Archiv der Rubrik 'Soziales'
Der Zynismus des Sigmar Gabriel
Tuesday, 8. May 2012
Ich hatte heute einen kurzen, aber denkwürdigen Dialog mit Sigmar Gabriel auf Twitter (verifizierter Account, also kann ich schon davon ausgehen, daß der echt ist). Jemand spülte per Retweet folgenden Tweet von Herrn Gabriel in meine Timeline:
@sigmargabriel
Hollande hat angerufen. Martin Schulz und ich haben gemeinsam gratuliert. Wir wollen eng zusammenarbeiten für Wachstum & Beschäftigung.
Darauf konnte ich mir nicht verkneifen, zu antworten:
@AtariFrosch
@sigmargabriel Das Wachstum auf den Konten der Reichen und die Beschäftigung des Pöbels, damit der nicht politisch aktiv wird?
Sport für Hartz-IV-Empfänger
Friday, 6. April 2012
Ach, und weil wir grade bei lustigen Methoden der Arbeitslosenverwaltung sind …
Gestern teilte uns die Bundesanstalt für Arbeit stolz mit, daß sie einen Kooperationsvertrag mit der GKV geschlossen hat, um „Arbeitslose für die eigene Gesundheit zu sensibilisieren und stärker Präventionsangebote zu nutzen”. Das klingt im ersten Moment ja sehr fürsorglich. Da ich aber das Hartz-System mittlerweile besser kenne, gehe ich davon aus, daß die Fürsorge nur vordergründig eine Rolle spielt, weil’s halt so schön sozial aussieht. Das muß es deswegen noch lange nicht sein.
Denn insbesondere die Bundesagentur für Arbeit macht es sich hier verdammt einfach: Sie erklärt uns gesundheitlich angeschlagenen Arbeitslosen nämlich: Hey, Ihr seid selbst schuld dran, daß Ihr nicht richtig arbeiten könnt, Ihr macht einfach zu wenig Sport!” Und ich warte schon auf Zwangsmaßnahmen der ARGEn gegen ihre „Kunden”, weil die sich weigern, diese ach so nett gemeinten Kurse zu besuchen, um ihre Vermittelbarkeit zu verbessern. (more…)
Abrechnung à la JobCenter
Friday, 6. April 2012
Dinge könnten manchmal so einfach sein. Wenn es da nicht das ARGE, neuerdings JobCenter genannt, gäbe.
Ich hatte vor drei Wochen den Verlängerungsantrag für das ALG II eingeworfen und noch einen Brief dazugeschrieben. Das Haus, in dem ich wohne, wird nämlich seit wenigen Monaten von einer Hausverwaltung betreut und nicht mehr von den Vermietern selbst. Und diese Hausverwaltung teilte mir bereits im Dezember mit, daß sie der Meinung ist, ich hätte zu viel an Nebenkosten bezahlt, und sie wollen mir einen doch etwas größeren Betrag zurückbezahlen. Aus gesundheitlichen Gründen hatte ich es erst Ende Februar geschafft, dort anzurufen und meine Kontonummer mitzuteilen, die sie dafür haben wollten. Das Geld ist aber immer noch nicht da. (more…)
Autoritäten
Wednesday, 7. March 2012
Der Artikel von Bruce Levine, Ph. D., den ich am 4./5. März übersetzt habe, läßt mir keine Ruhe. Und das meine ich in einem sehr positiven Sinne! Das klingt jetzt ziemlich guru-artig, aber ich glaube, dieser Artikel und meine Erkenntnisse daraus könnten tatsächlich mein Leben verändern — bzw. ich könnte mit diesen Erkenntnissen mein Leben verändern.
Die erste Erkenntnis ist die Definition von „autoritär/antiautoritär”, die mir so nicht bekannt war:
Antiautoritäre Menschen stellen erst einmal die Frage, ob eine Autorität legitim ist, bevor sie sie ernstnehmen. Die Legitimität von Autoritäten zu überprüfen beinhaltet die Einschätzung, ob Autoritäten überhaupt wissen, worüber sie reden, ob sie ehrlich sind und ob sie sich für die Leute interessieren, von denen sie respektiert werden. Und wenn ein antiautoritärer Mensch eine Autorität als illegitim einschätzt, stellt er sie in Frage und leistet ihr Widerstand — manchmal aggressiv und manchmal passiv-aggressiv, manchmal klug und manchmal auf unkluge Weise.
Also nochmal: Antiautoritär ist man nicht (erst) dann, wenn man gar keine Autoritäten akzeptiert, sondern (bereits) dann, wenn man Autoritäten hinterfragt. Ich verstehe Levine so, daß er davon ausgeht, daß man mit dieser Grundeinstellung geboren wird, genauso wie man beispielsweise mit seiner sexuellen Ausrichtung (hetero-, homo-, bisexuell) geboren wird und diese nicht erst mit der Zeit aufgeprägt bekommt. Somit gälte das gleiche für die Autoritätshörigkeit wie für die sexuelle Ausrichtung: Man kann weder etwas dafür noch etwas daran ändern.
Warum antiautoritäre Menschen als psychisch krank eingestuft werden
Monday, 5. March 2012
Dies ist eine Übersetzung des Artikels Why Anti-Authoritarians are Diagnosed as Mentally Ill von Bruce Levine, Ph.D., mit freundlicher Genehmigung des Autors. Ich finde den Artikel deshalb hoch spannend, weil ich mich in vielem wiedererkenne; ich gehöre nämlich auch zu diesen antiautoritären Menschen, die da beschrieben werden.
(Beginn Übersetzung)
Während meiner Laufbahn als Psychologe habe ich mit hunderten von Leuten gesprochen, die vormals von anderen Profis mit „oppositional defiant disorder”[1], Aufmerksamkeits-Defizit- und Hyperaktivitäts-Syndrom, Angststörungen und anderen psychischen Krankheiten diagnostiziert worden waren, und mir fiel auf,
- wie viele der so Diagnostizierten im Wesentlichen anti-autoritär sind und
- daß die Profis, welche die Diagnosen gestellt haben, das nicht sind.
Zehn Jahre Depressionen
Monday, 20. February 2012
Heute ist ein trauriger Jahrestag für mich. Denn heute vor 10 Jahren, am 20. Februar 2002, habe ich in meinem Tagebuch erstmals notiert, daß ich wohl Depressionen habe. Meine Situation war zu dem Zeitpunkt — wieder — sehr prekär.
Im Januar 2002 war ich zu einem Computerkassen-Kurs für eine Tankstellen-Kette eingeladen worden. Dieser Kurs fand in Sankt Augustin in einem Hotel statt. Der Veranstalter zahlte alles, Hotel, Fahrt, Essen, Unterrichtsmaterial. Nach der zweiwöchigen Ausbildung sollte ich als selbständige Computerkassen-Trainerin (oder so ähnlich) zu Tankstellen fahren und dort das Personal in den Kassen schulen. Aber nach der ersten Woche hieß es dann auf einmal, der Kurs wird halbiert, und ich war bei denen, die nicht weitermachen durften. Das war nach längerer Zeit die erste echte berufliche Chance, die sich mir eröffnet hatte, und die hatte sich damit zerschlagen.
Anfang Februar 2002 erfuhr ich dann, daß ich keinen Ehegatten-Unterhalt mehr bekommen würde. Natürlich ohne Vorbereitung und erst an dem Tag, an dem das Geld hätte eingehen sollen — dabei wußte mein Ex das schon einen guten Monat länger. Ich hatte am Monatsanfang notiert: (more…)
Lebenserwartung
Tuesday, 13. December 2011
Gestern lasen wir auf Spiegel Online und anderen Online-Medien etwas über die Lebenserwartung von Geringverdienern. Die soll nämlich zurückgegangen sein.
Heute lese ich nun im Mannheimer Morgen, daß die Rentenversicherung diesen Trend bestätigt haben: Reiche leben länger und sind weniger krank. (Im Anreißer auf Seite 1 der Papierzeitung steht übrigens, das sei nur die Meinung der Linken, nicht aber die von „Bundesregierung und Experten”; im Artikel selbst wird diese Behauptung nicht mehr wiederholt).
Nur eine kann sich dem so gar nicht anschließen: Unsere asoziale Bundesarbeits-Zensursula von der Lügen. Die meint, das müsse man nicht so ernst nehmen. Aber so kennen wir sie ja, die Lügenbaronin.
Die Rentenversicherung selbst meint, das Ergebnis beruhe auf so wenig Fallzahlen, daß man daraus keinen Trend ablesen könne. Leute, dazu braucht man keine hohen Fallzahlen, es genügt, den Verstand einzuschalten. Aber damit sind gewisse Leute ja schon massiv überfordert.
Praxisgebühr
Saturday, 10. December 2011
Unsere asoziale Bundesregierung denkt mal wieder nach, und wie meistens, wenn sie das tut, kommt Müll bei raus. Sie wollen mal wieder das „sozialverträgliche Frühableben” fördern, auch wenn das so natürlich keiner sagt. Oder anders: Man möchte die Praxisgebühr „reformieren” dahingehend, daß nicht mehr pro Quartal 10 € fällig werden (plus 10 € pro Quartal für den Zahnarzt sowie für jeden Notfall), sondern 5 € pro Arztbesuch. Man denkt sich dabei, daß man viele unnötige Arztbesuche verhindern könne. Das ist natürlich ausgemachter Blödsinn.
Was zunächst dahintersteht, ist wohl die Idee, die ganzen alten und einsamen Menschen abzustrafen dafür, daß sie, ohne krank zu sein, zum Arzt gehen, wenn sie nicht wissen, wohin. Auf den Gedanken, daß man diesen Menschen dann vielleicht eine Alternative bieten müßte, kommt natürlich keiner. Denn unsere asozialen Politiker werden im Alter sicher nicht einsam sein, zur Not können sie sich Gesellschaft kaufen. (more…)
Klage gegen Rentenversicherung zurückgezogen — vorerst
Wednesday, 7. December 2011
Heute um 11:30 Uhr fand mein Gerichtstermin gegen die Rentenversicherung beim Sozialgericht Düsseldorf statt. Anfang Juni hatte es noch geheißen, „auf keinen Fall mehr dieses Jahr”, und Mitte November hatte ich dann plötzlich doch die Ladung im Briefkasten. Das macht es allerdings nicht besser; von der Klageeinreichung am 26. Mai 2010 (!) bis zum Termin heute sind immerhin 18 Monate vergangen — für ein relativ normales Gerichtsverfahren eindeutig viel zu lang.
Der Richter erklärte kurz den Ablauf und leierte dann erstmal die Anträge und Begründungen runter. Dabei erwähnte er so nebenbei, daß ich mit der Bezeichnung „faschistisch” für die Repressionsämter (den Begriff monierte er übrigens nicht) am Strafrecht vorbeischrammen würde. Mich stört das nicht, ich habe meine Gründe und stehe dazu. (more…)
#bpt112: We can haz BGE, plz?
Monday, 5. December 2011
Es war denkbar knapp: 66,9 % der akkreditierten Piraten stimmten beim Bundesparteitag in der Offenbacher Stadthalle für den Programmantrag PA284 Bedingungsloses Grundeinkommen und Mindestlohn, der Antrag erreichte also gerade so die nötige 2/3-Mehrheit. Damit kann die Idee des Bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) kein Randgruppenthema mehr sein; nicht nur Piraten, sondern auch andere Parteien werden sich ernsthaft damit befassen müssen.
Mir persönlich wäre der Antrag PA162 lieber gewesen; er ist direkter. PA162 fiel jedoch bereits bei der Vorabstimmung darüber, welcher Antrag behandelt und abgestimmt werden sollte, raus. Aber lieber so als gar nicht. (more…)
CDU-Politiker: Zu viele Grundrechte für Hartz IV Empfänger
Monday, 14. November 2011
Ja, oder so ähnlich:
Nach Ansicht des CDU-Politikers Frank Steffel wird auf Bezieher des ALG II nach wie vor zu wenig Druck ausgeübt.
In seiner Eigenschaft als Unterhändler im Rahmen der Berliner Koalitionsverhandlungen erklärte er laut einem Bericht des “Focus”, dass in der Arbeitsmarktpolitik ein “Paradigmenwechsel” erfolgen müsse. Ziel des neuen Senats sei, die Hilfsquote in den kommenden fünf Jahren um zehn Prozent zu reduzieren.
“Wir dürfen nicht mehr tolerieren, dass Berliner es sich auf Kosten der Allgemeinheit ohne Arbeit bequem machen”, meint der Christdemokrat. Notfalls müssten die Jobcenter mehr Sanktionen aussprechen.
Steffel meldet sich in der Sozialstaatsdebatte nicht zum ersten Mal zu Wort. Im Zusammenhang mit der geringen Nachfrage nach den Bildungsgutscheinen unterstellte er Beziehern des ALG II, dass sie deswegen darauf verzichten würden, weil sich die Gutscheine nicht zu Bargeld machen ließen.
ARGE: Es geht auch anders!
Wednesday, 12. October 2011
Aus Frankreich wird berichtet, daß sich die dortigen ARGE-Mitarbeiter nicht mehr dazu erniedrigen lassen wollen, Menschen zu sanktionieren. Bravo! Die asoziale Bundesarbeits-Zensursula und ihre Vorgänger könnten ihre verfassungswidrigen Gesetze nicht durchdrücken, wenn es bei uns genauso verantwortungsvolle Angestellte gäbe.
Aber hier machen es sich die Angestellten der Repressionsämter leicht. Sie beugen sich den asozialen Gesetzen und gehen bei Gelegenheit sogar darüber hinaus, wenn sie damit nur Geld sparen können. Sie schalten Gehirn und Gewissen aus und ziehen sich auf den Standpunkt zurück: „Ich tu nur, was im Gesetz steht.” Daraus ergeben sich dann so abartige und skurrile Situationen wie die, daß ein erwerbsunfähiger Bettler sich nicht nur seine Einnahmen vom Betteln anrechnen lassen muß, sondern auch direkt zu Weiterbetteln gezwungen wird. (more…)
Werbeanzeigen für Regierungslügen
Wednesday, 5. October 2011
Vor drei Tagen entdeckte ich bei fr-online.de eine Werbeanzeige der Bundesregierung im Flash-Format, das auf eine Website des Bundes mit einer Broschüre verlinkte. Die zwei Flash-Dateien waren prominent oberhalb und rechtsseitig geschaltet, also sicher nichts billiges. Leider habe ich keinen Screenshot und es auch nicht geschafft, die Flash-Dateien runterzuladen (sonst wer?). Mir ist auch nicht bekannt, ob dieses Werbe-Flash noch auf anderen Online-Medien gebucht worden war.
In diesen Flashfilmchen wurde behauptet:
- Der Aufschwung kommt bei den Menschen an.
- Arbeitslosigkeit gesunken, Beschäftigung auf Rekordniveau.
Strafanzeige gegen Sarrazin (6)
Wednesday, 7. September 2011
Kaum war der letzte Blogartikel zum Thema geschrieben, hatte ich schon wieder Post aus Berlin. Diesmal gleich doppelt, von der Staatsanwältin und, als erstaunlich schnelle Reaktion, auch vom Generalstaatsanwalt. Kurzfassung: Man mag auch jetzt nicht ermitteln oder gar anklagen. Aus den Begründungen werde ich so meine eigenen Schlüsse ziehen — sowohl bezüglich der Berliner Staatsanwaltschaften als auch bezüglich der damit eröffneten Möglichkeiten, ungestraft über gewisse Bevölkerungsteile abzulästern.
Langfassung von Nummer 1 (StA Berlin): (more…)
Bundesregierung lügt dreckig
Friday, 2. September 2011
Was sich die Bundesregierung gegenüber Sozialleistungsempfängern leistet, wird immer unerträglicher. So verteidigt sie gerade die Sanktionspraxis der Ämter für Repression, Grundrechtsentzug und Erniedrigung (wahlweise: Existenzvernichtung), den sogenannten ARGEn. Auf eine Anfrage der SPD antwortet die Bundesregierung unter anderem:
Der häufigste Grund für Leistungskürzungen seien Meldeversäumnisse (61 Prozent), gefolgt von der Weigerung, eine Eingliederungsvereinbarung abzuschließen oder deren Pflichten nachzukommen (18 Prozent), sowie der Weigerung, eine zumutbare Arbeit, Ausbildung oder Arbeitsgelegenheit anzunehmen (14 Prozent).
