Politik – Froschs Blog http://blog.atari-frosch.de Computer und was das Leben sonst noch so zu bieten hat Sun, 10 Dec 2017 09:25:05 +0000 de-DE hourly 1 http://blog.atari-frosch.de/wp-content/uploads/2015/09/cropped-aflogo-512x512-32x32.png Politik – Froschs Blog http://blog.atari-frosch.de 32 32 Singletasking http://blog.atari-frosch.de/2017/11/19/singletasking/ http://blog.atari-frosch.de/2017/11/19/singletasking/#comments Sun, 19 Nov 2017 13:33:06 +0000 http://blog.atari-frosch.de/?p=17021 Gestern merkte ich es mal wieder deutlich. Nicht nur, wie mich ein Problem oder eine Aufgabe vereinnahmen kann (siehe Hyperfokus), sondern auch, welche Probleme damit einhergehen. Ich meine, es war ganda, die den Begriff mal im Zusammenhang mit Autismus in meine Timeline warf und mich damit auf eine neue Spur auf der Suche nach Selbsterkenntnis brachte: Singletasking. Ja, das beschreibt es glaub ich ganz gut.

Warum kann ich nicht zwischen Aufgaben „springen“? Warum ist es so schwer, in eine Aufgabe, die ich gerade nicht weitermachen kann, später wieder „reinzukommen“? Warum vergesse ich Aufgaben so leicht, wenn ich gerade in eine Sache vertieft bin? Singletasking. Das scheint mir die Antwort zu sein.

Konkret: Für vorgestern hatte ich mir vorgenommen, nochmal einen Anlauf bei der Installation von MediaGoblin zu nehmen. Denn ich würde meine Fotos wirklich gerne selbst hosten, statt sie, wie seit Jahren, auf Picasa bzw. später Google Photos zu werfen. Schließlich ist auf meinem Server mittlerweile wirklich genug Plattenplatz dafür vorhanden.

Leider funktioniert die Installation nicht so einfach, wie in den Deployment Instructions beschrieben. Ich versuchte die Installation zunächst mit Python3-Unterstützung und mußte mich dann von Fehlermeldung zu Fehlermeldung durchhangeln, für die Google keine Lösungen fand. Nicht mal gleichartige Fragen, als ob das mal wieder Probleme wären, die ausschließlich bei mir auftreten. Ich suchte weiter, fand etwas (manchmal in völlig anderem Kontext), korrigierte oder installierte nach, prompt kam die nächste Fehlermeldung, ich suchte wieder – bis ich völlig feststeckte. Schon sowas ist ja frustrierend.

Schließlich stellte ich meine Fragen im IRC-Channel des Projekts, wo ich erstmal erfuhr, daß das mit Python 3 zwar offiziell geht, aber eigentlich doch keine so gute Idee sei, weil … naja, egal eigentlich, das soll eh ein eigener Artikel werden. Im Channel mußte ich jedoch erstmal zwei Stunden auf eine erste Antwort warten. Das ist natürlich doof, wenn ich feststecke.

Nicht nur in der Installation feststecke, sondern auch gedanklich. Ich kann dann nämlich entweder gar nichts sonst machen, oder ich fange was anderes an und kann dann unter Umständen am Problem nicht mehr weitermachen, wenn ich Antworten bekomme, weil die Aufmerksamkeit dafür eben nachgelassen hat. Ich kann nicht so einfach wieder „zurückspringen“, wenn ich einen Task einmal weggeschoben habe. Es geht einfach nur ein Task; entweder kann ich ihn abhaken, oder er bleibt (meist) erstmal liegen.

Ich gab jedenfalls vorgestern Abend auf und nahm mir vor, es am Folgetag nochmal von vorn, diesmal aber mit Python 2.7, zu versuchen. Aber gestern ging das Spielchen quasi von vorn los. Wieder fragte ich im Channel, weil ich im Netz ab einem bestimmten Punkt keine Hinweise mehr finden konnte, wieder passierte erstmal nichts.

Ich wollte schon aufgeben und fing diesen Blogartikel hier an. Task-Wechsel.

Und dann kam doch noch eine Antwort. Ich mußte also wieder auf das Thema MediaGoblin „zurückschalten“. Und es war weniger der Frust von vorher als die Tatsache, daß ich gedanklich eigentlich schon weggeschaltet hatte, was mir die Konzentration dann massiv erschwerte. Dazu kam, daß ich auch mit den Hinweisen erstmal noch in einige Fehlermeldungen rauschte. Nach fast einer Dreiviertelstunde sehr ausführlicher Hilfe lief die Software dann endlich. Wenn der andere im Channel nicht so konsequent drangeblieben wäre, hätte ich es wohl nicht mehr weiter versucht. Nicht nur gestern, sondern generell. Der Fokus war eigentlich schon komplett weg.

So geht es mir immer wieder. Kann ich eine Aufgabe, egal welcher Art, nicht konsequent durchziehen, weil Informationen fehlen oder gar falsch sind, weil ich auf irgendwas/irgendwen warten muß usw., dann kann ich nur unproduktiv warten. Oder was anderes anfangen – dann jedoch driftet mir der Fokus von der ursprünglichen Aufgabe weg. Aber so richtig. Weil der Fokus dann eben auf die neue Aufgabe gerichtet ist. Der alte Task wird im Kopf abgehakt, auch wenn er noch nicht wirklich fertig ist, sondern nur unterbrochen werden mußte.

Bei der Installation des MediaGoblin gestern ging das sogar noch, ich konnte nochmal zurück, auch wenn es mich wesentlich mehr Ressourcen kostete, als nötig gewesen wäre, wenn die Anleitung einfach durchgehend funktioniert hätte. Meist erlebe ich es aber anders.

Wie lange dann Aufgaben liegenbleiben, hängt nicht nur von ihrer Wichtigkeit (für mich, nicht nach der Bewertung anderer) und davon ab, wie lange ich auf das warten muß, was fehlt. Und dann: Wann ich den Fokus auf die Sache zurückbringen kann. Manchmal dauert es länger, Informationen oder Teile zu beschaffen; aber am längsten dauert es üblicherweise, den Fokus zurückzubringen, die Aufgabe wieder fest einzuplanen, weil es ja noch so viele andere Aufgaben gibt, die sich immer wieder „vordrängeln“.

Das haut mir auch in Behördenvorgängen rein: Was hinschicken, zwei Wochen warten, Ablehnung oder noch mehr Unterlagen werden angefordert, was hinschicken oder Rechtsmittel, wieder mehrere Wochen warten, neue Anforderungen, wieder hinschicken und warten … und immer wieder den Fokus drauf zwingen, obwohl eigentlich gerade auch noch andere Dinge anstehen. Deshalb kostete (und kostet) mich der ganze Scheiß immer so viel Energie: Weil die Vorgänge nicht am Stück stattfinden, sondern häppchenweise und meistens nicht einplanbar.

Daher gibt es hier diverse angefangene Projekte oder notwendige Aufgaben – die teils schon seit Jahren warten:

  • Der Anschluß des Dia- und Negativ-Scanners zum Beispiel, der nur SCSI spricht. Ich weiß nicht einmal, welche SCSI-Version genau. Der wartet zusammen mit den ~5.000 Dias und ~1.000 Negativen, die digitalisiert werden müßten. So ungefähr seit Anfang 2011.
  • Der Neuaufbau des Zweit-PCs für das Digitalisieren und Encoden von Schallplatten, MusiCassetten und VHS-Video; der alte ist an defekten Elkos gestorben, so vor ein paar Jahren. Audio könnte ich noch am Haupt-PC machen, aber Video hätte ich dann doch gern separat (zumal in meinem Haupt-PC schlicht kein Platz für die notwendige TV-Karte ist).
  • Seit … Februar oder so müßte ich meine Fernbrille nochmal zum Optiker bringen, weil sie die ersten neuen Gläser verschliffen zurückbekommen hatten und nochmal bestellen mußten. Hätte ich sie sofort bekommen, wäre es kein Problem gewesen …
  • Mein neuer Personalausweis liegt auch schon wieder seit ein paar Monaten beim Bürgeramt am Bilker Bahnhof. Den Abholschein finde ich schon nicht mehr. Bezahlt ist er.
  • Und ich müßte zum Zahnarzt. So ungefähr seit August 2014 (da knallte ja erstmal das ARGE mit seiner Idee, mich zu einer Straftat nötigen zu dürfen, dazwischen und ließ dann über längere Zeit nicht locker).

Übrigens, Depressionen aushalten ist auch so ein Task. Über fast 16 Jahre hinweg war das zumeist mein Haupt-Task gewesen, dem so viel anderes zum Opfer fiel.

Seit einem Jahr habe ich davor ja Ruhe, aber dafür ist sehr, sehr viel nachzuholen. Eigentlich ist das selbst für einen Nicht-Singletasker kaum zu schaffen, aber es gibt ja keinerlei echte Hilfen, nur Pseudo-Hilfen mit viel Bürokratie und den Nebenwirkungen Diskriminierung, Nötigung, Lügen und verschwindende Unterlagen.

Ich erinnere mich übrigens, daß mich das schon in der Schule so gestört hat: Themen wurden nicht konsequent durchgezogen, sondern alle 45 bis 90 Minuten kam was anderes dran. Wie soll man so richtig an einem Thema arbeiten und gedanklich dranbleiben? Das habe ich damals nie verstanden. Zwar waren die Stunden „geplant“, aber das half mir nur begrenzt – und sonderlich interessant war es meistens sowieso schon nicht, also umso schwerer, da überhaupt einen Fokus draufzusetzen. Ich konnte lange Zeit nicht verstehen, warum das den anderen Schülern anscheinend so überhaupt keine Probleme gemacht hat (daß ich zu der Zeit auch mit Mobbing und zeitweise auch schon mit Depressionen zu tun gehabt hatte, mal ganz außen vor).

Also gilt heute auch ohne Depressionen: Es bleibt schwierig. Oder wie meine Gesangslehrerin mit ihrem ungarischen Akzent zu sagen pflegte: „Ist immer-etwas, damit nicht wird langweilik.“

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Nine-Eleven http://blog.atari-frosch.de/2017/09/11/nine-eleven/ http://blog.atari-frosch.de/2017/09/11/nine-eleven/#comments Mon, 11 Sep 2017 13:00:19 +0000 http://blog.atari-frosch.de/?p=16613 Schon lange wollte ich mal aufschreiben, wie ich den 11. September 2001 erlebt hatte. Nun hat mir Tomek (unwissentlich) den notwendigen Schubs gegeben:

Ja, ich erinnere mich extrem genau an diesen und den folgenden Tag. Die Ereignisse hatten (nicht nur) mich völlig in ihren Bann geschlagen.

Ich wohnte damals noch in meiner ersten Düsseldorfer Wohnung in der Ludwig-Zimmermann-Straße, einer kleinen Seitenstraße neben dem Opernhaus. Internet hatte ich gerade schon gehabt, zusätzlich aber bezog ich Informationen und E-Mails per Modem über die Mailbox BILKINFO, die drei Haltestellen weiter in Rainers Gemüsekiste Nähe Kirchplatz stand und die ich auch als Sysop betreute. Und ich hatte auch noch meinen Fernseher in Betrieb.

Zu dieser Zeit war ich fast jeden Tag dort in der Gemüsekiste. An diesem Tag ging ich allerdings relativ früh wieder heim und war nachmittags schon wieder in meiner Wohnung. Etwa 15 Minuten später klingelte mein Telefon. Ohne sich erst zu melden, mit völlig geschockter Stimme, sagte mir Rainer: „Mach den Fernseher an, das Pentagon wird angegriffen!“ Nun tendiert Rainer eigentlich sonst gar nicht zum Imperativ, also mußte es ernst sein. Er selbst hatte die Nachricht im Radio gehört.

Also schaltete ich den Fernseher ein. Das Pentagon sah ich nicht, stattdessen verfolgte ich erschreckt, wie ein Flugzeug in einen der beiden Türme des World Trade Center flog und dieser Turm im oberen Teil in Flammen aufging. Es dauerte nicht lange, bis nahezu alle Fernsehsender ihr normales Programm gecancelt hatten und nur noch über diesen Anschlag berichteten, als gäbe es überhaupt nichts anderes mehr.

Ich geriet in eine Art Ausnahmezustand, der bis zum nächsten Abend anhalten sollte. Ich schrieb wie in Trance alles auf, was ich aus den diversen Sondersendungen erfahren konnte. Dazu begannen wir beide, Rainer und ich, von deutschen und internationalen Websites alles an Artikeln zu sammeln, was wir finden konnten. Die Informationen posteten wir in ein internes Brett (Newsgroup) der BILKINFO. Leider habe ich von dieser Sammlung praktisch nichts mehr übrig, es gibt nur noch ein paar einzelne Nachrichten – insbesondere diese hier:

2001-09-11 17:04 UTC+2

Sie sind aus den Fenstern gesprungen vor Panik, vor ein paar Minuten haben sie die Bilder gezeigt, mir rennen gerade die Tränen runter, ich kann nicht anders ...

Ich schreibe bloß noch und versuche, nicht zu begreifen, was ich da schreibe ...

Die TV-Sender hatten nicht wirklich viel an neuen Informationen zu bieten. Manche befragten diverse Experten, Politiker und Diplomaten, die aber eben aufgrund des Datenmangels noch gar nicht wirklich etwas sagen konnten. Dafür kamen nahezu alle auf die „glorreiche“ Idee, die beiden Crashes in die Türme und später deren Einsturz ständig zu wiederholen – und dazu Enyas Lied „Only Time“ einzuspielen. Die musikalische Untermalung machte die Bilder neben der ständigen Wiederholung noch einprägsamer; die an sich ruhige Musik machte wegen der extremen Diskrepanz zu den Bildern diese noch grauenhafter.

Ich zappte durch die Fernsehsender und hackte das, was ich jeweils erfahren konnte, in „Stenogramme“ zusammen. Ein sehr kleiner Rest davon ist noch indirekt übrig, aus einer Nachricht von Rainer:

2001-09-11 18:37 UTC+2
BET: [WTC] Re: Stenogramm ARD, Fortsetzung 4

FROSCH meinte am 11.09.2001:

> 18:01 Uhr Palästinensischer Vertreter (Fangi oder Kangi?): Ist ein Schlag

Abdallah Fangi. Seit Ewigkeiten Leiter des Büros der PLO in Bonn (bzw Berlin). Ein sehr kluger Kopf, gemässigt, vernünftig. Allgemein anerkannter Gesprächspartner.

Zusätzlich zu den wenigen Informationen der Fernsehsender grasten wir die Websites der deutschen und internationalen Medien ab. Insbesondere für einen Teil der deutschen Nachrichten-Sites wie Spiegel Online war die Last aber offenbar zu viel gewesen: Sie waren nach einiger Zeit schlicht nicht mehr erreichbar. DDoS durch Informationshunger, sozusagen. Ich erinnere mich dunkel daran, daß Spiegel und andere teils Kapazitäten dazumieteten, um überhaupt noch was ausliefern zu können.

Bei den Sites von großen Medien anderer Länder, insbesondere der USA, gab es meiner Erinnerung nach keine Ausfälle dieser Art, und erst recht nicht stundenlang.

Die erste klare Zusammenfassung kam abends in der Tagesschau:

In den Artikeln und Sendungen wurde der Angriff auf das Pentagon oft nur am Rande erwähnt. Ich kann mich auch nicht daran erinnern, daß der in der Tagesschau erwähnte Bombenanschlag am selben Tag noch irgendwo Thema gewesen wäre.

Immerhin wurde recht schnell klar, daß das bei Pittsburgh abgestürzte Flugzeug ebenfalls entführt worden war und für einen Anschlag mißbraucht werden sollte. Die Passagiere hatten revoltiert und die Entführer damit an der Durchführung ihres Planes gehindert – durch den erzwungenen Absturz kamen sie alle ums Leben. Diese Helden wurden später kaum noch erwähnt; mittlerweile haben die meisten sie wohl vergessen.

Meinen Abschluß des ersten Tages habe ich wieder nur indirekt in Rainers Antwort:

2001-09-12 01:50:00 UTC+2
BET: [WTC] Re: Stenogramm N24, Teil 15

FROSCH meinte am 11.09.2001:

> So, und jetzt kann ich nicht mehr und gehe ins Bett.
[…]

Ich fiel nur noch ins Bett, und als ich um ca. 8:00 Uhr aufwachte, schaltete ich als erstes wieder PC und Fernseher ein. Aber da gab es wohl auch erstmal ein paar Probleme (diesen Absatz habe ich wieder nicht mehr im Original, deshalb auch ohne Zeitstempel; ich hatte mich in der Folgenachricht selbst zitiert):

Zur Zeit kann ich die meisten Kanäle im TV nicht empfangen: ARD, ZDF, Sat.1, WDR, VOX, ntv, premiere, CNN, BBC World, EuroSport, Kabel1, BR, MTV, DSF, Pro7, RTL 2, Phoenix, N3 sind tot. Nur die Sender RTL, RP, KiKa (arte), superRTL kriege ich rein. Auf den Webseiten des ZDF ist nichts dergleichen angekündigt, daher gehe ich von einer lokalen Störung aus.

2001-09-12 08:57:00 UTC+2

Update 08:30 Uhr: Mir brechen auch die restlichen Sender weg. Keine Ahnung, ob es der Fernseher oder eine Störung in Düsseldorf ist. NBC kriege ich noch, keine Ahnung, wie lange. Dort wird gerade aus Paris berichtet. Alle anderen Sender, die ich noch kriege, bringen normales Programm.

ntv und WDR hatte ich kurz, brachen dann wieder weg. N3 bringt eine Talksendung und hat Bildstörungen.

Update 09:00 Uhr: Scheinen alle wieder da zu sein.

Ja, und dann sammelten wir weiter, noch bis zum späten Abend. Erst dann löste sich diese „Trance“ bei mir langsam auf. Ich schätze, das war dann wohl meine Art, die Vorgänge erstmal zu verarbeiten.

Nicht mehr ganz so extrem, aber immer noch sehr intensiv hatte ich eine solche Verarbeitungs-Trance im Februar 2011 gehabt, bei dem Aufstand in Ägypten, als ich drei oder vier Tage lang, diesmal auf Twitter, alles aufschrieb, was ich insbesondere über Al Jazeera English mitbekam.

Seitdem habe ich mir erfolgreich angewöhnt, bei Ausnahme-Ereignissen dieser Art – egal ob politischer Umsturz oder Terroranschlag – am selben Tag erstmal bewußt überhaupt keine Nachrichten dazu zu verfolgen, um diese Extrem-Involvierung zu vermeiden, zu der ich offenbar tendiere. Das mag kaltherzig erscheinen, ist aber schlicht Selbstschutz. Am nächsten oder übernächsten Tag, wenn die ersten Zusammenfassungen aufschlagen, kann man die mal langsam lesen. Aber alles quasi live mitzubekommen belastet einfach nur das Nervenkostüm – ohne daß ich etwas ändern kann.

Siehe auch: Sascha Lobo am 23. August auf Spiegel Online: Soziale Medien: Warum ich nach Terroranschlägen offline gehe.

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Vortanzen beim ARGE http://blog.atari-frosch.de/2017/05/29/vortanzen-beim-arge/ http://blog.atari-frosch.de/2017/05/29/vortanzen-beim-arge/#comments Sun, 28 May 2017 22:12:01 +0000 http://blog.atari-frosch.de/?p=16249

Donnerstag Vortanzen beim ARGE. Kreisende Gedanken schon seit gestern. Immer wieder dieselbe Scheiße. #hartz4

— Atari-Frosch (@AtariFrosch) May 28, 2017

Da ich ja nun wieder im Hartz-IV-Bezug bin, eingestuft als „voll erwerbsfähig“, heißt das auch, daß ich mich „dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stellen“ soll. Für Donnerstag habe ich eine Vorladung (euphemistisch immer schön als „Einladung“ bezeichnet) erhalten, natürlich mit der üblichen Sanktionsdrohung, falls ich es wagen sollte, nicht aufzutauchen und dafür keine gnädigerweise anerkannte Entschuldigung vorweisen zu können.

Ja, und damit geht es wieder los. Wie jedesmal.

Das heißt, kreisende Gedanken, sobald der Termin näherrückt. Die Vorladung kam relativ kurzfristig, nämlich nur eine Woche vorher; vor der Zwangsverrentung, als ich noch als Aufstocker eingeordnet war, kamen Vorladungen mit größerem Abstand zum Termin. Aber nun gelte ich nicht mehr als Aufstocker, obwohl unsere Firma Nerd4U natürlich weiterhin existiert.

Nun soll ich also Bewerbungsunterlagen vorlegen. Sehr witzig. Ich werde nächsten Monat 49 Jahre alt, habe offiziell seit bald 20 Jahren nirgendwo mehr „gearbeitet“, und was ich mir selbst an Kenntnissen angeeignet habe, kann ich nicht auf Papier nachweisen. Ja, und eigentlich habe ich ja meinen Arbeitsplatz. Der wirft nur noch nichts ab.

Ich rate jetzt mal: Da ich aus Nerd4U noch keine Gewinne ziehen kann, wird es als Hobby angesehen werden (auch wenn das Finanzamt das sicher anders sieht). Ergo wird man meine knappen Ressourcen damit verbraten wollen, mich entweder zu sinnfreien Bewerbungen zu zwingen oder mich in einen noch sinnfreieren Vollzeit-Kurs zu stopfen. Das würde nicht nur dazu führen, daß ich für Nerd4U keine Zeit mehr hätte – was sicher eher nicht dazu beitrüge, diesen selbst gewählten Arbeitsplatz dauerhaft abzusichern und daraus irgendwann Gewinne abzugreifen, um vom ARGE unabhängig zu werden. Es würde auch früher oder später zu Dauer-Overloads führen. Und dann kann ich auf den Meltdown (die „aggressive“ Variante eines Zusammenbruchs, wird oft mit Wutanfällen verwechselt) warten. Und dann bin ich wieder die Böse.

Aber das sind natürlich nur Spekulationen und haben so überhaupt nichts mit meinen bisherigen Erfahrungen mit dem Amt für Repression, Grundrechtsentzug und Existenzvernichtung (ARGE) zu tun, nech?

Worauf ich eigentlich hinaus wollte, ist, wie es mir bei solchen Terminen geht.

Wenn die Repressionsämter von Düsseldorf in den nun bald 17 Jahren, die ich hier lebe, eines erreicht haben, dann eine Traumatisierung durch ihre hemmungslose, systematische Menschenverachtung und ihren gnadenlos angewandten Faschismus. Eine Wohnung haben sie mir genommen, und bei der jetzigen haben sie es schon mehrfach versucht, sie mir zu nehmen. Sie trieben mich 2004 in die Suizidalität (mit einem zum Glück nicht so massiven Nachklapp 2014) und verpaßten mir von 2002 bis letztes Jahr, also über 15 Jahre lang, teils massive Depressionen. Sie verschwiegen mir meine Rechte, ließen meine Unterlagen verschwinden und verhöhnten mich. Sie belogen mich, und sie belogen Dritte – selbst Gerichte – über mich, immer und immer wieder. Sie nötigten mich zu Lügen und versuchten, mich zu einer Straftat gegen die Firma Nerd4U zu nötigen. Sie sprachen mir gleich anfangs explizit die Grundrechte ab und zeigten mir dann über diese ganzen Jahre hinweg, daß sie das auch wirklich so meinten.

Wie geht es mir also, wenn ich wieder einmal vorgeladen werde?

Ich habe Existenzangst.

Wenn ich ängstlich-nervös bin, rede ich manchmal sehr viel. Ich versuche von vorneherein zu erklären, warum bei mir Dinge anders funktionieren. Warum ich nicht in diese ganzen Schubladen passe. Was Druck mit mir macht. Und meist kommt der Overload schon vor oder während dieser Termine, so massiv, daß es mir teilweise mit dem nachfolgenden Shutdown die Sprache weghaut. Wenn ich „Glück“ habe, kommt der erst hinterher. In beiden Fällen kann er mich mehrere Tage kosten, die ich zur Erholung benötige.

Nach außen hin wirke ich dann vermutlich ziemlich aggressiv, und das tut mir auch überhaupt nicht leid. Die Aggression ging und geht von diesen Behörden aus, in aller Freundlichkeit, wenn sie wieder einmal mit einer Existenzvernichtung drohen oder in aller Selbstverständlichkeit Straftaten begehen. Mich anlügen, obwohl sie es wissen (müssen), daß sie lügen. Sich einreden, daß sie doch nur ihre Pflicht tun. Und sich damit trösten, daß sie damit ja ihren eigenen Arsch im Warmen haben, solange sie nur genügend lügen, Leistungen entziehen, drohen, schikanieren, Rechte verschweigen und eingereichte Unterlagen gelegentlich durch den Schredder jagen. Oder eben auch mal die zynisch „Kunden“ genannten Opfer zu einer Lüge oder Straftat nötigen.

Ihre eigene Aggression sehen sie nicht, denn sie haben ja ein Lächeln im Gesicht und einen freundlichen Tonfall. Einen ekelhaft scheißfreundlichen Tonfall, denn sie wissen, was sie tun, auch wenn sie vor ihrem eigenen Handeln und den Konsequenzen daraus die Augen verschließen.

Nennt mich von mir aus einen Angstbeißer. Es liegt an den Repressionsämtern bzw. ihren Angestellten, mein Vertrauen wieder (bzw. überhaupt erst einmal) zu gewinnen. Sie haben so viel Schaden angerichtet, mir so viel Geld, so viel an Gesundheit, so viele Jahre lang die Arbeitsfähigkeit und schließlich diese ganzen Jahre an Leben gestohlen, daß ich nicht glaube, ihnen noch irgendetwas zu schulden. Schon gar kein Vertrauen. Im Gegenteil schulden sie mir was. Sogar sehr viel. (Das ist dann immer der Punkt, an denen den Sachbearbeitern die Ohren auf Durchzug gehen. Kann ich gar nicht verstehen, sowas *hüstel*.)

Und dann wird in diesem Termin irgendwann die „Vorschlag“ genannte Nötigung kommen, etwas zu tun, was ich nicht will, nicht wollen muß (wie bei der versuchten Zwangsverrentung), oder gegen meine Grundrechte verstößt – wie kann ich auch immer wieder vergessen, daß diese für mich gar nicht mehr gelten? Und wenn ich nicht will oder kann, wird's mir halt per Verwaltungsakt reingedrückt.

Ich habe mir nach Art. 12 GG meinen Beruf und meinen Arbeitsplatz frei gewählt: Ich bin mitarbeitender Gesellschafter der Firma Nerd4U UG. Art. 12 Abs. 2 und 3 untersagen es dem Staat und seinen Behörden, mich zu einer bestimmten Arbeit zu zwingen – allgemeine Dienstpflicht greift nicht, und im Gefängnis befinde ich mich meines Wissens nach auch nicht. Dem ARGE ist das üblicherweise egal. Das SGB – also das Zwangsarbeits- und Zwangsverarmungsgesetz – sagt es ja schließlich so. Wer braucht da schon Grundrechte?

Und ja, ich gelte als „voll erwerbsfähig“ – die Ärztin, die das im Rahmen des Gerichtsverfahrens wegen der Zwangsverrentung festgestellt hatte, hatte es wohl ein wenig zu gut gemeint. Ich hatte ihr gesagt, daß es eher auf Teilzeit hinauslaufen würde. Aber gut. Ich hatte ihr auch gesagt, daß meine Arbeitszeiten nicht dem üblichen Schema in einer Firma entsprechen. Daß ich mal 10 Stunden oder länger an einem Problem dran bin und dann mal wieder zwei Tage gar nichts machen kann, weil die Konzentration fehlt.

ARGE-Angestellte gehen ja aber grundsätzlich davon aus, daß „Kunden“ lügen oder übertreiben, wenn sie auf Einschränkungen aufmerksam machen (so ist das halt, wenn man von sich auf andere schließt) und eigentlich nur keinen Bock hätten. Selbst wenn ich eine ärztliche Autismus-Diagnose hätte, würde sich daran vermutlich kaum etwas ändern. Sie wissen ja nichts von Autismus, wollen es auch gar nicht wissen – denn dann müßte man ja vielleicht Rücksicht nehmen. Geht doch nicht, wir brauchen schöne Statistiken.

(Wobei mir letztens von einem Menschen berichtet wurde, daß bei ihm Autismus vermutet worden war. Worauf er von seinem zuständigen ARGE-Mitarbeiter gedrängt wurde, sich die Diagnose zu „besorgen“ in der Hoffnung, er könne den „Kunden“ dann in einen Job bei SAP drücken, die ja explizit Autisten für bestimmte Aufgaben einstellen bzw. das zumindest mal gemacht haben. Klar, weil man sich so eine Diagnose „mal eben besorgen“ kann …)

Ja, und so drehen sich meine Gedanken nahezu ununterbrochen um diesen Termin, ich lege mir Sätze zurecht und verwerfe sie wieder, ich weiß, daß ich wieder „aggressiv“ sein werde und daß der Overload folgen wird. Ich weiß, daß das Wort „Grundrechte“ mich noch höher auf die Schwarze Liste bringen wird, auf die Liste derer, die bevorzugt abzuschießen sind, denn das ARGE ist grundrechtsfreie Zone. War es von Anfang an.

Ach, es ist so zum KOTZEN. 🙁

[Update 2017-06-01 17:15] Eine ganz neue Erfahrung: Ein relativ junger Mitarbeiter, ruhig, der zuhörte, ohne ständig was von Pflichten dazwischenzufaseln, und der es absolut OK findet, daß ich mir meinen Arbeitsplatz selbst schaffe. Das nächste halbe Jahr soll ich Ruhe haben.

Über das, was ich ihm über meine Erlebnisse der letzten paar Jahre erzählt habe, schien er schon ein wenig erschrocken. Der ist wohl noch nicht lange da. Hoffentlich bleibt ihm seine Menschenfreundlichkeit erhalten, nicht daß sie den armen Kerl dort asozialisieren. [/Update]

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Bashing vs. Kritik http://blog.atari-frosch.de/2017/05/08/bashing-vs-kritik/ http://blog.atari-frosch.de/2017/05/08/bashing-vs-kritik/#comments Mon, 08 May 2017 18:55:25 +0000 http://blog.atari-frosch.de/?p=16129 Derzeit berichten ja diverse Medien über Xavier Naidoo, weil er sich schon länger als Anhänger der „Reichsbürger“-Ideologie erwiesen hat und sich nun wohl auch mit den Texten seines neuen Albums entsprechend äußert. Dabei kamen mir immer wieder Bemerkungen in die Twitter-Timeline wie (sinngemäß) „hey, warum sagt denn keiner, daß der schon immer und generell Scheiß-Mukke macht?“

Nein. Einfach nein.

Den Mann wegen Reichsbürger-Fantasien zu kritisieren, halte ich für absolut berechtigt. Aber nicht das Bashing wegen der Musik. Denn:

Musik an sich ist Geschmackssache. Deswegen jemanden zu bashen, welche Art von Musik (Stil, nicht Textinhalte!) er macht oder wie seine Stimme klingt, ist nicht anders, als jemanden wegen einer Frisur/Haarfarbe, Kleidung[1], wegen Übergewicht, Piercings usw. zu bashen. Da geht es um Dinge, die dem persönlichen Geschmack unterliegen, und wegen derer wir selbst genauso wenig angegriffen werden wollen. (Oder? ODER?)

[1] Kleidung generell. Symbole auf Kleidung wiederum können kritikwürdig sein. Dazu braucht's aber wieder kein Bashing zum Beispiel des Kleidungsstils an sich.

Gleiches fiel mir auch schon früher auf. Manche Politiker wurden mehr wegen ihres Übergewichts und manche Politikerinnen mehr wegen ihrer Kleidung gebasht als wegen dummer Bemerkungen kritisiert. Über Donald Trump las man auf Twitter zeitweise mehr über seine Frisur und seine orange Gesichtsfarbe als zum Beispiel über das Nachäffen eines körperbehinderten Reporters.

Es gibt eine verdammt große Anzahl von Gründen, Menschen zu kritisieren, die mit einer rechten und/oder sonstwie menschenfeindlichen Ideologie hausieren gehen, und es gibt verdammt gute Argumente dafür, das dann auch laut und deutlich zu tun.

Ihr Musikstil und ihre Gesangsstimme gehören genauso wie ihr Aussehen, ihre Kleidung, ihre Figur Frisur oder ihre Schuhgröße nicht dazu.

Meine ich mal so.

(Und wer jetzt meint, ich wolle irgendwas verteidigen, hat nicht verstanden, was ich sagen wollte.)

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Wähle, was Du wirklich willst! http://blog.atari-frosch.de/2017/05/06/waehle-was-du-wirklich-willst/ http://blog.atari-frosch.de/2017/05/06/waehle-was-du-wirklich-willst/#comments Sat, 06 May 2017 10:42:45 +0000 http://blog.atari-frosch.de/?p=16108 Es gibt leider eine Menge Leute, die starren auf Umfrageergebnisse vor Wahlen und gucken dann, wer „eine Chance“ hat. Bei einer Wahl geht es darum aber gerade nicht. Eine Wahl soll den Willen der Wähler ausdrücken.

Das heißt: Kipp diese ganzen Umfragen in den Gully, informiere Dich lieber, welche Partei Deine politischen Positionen und Überzeugungen am ehesten vertritt (100 % Übereinstimmung wird es wohl eher selten geben, selbst wenn Du Mitglied einer Partei bist) und gib dieser Partei Deine Stimme. Oder entsprechend dem Kandidaten, wenn es um Direktkandidaten geht.

Piratenpartei: Wähle, was Du wirklich willst!

Wenn Du nämlich danach entscheidest, wer aufgrund der Umfragewerte „reinkommen“ könnte, dann bestätigst Du nur diese Umfragewerte. Aber diese sind gar nicht so sehr vertrauenswürdig. Denn: Wer wird denn üblicherweise gefragt?

Für Telefonumfragen werden normalerweise so 1.000 bis 1.500 zufällig ausgewählte Telefonanschlüsse angerufen. Und zwar im allgemeinen nur Festnetzanschlüsse! Das heißt: Angerufen werden überhaupt nur Haushalte, die über einen Festnetzanschluß verfügen. Jetzt überleg mal: Hast Du noch einen? Und wieviele Leute in Deinem Umfeld haben noch einen? – Ich hab übrigens tatsächlich noch einen. Aber ich bin ja manchmal auch altmodisch. 😉

Das werden nämlich immer weniger. Gerade jüngere Leute telefonieren heutzutage viel eher mit einem Mobiltelefon oder Smartphone. Das heißt: Die fehlen in den Umfragen, weil sie nie angerufen werden. Denn auf Mobilfunknummern anzurufen kostet immer noch Geld. Wenn man nun die Hälfte der Anrufe auf Mobilfunknummern rausgehen ließe, würde sich das schon sammeln.

[Update 2017-05-06 21:00]

Das Kostenargument zieht hier aber wohl trotzdem, nur auf einer anderen Basis:

[/Update]

Also: Erstmal werden nur Haushalte mit einem Festnetzanschluß angerufen. Somit sind diese Umfragen schonmal nicht mehr so wirklich repräsentativ. Dazu kommt, daß nicht jeder, der antwortet, auch dann tatsächlich wählen geht.

Und dann überhaupt: Anrufe. Anrufe, die einen unerwartet erreichen und in welchen dann mal eben nach irgendwas gefragt wird, lenken ab. Man ist gedanklich eigentlich gerade woanders und im Moment überhaupt nicht darauf eingerichtet, über Wahlen oder Politik nachzudenken. Ich weiß ja nicht, wieviele der Angerufenen dann einfach irgendwas sagen, um das Gespräch schnell zu beenden, ohne großartig nachzudenken.

Nein, Umfragen traue ich nicht.

Denn eines sagen sie mir nicht: Welche Partei vertritt nun eigentlich wirklich meine Interessen?

Dazu braucht es mindestens eine, optimalerweise aber zwei Informationsquellen pro Partei:

  1. das Wahlprogramm und
  2. das Abstimmungsverhalten in der letzten Legislaturperiode.

Natürlich kann es das zweitere nur geben, wenn eine Partei in der letzten Legislaturperiode überhaupt im entsprechenden Parlament vertreten war. Dann haben wir aber wenigstens noch das Wahlprogramm.

Also erstmal das Wahlprogramm. Die Wahlprogramme der Parteien gibt es üblicherweise auf deren Websites, und an Infoständen sollten sie auch in der gedruckten Version zu bekommen sein. Auch in den lokalen Geschäftsstellen der Parteien, sofern vorhanden, kann man zu den üblichen Bürozeiten sicher eines bekommen. Und ja, zu manchen Wahlen treten richtig viele Parteien bzw. Kandidaten an, da hat man dann schon einiges zu lesen. Wenn es um eine Personenwahl geht, kann man die Kandidaten vielleicht auch anrufen, anmailen, an Infoständen treffen oder anderweitig kontaktieren, um Details ihrer geplanten Politik zu erfragen.

Ja, das ist aufwendig. Aber weißt Du was? Demokratie ist aufwendig. Bequemlichkeit ist nicht Teil des Konzepts. Genauso wie die Freiheit hängt sie stark davon ab, wie gut die Menschen informiert sind.

So, jetzt haben wir also die Wahlprogramme der Parteien, oder zumindest einen Teil davon. Manche besorgst Du Dir ja jetzt vielleicht schon gar nicht, weil Du die entsprechenden Parteien schon gedanklich aussortiert hast. Die rechten zum Beispiel. Ich meine, wer will schon Parteien wählen, die die Grundrechte mit Demokratie, Freiheit usw. am liebsten schon gestern kaputtmachen würden?

Aber damit ist es nicht getan. Gerade bei den Parteien, die bereits Abgeordnete im entsprechenden Parlament sitzen haben, kann man nämlich noch überprüfen, wie ernst sie es mit ihren Wahlversprechen meinten. Also mit denen im letzten Wahlkampf zu diesem Parlament. Und das sollte man auch!

  • Wie haben sie denn tatsächlich abgestimmt?
  • Haben sie die grundgesetzlich garantierte Freiheit des Mandats wahrgenommen, oder haben sie sich durch Koalitionsverträge oder einfach, weil's der Fraktionsvorsitzende so bestimmt hat, dazu bringen lassen, entgegen ihrer zuvor geäußerten Überzeugungen zu stimmen?
  • Waren sie überhaupt regelmäßig im Plenum und ggf. in den Ausschüssen, oder haben sie doch öfter mal gefehlt, um private Termine wahrzunehmen? (Fehlen wegen Krankheit etc. sollte natürlich außen vor sein.)
  • Und: Was haben sie sonst noch so gemacht, mit wem haben sie zusammengearbeitet, von wem haben sie Geld bekommen, oder vielleicht eine Urlaubsreise, einen Besuch im Puff oder einen Vorstandsposten?

Schon beim Abstimmungsverhalten fängt es an, interessant zu werden. Haben die Abgeordneten einer Partei, die offiziell gegen die Vorratsdatenspeicherung ist, denn auch so abgestimmt, als ein entsprechender Antrag gestellt wurde? Erzählen sie in Sonntagsreden was von Inklusion, argumentieren und stimmen im Plenum dann aber dagegen, weil das halt nun mal Geld kostet? Sind sie nur so lange für eine vernünftige Verkehrspolitik, bis jemand sagt, daß der Autoverkehr eingedämmt werden muß? Versprechen sie auf ihrer Website, für regenerative Energien zu sein, stimmen dann aber für weiteren Braunkohleabbau?

Und aktiv: Wieviele und welche Anträge haben sie gestellt, wieviele und welche Anfragen an die jeweilige Regierung gerichtet? Sind sie mit den Antworten kritisch umgegangen oder haben sie sie einfach hingenommen?

Wahlprogramme und Wahlversprechen sind halt leider nur die halbe Miete. Und manchmal nicht einmal das.

Völlig unwichtig ist aber die Frage, ob die Partei oder die Kandidatin, die Du wählst, tatsächlich im jeweiligen Plenum Platz nehmen darf.

Warum?

Nochmal: Eine Wahl soll den Willen der Wähler ausdrücken.

Wenn die Partei, die Du wählst, nicht über die 5-%-Hürde kommt, dann hast Du trotzdem Deinen Willen ausgedrückt. Dann ist Dein Wille vermutlich – zumindest derzeit – eine Minderheitenmeinung. Aber es ist Dein Wille.

Du hast Deinen Willen aber nicht (unbedingt) ausgedrückt, wenn Du eine Partei wählst, nur weil sie voraussichtlich „sowieso“ ins Parlament kommt, obwohl Du mit ihren Zielen nicht oder zumindest nicht weit genug übereinstimmst. Das ist dann nicht Dein Wille. Und das ist nicht Sinn einer Wahl.

Wenn Partei X also den Umfragen nach sicher gewählt wird, aber der Erfahrung nach Anträge stellen oder solchen zustimmen wird, deren Ergebnis Dir schadet, dann ist es völlig unerheblich, wie sicher der Einzug eingeschätzt wird. Da gibt es ja vielleicht noch Partei Y, deren Einzug zwar vielleicht als unsicher gilt, aber mit der Du viel eher übereinstimmst. Ja, dann wähl' die doch! Mit jeder Stimme, die Partei Y dann tatsächlich bekommt, steigt die Wahrscheinlichkeit, daß sie eben doch ins Parlament einzieht. Und vielleicht sogar mit mehr als nur zwei Hanseln, so daß es für eine eigene Fraktion reicht.

Wenn alle Wähler die Parteien oder Kandidaten wählen, von denen sie sich wirklich vertreten fühlen würden, sähe die Zusammensetzung so manchen Parlaments mit hoher Wahrscheinlichkeit sehr anders aus.

Nach Wahlumfragen zu gehen und dann darauf zu schauen, wer nach diesen „eine Chance“ hat, erzeugt eine sich selbst erfüllende Prophezeiung, aber kein Parlament, das tatsächlich den Wählerwillen abbildet.

Achja, und überhaupt: Geh' bitte wählen. Es waren lange und viele Kämpfe mit vielen Toten nötig, um diese Errungenschaft zu erlangen: wählen zu dürfen. Und nochmal Kämpfe, damit es auch wirklich alle dürfen, und nicht nur weiße Männer.

Und in nicht ganz so wenigen Ländern der Erde kämpfen Menschen immer noch und riskieren teilweise ihr Leben, um wählen zu dürfen.

Wirf dieses Ding namens Demokratie also bitte nicht einfach weg, und sag' nicht, Wahlen könnten nichts ändern. Doch, schon. Man muß es nur tun, und zwar aus Überzeugung, nicht wegen „die kommen sowieso rein“ (und auch nicht, wie ich es schon erlebt habe, mit „die hamwer halt einfach schon immer jewählt“).

Danke.

Guck mich nich so an, ich hab Piraten gewählt!

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Flashback http://blog.atari-frosch.de/2017/05/02/flashback/ http://blog.atari-frosch.de/2017/05/02/flashback/#comments Tue, 02 May 2017 14:34:02 +0000 http://blog.atari-frosch.de/?p=16088 Es ist wieder passiert. So wie schon oft seit 2002. Das war dieses Jahr, in dem das faschistische Repressionsamt AKA „Sozialamt“ mir für acht Monate Leistungen verweigert, meine Existenz vernichtet, mich obdachlos gemacht und für lange Zeit meine Gesundheit zerschossen hat.

Es. Dieses Gefühl, das immer wieder aufkommt, wenn ein Gläubiger aus dieser Zeit mit Pfändungen droht oder diese eben auch mal durchzieht.

Flashbacks. Das dringende Bedürfnis, die Verantwortlichen beim Repressionamt anzuschreien und ihnen ins Gesicht zu kotzen. Gleichzeitig das Gefühl, zu ersticken. Dazu Wellen von Angst und Lähmung. Kreisende Gedanken. Als wäre es wieder 2002.

Und fast jedesmal hindert es mich daran, Fristen einzuhalten, und dann zahle ich eben für die Verbrechen des Repressionsamtes. Immer und immer wieder. Und kann dann noch schauen, wie ich die Verluste ausgleiche oder überhaupt noch finanziell klarkomme.

Heute habe ich nun erfahren, daß ich „selbst schuld“ war und „eben Pech gehabt“ habe. Und ich möchte noch mehr kotzen und schreien.

OK, der Reihe nach.

Ich berichtete ja vor einiger Zeit vom Telefonterror der EOS SAF Forderungsmanagement GmbH. Nachdem ich ihnen schriftlich und per Einschreiben mitgeteilt hatte, daß sie mich nicht mehr anzurufen haben und daß ich für jeden Anruf 50,00 € Nerv- und Störgebühr berechnen würde, riefen sie vom 13. bis 23. März noch 16mal an. Macht 800 Öcken. Außerdem drohte ich für den Fall einer Pfändung nicht nur an, dieses Geld gegenzurechnen, sondern auch Strafanzeige wegen Nötigung und Belästigung zu stellen sowie die Bundesnetzagentur über den Telefonterror zu unterrichten.

Danach passierte erstmal nichts mehr. Jedenfalls nichts, was ich direkt mitbekam.

Anfang April beantragten sie dann offenbar von ihrem Firmensitz in Heidelberg aus bei einem Gerichtsvollzieher in Hessen eine Vorpfändung auf mein Konto. Besser gesagt, auf mein altes, nicht mehr existierendes Konto bei der Sparkasse. Also: Eine Firma in Heidelberg (Baden-Württemberg) beauftragt einen Gerichtsvollzieher in Taunusstein (Hessen), um einen Schuldner in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) via Drittschuldner, ebenfalls in Düsseldorf, zu pfänden. Muß man wohl nicht verstehen, hat für EOS SAF aber bestimmt seine Vorteile.

„Leider“ war ihnen nicht bekannt, daß ich wegen des Versuchs des ARGE, mich zu Straftaten gegen meine Firma zu nötigen, und der daraus folgenden, 4,5monatigen Weigerung des ARGE, mir die Leistungen auszubezahlen, seit Sommer 2014 mein Konto gar nicht mehr bei der Sparkasse habe. Das hätte mir jetzt einen kleinen Vorsprung verschaffen können. Von der ganzen Aktion erfuhr ich vor diesem Wochenende über eine Zustellung von eben diesem Gerichtsvollzieher.

Die Wirkung war erstmal, daß diese Flashbacks wiederkamen.

  • 2002.
  • Schreien und kotzen.
  • Angst.
  • Ersticken.
  • Kreisende Gedanken.

Das lange Wochenende war für mich gelaufen.

Heute Mittag ging ich dann zur Rechtsantragsstelle des Amtsgerichtes, um dort einen Rechtshilfeschein zu beantragen, weil ich mich im Zwangsvollstreckungsverfahren von einem Anwalt vertreten lassen wollte. Zum einen, weil ich mit diesen Flashbacks nur eingeschränkt angemessen reagieren kann, zum anderen, weil man gegen eine Inkasso-Firma, die sich so dermaßen einen Dreck für die Rechte ihrer Schuldner interessiert, besser gleich größere Geschütze auffährt. Und juristisch darf ich mir da keinen Fehler erlauben.

(Ich hatte da mal einen Link zu einem Interview mit EOS-SAF-Leuten, in welchem Schuldner grundsätzlich als Leute dargestellt wurden, die entweder einfach keinen Bock hätten, zu zahlen, obwohl sie könnten, oder die absichtlich Verträge eingehen würden, die sie nicht bedienen könnten. Die Antworten waren in einem sehr arroganten Ton gehalten und zeigen deutlich, daß man sich als was Besseres sieht und die Schuldner gezielt abwertet. Leider habe ich den Link nicht mehr und finde ihn auch nicht mehr.)

Äh, ja, Rechtsantragsstelle. Die Rechtspflegerin prüfte erst meine Bedürftigkeit und stellte dann fest, daß es ja einen Titel gibt. Damit, so meinte sie, hätte ich sowieso keine Möglichkeit mehr, mich zur Wehr zu setzen, das hätte ich dann schon tun müssen, als die Schuld tituliert wurde.

Ja, genau, als ich handlungsunfähig war und mir nicht einmal Hilfe suchen konnte bzw. über mögliche Hilfen vom faschistischen Repressionsamt bewußt nicht informiert wurde – ich hätte sie ja in Anspruch nehmen können. Die ganzen Titel hätten mich nämlich nicht jucken müssen, wenn ich meine berechtigten Forderungen gegenüber dem Repressionsamt hätte durchsetzen können. Aber dort „verlor“ man ja lieber immer wieder meine Unterlagen, lehnte sich bequem zurück und fand es nett, daß ich wegen meines Zustandes nichts dagegen tun konnte.

Also kurz: Die Rechtspflegerin bei der Rechtsantragsstelle sagte mir heute, daß ich selbst daran schuld war, handlungsunfähig gewesen zu sein, und daß mir jetzt keinerlei Hilfe in der Sache mehr zustünde. Weil ich doch selbst schuld war. Da hätte ich eben Pech gehabt.

  • Flashbacks.
  • Schreien und kotzen.
  • Angst.
  • Ersticken.
  • Kreisende Gedanken.

PECH GEHABT. Hätten wir einen Rechtsstaat, dann dürfte ich Worte wie Glück oder Pech in einem Gericht nicht hören müssen. Das Recht kennt kein Glück oder Pech.

Aber anscheinend auch keine Gerechtigkeit.

Beim faschistischen Repressionsamt macht man sich darüber schon längst keine Gedanken mehr bzw. hat sich nie welche gemacht. Ist ja jetzt auch schon so lange her, und die Straftaten sind auch schon längst verjährt. Falls sich die Staatsanwaltschaft überhaupt dafür interessiert hätte. Die eine Krähe und die andere, hatten wir ja auch schon mal; auch meine Strafanzeige aus 2014 wegen Unterschlagung wurde eingestellt, Grund: „Ja was sollen wir denn da machen?“ m(

Mit den Folgen müssen Leute, denen wegen ihrer Bedürftigkeit keine Grundrechte mehr zustehen (Aussage eines Angestellten dort vom November 2000), halt selbst klarkommen. Oder bitte verrecken, macht's noch einfacher.

Pech gehabt.

  • Flashbacks.
  • Schreien und kotzen.
  • Angst.
  • Ersticken.
  • Kreisende Gedanken.

Nun muß ich also Rechtsmittel gegen den Ablehnungsbeschluß einlegen, mache mir da aber nicht allzu viele Hoffnungen. Ich bin ja schließlich selbst schuld.

Außerdem die Strafanzeige wegen Nötigung und Belästigung schreiben, die ich EOS SAF angedroht hatte für den Fall, daß sie zusätzlich zum Telefonterror auch noch pfänden. Ja, und die Bundesnetzagentur informieren, auch darüber, daß EOS SAF das mit dem Telefonterror nicht nur bei mir, sondern seit 2014 systematisch bei allen vermeintlichen und tatsächlichen Schuldnern durchzieht.

Schreien und kotzen.

Am Samstag schlug ich, einem Bauchgefühl folgend, die Wikipedia-Seite über Trauma (Psychologie) auf. Und fand mich darin ein gutes Stück weit wieder.

Diese Ereignisse können in einem Menschen extremen Stress auslösen und Gefühle der Hilflosigkeit oder des Entsetzens erzeugen.

[…]

  • Fischer und Riedesser definieren Trauma in ihrem Lehrbuch der Psychotraumatologie (München, 1998, S. 79.) als:

„[…] ein vitales Diskrepanzerlebnis zwischen bedrohlichen Situationsfaktoren und den individuellen Bewältigungsmöglichkeiten, das mit Gefühlen von Hilflosigkeit und schutzloser Preisgabe einhergeht und so eine dauerhafte Erschütterung von Selbst- und Weltverständnis bewirkt.“

[…]

  • Intrusionen mit ihrer Extremform, den Flashbacks, die – durch bestimmte Schlüsselreize ausgelöst – die Erinnerung an das zurückliegende Trauma erneut wachrufen.
  • Avoidance (Vermeidenwollen von Gedanken und Gefühlen, die an das Trauma erinnern könnten; Vermeiden des Traumaortes oder nicht mehr aus dem Haus gehen; Vermeiden von schmerzhaften Erinnerungen durch Dissoziation oder durch Teilamnesien)
  • Hyperarousal (vermehrte Wut; Konzentrationsschwierigkeiten; gestiegene Wachsamkeit gegenüber Gefahrenreizen; leichte Erschreckbarkeit)
  • Auch wenn Traumatisierte innerlich ständig unruhig und schreckhaft sind, tritt äußerlich ein stark kontrollierendes Verhalten zutage (da das Trauma als ein extremer Kontrollverlust erlebt wurde)
  • emotionale Taubheit (Fähigkeit sich zu freuen, zu lieben oder zur Trauer ist eingeschränkt)
  • gedankliche Vorwegnahme des Schlimmsten, um nicht wieder überrascht zu werden, was von der Umwelt als eine nervige Art von Dauer-Pessimismus erlebt wird,
  • unverhältnismäßig heftige Reaktionen auf äußere oder innere Einflüsse (durch Trigger ausgelöst): beispielsweise Panikattacken, Angsterkrankungen, Zwangserkrankungen, Selbstverletzendes Verhalten und Abhängigkeitssyndrom können ein Merkmal einer durch ein Trauma verursachten psychischen Störung sein, ebenso wiederkehrende Albträume und dissoziative Zustände.
  • Immer wiederkehrende Ängste in Zusammenhang mit dem erlebten Ereignis
  • Schlüsselreize wie zum Beispiel ähnliche Gerüche, Geräusche, Bilder, Filme aber auch Jahrestage können Erinnerungen an die traumatische Situation auslösen.[15] Diese Schlüsselreize können bis ins hohe Alter bestehen bleiben. Die Traumatisierten werden dabei hauptsächlich emotional an das Trauma erinnert (meist in Form von Ängsten). Zum Beispiel kann das Geräusch eines Silvesterknallers bei einem Menschen, der als Kind einen Bombenangriff miterlebt hat, panische Angst auslösen, auch wenn das traumatische Ereignis nicht mehr bewusst erinnert wird.

[…]

Hervorhebungen in der Liste von mir; diese Aspekte treffen bei mir zu.

Ja, paßt ganz überwiegend.

Schreien und kotzen. Flashbacks, kreisende Gedanken. Angst.

Mindestens so lange, bis meine „Schuld“ abbezahlt ist. Bis auf den letzten Cent und mit allen Kosten und Zinsen. Und die Verantwortlichen waschen ihre Hände in Unschuld und wissen von nichts. Niemand zieht sie zur Rechenschaft, sie müssen keine Angst haben, niemand klagt sie an.

Schreien und kotzen.

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Warum ich Pirat bin http://blog.atari-frosch.de/2017/03/20/warum-ich-pirat-bin/ http://blog.atari-frosch.de/2017/03/20/warum-ich-pirat-bin/#comments Mon, 20 Mar 2017 17:50:24 +0000 http://blog.atari-frosch.de/?p=15901 PIRATENPARTEI

Heute wurde ich per Twitter-DM gefragt, wieso ich immer noch Mitglied der Piratenpartei bin, weil aus diesem Umfeld immer wieder öffentlich Bemerkungen gemacht werden, die man doch eher als „unpiratig“ einstufen sollte. Es ging um eine Bemerkung, die ein Pirat auf Twitter gemacht hatte und die – zumindest scheinbar – nicht zu den Grundeinstellungen der Piratenpartei paßt. Ob dem auch wirklich so war, lasse ich mal offen, denn so sicher bin ich mir da nicht; könnte auch ein Mißverständnis gewesen sein. Aber darauf kommt's nicht mal an, denn es gibt ja tatsächlich leider immer mal wieder Piraten, die sich öffentlich auch ganz eindeutig entgegen des Parteiprogramms äußern oder verhalten.

Meine Antwort lautet:

Die Idee. Die Idee, daß das Grundgesetz eine Bedeutung hat, der Mensch im Vordergrund stehen muß (statt des Geldes), daß ein BGE kommen muß. Daß das Urheberrecht reformiert werden muß. Daß es einen fahrscheinfreien ÖPNV braucht. Daß Politik transparent statt korrupt sein muß. Und: Die verdammt gute Arbeit von Piraten, die in Parlamente gewählt wurden, welche diese Ideen tragen.

In eine Partei einzutreten ist einfach. Es gibt kein „wir gucken uns den Menschen erstmal an“ wie in den CCC-Erfakreisen (könnte man vermutlich auch nur in Grenzen verbessern). Einen Querschläger loszuwerden, ist nach dem Parteiengesetz sehr schwer. Trotzdem oder genau deswegen werde ich mir von Querschlägern die Grundidee nicht nehmen lassen. Ich bin Pirat, weil das meine Überzeugungen sind.

Und es sind noch mehr Vorstellungen und Einstellungen, die ich mit der Piratenpartei teile und weswegen ich Mitglied bin und bleibe. Nicht erwähnt hatte ich zum Beispiel die Themen gesellschaftliche Teilhabe, Überwachung und Vorratsdatenspeicherung, Geheimdienste (Kontrolle bzw. Abschaffung), freie Bildung, frei zugängliche, mit Steuergeldern erstellte Daten staatlicher Stellen, Absenkung des Wahlalters, Trennung von Staat und Religion, Umwelt, Energie, Geschlechts- und Familienpolitik incl. „Regenbogen-Familien“, kostenlose Kindergärten und weiteres (Themen und Ziele der Piratenpartei).

In den anderen mehr oder weniger autoritär geprägten Parteien werden eigentlich nur die Aussagen der Vorsitzenden, ein paar Abgeordneter und vielleicht noch des einen oder anderen sonstwie bekannten Menschen öffentlich wahrgenommen. Der Rest geht mehr oder weniger unter (zumindest wie gesagt in der öffentlichen Wahrnehmung). Ich wüßte gern manchmal, wie sich das öffentliche Bild auch dieser Parteien ändern würde, träten viele Mitglieder laut und mit Parteilogo im Avatar auf Twitter, Facebook, Google+ oder in Blogs auf – so wie Piraten das üblicherweise machen, denn wir sind eben nicht so autoritär, sondern bezeichnen uns aus guten Gründen als Mitmach-Partei.

Persönlich haben mir Piraten immer wieder gezeigt, daß sie das Menschenbild, das wir vertreten, auch tatsächlich leben. In kaum einem Umfeld wurde und werde ich als nicht den üblichen Schubladen entsprechender Mensch so selbstverständlich akzeptiert wie im Piraten-Umfeld. In kaum einem anderen Umfeld muß ich so wenig erklären oder werde sogar gestoppt, weil: „hey, ist doch klar“ – bezüglich Dingen, die keineswegs als selbstverständlich anzusehen sind, wie besondere persönliche Bedürfnisse.

Ich hatte bereits bei meinem Eintritt vor sieben Jahren geschrieben:

Um eins gleich klarzustellen: Das heißt, daß ich die Ziele der Piratenpartei unterstütze und es für sinnvoll halte, auch innerhalb der Partei eine Stimme zu haben. Es heißt nicht, daß ich mich von außen für jeden Quer- und Schaumschläger in der Piratenpartei „dumm anmachen” lasse. :-)

Dazu stehe ich weiterhin uneingeschränkt.

Und ich halte es weiterhin uneingeschränkt für dringend notwendig, daß (noch mehr) Piraten in Parlamente gewählt werden, damit die Ideen nicht auf dem Papier bzw. auf den Webservern verrotten, sondern verdammt nochmal umgesetzt werden.

Ich bin Pirat. Klarmachen zum Ändern.

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Frauenkampftag neu denken http://blog.atari-frosch.de/2017/03/08/frauenkampftag-neu-denken/ http://blog.atari-frosch.de/2017/03/08/frauenkampftag-neu-denken/#respond Wed, 08 Mar 2017 19:33:45 +0000 http://blog.atari-frosch.de/?p=15859 Heute ist Frauenkampftag, und der steht dieses Jahr unter dem Motto: „Women in the Changing World of Work: Planet 50-50 by 2030“. Also: Bis 2030 sollen Frauen und Männer die Welt – mindestens aber die Arbeits-Welt – halb und halb unter sich aufgeteilt haben. Ähm, und die anderen?

(Wie, welche anderen? – höre ich schon den einen oder anderen Menschen fragen.)

Über den Kampf von Frauen für Gleichberechtigung heißt es auch, es sei ein Kampf der Geschlechter. Wenn wir aber den Kampf um Gleichberechtigung der Geschlechter nur als Kampf zwischen Männern und Frauen sehen, oder besser, als Kampf der Frauen gegen eine männerdominierte bzw. patriarchale Gesellschaft, dann greift dieser Kampf zu kurz.

Ja, es ist richtig, daß zur Zeit der ersten Frauenkampftage, zur Zeit von Clara Zetkin, etwas anderes als Mann oder Frau als Geschlecht [Update 2017-03-08 22:20] in den westlichen bzw. weißen Kulturkreisen [/Update] gar nicht bekannt war. Immerhin ist das jetzt aber schon über 100 Jahre her, und ursprünglich ging es wohl vor allem um das Frauenwahlrecht. Nun sind wir aber 100 Jahre weiter, und das heißt, daß wir aktuellere Erkenntnisse mit einbeziehen sollten.

Das fängt zum Beispiel damit an, daß Transfrauen und -männer vollständig als solche anerkannt werden sollten, und zwar völlig selbstverständlich anerkannt in der gesamten Gesellschaft. Das ist noch lange nicht so. Und da es (auch) um die sogenannte Arbeitswelt geht: Tatsächlich sind Transmenschen übermäßig häufig erwerbslos. Von Anerkennung sind wir also bereits hier sehr weit weg.

Aber selbst das genügt nicht.

Denn wir wissen mittlerweile, daß es eben nicht nur die beiden Geschlechter Mann und Frau gibt, und eigentlich auch, daß die Genitalien bzw. Reproduktionsorgane dafür nicht bestimmend sind. Und jedesmal, wenn ich darüber nachdenke, trauere ich um all die Menschen, die nie sein konnten, was sie waren, weil weder „Frau“ noch „Mann“ für sie paßten und ihnen niemand sagen konnte, daß es da noch mehr gibt – weil es niemand wußte.

Aber jetzt wissen wir es.

OK, das ist etwas ungenau. „Wir“ sollten es wissen, denn wissenschaftlich wurde es spätestens in den 1980ern erkannt. Aber „wir“ wissen es doch wieder nicht, weil die Mehrheitsgesellschaft es offenbar nicht wissen will. Das binäre Modell scheint in der Gesellschaft quasi festgefressen zu sein. Wir hören und lesen schon sehr wenig von Transmenschen, aber rein gar nichts über bi-gender, agender oder genderfluid orientierten Menschen. Wer nicht ins binäre Schema fällt, fällt statt dessen unter den Tisch.

Das könnte/dürfte an mehreren Aspekten liegen:

  • Gewohnheiten. Wir haben es von den Eltern so gelernt, die von unseren Großeltern, diese von ihren Eltern usw.
  • Sprache. Unsere Sprache sieht wie viele andere Sprachen sowohl bei den Personalpronomen als auch bei zum Beispiel Gruppen- und Berufsbezeichnungen nur ein binäres Schema vor, und niemand kam bislang auf die Idee, das mal systematisch zu ändern.
  • Die Weltreligionen, welche auf uraltem Schriftgut basieren, welche natürlich auch noch nichts anderes als Mann und Frau kannten, und auf die sich die Vertreter dieser Religionen immer noch berufen. Sie haben auch Einfluß auf Gesellschaft und Politik (auch wenn letzteres in den sogenannten säkulären Staaten nicht so gern zugegeben wird).
  • Die Tatsache, daß das Festmachen des Geschlechts an den Genitalien bzw. Reproduktionsorganen einfacher erscheint als eine Trennung des einen vom anderen; es vereinfacht scheinbar (!) den Umgang miteinander, weil man meint, bereits mit einem Blick erkennen zu können, welchem Geschlecht das Gegenüber angehört; gleichzeitig wird diese Erkenntnis offenbar irgendwie als wichtig angesehen.

Unsere Vorfahren mögen irgendwann beobachtet haben, daß es zwei Varianten von Körpern gibt: Die einen mit nährenden, größeren Brüsten, Vagina, Gebärfähigkeit und von Natur aus etwas weniger Muskulatur und die anderen mit nicht nährenden, unauffälligen Brüsten, Penis, Zeugungsfähigkeit und von Natur aus etwas mehr Muskulatur. Ihnen mag aufgefallen sein, daß sich die ersteren meistens als „weiblich“ und zweite meistens als „männlich“ empfanden.

In vielen Sprachen (nicht allen!) hat sich diese Beobachtung niedergeschlagen: So gibt es in der deutschen Sprache als Pronomen für die 3. Person singular nur jeweils eines für männliche und eines für weibliche Personen, aber nicht für weitere Geschlechter und auch kein neutrales Pronomen, das alle mit einbeziehen würde („das“ ist dafür eher nicht geeignet, weil sächlich, nicht geschlechtlich bzw. dem Grunde nach nicht auf Menschen bezogen). Letzteres, also ein Personalpronomen, das alle mit einbezieht, könnte hier eine Lösung sein (ich habe dazu schon länger einen Artikel-Skeleton im Draft, mal sehen, wie ich dazu komme, den auszuarbeiten).

Gleiches gilt auch für Berufs- oder Gruppenzugehörigkeits-Bezeichnungen. Wir kennen Polizist und Polizistin, aber was wäre ein Agender-Poliz… – Ihr seht das Problem? Hieran etwas zu ändern finde ich übrigens deutlich sinnvoller als den Versuch, durch großes I, *, _ oder : Frauen sichtbar(er) zu machen. Ich wäre ja eher dafür, Berufs- und ähnliche Bezeichnungen völlig vom Geschlecht unabhängig zu verwenden, statt mit Zeichen mitten im Wort, die schlechter lesbar und auch nicht barrierefrei sind, mühsam zu versuchen, Frauen – und nur Frauen – sichtbarer zu machen. Das Geschlecht soll ja insbesondere für eine berufliche Qualifikation nicht relevant sein, oder?

Und es werden wie gesagt als zusätzliche Gruppe eben wieder nur Frauen angesprochen. Nonbinaries dürfen sich dann wieder „mitgemeint“ fühlen, also genau das, was man Gegnern dieser Schreibweisen vorwirft und gleichzeitig doch wieder selbst praktiziert. Denn „PolizistInnen“ wird dann wieder als „Polizistinnen und Polizisten“ gelesen – und bleibt somit binär.

Also: Ich schlage vor, wir sollten den Frauenkampftag neu denken, und zwar als Tag der geschlechtlichen Gleichberechtigung, um den neuen Erkenntnissen gerecht zu werden.

Es muß sich in der Gesellschaft die Erkenntnis durchsetzen, daß Reproduktionsorgane nicht das Geschlecht bestimmen und es mehr als zwei Geschlechter gibt. Das muß spätestens in der Schule anfangen, besser noch im Kindergarten. Warum?

Wir haben da so einen interessanten Artikel im Grundgesetz, der steht sogar ziemlich weit vorne. Er postuliert als Recht, daß sich alle Menschen frei in ihrer Persönlichkeit entwickeln dürfen. Das funktioniert aber im Bereich der Geschlechter in der Praxis nur, wenn alle so früh wie möglich von allen Entfaltungsvarianten erfahren. Kinder, die lernen, daß es nur (cis) Mann und (cis) Frau gibt und sonst gar nichts, können sich nicht frei entfalten: Sie können nie feststellen, ob sie einem anderen, weiteren Geschlecht angehören. Sie können nie herausfinden, was sie wirklich sind.

Würden wir Schulabgängern sagen, es gäbe nur die Möglichkeit, Arzt, Bäcker oder Fabrikarbeiter zu werden (ich weiß, der Vergleich hinkt, weil sie ja Angehörige anderer Berufe bereits im Alltag gesehen haben) – die meisten würden sich für eine dieser drei Varianten entscheiden, auch wenn sie sich in allen dreien nicht wohlfühlen würden. Das wäre ziemlich schräg, oder? Eine freie Entfaltung wäre so nicht möglich. Gleichzeitig finden „wir“ es aber offenbar in Ordnung, Kindern zu sagen, sie könnten nur männlich oder weiblich sein.

Mir wurde übrigens in der Berufsberatung des Arbeitsamtes in den frühen 1980er Jahren gesagt, ich bräuchte mich gar nicht erst um eine Ausbildung als Fotograf zu bemühen, denn „die Fotografen nehmen keine Mädchen als Lehrlinge“ (war zwar – auch bereits zu dieser Zeit – kackendreist gelogen, aber das kennt man ja von dieser Art von Behörden). Mein zugewiesenes Geschlecht empfand die Berufsberatung als legitimen Grund dafür, meine Entfaltung (weiter) einzuschränken. Man wollte „Mädchen“ zu dieser Zeit offenbar bevorzugt in kaufmännische bzw. Verwaltungsberufe mit niedrigerer Qualifikation bzw. in die Pflege drücken. Das wurde mir jedenfalls als mögliche berufliche Richtungen angegeben.

Ich habe mich mein Leben lang nicht mit der Zuweisung „Mädchen/Frau“ bzw. „weiblich“ wohlgefühlt. Ich mußte 47 Jahre alt werden, um herauszufinden, was ich wirklich bin. Das ist nicht freie Entfaltung der Persönlichkeit, das ist eine Unterdrückung von Persönlichkeit. Ich hätte es gern bereits im Kindergarten erfahren, daß es noch mehr gibt, um mich finden zu können. Denn bereits damals fand ich das Mädchen-Sein für mich irgendwie eigenartig.

Und heute?

Als ich mich vor über einem Jahr outete, haben das die meisten Leute, vor denen ich mich outete, erstmal schlicht ignoriert. Ich wurde bei Treffen erstmal weiterhin dem „Frauen-Anteil“ zugeschlagen. Ich wurde und werde weiterhin als Frau bezeichnet. Und obwohl ich mehrfach darauf hinwies, daß ich den Spitznamen Frosch als Anrede haben möchte, werde ich weiterhin mit meinem Auweis-Namen angesprochen, der eindeutig weiblich konnotiert ist (unter Transmenschen würde man von „deadnaming“ sprechen). Dabei geht es nicht immer um Umgewöhnung; das würde ich zugestehen. Es ist schon nervig genug, daß ich mich bei Ämtern usw. als Frau deklarieren und anreden lassen muß.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Es ist nichts falsch daran, eine Frau zu sein. Es ist auch nichts falsch daran, ein Mann zu sein. Aber cis Männer überlegen jetzt mal, wie sie sich fühlen würden, konsequent als Frau bezeichnet zu werden, und cis Frauen überlegen sich an dieser Stelle, wie es sich anfühlen würde, ständig als Mann angesehen zu werden. Mit dem falschen Geschlecht in Verbindung gebracht zu werden, ist eben einfach – falsch. Man fühlt sich nicht ernst genommen.

Wenn wir also echte Geschlechtergerechtigkeit wollen, müssen wir mehr tun, als nur für eine gerechte Beteiligung von Frauen an der Gesellschaft einzutreten: Wir müssen alle Geschlechter mitdenken.

  • Genitalien bzw. Reproduktionsorgane dürfen nicht mehr geschlechtsbestimmend sein. Kinder sollen nicht mehr ab Geburt auf eines der binären Geschlechter festgenagelt werden. Jeder Mensch weiß selbst am besten, welchem Geschlecht er angehört.
  • Es muß auf allen Ebenen eine gesellschaftliche Aufklärung über die bekannten Varianten der Geschlechter und deren Unabhängigkeit von den Reproduktionsorganen sowie über körperliche Variationen (wie Intersexualität) geben. Es muß klar werden, daß alle Geschlechter und körperlichen Variationen ihre Daseinsberechtigung haben und es kein „falsches“ Geschlecht gibt. Das ist natürlich vor allem eine politische Aufgabe, aber auch Medien, insbesondere solche mit großer Reichweite, müssen ihren Teil dazu leisten.
  • Geschlechtsbezeichnungen gehören nicht in Ausweisdokumente jeglicher Art. Auch in Bewerbungen haben sie nichts verloren, sofern es keinen verdammt guten Grund gibt, eine Stelle nur den Angehörigen eines bestimmten Geschlechts oder bestimmter Geschlechter anzubieten. Das gilt natürlich auch für alle weiteren Bereiche des Lebens, in welchem das Geschlecht eines Menschen objektiv keine Rolle spielt.

Denken wir also den 8. März neu. Damit es irgendwann in der Zukunft tatsächlich Geschlechtergerechtigkeit für alle geben kann.

Oder um es mit der Piratenpartei auszudrücken: Klarmachen zum Ändern.

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Die Würde des Menschen http://blog.atari-frosch.de/2017/02/06/die-wuerde-des-menschen/ http://blog.atari-frosch.de/2017/02/06/die-wuerde-des-menschen/#respond Mon, 06 Feb 2017 14:29:38 +0000 http://blog.atari-frosch.de/?p=15702 Svenja Eck schrieb gestern auf Twitter: Eine Bamf-Entscheiderin im Interview mit dem @neon_mag. Ich lass das Mal so stehen. #Asyl

Dazu ein Foto mit einem Textauszug:

INGA ZEMPEL: „Ich denke nicht, dass ich über das Schicksal von jemandem entscheide. Schicksal ist ein krasser Begriff. Ich entscheide über einen Asylantrag. Natürlich ist der in dem Moment entscheidend für das weitere Leben des Antragstellers. Ich bin aber nur eine Sachbearbeiterin. Asylbewerber haben das Recht, gegen meine Entscheidung vorzugehen.“

Der Widerspruch in sich scheint ihr schonmal nicht aufzufallen: Sie entscheidet angeblich nicht über das Schicksal eines Menschen, aber ihre Entscheidung ist gleichzeitig eine über das weitere Leben des Antragstellers.

Das ist die gleiche Denke wie bei Mitarbeitern der ARGEn; das hatte ich ja schonmal in meinem Artikel Entmenschlichung von vor einem Jahr mit einem Tweet von @carridwen dargelegt, in welchem sie eine Jobcenter-Mitarbeiterin zitierte: „Man lernt das mit der Zeit, Anträge abzulehnen. Sind ja nur Zettel, da sitzen keine Menschen vor Ihnen.“

[Update 2017-02-06 18:05]

[/Update]

Schlimm genug, daß in den Repressionsämtern Leute sitzen, die so denken. Noch schlimmer, daß genauso getrimmte Leute über oft traumatisierte Menschen entscheiden dürfen, die alles hinter sich gelassen haben, weil sie keine andere Chance hatten.

DIE WÜRDE DES MENSCHEN IST UNANTASTBAR. SIE ZU SCHÜTZEN UND ZU ACHTEN IST VERPFLICHTUNG ALLER STAATLICHEN GEWALT.

Das gilt natürlich genauso für jeden „kleinen“ Angestellten beim BAMF, bei einem ARGE, bei der Arbeitsagentur und bei allen anderen Behörden, welche Ausprägungen dessen sind, was das Grundgesetz einen Sozialstaat nennt.

Anstatt sich nun auf diesen höchsten Grundsatz unseres Staates zu berufen, schonen diese Angestellten ihr Gewissen – mit dem persönlichen Nutzen, den eigenen Arsch im Warmen zu haben – damit, daß sie den Menschen einfach gar nicht mehr sehen (wollen). Es ist nur Papier, oder ein Stapel davon; eine Akte; ein Fall. Was hinter der Papierkante passiert, ist nicht mehr relevant, betrifft sie nicht, dafür sind sie nicht verantwortlich.

Aber VERDAMMT NOCHMAL, um genau sowas, nämlich die Entmenschlichung von Individuen oder Gruppen zu verhindern, wurde Art. 1 des Grundgesetzes geschrieben! Aus der Erfahrung heraus, daß eine solche Entmenschlichung eines der Anfangsszenarien ist, die uns schon einmal in den Faschismus gebracht haben, und die ich deshalb ebenfalls bereits als faschistisch bezeichne.

Wenn das im regulären Betrieb (von Teilen) der Verwaltung keine Bedeutung mehr hat und ein solches menschenverachtendes Verhalten vom Gesetzgeber auch noch gefördert wird: Ist das Grundgesetz dann noch mehr wert als eine Rolle Klopapier?

Denn wenn das Grundgesetz innerhalb seines Einflußbereichs auch nur für einen einzigen Menschen (als eigentlich „Berechtigtem“) keine Bedeutung mehr hat, dann hat es für niemanden mehr eine Bedeutung, denn dann können sowohl Regierung und Parlamente als auch jeder einzelne Angestellte des Staates oder eines Bundeslandes beliebig darüber entscheiden, wer als nächstes herauszufallen hat.

Wehret den Anfängen, sagte unsere Elterngeneration. Es hat längst schon wieder begonnen.

Die größten Verbrechen der Menschheit kamen nicht deshalb zustande, weil einzelne Menschen die Befehle gaben, sondern weil so viele Menschen gedanken- und gewissenlos gehorchten. Und ja, oft auch aus Bequemlichkeit. „Seid unbequem, seid Sand, nicht das Öl im Getriebe der Welt!“ (Günter Eich) – mit persönlicher Bequemlichkeit landen wir wieder in der Vergangenheit, die viele doch so gern lieber vergessen würden. Und mit der Menschenwürde fängt es an.

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Vorhaben für 2017 http://blog.atari-frosch.de/2017/01/30/vorhaben-fuer-2017/ http://blog.atari-frosch.de/2017/01/30/vorhaben-fuer-2017/#respond Mon, 30 Jan 2017 19:26:56 +0000 http://blog.atari-frosch.de/?p=15675 Na sowas: Ich war noch nicht einmal dazu gekommen, den geplanten Artikel über meine Vorhaben für 2017 zu schreiben – da ist schon fast der Januar rum. Aaaaber jetzt.

Damit verbunden ist auch ein Rückblick darauf, was aus meinen Vorhaben für 2016 geworden ist, denn daraus ergibt sich teilweise, was dieses Jahr (immer noch, wieder, weiterhin) ansteht.

  1. Das erste Vorhaben für 2016, den alten Server abzuräumen, habe ich noch nicht vollständig umgesetzt. Das heißt, ich zahle weiterhin die zusätzlichen 29 € im Monat. Immerhin sind mittlerweile die meisten Dienste auf den „neuen“ (so superneu ist er ja nicht mehr) Server umgezogen. Auch Mail funktioniert – seit Anfang Juli. Aber es fehlen vor allem noch zwei Websites und der IRC-Bouncer. Die stehen damit automatisch auf meiner ToDo für dieses Jahr.
  2. Bei Nerd4U war ich auch nicht weitergekommen, aber das hing ja auch mit all dem anderen Schei* zusammen, der 2016 so passierte. Da hängt es davon ab, wie es dieses Jahr läuft.
  3. Was die Sensorreinigung meiner Canon EOS 350D angeht, hatte ich mir Reinigungsmaterial gekauft und auch angewandt. Aber es steht zu befürchten, daß der Sensor gar nicht mehr gereinigt werden kann; die Batzen verschieben sich zwar, verschwinden aber nicht mehr. Es ist also fast unmöglich, mit dieser Kamera noch Fotos zu produzieren, die verkaufsfähig sind. 🙁 Von einer neuen kann ich ja nur träumen … – und die Sache mit den Fotoreisen kann ich damit auch erstmal vergessen.
  4. Generell habe ich in den letzten Monaten kaum noch fotografiert, was mir schon so ein bißchen fehlt. Aber ich war nicht viel unterwegs, was auch einer Infektion zu „verdanken“ ist – seit November schleppe ich eine Luftröhrengeschichte mit mir rum, die erfahrungsgemäß erst wirklich abklingen wird, wenn es wieder wärmer wird.
  5. Das Vorhaben, an Schulen zu gehen und dort über Autismus zu referieren, habe ich ganz verworfen. Das überlasse ich dann doch mal anderen, die auch besser vor Menschen reden können.
  6. Abgenommen habe ich auch nicht, dazu brauche ich wirklich mehr Freiraum. Im Moment ist es eher so, daß alles, was mit Essen zu tun hat, für mich eher ein Störfaktor ist. Das Vorhaben, Gewicht zu verlieren, steht aber durchaus noch im Raum.
  7. Im Sommer neu dazugekommen ist das Vorhaben, umzuziehen. Da bleibe ich dran. Ich will weiterhin nach Mecklenburg-Vorpommern, an die oder in die Nähe der Ostsee, und primär habe ich Greifswald im Auge – einfach, weil ich da schonmal war und es mir außerordentlich gut gefallen hatte.
  8. Damit im Zusammenhang steht auch, bald wieder Zeug auf eBay zu verkaufen. Das mußte ich ja im November erstmal einstellen, weil es mir sehr schlecht ging. Ich hoffe, daß ich damit bald wieder anfangen kann.

Kein Vorhaben, aber eine Feststellung: Ich habe seit Monaten keine Depressionen mehr verspürt, wenn auch durchaus Burnout-Schübe, und die waren teils schon recht heftig. Aber eben ohne eigentliche Depressionssymptome. Auf die würde ich gern auch weiterhin verzichten, aber als Vorhaben kann man das schlecht bezeichnen, denn das kann ich ja nun wirklich nicht beeinflussen.

Meine Rechtsstreitigkeiten gegen ARGE und faschistisches Repressionsamt laufen noch, werden aber wohl zusammengelegt und hoffentlich bald entschieden werden. Dann ist es vermutlich nur noch eine Frage der Zeit, bis sich das ARGE – das dann mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder zuständig sein wird – sich neue Methoden zu meiner Existenzvernichtung ausdenken wird. Oder sie bleiben einfach bei den alten, die haben sich ja schonmal bewährt …

Schaumermal.

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