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Nebenwirkungen von Prednisolon

27. September 2017 um 14:56 Uhr von Atari-Frosch

Vorab: Nebenwirkungen sind bei Medikamenten immer möglich, müssen aber nicht zwingend auftreten. Es ist zu vermuten, daß die meisten Menschen, welche die beschriebenen Medikamente einnehmen, nie damit zu tun bekommen. Dies ist ausdrücklich ein rein persönlicher Erfahrungsbericht!

Seit anderthalb Monaten huste ich schon rum. In den ersten Wochen konnte ich praktisch gar nicht reden, und auch jetzt noch ist mein Gequake ziemlich kratzig und mit viel Husterei durchsetzt. Der Grund heißt Luftröhrenentzündung, und es ist leider nicht meine erste.

Da die ersten Medikamente, die ich von meiner Hausarztpraxis bekommen hatte, nicht so wirklich Wirkung zeigten, wurde ich zu einem Lungenfacharzt geschickt. Der verschrieb mir nach einer ausführlichen Untersuchung inklusive Röntgenaufnahme der Lunge etwas „härteren“ Stoff. Zwar hatte das Inhalationspulver namens Flutide von der Hausarztpraxis dafür gesorgt, daß der vorher extrem trockene Husten etwas „feuchter“ wurde, aber das war's dann auch schon gewesen; von dem Antibiotikum, das ich dazu bekommen hatte, hatte sich die Sache so gar nicht beeindrucken lassen.

Letzte Woche wurde nun also gewechselt, und vor allem wird mein Körper jetzt massiv mit Cortison-Präparaten „beschossen“, um die Entzündung zu bekämpfen. Dazu kam ein anderes Antibiotikum (Amoxicillin), mit dem ich bis auf die abartige Größe der Filmtabletten schon früher sehr gut klarkam.

Zu den Cortison-Präparaten gehört Flutide zwar auch, aber das hatte ich schon vorher bei gleicher Indikation gehabt, ohne daß es erkennbare Nebenwirkungen gegeben hatte. Das könnte aber auch daran liegen, daß ich das immer in der kalten Jahreszeit bekommen hatte, wenn meine Depressionen sowieso schon stärker waren als sonst, und es daher einfach nicht auffiel.

Aber auch das andere, stärkere Inhalationspulver, das ich letzte Woche vom Lungenfacharzt bekam (Beclomet 0,4 mg), hat vermutlich nicht diese Nebenwirkungen, mit denen ich gerade zu tun habe. Und das, obwohl ich davon jetzt eine höhere Dosis einnehme als vorher vom Flutide.

Diese Nebenwirkungen kommen mit hoher Wahrscheinlichkeit (vor allem) von den Tabletten mit der Bezeichnung Prednisolon acis® 20 mg.. Diese Tabletten nimmt man nur für relativ kurze Zeit ein, in welcher die anfangs höhere Dosis nach und nach reduziert wird. Bei mir sind das insgesamt neun Tage, je drei Tage mit höherer, mittlerer und niedriger Dosierung (die genaue Dosierungsanleitung gibt der Arzt individuell, deshalb werde ich hier nicht genauer).

Die Packungsbeilage warnt sogar davor, daß diese Tabletten beim Vorliegen einer „psychischen Erkrankung“ oder sogar Vorerkrankung – also eine, die gerade gar nicht (mehr) aktiv ist – nur mit psychiatrischer Begleitung eingenommen werden sollten. Der Arzt hat mich allerdings nicht gefragt, ob ich vorbelastet bin. Zu den aufgeführten Nebenwirkungen gehören nämlich Depressionen bis hin zur Suizidalität sowie Veränderungen am Blutdruck. Letzterer kann nach unten wie auch nach oben gehen, bis hin zu ernsthaften Herzproblemen.

Nun gehöre ich zu den Leuten, die Packungsbeilagen auch tatsächlich lesen, zumindest was Neben- und Wechselwirkungen sowie Einschränkungen im Alltag angeht. Das macht ja nun nicht jeder. Trotzdem hatten mich die tatsächlich auftretenden Nebenwirkungen erstmal eiskalt erwischt.

Die erste Dosis nahm ich am Donnerstag Morgen ein. Da passierte erstmal noch nichts, und auch an den darauffolgenden Tagen merkte ich nichts von Nebenwirkungen. Dafür wurde immerhin die Husterei etwas besser. Was genau das jetzt bewirkt hat oder ob es die Medikamente in Kombination waren, kann man natürlich so nicht sagen.

Am Montag kam dann der Hammer.

Ich bin ja seit etwa Dezember letzten Jahres eigentlich depressionsfrei. Umso heftiger war der am Montag plötzlich einsetzende Schub mit Heulen, Angst, Niedergeschlagenheit, Hoffnungslosigkeit und – ja, auch einem Anflug von Suizidgedanken.

Ich brauchte Stunden, um mich wieder zu fangen. Dann erst erinnerte ich mich an die Anmerkungen im Beipackzettel zum Prednisolon. Da war doch was? – und befragte das kluge Internet™ (Suchbegriffe: Cortison Depressionen).

Und das kluge Internet™ wußte was: Cortison - kann es Depressionen verstärken oder auslösen? in einem österreichischem Psychotherapie-Forum.

Der altbekannte Druck im Brustraum war gleich, aber das ganze Außenherum war doch … irgendwie anders. Das wurde mir nach diesen Nachforschungen deutlich bewußt. Es ist sehr lange her, daß ich sowas schonmal erlebt hatte: In den späten 1980er Jahren, als ich die Pille Diane 35 einnahm, hatte ich denselben Effekt gehabt. Das ist keine „natürliche“ Depression aufgrund der Lebensumstände (daß ich Depression nicht für eine Krankheit halte, habe ich ja schonmal ausführlich erwähnt), sondern eine künstlich erzeugte Veränderung im Hormonhaushalt, die ähnliche Symptome auslöst.

Die Erkenntnis fand ich beruhigend, aber wirklich besser ging es mir am Montag trotzdem nicht. Immerhin war damit zu rechnen, daß der Effekt nachläßt und schließlich verschwindet, wenn die Therapie mit dem Prednisolon beendet ist.

Am Dienstag hatte ich vergleichsweise ausgesprochen gute Laune; die akuten Depressionssymptome waren weg. Dafür kam jetzt der Kreislauf zu Wort: Herzklopfen und vereinzelte Sehstörungen zeigten an, daß es noch nicht vorbei ist. Im Nachhinein vermute ich, daß ein leicht erhöhter Blutdruck auch die Angstgefühle vom Montag mit ausgelöst hatte.

Auch hier wieder eine Verbindung zu einer älteren Erfahrung: Auch Antidepressiva greifen ja in den Hormonhaushalt ein. Das Herzklopfen hatte ich mal ganz heftig in den ersten Tagen der Einnahme eines Antidepressivums im Jahr 2004 gehabt. Das war zwar nur sehr kurz, aber dafür so massiv, daß ich damals starke Panik bekommen hatte. Das fühlt sich jetzt durchaus ähnlich an, wenn auch nicht ganz so heftig.

Heute habe ich weiterhin mit Herzklopfen und leichtem Schwindel zu tun, und auch der Druck im Brustraum ist wieder da, wenn auch nicht mehr so schlimm wie am Montag. Ich hoffe wirklich, daß sich das alles nach dem Absetzen vollständig legt.

Meine Gedanken waren aber vor allem: Wenn das jemanden unvorbereitet trifft, der mit Depressionen (egal ob medikamentös ausgelöst oder „natürlich“) keinerlei Erfahrungen hat, dann steht ein solcher Mensch unter ungünstigen Umständen noch am selben Tag auf einer Brücke. Und das hat mich mehr erschreckt als das Auftreten der Nebenwirkung bei mir selbst.

Liebe Ärzte: Wenn Ihr jemandem zum ersten Mal Prednisolon verschreibt, macht auf diese mögliche Nebenwirkung explizit aufmerksam! Nicht jeder liest Beipackzettel. Das kann verdammt gefährlich werden!

3 Kommentare zu “Nebenwirkungen von Prednisolon”

  1. SackOhneSenf quakte:

    @Frosch: Deinen Aufruf an Ärzte mit solchen Dingen vorsichtiger zu sein finde ich sehr gut, auf die Möglichkeiten der Nebenwirkung hinzuweisen und es dem Patienten nach Rücksprache zu überlassen ob er das Risiko eingehen will.

    Zu dem Medikament kann ich nichts sagen, auch nicht zu ähnlichem, aber wenn ich das richtig mitbekommen habe bist du StarTrek Fan, also empfehle ich die neu angelaufene Serie StarTrek: Discovery, als „kleinen Trost“ und Aufmunterung. Das hilft hoffentlich ein klein wenig.


  2. TmoWizard quakte:

    Hallo @Sabine,

    ausgerechnet Prednisolon! :-O Ich brauch das Zeug zum Glück nicht, kenne aber einige Leute, die das ebenfalls vom Arzt auf’s Auge gedrückt bekamen. Gerade eine sehr gute Freundin von mir ist jedoch eh schon sehr depressiv und nun auch noch dieses Medikament, eine ganz üble Mischung!

    Laß dich von mir auf die Ferne knuddeln, ich wünsche dir von ganzem Herzen gute Besserung.

    Viele liebe Grüße aus Augsburg

    Mike


  3. Alwin Müller quakte:

    Tach – Quack, mhh Inhaltionspulver, Entzündungshemmend. Ich kann Foster- Spray empfehlen. Bin ja „eingestellter“ Asthmatiker, lange keine Probleme mehr.

    In der Vergangenheit war ich schon fast Lungen Transplantations – Kandidat.


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