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Datensammlung getarnt als Wohltätigkeit

29. September 2017 um 12:27 Uhr von Atari-Frosch

Die Ing-Diba, eine Bank, veranstaltet derzeit einen Wettbewerb. Man soll dort für „seinen“ Verein stimmen, und der Verein, der am meisten Stimmen bekommt, bekommt von der Bank dann ein (für die Verhältnisse der Bank) kleines Taschengeld. Das klingt nach Wohltätigkeit, ist es aber nicht. Tatsächlich handelt es sich um eine für die Bank sehr billige Marketing- und Datensammel-Aktion. Das Ziel: bekannter werden und aktuelle Handy-Nummern einsammeln.

Denn wer dort für „seinen“ Verein abstimmen will, wird erstmal dazu aufgefordert, seine Handy-Nummer anzugeben, angeblich zu dem Zweck, mithilfe einer SMS sicherzustellen, daß jeder nur einmal abstimmen kann:

Somit wird also ein gewisser sozialer Druck aufgebaut, seine Handy-Nummer (mitsamt meist ebenfalls auswertbarer IP-Adresse, die immerhin den ungefähren Wohnort anzeigt) dort einzuwerfen, um sich nicht vorwerfen lassen zu müssen, man wolle seinen Verein ja gar nicht unterstützen. Ich finde das jetzt … nicht so toll, einem Dritten persönliche Daten geben zu müssen, damit der einem Verein – vielleicht! – ein bißchen Geld zuwirft.

Man könnte mir jetzt, wie @natureshadow das macht, vorwerfen:

Die Situation ist aber eine andere, und das gleich aus mehreren Gründen:

  1. Ich schalte damit keine Instanz dazwischen, die mir Geld bezahlt, wenn Dritte etwas tun. Wer bei mir etwas kauft, unterstützt mich direkt – und hat im besten Fall auch noch selbst was davon, nämlich eben den gekauften Artikel.
  2. So nebenbei geht das auch ganz ohne eBay und PayPal, wenn das jemand nicht nutzen möchte, da ich alle Artikel – und sogar noch mehr – auch auf meiner Website aufliste. Wer dann mir – nicht einem Dritten – welche Daten gibt, kann man individuell vereinbaren. Um die Angabe der Handy-Nummer gegenüber einem Dritten komme ich bei der Aktion der IngDiba aber nicht herum, wenn ich möchte, daß ein Verein von der Bank Geld bekommt.
  3. Bei mir als Privatperson entsteht kein sozialer Druck, der im Umfeld eines – zudem gemeinnützigen – Vereins durchaus entstehen kann. Wer den eigenen Verein nicht unterstützt, „nur wegen einer Handy-Nummer“, der kann je nach, sagen wir, Umgang in diesem Vereinsumfeld schnell ins Abseits geraten. Man meine es ja wohl gar nicht so ernst mit der Vereinsunterstützung und so. Das mag in diesem Fall nicht (so sehr) der Fall sein. Ich kann mir aber genügend andere Vereine und Situationen vorstellen, in denen ein solcher Vorwurf sicher vorkäme. Datenschutz ist in Vereinen leider nicht überall ein Ding.

Ja, für den Datenschutz gibt es Datenschutzbestimmungen. Wieviel die gerade im Marketing wert sind, erfahren wir ja regelmäßig: Nichts. Sind die Nummern mal gespeichert, dann kann man sie auch verwerten, egal was man sich in die Datenschutzbestimmungen geschrieben hat. Wichtig ist da nur, daß es keiner mitbekommt und die Empfänger von Werbe-SMS oder gar -Anrufen nicht mehr nachvollziehen können, woher der Werber die Nummer hat. Denn die Absender sind dann im allgemeinen einfach gar nicht feststellbar.

Also, nochmal in Kurz: Meine Daten und meine Entscheidung, Alternative verfügbar, kein potentieller sozialer Druck, und Geld kommt nicht von Dritten.

(Im Gegenteil: Beim Verkauf über eBay bezahle ich Verkaufsgebühren, und wenn jemand über PayPal bezahlt, wird mir davon auch nochmal was abgezogen.)

Und schließlich: Mir wäre es am liebsten, wenn wir ganz ohne Datenkraken auskämen. Dann sollten wir aber auch andere nicht dazu ermutigen oder sogar einen gewissen sozialen Druck aufbauen, daß sie Dritten zu unseren Gunsten ihre Daten schenken.

eBay (sowie andere Verkaufsplattformen) und PayPal sind erstmal Geschäft, nicht Spiel (auch wenn eBay mit den Auktionen – „drei, zwei eins, meins“ – eine gewisse „gamification“ versucht). Ihr Vorteil ist natürlich die große Reichweite, nämlich bestenfalls weltweit – was mir aber auch nicht hilft, wenn ich nichts anbieten kann, was viele Leute weit genug interessiert. Ich kann leider nicht behaupten, daß ich auf diesem Wege regelmäßig ein gutes Zubrot verdiene.

Die IngDiba macht den Wettbewerb aber auch nicht aus Wohltätigkeit. Natürlich bringt sie damit erstmal ihren Namen ins Spiel (was auch nicht mein Ziel als Privatperson ist; ich bewerbe mit meinem Verkauf keine anderen Dienstleistungen). Aber wenn man dann auch noch Daten von tausenden von Leuten einsammeln kann, stört das da sicher auch nicht.

Grundsätzlich gilt ja: Was es scheinbar kostenlos gibt, bezahlen wir meistens mit unseren Daten oder – wie in diesem Fall – sogar mit den Daten unserer Freunde. Deshalb werde ich sicher nicht dazu aufrufen, irgendwo bei Dritten persönliche Daten einzukippen, selbst wenn ich – vielleicht – was davon hätte.

Selbst bei Petitionen achte ich mittlerweile sehr darauf, auf welcher Plattform sie laufen. Den meisten traue ich nicht. Und da geht es noch nicht mal um Geld, sondern um politische Ansichten.

So, ich habe fertig.

6 Kommentare zu “Datensammlung getarnt als Wohltätigkeit”

  1. Nik quakte:

    Es gibt einen feinen Unterschied zwischen Datenschutz und Paranoia, der bei dir offenbar fließend ist.

    Ich bin sehr sicher, dass die ING DiBa mit der Abfrage der Handynummer keine Datensammelzwecke verfolgt. Die Abfrage ist notwendig, um die Manipulation der Abstimmung schwieriger zu machen. Und die Handynummer ist da ein guter Kompromiss, um nicht wesentlich sensiblere Daten abfragen zu müssen.

    Früher waren diese Votings auch bei der ING DiBa vollkommen anonym. Das wurde hoffnungslos ausgenutzt – als ich noch am Leibniz-Gymnasium Remscheid gearbeitet habe, hat der Förderverein und der Schulleiter da auch ganz offen Informatiker darum gebeten, die Abstimmung im Sinne des Vereins zu manipulieren. Damals schloss sich ein langwieriger Prozess an, in dem die Bank die Abstimmungen heuristisch irgendwie versucht hat zu bereinigen, und am Ende war es immer noch Unfug.

    Ich habe lieber eine halbwegs faire Abstimmung. Auch mit der Handynummer ist die Manipulation nicht unmöglich – aber wie gesagt, es ist ein guter Kompromiss.

    Übrigens muss da ja auch niemand mitmachen – man kann auch an die Vereine einfach so was spenden. Du hast die freie Wahl zwischen Handynummer eingeben und gratis unterstützen, mit eigenem Geld unterstützen oder halt gar nicht unterstützen.

    Einen Grund, unter dem Deckmantel der „informationellen Selbstbestimmung“, wie du deine Schrei-Aktion nennst, zum Boykott der Aktion aufzurufen, ist – wie oben schon geschrieben – Paranoia.

    Meine Handynummer wurde von der Aktion im letzten Jahr übrigens nie zu Werbezwecken o.ä. verwendet, und von anderen Unterstützern habe ich auch nichts dergleichen gehört.


  2. Nik quakte:

    Ach, zum „kleinen Taschengeld“… Was an über 1.000.000 € ein kleines Taschengeld sein soll, weiß ich nicht. Die Bank hat zwar vermutlich mehr, aber zu verlangen, dass sie alle Mittel in die Aktion stecken, halte ich doch auch ein wenig für überzogen…


  3. Atari-Frosch quakte:

    @Nik: Noch in diesen Tagen hatten wir es von Diagnosen und Ableismus. Du hattest meinen entsprechenden Tweet an Tom sogar noch gefavt. Verstanden hast Du ihn offenbar trotzdem nicht. Nun denn.

    Das nimmt mir dann auch das Interesse daran, überhaupt noch zu diskutieren.


  4. benediktg quakte:

    Welche Petitionsplattformen eraxhtest du denn als vertrauenswürdig und welche nicht so sehr?


  5. Nik quakte:

    @Atari-Frosch: Äh… den Kontextwechsel krieg ich nun tatsächlich nicht hin.

    (Wieso muss ich hier eigentlich, angeblich zu irgendwelchen Spamschutz-Zwecken, meine E-Mail-Adresse angeben?)


  6. maltris quakte:

    Wenn sozialer Druck, an dem Wettbewerb, den es übrigens schon einige Jahre gibt, dich dazu bewegt etwas zu tun, was du eigentlich nicht möchtest, solltest du dich wohl eher Fragen ob das der richtige Verein für dich ist.


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