Froschs Blog http://blog.atari-frosch.de Computer und was das Leben einer Frau sonst noch so zu bieten hat Tue, 16 Sep 2014 15:15:07 +0000 en-US hourly 1 Armenhäuser http://blog.atari-frosch.de/2014/09/16/armenhaeuser/ http://blog.atari-frosch.de/2014/09/16/armenhaeuser/#comments Tue, 16 Sep 2014 15:05:45 +0000 http://blog.atari-frosch.de/?p=11209 Im Juni schrieb ich:

Auf die Lager, in welche die „Überflüssigen“ zusammengetrieben werden, kann man allerdings durchaus warten, sofern die nächsten zwei, drei Bundesregierungen wieder aus asozialen Wirtschaftslobbyisten zusammengesetzt werden.

Nun fängt es an. Noch nicht in Deutschland, und noch nicht in Gesetzesform, aber als Vorschlag eines Abgeordneten – außerhalb des Sommerlochs. Und quasi vor unserer Haustüre, in Österreich:

In einem Artikel in der österreichischen Zeitung Vorarlberger Nachrichten wird über den Vorarlberger Nationalratsabgeordneten Christoph Hagen (Team Stronach) berichtet. Verlinken kann ich den Artikel leider nicht, weil er hinter einer Paywall liegt; mir liegt ein Scan vermutlich der Printausgabe vor, den ich wegen des Urheberrechts besser nicht weiterverbreite (er kursiert allerdings auf diversen sozialen Plattformen). Ich zitiere daher direkt und indirekt relevante Ausschnitte.

Der Herr Hagen hat nämlich ganz konkrete Vorstellungen darüber, was man mit Erwerbslosen so alles anstellen sollte. Bereits in der Überschrift heißt es: „Man muss die Leute so erziehen, dass sie wieder arbeiten gehen“. Dann erzählt er von Lebensmittelgutscheinen, die Eltern bekommen sollen, weil sie ihre Kinder sonst bestimmt nicht versorgen, sondern alles für Alkohol und Zigaretten ausgeben.

Aber der zentrale Punkt seines Vorschlages besteht darin, erwerbslose Menschen in „Armenhäuser“ zu schicken:

[…] „aber es muss nicht jeder einen Luxusstandard haben“, sagt er: „In Armenhäusern wird man versorgt. Die Leute können gemeinnützig arbeiten und Taschengeld verdienen. Es gibt einen Gemeinschaftsraum mit Fernseher sowie Dusche und WC am Gang“, erklärt der Vorarlberger. Ein kleines Einzelzimmer mit Bett sollte Hagen zufolge die Privatsphäre garantieren: „Es muss sich wieder lohnen zu arbeiten. Viele Leute nützen den Staat nur aus. Man muss sie so erziehen, dass sie wieder arbeiten gehen.“

Told you so.

Ich werde jetzt nicht nochmal den ganzen Sermon mit Grund- und Menschenrechten aufdröseln und auch nicht nochmal ausführlich erklären, daß es gar nicht so viele Arbeitsplätze gibt. Auch daß ein nicht so ganz geringer Teil der Erwerbslosen (mit Sicherheit auch in Österreich) gar nicht mehr richtig arbeiten kann, chronisch krank ist oder Kinder oder andere Angehörige versorgen muß. Und ich muß glaube ich auch nicht mehr erklären, daß das Ganze ganz üble braune Hetze ist. Das habe ich in den letzten Jahren, glaube ich, zur Genüge getan.

Stattdessen könnte ich jetzt vermutlich einen Tageszähler laufen lassen, wann der erste deutsche Politiker diese Idee aufgreift und ganz toll findet.

Dann kommt mein nächstes „told you so“.

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Versagung der Leistungen (5) – Aufräumarbeiten http://blog.atari-frosch.de/2014/09/15/versagung-der-leistungen-5-aufraeumarbeiten/ http://blog.atari-frosch.de/2014/09/15/versagung-der-leistungen-5-aufraeumarbeiten/#comments Mon, 15 Sep 2014 16:17:49 +0000 http://blog.atari-frosch.de/?p=11198 Auch wenn das alles noch sehr seltsame Wege ging und sicher noch einiges zu klären ist: Ich bin wieder im Leistungsbezug. Das heißt nicht, daß sofort wieder alles in Ordnung ist: Nun kommen noch die Aufräumarbeiten.

Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf hat den Eingang meiner Strafanzeige vom 21. August zeitnah bestätigt. Ob und wann sie sich dann mal wirklich damit befaßt, ist natürlich eine andere Frage – erfahrungsgemäß ist man dort nicht so schnell. Allerdings konnte das ARGE nun auf einmal handeln, nur der Grund ist noch nicht so ganz klar.

Am 26. August erhielt ich einen Anruf von einer ARGE-Sachbearbeiterin, deren Name bislang nicht Teil des Spielchens war. Man habe mir die rückständigen Beträge ab Mai überweisen wollen, aber das Geld sei zurückgekommen, weil das Konto bei der Sparkasse nicht mehr existiere. Ich möge mich doch um eine aktuelle Kontoverbindung bemühen, damit man mir das Geld auszahlen könne. Wenn ich dann eine neue Verbindung habe, möge ich die Daten bitte persönlich vorbeibringen.

Einen Bescheid hatte ich dazu nicht bekommen. Ich wußte also nicht, wieviel da jetzt kommen sollte und ob der dazugehörige Bescheid überhaupt korrekt berechnet worden war.

Also ging ich am nächsten Tag erst einmal zu meiner Sparkassen-Filiale und erfuhr: Ja, richtig, das Konto existiert nicht mehr. Man könne es auch nicht reaktivieren, ich müsse dann schon ein neues aufmachen. Aber es sei gerade kein Berater da, der das machen könnte. – Wann wieder einer da ist? – Ja keine Ahnung, vielleicht in einer Stunde. Oder auch nicht.

LMAA, dachte ich mir nur, ging nach Hause und informierte mich über Banken, insbesondere solche, die ja vielleicht auch günstiger sind als die Stadtsparkasse. Ein Telefonberater der ComDirekt, bei der ich zuerst anrief, laberte mir einen an die Backe von wegen, eine Filialbank sei doch in meinem Fall besser (und gab mir damit zu verstehen, daß man Problem-Klientel wie mich wohl eher nicht haben will). Auf mehrfache Empfehlung von Followern auf Twitter rief ich schließlich bei der GLS-Bank an, wo ich freundlich informiert wurde und schließlich ein Konto bekam. Gegenüber der Sparkasse werde ich damit über den Daumen gepeilt 1/3 weniger pro Jahr an Gebühren bezahlen (2 € pro Monat plus 15 € jährlich für die Karte gegenüber 5,20 € pro Monat).

Allerdings ging das natürlich nicht so schnell. Ich bekam erstmal fast eine Woche später Post mit einem auszufüllenden Vordruck und einem weiteren für Post-Ident. Der GLS-eigene Vordruck sah recht lustig aus: Der nette Telefonberater hatte nämlich ein paar seltsame Daten eingetragen. Demnach hatte ich mich durch einen Personalausweis mit der Nr. 123, ausgestellt von der Stadt Bochum (Sitz von GLS), ausgewiesen. Äh, wat? ;-)

Ich rief nochmal bei der Hotline an und fragte nach. Die Mitarbeiterin am anderen Ende war nicht weniger verblüfft als ich darüber, was der Kollege da eingetragen hatte. Sie meinte schließlich, das sei eh irrelevant, da ich mich ja nirgends persönlich ausgewiesen habe; ich solle das also einfach vergessen und das mit dem Post-Ident machen. Sie würde diese falschen Daten dann rausnehmen.

Als nächstes trabte ich also zur Post am Hauptbahnhof, um zum ersten Mal Post-Ident zu machen. Das zumindest erwies sich als einfacher, als ich mir das vorgestellt hatte. Damit ging das ganze Papier wieder zur Post, und ich wartete hibbelnd auf die Zugangsdaten.

Diese kamen nun kurz vorm Wochenende an. Heute früh war ich damit dann beim ARGE, weil es ja laut der Anruferin vom 26. August persönlich sein sollte. Beim Wachpersonal fragte ich noch, ob ich die Daten mal eben an den Schnellschaltern vorn abgeben könne, wo nur wenige Leute anstanden – nein, das ging natürlich nicht, ich mußte eine Wartemarke ziehen.

Es war die Nr. 54, die mir um 07:48 Uhr (Öffnung: 07:30 Uhr) aus dem Automaten entgegenfiel. Angezeigt wurde gerade die Nr. 15. Ich setzte mich also in die schon recht vollen Reihen und verspeiste erstmal mein Frühstücksbrötchen, das ich mir unterwegs, um nicht noch später anzukommen, vom Bäcker geholt hatte. Um mich herum teils angespannte Gesichter, ein Mann las murmelnd in einem Buch in arabischer Schrift; eine Frau weinte, ihre Begleiterin wirkte etwas hilflos. Verteilt wurden die Aufgerufenen auf insgesamt vier Zimmernummern – von mindestens 15 Zimmern im direkten Umfeld des Wartesaals.

Eine gute halbe Stunde später war man bei Nr. 33, es ging also relativ flott. Das habe ich schon anders erlebt; es gab Zeiten, da verging zwischen zwei Aufrufen durchaus mal eine Viertel- oder auch eine halbe Stunde.

Als ich dann gegen 09:00 Uhr dran war, ging es auch erstmal relativ schnell, die Dame sprach sogar von Barvorschuß und daß ich den noch heute bekommen könnte. Ich müsse aber noch mal „oben“ vorsprechen. „Oben“, das ist die Leistungsabteilung im 2. OG. Allerdings fehle jetzt noch etwas: Obwohl das ARGE laut der Anruferin vom 26. August wußte, daß mein Konto nicht mehr existierte, sollte ich das jetzt bitte nochmal schriftlich nachweisen. Sie können’s nicht lassen mit der unnötigen Verschlepperei.

Ich legte also erstmal einen Spaziergang ein und lief zur Sparkassen-Filiale in der Friedrichstraße, um mir die Bestätigung zu holen. Die bekam ich problemlos.

Also wieder zurück: Die Bearbeiterin hatte mir gesagt, daß ich nach meiner Rückkehr, sollte das bis 11:00 Uhr geschehen, direkt zu ihr reingehen könnte, ohne nochmal eine Wartemarke ziehen zu müssen. Um ca. 09:35 Uhr stand ich wieder vor ihrer (ständig offenen) Türe, sie hatte gerade eine Kundin drin und telefonierte länglich vor sich hin. Während ich noch wartete, diesmal im Stehen, gesellten sich noch zwei Männer zu mir, von denen einer offenbar mit Nummer für dieses Zimmer aufgerufen worden war, obwohl das Zimmer ganz eindeutig noch belegt war. Der andere war vermutlich in der gleichen Situation wie ich, sollte also nur noch etwas nachliefern und durfte ohne Wartemarke antreten.

Das Kundengespräch dauerte insgesamt noch über eine halbe Stunde, und meine Knöchel – ich kann generell nicht lange stehen – beschwerten sich schon. Der Mann mit der Nummer drängte sich bereits vor, aber zuerst wurde der andere namentlich aufgerufen. Derweil fing ein kleines Kind an zu brüllen, was mein bereits angeditschtes Nervenkostüm so überhaupt nicht lustig fand. Daß der andere Mann mit Nummer dann auch noch vorgezogen wurde, fand ich ebenfalls nicht witzig.

Nach etwa einer Dreiviertelstunde Stehen durfte ich dann endlich mein Papierchen abgeben. Ich bekam einen Computerausdruck und wurde in die Leistungsabteilung geschickt – um erneut zu warten. Diesmal immerhin wieder im Sitzen und in einer ruhigeren Umgebung.

Es dauerte nochmal eine halbe Stunde, bis ich endlich hereingerufen wurde (Erwerbslose haben ja viel Zeit, auch wenn sie als selbständige Aufstocker geführt werden). Nun hieß es, das Geld sei, nachdem es zurückgekommen war, auf einem Spezialkonto zwischengelagert, und eine Barauszahlung sei nicht so wirklich möglich. Auf Nachfrage meinte sie, ja, da sei auch das Geld für September mit bei, sodaß auch darauf nicht für eine Barauszahlung zurückgegriffen werden könnte. Sie werde das Geld jetzt für heute Nacht anweisen, ich solle es Donnerstag oder Freitag auf dem neuen Konto haben.

Außerdem bekam ich einen Ausdruck des dazugehörigen Bescheides. Der sieht von den Zahlen her richtig aus, nur das Datum stört mich dann doch ein bißchen: Angeblich ist der vom 22. Juli 2014. Das kann schon deshalb nicht sein, weil die Gesamtauszahlung den August und September beinhaltet die wären nämlich sonst separat gekommen; auch für die August-Auszahlung war der 22. Juli zu früh. Es wäre umgekehrt wenig sinnvoll, spätere Überweisungen auf ein Konto durchzuführen, von dem bereits bekannt ist, daß es gar nicht mehr existiert.

Die Auflösung meines Kontos war zwar genau einen Tag nach dem angeblichen Datum des Bescheides geschehen, aber das spielt in der Hinsicht keine Rolle, denn die Überweisungen vom ARGE kommen schon standardmäßig nicht unbedingt zeitnah an. Das gilt besonders, wenn es sich um Auszahlungen „außer der Reihe“ handelt.

Viel wichtiger ist daher das Datum des Anrufs vom ARGE: Wenn bereits am 22. Juli oder vielleicht auch ein paar Tage später das Geld angewiesen worden wäre, wüßte man von der Rückbuchung nicht erst einen Monat später, das kann mir keiner erzählen.

Ich glaube, ein falsches Datum auf einen Bescheid zu setzen, nennt man Urkundenfälschung, oder? Hier wohl mit dem Ziel, mir eine gerichtliche Überprüfung, sofern notwendig, wegen Fristablaufs unmöglich zu machen. Die Rechtsmittelfrist beträgt einen Monat.

Nun kommt also das große Aufräumen: Alle Daueraufträge und Lastschrift-Berechtigungen neu einrichten und die neue Kontonummer auch sonst überall fallenlassen, wo sie benötigt wird. Also erst, wenn das Geld tatsächlich eingegangen ist, natürlich. Dann werde ich wohl vorsichtig anfangen, meinen Investitionsstau hier abzubauen; insbesondere braucht das Handwaschbecken im Bad schon seit Wochen einen Klempner, da läuft das Wasser nicht mehr ab. Ist etwas unpraktisch, da ständig einen Eimer drinstehen zu haben und den in die Badewanne ausleeren zu müssen.

Auch zu der Aufstellung meiner zusätzlich angefallenen Kosten – von Fahrscheinen über Gebühren für Bareinzahlungen bis hin zu den rund 35 €, mit denen mein Sparkassen-Konto zuletzt im Minus stand, bin ich noch nicht gekommen; ich hoffe, ich finde die Belege alle wieder. Hier werde ich wohl eine Schadenersatzklage anstrengen müssen, denn freiwillig rücken die das ja sicher nicht raus; aus Sicht des ARGE ist man ja nie schuld an irgendwas und muß daher auch keinerlei Verantwortung für die Folgen seines Handelns übernehmen.

Ganz herzlich möchte ich allen Menschen danken, die mich in dieser schweren Zeit menschlich, juristisch, finanziell und mit Lebensmitteln unterstützt haben. Allein und insbesondere mit einer akuten Depression im Nacken kann man so einen Existenvernichtungsversuch nicht überstehen. Aber das ist ja vielleicht auch gar nicht vorgesehen …

Völliger Fail war übrigens die Sache mit dem Petitionsausschuß des Landes NRW. Der ließ sich viel, viel Zeit und gab die Akte dann, ohne mich vorher zu fragen, an den Petitionsausschuß im Bundestag weiter. Über die Weitergabe erhielt ich nur eine kurze schriftliche Information. Vom Petitionsausschuß des Bundes bekam ich bislang noch nicht einmal eine Eingangsbestätigung. Die Sache wird dort also vermutlich planmäßig versanden.

So, und jetzt bestell ich mir was beim Asiaten. Ich glaub, das hab ich mir heute verdient.

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Im Netz aufgefischt #179 http://blog.atari-frosch.de/2014/09/14/im-netz-aufgefischt-179/ http://blog.atari-frosch.de/2014/09/14/im-netz-aufgefischt-179/#comments Sun, 14 Sep 2014 09:00:00 +0000 http://blog.atari-frosch.de/?p=11173 Computersicherheit

Edward Snowden

Geheimdienste

Hartz IV & Co.

Informationsfreiheit

LGBTI

Netzpolitik

Netzsperren

Rassismus

Verschwörungstheorien

Überwachung / Vorratsdatenspeicherung

Und sonst so?

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Kein Link, kein Klick, kein Cent! http://blog.atari-frosch.de/2014/09/10/kein-link-kein-klick-kein-cent/ http://blog.atari-frosch.de/2014/09/10/kein-link-kein-klick-kein-cent/#comments Wed, 10 Sep 2014 11:56:05 +0000 http://blog.atari-frosch.de/?p=11182 Sorry Leute, ich versteh Euch nicht. Wir haben monatelang gegen das Leistungsschutzrecht angeschrieben, manche haben sich – wie ich – das D64-Plugin ins WordPress gepappt, und als das alles nichts nutzte, haben wir auf die Abgeordneten geschimpft, die es durchgewunken haben.

Und jetzt?

Wohin ich auch sehe, alle diejenigen, die da mitgemacht haben, verlinken weiterhin munter auf Medien, die das Leistungsschutzrecht forderten und dafür lobbyierten, Springer-Presse inclusive. Oft genug hinter Short-URLs auf Twitter, so daß man es nicht mal sieht, daß man dahin geleitet wird, um seine eigene Entscheidung treffen zu können.

(Short-URLs: Wenn man nur Twitter auf t.co kürzen läßt, kann noch jeder sehen, wohin es eigentlich geht; allerdings benutzen viele noch, warum auch immer, einen zweiten Kürzer. Damit sieht man nur noch den zweiten Kürzer, aber nicht mehr den originalen Link.)

Wie macht Ihr das eigentlich, wenn Ihr beim Lebensmittelkauf bestimmte Hersteller boykottieren wollt?

Ferrero
Ferrero möchte man ja vielleicht nicht so wirklich unterstützen, weil sie meinen, daß alles, was im Internet das Wort „Kinder“ verwendet, nur von ihnen kommen darf, wie beispielsweise im Streit um die Domain kinder.at. Wenn Ihr deshalb also keine Ferrero-Produkte kaufen wollt – kauft Ihr dann trotzdem noch Nutella, weil das doch so toll und Kult und überhaupt ist?
Nestlé
Bei Nestlé ist man der Meinung, Trinkwasser sei keine Ressource, die jeder einfach so haben sollte [Youtube-Video], sondern soll gefälligst von ihnen flaschenweise gekauft werden müssen. Das findet ja auch nicht jeder so toll – aber der leckere Nesquick für die Kinder, der muß doch sein, ne? Ich meine: Nein.

Und das sind nur zwei Beispiele. Wenn mir dann Konstantin von Notz sagt:

Konstantin v. Notz @KonstantinNotz
.@AtariFrosch Eine Zeitung hat nicht nur “eine” Meinung. Auch Schirrmacher hat für die @faz geschrieben. Artikel lohnt!

20:03 – 9. Sep. 2014

Nein, eine Zeitung hat nicht nur eine Meinung. Aber wenn der Verlag, der die Zeitung verkauft, sich dem Bemühen des Axel-Springer-Verlags anschließt, sich scheinbar genehme, aber eigentlich völlig schwachsinnige Gesetze quasi zu kaufen, dann interessiert mich keine dieser Meinungen.

Als Journalist sollte man sich umgekehrt durchaus überlegen, für welches Blatt man schreibt und wem das gehört. Denn sie, die die eigentliche Arbeit abliefern, haben vom Leistungsschutzrecht genau gar nichts. Daher gibt es für anständige Journalisten auch überhaupt keinen Grund, mit ihrer Arbeit Verlage zu unterstützen, die meinen, Suchmaschinen, speziell Google, dazu zwingen zu dürfen, ihnen Leser (und damit Klicks) zu verschaffen und dafür dann auch noch zu bezahlen.

Nein, Google ist sicher kein Engel. Aber das ist ein anderes Thema.

Ich bin der Meinung, wer gegen das Leistungsschutzrecht für Presseverlage ist, sollte darin konsequent sein:

Kein Link, kein Klick, kein Cent!

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Im Netz aufgefischt #178 http://blog.atari-frosch.de/2014/09/07/im-netz-aufgefischt-178/ http://blog.atari-frosch.de/2014/09/07/im-netz-aufgefischt-178/#comments Sun, 07 Sep 2014 12:27:49 +0000 http://blog.atari-frosch.de/?p=11127 Asyl

Autismus

Computersicherheit

Datenschutz

Edward Snowden

Geheimdienste

Hartz IV & Co.

Kinder

Oury Jalloh

Polizei

Qualitätsjournalismus

Terrorismus

Twitter

Verschlüsselung

Vorratsdatenspeicherung

Whistleblower

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Dahin, wo die anderen sind? http://blog.atari-frosch.de/2014/09/05/dahin-wo-die-anderen-sind/ http://blog.atari-frosch.de/2014/09/05/dahin-wo-die-anderen-sind/#comments Fri, 05 Sep 2014 16:26:25 +0000 http://blog.atari-frosch.de/?p=11158 Derzeit macht sich Twitter massiv unbeliebt, indem sie zum einen dem Dienst Twitpic Ärger machen und zum anderen planen, den Nutzern die Kontrolle über die Timeline zu nehmen. Tweets sollen, ähnlich wie bei Facebook (und teilweise wohl auch bei Google+) nicht mehr nach zeitlicher Reihenfolge, sondern nach „Gewichtung“ angezeigt werden.

Das wirft für viele Nutzer die Frage auf, ob Twitter noch der Dienst ihres Vertrauens ist – und was die Alternativen wären. Dabei spielt nicht nur eine Rolle, was potentielle Alternativen für Funktionen bieten, sondern auch, wer da sonst hingeht. Wo gehen die Freunde hin, die Zeitungen und Magazine, denen man so folgt, die Prominenten, die Abgeordneten und sonstigen Politiker?

Chris de Burgh sagte mal in einem Interview, er bevorzuge Facebook vor Twitter (obwohl er auf beiden Plattformen Accounts unterhält, die teilweise von ihm selbst, teilweise vom Management befüttert werden), weil auf Facebook mehr Leute seien. Mein Eindruck ist, daß er mit dieser Ansicht unter Prominenten nicht alleine steht.

Ich halte diesen Ansatz aber für falsch. Tatsächlich sind es gerade Prominente, die oft genug quasi bestimmen (können), für welche Social-Media-Plattform(en) sich Nutzer entscheiden. Oder anders: Mit jedem Prominenten, egal ob aus Politik, Kultur usw., der einen aktiven (!) Account auf einer bestimmten Plattform betreibt, bekommt diese Plattform mehr Zulauf, weil Nutzer ein spezielles Interesse an den Nachrichten dieses Prominenten haben.

Die angekündigten Änderungen bei Twitter treiben seit ein paar Tagen sowohl der freien Federati-Gemeinde (StatusNet/GNU social, kurz SN/GS) als auch dem Dienst Ello – den ich mir noch nicht angesehen habe – neue Nutzer in die Arme. Als Betreiberin einer eigenen StatusNet-Instanz freut mich das natürlich besonders. Es hat mich sowieso schon gewundert, warum insbesondere Piraten so dermaßen an Twitter kleben, statt auf eine freie Plattform zu wechseln – und es sind längst nicht nur Piraten, die jetzt SN/GS zumindest mal testweise nutzen.

Auch wenn der Software dahinter noch einige Features fehlen und die Einrichtung einer Instanz öfter mal mit Basteleien verbunden ist, wie ich im IRC-Channel (Freenode, #social) so mitbekomme, kann das nur positiv sein. Ein Anwachsen der Nutzerzahlen bringt mit Sicherheit auch weitere Leute mit Programmierkenntnissen dazu, zur Weiterentwicklung von GNU social beizutragen, was das Netzwerk wiederum verbessern wird.

Bevor die Frage aufkommt, was mir an Features fehlt: Zum einen ist es nicht möglich, private Nachrichten über Instanzen hinweg zu verschicken; das geht nur an Nutzer auf derselben Instanz. Der Aufwand ist hier möglicherweise größer als beim zentralistischen Twitter, andererseits denke ich mir, daß der Transport nicht so viel anders funktionieren dürfte als der von öffentlichen Meldungen.

Zum zweiten, für mich stark störend, sieht man in der Timeline auch Antworten von Nutzern, denen man folgt, an Dritte, denen man nicht folgt. Ich erinnere mich dunkel, daß das bei Twitter in der Anfangszeit, also so 2008, 2009 rum, auch mal so gewesen war und dort dann aus guten Gründen abgestellt wurde. Damit habe ich eine Menge „Rauschen“ in meiner Timeline, das nicht sein müßte. Einem bestimmten Account folge ich deshalb schon nicht mehr, obwohl ich das gern tun würde.

Es gibt wohl durchaus Befürworter dieser Darstellungsart, aber dann wäre es doch sinnvoll, jedem Nutzer oder zumindest jedem Admin einer Instanz die Freiheit zu geben, selbst zu entscheiden, ob Antworten an Dritte zu sehen sein sollen oder nicht. Diese Wahlfreiheit fehlt mir; ich bekomme diese Antworten ungefragt in die Timeline gespült.

Und noch eins stört mich: Wenn ich einen anderen Nutzer blocke, sehe ich trotzdem Antworten von ihm, wenn diese direkt an mich gerichtet sind. Das ist eigentlich nicht der Zweck einer Blockade.

Was auch definitiv noch fehlt: Ein Gateway, um RSS-Feeds direkt auf Accounts zu schicken. Das soll wohl mit einigen Verknotungen und einem Script möglich sein, aber ein Plugin, welches das „einfach so“ erledigt, gibt es (noch?) nicht. So kann man Zeitungen, Magazine, Blogs etc. nicht gut davon überzeugen, sich einen Account einzurichten oder gar selbst eine Instanz zu betreiben.

Aber es gibt gegenüber Twitter auch einen echten Pluspunkt: Gruppen. Eine Gruppe wird auf einer Instanz angelegt und kann dann von allen angeschlossenen Instanzen aus abonniert werden. Sie dient als vergrößerter, themenbezogener Verteiler: So wird alles, was ich mit dem Gruppen-Tag !piratenpartei abschicke, an alle Abonnenten der Gruppe verschickt, auch wenn sie mir sonst nicht folgen.

„Normale“ #Hashtags gibt es natürlich auch, aber diese wirken – wie auf Twitter – nicht als Verteiler, sondern nur als Suchbegriff.

Trotz der genannten Mängel: Ich überlege ernsthaft, Twitter zwar nicht sofort, aber in absehbarer Zeit den Rücken zu kehren und stattdessen mehr Zeit in SN/GS zu investieren. Es ist nervig genug, daß Google+ mir vorschreibt, welche Meldungen derjenigen, die ich eingekreist habe, ich wann zu sehen bekomme – und manches bekomme ich dann einfach gar nicht zu sehen, wenn ich nicht ständig auch direkt in die Profile gucke. Wenn Twitter genauso wird, wird es unbrauchbar. Nur den Firmen-Account @nerd4u_eu würde ich wohl weiterhin beschicken.

Und wer weiß, vielleicht ist das Netzwerk irgendwann groß genug, damit sich auch Prominente mit der oben genannten Ansicht einen Account nehmen oder sich sogar eine Instanz einrichten lassen. Letzteres hätte so nebenbei den Vorteil, daß keiner über die Logs etc. ihre IP sehen könnte.

Ich gehe damit nicht dahin, wo „die anderen“ hingehen. Ich gehe da hin, wo ich die größte Freiheit habe. Und wenn das dann auch noch dezentral und mit Freier Software möglich ist, umso besser.

Aus Performance-Gründen kann ich derzeit nur noch maximal ganz wenigen Leuten einen Account anbieten. Mein Server – ein Core, 1 GB RAM – ist derzeit zeitweise an seiner Leistungsgrenze, und die StatusNet-Installation scheint mir daran nicht ganz so unschuldig zu sein. Daher bin ich mit weiteren Accounts erstmal vorsichtig.

Allerdings gibt es natürlich weitere Instanzen, bei denen man sich einen Account besorgen kann, beispielsweise quitter.se, hier sogar ohne Einladung.

[Update 2014-09-07 17:48] Quitter ist hoffnungslos überlastet, bitte nicht mehr dort registrieren! Notices von Quitter-Accounts brauchen derzeit über drei Stunden, um bei allen anderen anzukommen; ich will gar nicht wissen, unter welcher Last die Maschine steht. – Es gibt genug andere Instanzen, die Zugänge frei oder auf Einladung anbieten, bitte nutzt den Vorteil der Dezentralität! Ihr könnt auf jeder Instanz allen Nutzern im gesamten Netzwerk folgen. [/Update]

Bei status.pirati.ca kann man einen Account bekommen, indem man den Betreiber kontaktiert.

[Update 2014-09-05 19:05] Nun habe ich sie doch noch gefunden: Die Liste aller bekannten Instanzen. [/Update]

Sehen wir uns dort?

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Freiheit statt Angst 2014 http://blog.atari-frosch.de/2014/09/01/freiheit-statt-angst-2014/ http://blog.atari-frosch.de/2014/09/01/freiheit-statt-angst-2014/#comments Mon, 01 Sep 2014 16:54:29 +0000 http://blog.atari-frosch.de/?p=11129 Nachdem das ARGE angedeutet hatte, daß sie mich jetzt doch wieder weiterexistieren lassen wollen (die Geschichte will ich diese Woche auch noch verbloggen), habe ich mich am Donnerstag Abend nach einem Kassensturz kurzfristig dazu entschieden, doch noch an der Demonstration „Freiheit statt Angst“ (FsA) in Berlin teilzunehmen. Eine günstige Fahrgelegenheit war nicht mehr zu bekommen. Die Fernbusse werden ja immer teurer, je näher ein Reisetermin rückt und je voller die Busse werden. Den Bus von #StopWatchingUs Köln wiederum wollte ich wegen der zu erwartenden Unruhe darin, und weil ich dafür am Samstag früh bereits um vier Uhr hätte in Köln sein müssen, nicht nutzen. Also fuhr ich eben mit der Bahn – und genehmigte mir eine Übernachtung in einem Hostel.

Ticket und Reservierung hatte ich dann bereits am Donnerstag Abend aus einem Automaten am Hauptbahnhof gezogen: ICE 1045 sollte es sein, Abfahrt 07:53 Uhr, Ankunft (geplant) 12:10 Uhr. Es gibt auch ein paar wenige ICs, die durchfahren, für 6,50 € weniger (pro Strecke, mit BC50), aber die waren zeitlich ungünstiger – und stärker ausgebucht.

Blick von der Fußgängerbrücke über die Spree

Also fuhr ich am Samstag früh mal wieder nach Berlin. Die Fahrt verlief unspektakulär, und die runde Viertelstunde Verspätung, die der Zug eingefahren hatte, weil er vor Hamm auf seinen zweiten Zugteil warten mußte, störte mich nicht; ich mußte ja keine Anschlußzüge erwischen. Am Berliner Hauptbahnhof aß ich dann beim Asiaten zu Mittag und lief dann über die Fußgängerbrücke, vorbei am Paul-Löbe-Haus und am Reichstag, zum Brandenburger Tor.

Vor diesem gab es zwar interessante Aufbauten, aber irgendwie konnte ich mir dann doch nicht vorstellen, daß die Veranstalter der FsA Zuschauertribünen an den Startpunkt der Demo gestellt hatten. Es stellte sich dann heraus, daß dort eine andere, kommerzielle Veranstaltung stattfand. Nur relativ kleine Papierschilder, die mir auf den ersten Blick gar nicht aufgefallen waren, wiesen darauf hin, daß die Demo dieses Mal nicht auf dem Pariser Platz, sondern auf der anderen Seite des Brandenburger Tores starten sollte. Und selbst da mußte ich noch an irgendwas anderem vorbei, bis ich die bekannte Bühne von hinten her sah und damit die Demo fand.

Alex war dann leichter zu finden; ich hatte ihm vorher nichts gesagt, und er war dann doch sehr überrascht von meinem „Überraschungs-Quak“ ;-)

Piratentruck bei der FsA 2014

Um 14:00 Uhr sollte es offiziell losgehen, aber um diese Zeit war noch nichts davon zu merken. Dominant fielen drei Piraten-Trucks plus Schiff auf, daneben gab es einige Infostände. Sogar eine Firma, die ihre kostenlose Verschlüsselungs-App für Telefongespräche unter die Leute bringen wollte, hatte sich dazugesellt. Als etwas unpassend empfand ich Amnesty International, die mich seit Jahren, ohne je meine Zustimmung eingeholt zu haben, alle paar Monate mit Bettelbriefen beschicken. Und ob den Grünen, die da rumgurken, so klar ist, daß sie mit Hartz IV den Datenschutz für Erwerbslose nahezu vollständig ausgehöhlt haben?

So standen wir also rum, guckten mal hier und mal da, und warteten darauf, daß die Auftaktkundgebung begann; „nur“ eine halbe Stunde später als geplant. padeluun erklärte zunächst, daß die Demo praktisch keine Auflagen bekommen hatte. Das war schon recht erstaunlich, wenn man bedenkt, daß wir durchs Regierungsviertel wollten und ziemlich nah am Bundeskanzleramt vorbeikommen würden. In den letzten Jahren hatte es außerdem immer wieder mehr oder weniger Scharmützel mit der Polizei gegeben, teilweise inclusive Einkesselungen. Insofern war diese Ansage schon bemerkenswert.

Nach padeluuns Veranstaltungseröffnung kam erst einmal ohrenbetäubende und teils übersteuerte Musik einer Berliner Jung-Band. Danke dann auch an die Veranstalter für den Overload, das hätte für mich echt nicht sein müssen.

Atari-Frosch @AtariFrosch
Bei der #fsa14 ktiegt man erstmal das Trommelfell weggeschossen :-/

14:45 – 30. Aug. 2014

Und dann gab es auch noch eine leichte Dusche von oben, zum Glück nicht für lange.

Auf dem Platz vor der Bühne drängten sich zwar mittlerweile viele Leute, trotzdem hatte ich das Gefühl, daß es zu wenige seien. Zu wenige für das Thema, das ja immerhin alle und jeden betrifft, und zu wenige, um in Berlin, das Demonstrationen gewohnt ist, aufzufallen.

Rolf Goessner

Von der Rumsteherei taten mir dann schonmal die Füße weh. Immerhin sollte die Demo-Strecke diesmal kürzer sein als letztes Jahr; vermutlich aufgrund des „Tag der offenen Tür“ im Bundeskanzleramt ging es diesmal einmal rund ums Regierungsviertel, während wir im letzten Jahr bis zum Alexanderplatz und zurück gelaufen waren. Notiz an mich selbst: Auftaktkundgebung zukünftig sausen lassen, Reden hinterher nachlesen oder auf Videos gucken, stattdessen irgendwo in der Nähe hinsetzen, bis es richtig losgeht, damit die Füße durchhalten.

Wegen der lauten Musik waren wir nicht ganz so nah an der Bühne, das heißt, als dann die Redner auf die Bühne kamen, waren wir zwar nah genug dran, um alles zu verstehen, aber nicht nah genug, um die Leute wirklich sehen zu können. Selbst mit voll ausgefahrenem Zoom konnte ich nur wenige Bilder machen, weil ich meistens Köpfe dazwischen hatte.

Die Redner waren der ehemalige Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar, Annegret Falter vom Whistleblower-Netzwerk, Dr. Rolf Gössner (Internationale Liga für Menschenrechte; Foto), Jacob Appelbaum (u. a. Tor-Projekt) und Christoph Bautz (Campact). Der bekannte US-amerikanische IT-Spezialist Jacob Appelbaum, der seit einem guten Jahr in Deutschland lebt, trug seine Rede unter dem Titel „Wir müssen Widerstand leisten!“ in deutscher Sprache vor; noch im letzten Jahr und im Dezember in Hamburg hatte er seine Reden und Vorträge auf Englisch gehalten.

Schild: Wiedereinführung von Grundrechten und Rechtsstaatlichkeit

Gegen 16:00 Uhr ging es dann endlich auf die Strecke. Anfangs wurden noch die üblichen Parolen gerufen („Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Freiheit klaut!“), aber schon bald dröhnte wieder Musik aus den diversen begleitenden Fahrzeugen, gegen die keiner anbrüllen wollte. Tip an die Veranstalter: So wird dat nix, für Parolen muß akustischer Freiraum vorhanden sein!

Die Anzahl der Teilnehmer war bis dahin noch gewachsen. Meine eigene Schätzung lag bei 2.500, allerdings habe ich in der Vergangenheit schon öfter festgestellt, daß ich Menschenmengen eher unterschätze. Selbst Spiegel Online spricht in seinem Artikel „Tausende demonstrieren in Berlin gegen Überwachung“ von 5.000 Teilnehmern; die 6.500, die der AK Vorrat meldete, halte ich allerdings auch für zu hoch gegriffen. Immerhin versucht der Spiegel diesmal nicht mehr, die Zahlen herunterzulügen oder die Demo ganz zu ignorieren, wie in früheren Jahren geschehen; da hat man also dazugelernt.

Auf der anderen Seite erinnere ich mich an ganz andere Teilnehmerzahlen: 2008 waren wir etwa 75.000 gewesen (Polizei: 50.000, Veranstalter: 100.000; teilnehmende Menschen waren sich hinterher darüber einig, daß die Wahrheit etwa in der Mitte liegen müßte) – und da hatte es noch keinen Edward Snowden gegeben.

Sind die Demonstranten von damals müde geworden? Hat der DDoS der ständigen neuen Enthüllungen, das immer stärker werdende Gefühl von Hilflosigkeit, sie ausbrennen lassen? Einige Dinge haben sich seitdem geändert, aber es scheint so wenig zu sein. Gefeiert wurde in den Reden der Auftaktkundgebung vor allem die Abschaffung der Vorratsdatenspeicherung.

Plakat: Angela Merkel mit Stinkefinger: Aber ich liebe, äää, kriege Euch Alle!

Gleichzeitig sind sowohl auf der Ebene der deutschen Bundesregierung wie auch auf der europäischen Ebene eher weniger Aktivitäten zugunsten von Datenschutz und Privatsphäre zu erwarten; es scheint, als ginge es im Gegenteil um immer mehr Überwachung. Die Berufspolitiker selbst fühlen sich nicht als Betroffene, von dem abgehörten „Kanzler-Handy“ (eigentlich: Handy der CDU-Vorsitzenden, also auf ein anderes Amt bezogen) mal abgesehen, und sie werden damit auch noch wiedergewählt. Der Generalbundesanwalt mag nicht so wirklich ermitteln, der Gesetzgeber unterstützt lieber die Überwachungsindustrie, und für die „Durchschnitts-Deutschen“ sind überwachungskritische Menschen eher solche, bei denen man mal erst recht mal genauer hingucken sollte, denn die haben doch bestimmt was zu verbergen.

Demonstranten am Kanzleramt

Am Bundeskanzleramt gab es eine Zwischenkundgebung, diesmal sprach Katharina Nocun als Mitglied von Campact. Leider war hier der Lautsprecher am Wagen vermutlich zu leise; wir waren zwar ziemlich nah dran und haben alles gut verstanden, aber ich glaube kaum, daß man weiter hinten im Demo-Zug noch was davon mitbekommen hat.

Am Bundeskanzleramt waren Tischreihen aufgebaut und da saßen auch Leute, aber das Interesse an unserer Demo schien sich von dort aus doch, ähm, sehr in Grenzen gehalten zu haben. Die Schnittchen waren wohl wichtiger.

Nach der Rückkehr hinter das Brandenburger Tor gab es dann noch eine Abschlußkundgebung, der wir dann jedoch nicht mehr zuhörten. Bevor die Reden anfingen, wurde wieder überlaute, übersteuerte Musik gespielt, die wenig Lust darauf machte, nochmal zur Bühne zu gehen – ich muß mir den Overload ja nicht auch noch freiwillig abholen. Stattdessen setzte ich mich weiter hinten am Stand der Grünen in die dort herumstehenden Liegestühle, um meine mittlerweile heftig schmerzenden Füße ein wenig zu entlasten. Dort unterhielt ich mich ein wenig mit dem Besitzer eines knuffigen Schäferhundes, der sich ebenfalls dort niedergelassen hatte.

Kurz darauf stießen noch Christian und zwei weitere Menschen von #StopWatchingUs zu uns, und wir sprachen noch angeregt über weitere Aktionsmöglichkeiten. Außerdem sollte wohl noch ein Bündnis geschmiedet werden (gibt’s da noch nicht genug?).

Schließlich beschlossen wir, gemeinsam noch in Richtung Alexanderplatz zu fahren, um Essen zu gehen, aber dadurch, daß Alex noch von jemandem aufgehalten wurde, verloren wir dann doch wieder den Kontakt zu Christian. Wir hatten auch keine Handynummern parat, um nachzufragen, wo er nun steckte; denn wir waren uns vorher noch nicht so ganz darüber einig gewesen, wo wir nun eigentlich genau hingehen wollten.

Wir entschieden uns dann dafür, allein zum Hauptbahnhof zurückzugehen und von dort aus zum Alexanderplatz zu fahren. Weil der Platz hinter dem Bundestag abgesperrt war, mußten wir dafür einen recht großen Umweg gehen. Den Abend verbrachte ich dann mit Alex im (Bistro) Alex am Alex. ;-)

War die Demo groß? Ja, aber sie hätte viel größer sein müssen.

War sie bunt? Ja, auf jeden Fall! Allerdings habe ich von meiner Position aus nicht alles davon gesehen. Im Gegensatz zu anderen Demo-Teilnahmen habe ich eine statische Position innerhalb des Demo-Zuges gehalten. Manchmal versuche ich ja bei Demos, wenigstens einmal von vorn nach hinten und zurück durchzugehen, um einen Gesamtüberblick zu bekommen. Das habe ich diesmal nicht gemacht, das hätten meine Füße auch nicht durchgehalten.

War die Demo erfolgreich? Werden wir sehen …

Alle Fotos gibt es bei Picasa, derzeit fehlen noch die Bildbeschreibungen und die Positionsangaben.

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  • 25.08.2014 Frau Haessy schreibt: Auf’s Maul? (via +Marco Modano)

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Nein. http://blog.atari-frosch.de/2014/08/24/nein/ http://blog.atari-frosch.de/2014/08/24/nein/#comments Sun, 24 Aug 2014 20:34:11 +0000 http://blog.atari-frosch.de/?p=11094 Nein, ich werde keine Kommentare mehr zulassen von Leuten, die mir ständig erzählen wollen, was ich für ein Loser sei.

Der Gedanke, Menschen würden in dieser Gesellschaft grundsätzlich nur durch eigene Schuld – und nicht etwa durch Erwerbslosigkeit mitsamt dem asozialen Hartz IV, durch (chronische) Krankheit oder Behinderung, durch Schicksalsschläge etc. – „abrutschen“ und hätten sich den Verlust aller Chancen, sofern es die je gab, selbst zuzuschreiben, ist menschenverachtend.

Ich geb mir sowas nicht mehr. Schreibt Eure Kommentare bei der BILD, da passen sie hin, wenn Ihr schon meint, solchen gedankenlosen Unsinn verbreiten (lassen) zu müssen.

Vergeßt aber nicht: Es kann Euch jederzeit selbst treffen. Depressionen zum Beispiel fragen nicht danach, ob Ihr erfolgreicher seid als andere.

Verlaßt Euch also nicht so sehr auf Eure scheinbare Gewinnerposition; Ihr könntet unversehens selbst zu denjenigen gehören, auf die Ihr jetzt noch verächtlich von oben herab mit dem Finger zeigt.

Im Übrigen sagen solche Kommentare mehr über die Kommentatoren als über mich aus. Ihr dürft Euch dann bitte in Zukunft woanders blamieren.

(Gewisse Leute wissen, daß sie gemeint sind.)

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