß ich ihn von der Konsole aus mit einem herzlichen kill ab. Dann wollte ich ihn wieder öffnen. Aber bis auf den Fensterrahmen kam nichts. Scheinbar zumindest. Denn in der Prozeßliste war er da, auch mit mehreren Prozessen, woraus ich schließe, daß er die Tabs eigentlich offen hatte. Nur wußte die grafische Oberfläche nichts davon. Mehrere Versuche, ihn neu zu starten, endeten wie zuvor mit dem Fensterrahmen und der Notwendigkeit eines Kill.

Dann kam Alex auf die Idee, ich solle es doch mal von der Konsole aus probieren. Aber das Ergebnis war dasselbe: Fensterrahmen, Prozesse vorhanden, aber keine Anzeige. Dazu kam noch das hier auf die Konsole:

[9905:9905:0125/201504:ERROR:sandbox_linux.cc(343)] InitializeSandbox() called with multiple threads in process gpu-process.

[9868:9868:0125/201526:ERROR:CONSOLE(73)] "Uncaught SecurityError: Failed to read the 'localStorage' property from 'Window': Access is denied for this document.", source: chrome-extension://odjhifogjcknibkahlpidmdajjpkkcfn/blockStart.js (73)

[9868:9868:0125/201526:ERROR:CONSOLE(228)] "Uncaught TypeError: Cannot read property 'globalAllowAll' of undefined", source: chrome-extension://odjhifogjcknibkahlpidmdajjpkkcfn/blockStart.js (228)

Schließlich beendete ich alle Programme auf der grafischen Oberfläche, loggte mich aus, startete X neu und öffnete die Programme wieder. Chromium ging ganz unschuldig auf und meinte, er sei nicht normal beendet worden, ob er die alten Fenster wieder öffnen solle …?

Ich frag mich ja jetzt, wieviel Voodoo noch in Jessie eingebaut worden ist, aber eigentlich würd ich dann gern wieder normal weiterarbeiten. 😉

[Update 2017-01-27 16:30]

Chromium friert auch weiterhin gelegentlich ein, und auch weiterhin muß X komplett beendet und neu gestartet werden, damit Chromium wieder normal starten kann. Allein gestern war das dreimal der Fall. – Immerhin schien das Verschwinden der Texte im Fenstertitel, in den Menüs usw. von icewm ein Einzelfall gewesen zu sein.

Irgendwann gestern fiel mir dann auch auf, daß evince (PDF-Reader) schlicht verschwunden war. Ich installierte dann erstmal XPDF, um überhaupt wieder einen PDF-Reader zu haben. Warum evince deinstalliert worden war, ist unklar, denn er ist weiterhin in der Paketliste. Da muß ich mal sehen, ob ich jetzt bei XPDF bleibe oder wieder zu evince wechseln will, denn eigentlich war ich mit dem ganz zufrieden gewesen.

Gestern Abend mußte ich aber doch etwas im System verändern. Der Mediaplayer totem wurde nicht nur optisch stark verändert, sondern schaffte es auch nicht, eine normale DVD abzuspielen. Er fand sie, las das DVD-Menü und zeigte es an, ich konnte die Sprachoptionen einstellen, aber bereits die Auswahl der Serienfolgen brachte eine Fehlermeldung: Angeblich konnte er nicht weiterlesen. Der Witz dabei: Die DVD lag schon ein paar Tage da drin, und die ersten beiden Folgen von der DVD hatte ich vor dem Upgrade bereits angesehen – mit totem.

Vor einigen Jahren hatte ich VLC deinstalliert und dafür totem installiert – weil VLC in Debian in Sachen Codecs so dermaßen verkrüppelt worden war, daß sich nicht einmal mehr DVDs abspielen ließen. Tja, jetzt bin ich wieder beim VLC, denn der kann jetzt, was totem nicht mehr kann.

Man darf also noch gespannt sein, welche weiteren Programme, die ich nicht so oft nutze, nun auch nicht mehr funktionieren …

[/Update]

[Update 2017-01-30 19:09]

So. Das Einfrieren des Chromium war offenbar das Ergebnis eines eigenartigen Nicht-Zusammenspiels mit einem Plugin von WordPress. Im Blog der Besorgten Bürger war JetPack installiert. Das ist so eine Art Funktions-Sammelsurium. Und mir war nach ein paar Tagen aufgefallen, daß Chromium immer dann einfror, wenn ich dort im Blog Links erfaßte und dafür im Editor rauf- oder runterscrollen mußte. Seit das Plugin deinstalliert ist, ist mir Chromium nicht mehr eingefroren. Das hatte also offenbar nur indirekt was mit dem Upgrade auf Jessie zu tun. Erkenntnis: JetPack in WordPress 4.7.x und Chromium 55 mögen sich nicht.

Dagegen läßt icewm auch weiterhin gelegentlich Fenstertitel etc. verschwinden. Gestern Abend verschwanden nur die Fenstertexte bei einem Spiel, im Moment bin ich hier aber auch mal wieder komplett ohne Fenstertitel und Menü-Texte. Wenn ich dann auf ein anderes icewm-Theme umschalte, sind zwar die Texte wieder da, dafür würfelt mir icewm dann halt die Reihenfolge der Fenster in der Leiste unten wieder durcheinander. Da dieser Effekt unter Wheezy (und auch davor) nie auftrat, ist das anscheinend ein neuer Bug. Da muß ich wohl eine Bugmeldung schreiben.

Uhranzeige 19:20:08 mit abgeschnittener oberer Hälfte bei den Nullen

Achja, auch icewm: In der Uhrzeit-Anzeige der Menüleiste werden alle Nullen in der oberen Hälfte abgeschnitten bzw. nicht angezeigt. Man sieht nur die unteren drei Digital-Elemente.

Und schließlich: Thunderbird (icedove) klappt immer noch gelegentlich einfach so zu, wie in Wheezy auch schon, aber das wußte ich bereits, denn der Bug geht offenbar bis nach testing und unstable rein.

[/Update]

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