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Cafés früher und heute

20. September 2017 um 14:05 Uhr von Atari-Frosch

Früher war – nein, nicht alles besser. Aber es gibt eine Sache, die mochte ich früher viel lieber als heutzutage, und das sind Cafés.

Das klassische Café war ein ruhiger Ort. Unterhalten wurde sich leise, gedämpft; wer laut(er) wurde, mußte schon mit mißbilligenden Blicken rechnen. Mindestens. Im Hintergrund lief, wenn überhaupt, sehr dezente klassische oder Klaviermusik. Man konnte auf seinen Kaffee oder auch auf den Cappuccino richtige Sahne haben; Milchschaum wurde, wenn denn mal gewünscht, „hinten“ in der Küche produziert. Und die Preise waren sicher nicht billig, aber durchaus moderat.

Und heute?

Heute finde ich kaum noch diese klassischen Cafés. Heute gibt es Coffee Fellow, Starbucks und weitere in der gleichen Art. Schon wenn man reinkommt, brüllt einem ein nahezu ständig laufender Milchschäumer von hinter der Theke entgegen, in manchen Läden sogar zwei oder mehr. Dazu wird Musik laufen gelassen, deren Lautstärke weit entfernt von „dezent“ ist. Entsprechend laut unterhalten sich die Gäste. Die Auswahl und die Varianten bei Kaffee und Tee sind deutlich höher, aber Sahne? Meist Fehlanzeige.

Heute war ich nach einem anstrengenden Arztbesuch in so einem Coffee Fellow (Düsseldorf, Königsallee). Es war etwa halb voll, viel geredet wurde nicht. Zur Hintergrund-Belärmung – anders kann man das nicht mehr nennen – blökte ein Radiosender in den Raum, und zwar so laut und gleichzeitig so dumpf, daß ich nicht mal sicher sagen kann, in welcher Sprache dort gesprochen wurde. Ich tippe auf italienisch; deutsch hätte ich eventuell noch parsen können.

Die Preise waren recht happig, obwohl ich schon davon hörte, daß es im Starbucks noch teurer sein soll. Die für die Kaffee-Varianten gingen sogar noch, aber die Gebäckstücke, die man dazu erwerben konnte, sind vom Preis her fast schon jenseits von Gut und Böse.

Als ich für den Cappuccino nach Sahne statt Milchschaum fragte, mußte ich mir einen recht empörten Vortrag darüber anhören, daß das Ü-BER-HAUPT NICHT!!! gehe. (Im Bistro Alex in Berlin habe ich das übrigens nicht nur bekommen, sondern es steht ganz explizit mit auf der Karte.) Mir ist doch die Tradition egal: Mit richtiger Sahne schmeckt mir der Cappu halt am besten. Und wieder brüllte der Milchschäumer. Und danach brüllte er noch öfter, weil eine Ladung Leute reinkam, die sich wohl in ihrer Mittagspause eine Kaffeespezialität „to go“ holen wollten.

Achja, man könnte noch sagen: Hey, heute gibt's in diesen Läden immerhin freies WLAN! Ähm, also unter freiem WLAN versteh ich ja was anderes. Dort im Coffee Fellow muß man erstmal eine Mailadresse angeben und ein Paßwort festlegen, kurz, sich beim Anbieter registrieren, und – ähja, wie soll ich denn die Bestätigungsmail abrufen, wenn ich kein Netz (und auf dem Smartphone aus guten Gründen sowieso keinen Mailclient installiert) habe? Das heißt doch, ich könnte das „freie“ WLAN nur nutzen, wenn ich eigentlich sowieso einen Zugang über einen Mobilfunkprovider habe und mir der gerade zur Verfügung steht (Stichworte: Netzabdeckung, Prepaid).

Der Anbieter ist in diesem Fall übrigens nicht etwa direkt eine Telekommunikationsfirma, sondern die Werbefirma Wall (genau, die mit den Haltestellenhäuschen und öffentlichen Toiletten). Also soll man seine Daten ausgerechnet einer Werbefirma geben, damit die einem ein bißchen Internet zugestehen – ohne zu wissen, was deren Proxy so alles mitliest …

Da wäre dann doch Freifunk die deutlich bessere Alternative: Keine Anmeldung, keine Datenauswertung, und alle Verbindungen gehen über ein VPN im Ausland ins Internet, sodaß es kein Gedöns von wegen Störerhaftung gibt. Aber das wäre vermutlich zu einfach. Oder zu frei. Oder beides. Das aber eigentlich nur so nebenbei.

Ein wirklich schönes, „altmodisches“ Café gibt es übrigens in Greifswald, das Caféhaus Marimar. Da war ich ja im Oktober 2015 zu Besuch (also nicht bei dem Caféhaus, sondern in Greifswald ;-)), und das habe ich so richtig genossen. Auch ganz ohne Freifunk – obwohl das natürlich noch ein nettes Add-On wäre. Aber für den Trip hatte ich natürlich extra mein Prepaid-Guthaben mit mehr als genügend Datenvolumen aufgeladen.

So, das war mein heutiger „Früher war alles besser“-Rant. 😉

[Update 2017-10-10 18:25] Ein Autor des Zeit-Magazins findet auch, daß Cafés früher gemütlicher waren: Cafés: Entplüschung. [/Update]

Ein Kommentar zu “Cafés früher und heute”

  1. Felix Müller quakte:

    Ach, Du bist einfach zu sensibel für diese Welt. Haben halt nicht viele so ein Reizfilter-Problem.
    Und das mit dem „früher war alles besser“ liegt meiner Meinung nach daran, dass im Lebensverlauf die Stimmung immer nüchterner wird und man die Welt immer weniger positiv wahrnimmt.


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