Froschs Blog http://blog.atari-frosch.de Computer und was das Leben einer Frau sonst noch so zu bieten hat Thu, 30 Oct 2014 16:39:32 +0000 en-US hourly 1 Antrag auf Spaltung der Regierungskoalition in NRW http://blog.atari-frosch.de/2014/10/30/antrag-auf-spaltung-der-regierungskoalition-in-nrw/ http://blog.atari-frosch.de/2014/10/30/antrag-auf-spaltung-der-regierungskoalition-in-nrw/#comments Thu, 30 Oct 2014 15:00:02 +0000 http://blog.atari-frosch.de/?p=11401 Gestern Abend war ein Grünen-Abgeordneter aus dem Landtag NRW, Matthi Bolte, beim Düsseldorfer Fellowship-Treffen der FSFE im Chaosdorf zu Gast. Sein Vortrag ging eigentlich über OpenNRW, also ein geplantes Open-Government-Gesetz für das Land Nordrhein-Westfalen. Über den eigentlichen Vortrag wird sicher noch der Düsseldorfer Fellowship-Koordinator berichten. Ich greife mir hier eine Aussage von Matthi Bolte heraus, die ich – ganz unabhängig vom Thema – äußerst bemerkenswert fand; also bemerkenswert für das Demokratie-Verständnis der rot-grünen Regierungskoalition in Nordrhein-Westfalen.

Es kam nämlich im Zusammenhang mit BigData, OpenData und Transparenz auch die Sprache auf das Thema Vorratsdatenspeicherung. Die Piratenfraktion im Landtag NRW hatte am 14. Mai 2014 einen Entschließungsantrag „Zukünftigen Bemühungen zur Einführung einer Vorratsdatenspeicherung über die europäische Ebene frühzeitig entgegenwirken“ gestellt; dieser war von allen anderen Fraktionen inclusive der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen abgelehnt worden. Dazu kam aus dem Publikum die Frage, warum sich die Grünen Abgeordneten diesem Antrag nicht angeschlossen haben.

Matthi Bolte erklärte zunächst, daß das nichts mit der Position der Grünen in Sachen Vorratsdatenspeicherung zu tun habe. Im Gegenteil, man habe ja im Bundesrat durchaus gegen die Vorratsdatenspeicherung gestimmt. Der Antrag der Piratenfraktion sei stattdessen abgelehnt worden, weil, und jetzt haltet Euch fest:

… wir grundsätzlich alle Anträge der Opposition ablehnen, die darauf ausgerichtet sind, die Koalition zu spalten.

Das heißt dann wohl, daß die Opposition sich nicht die Mühe zu machen braucht, Anträge zu Themen zu stellen, bei denen klar ist, daß sich SPD und Grüne darin nicht einig sind. Zum Beispiel, weil sie unterschiedliche bis gegensätzliche Positionen in ihren Partei- und Wahlprogrammen stehen haben. Auf das Thema selbst kommt es dann offenbar überhaupt nicht mehr an.

Da frage ich mich doch: Ist das noch Demokratie oder kann das weg?

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Wir sind Autismus! http://blog.atari-frosch.de/2014/10/26/wir-sind-autismus/ http://blog.atari-frosch.de/2014/10/26/wir-sind-autismus/#comments Sun, 26 Oct 2014 15:21:31 +0000 http://blog.atari-frosch.de/?p=11362 Wir sind Autismus!

Heute fordert Hawkeye vom Realitaetsfilter dazu auf, im Hinblick darauf, daß andere, wie die sich selbst so nennende „Selbsthilfeorganisation“ Autismus Deutschland e. V., einmal klarzustellen: Wir sind Autismus!. Nicht NTs (neurotypische Menschen) und keine von NTs gegründeten und (überwiegend) von ihnen betriebenen Organisationen können definieren oder gar uns vorschreiben, was für uns das beste sei und wie wir uns zu verhalten und zu entwickeln hätten.

Nach meinem Gefühl ist die Anforderung, sich „normal“, also wie Neurotypische, zu verhalten, die größte Behinderung, der autistische Menschen ausgesetzt sind. Behinderung hier nicht als etwas, was von innen, sondern was von außen kommt.

Was ich von Autismus-Therapien überwiegend lese, ist, daß sie darauf ausgerichtet sind, uns zu einem „normalen“ Leben, zu einem „normalen“ Verhalten zu bringen – und nicht etwa, uns dabei zu helfen, trotz unserer Andersartigkeit in einer neurotypischen Gesellschaft zu bestehen. Es geht meistens darum, uns „handhabbarer“ zu machen für die NTs, und dann zu glauben, wir seien dann „inkludiert“, es ginge uns besser oder wir seien gar „geheilt“.

Und, noch schlimmer: Obwohl sich der Begriff des Autismus-Spektrums immer weiter durchsetzt, gibt es noch viel zu viele Menschen, die glauben, „den Autismus“ und „den Autisten“ bezeichnen zu können. Autisten können dies und können das nicht – und das muß dann für alle gelten, sonst sind sie ja keine „richtigen“, keine „echten“ Autisten; und die Probleme, die das Individuum hat, seien ja nicht schlimm genug, um Hilfe zu brauchen oder gar beanspruchen zu dürfen. So kommt das halt, wenn Leute, die Autismus nur von außen betrachten, glauben, zu wissen, was echt und unecht ist, beeinträchtigend oder nicht, störend oder nicht, „normal“ oder eben nicht.

Es gibt nicht „den Autisten“. So leid es mir tut, vor allem (aber nicht nur) für Euch, liebe Psychiater, die Ihr so gern in Schemata denkt: Es gibt Probleme, die kommen bei Autisten häufiger vor, bei manchen stärker, bei manchen weniger stark ausgeprägt. Und es gibt Auswirkungen, die nur bei einem Teil von uns überhaupt zum Tragen kommen, und da auch wieder in unterschiedlicher Ausprägung. Euer Schubladendenken nützt uns gar nichts, es schadet uns. Denn letztendlich bekommen wir nicht die Hilfen, die wir brauchen, sondern die, die in Eure Schubladen passen. Wenn überhaupt.

Letztendlich läuft es dann doch wieder nur darauf hinaus, zu bewerten, ob ein Mensch wirtschaftlich nützlich ist. Denn wir wissen ja: Nur, wer regelmäßig eine befohlene und bezahlte Arbeit leisten kann, ist für die Wirtschaft und damit für die Gesellschaft nützlich, alle anderen sind dann irgendwo zwischen Hartz IV und Pflegefall: überflüssig, kostenintensiv, nutzlos. Und wer einmal so eingestuft wurde, kann natürlich kein gutes oder erfülltes Leben haben.

Organisationen wie Autismus Deutschland e. V. und noch mehr die amerikanische Organisation „Autism Speaks“ vertreten uns nicht. Sie vertreten maximal diejenigen, die mit Autisten in der Familie, vor allem autistischen Kindern und Autisten, die zusätzliche mentale Einschränkungen haben, von der Gesellschaft und der Politik alleine gelassen werden. Ihnen soll geholfen werden, indem man zum einen versucht, uns „normal“ zu machen und zum anderen, uns gar nicht erst entstehen zu lassen.

Wie ich das meine? Autism Speaks setzt den größten Teil seiner Spendeneinnahmen dafür ein, Autismus bereits im Mutterleib erkennbar zu machen, wie das heute schon mit Trisomie-21, dem Down-Syndrom, der Fall ist. Letzteres hat dazu geführt, daß 90 % der Kinder, bei denen Trisomie-21 bereits im Mutterleib erkannt wurde, abgetrieben werden. Kinder, die in unserer Gesellschaft als eine erhöhte Belastung gesehen werden, sollen also gar nicht erst geboren werden – und das wird der „normalen“ Gesellschaft dann als Erleichterung verkauft.

In diesem Jahrzehnt das Down-Syndrom, im nächsten Autismus – und welche unerwünschten Menschen treiben wir im übernächsten Jahrzehnt so ab? Merkt Ihr, wo das hingeht?

Wir sind Autismus. Wir sind Teil dieser Gesellschaft. Ein seltsamer, ungewohnter, manchmal anstrengender Teil, aber ein Teil. Ein Teil, der genauso Anspruch auf Teilhabe in der Gesellschaft hat wie die „normalen“, gewöhnlichen, leicht handhabbaren Menschen. Wie jeder.

Relevante Menschen vom Autismus Deutschland e. V. dagegen sehen [PDF] Autismus als eine psychische Störung, die durch Therapie zu beseitigen ist, eines unserer häufigsten Probleme als „Klischee“ und die Aussagen von Autisten, die sich klar ausdrücken können, als Propaganda. Ja nicht mit denen auseinandersetzen, mit denen man es zu tun zu haben behauptet, nein, das könnte ja das Weltbild erschüttern.

Zum Klischee:

Sensorische Auffälligkeiten bei Autismus bezeichnet Kamp-Becker als Klischee. Sie sind eher an ein niedriges Funktionsniveau gebunden.

Quelle: Aleksander Knauerhase (@QuerDenkender): De Kees is gesse, Teil 3 seines Berichtes von der Bundestagung von Autismus Deutschland e. V. an diesem Wochenende in Dresden).

Da haben wir es wieder, das Funktionsniveau. Unwichtig, woher eine Einschränkung kommt, diese Menschen funktionieren halt nicht richtig, wie ein kaputtes Auto.

Wir sind Autismus. Hört auf, uns wie Gegenstände oder Maschinen zu behandeln, die man sich wunschgemäß zurechtbiegt, damit sie tun, was man von ihnen will. Und hört vor allem auf, zu behaupten, Ihr würdet irgendetwas für Autisten tun.

Wir sind Autismus. Und wir sind Menschen. Redet mit uns, nicht über uns. Inklusion, von der so gern geredet wird, heißt Mit- und Selbstbestimmung, und nicht die Festlegung einer Normalität, der sich alle anzupassen haben.

[Last Update: 2014-10-30 17:40]

Weitere Artikel zu #wirsindautismus

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Im Netz aufgefischt #184 http://blog.atari-frosch.de/2014/10/26/im-netz-aufgefischt-184/ http://blog.atari-frosch.de/2014/10/26/im-netz-aufgefischt-184/#comments Sun, 26 Oct 2014 13:24:35 +0000 http://blog.atari-frosch.de/?p=11327 Asyl

Austeritätspolitik

Autismus

Bahn

Behinderung / Inklusion

Computersicherheit

DE-Mail

Ermittlungsbehörden / Justiz

Depression

Fotografie

Geheimdienste

Hartz IV & Co.

Iran

LGBTI

Netzpolitik

Pressefreiheit

Überwachung

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„Hochfunktionaler“ und „niederfunktionaler“ Autismus http://blog.atari-frosch.de/2014/10/19/hochfunktionaler-und-niederfunktionaler-autismus/ http://blog.atari-frosch.de/2014/10/19/hochfunktionaler-und-niederfunktionaler-autismus/#comments Sun, 19 Oct 2014 21:29:51 +0000 http://blog.atari-frosch.de/?p=11329 Dieser Text stammt nicht von mir; es handelt sich um meine Übersetzung des Artikels What’s the Difference Between High Functioning and Low Functioning Autism? von Romana Tate vom 19. Oktober 2014, mit freundlicher Genehmigung von Autism Women’s Network.

Romana schreibt:

Zu diesem Artikel wurde ich durch viele Begegnungen sowohl online als auch in der „realen Welt“ mit anderen Eltern autistischer Kinder inspiriert. Dabei stellte ich eine auffallende Betonung der Funktionalitäts-Labels in der Welt der Eltern autistischer Kinder fest. Wenn ich argumentierte, daß solche Labels zur Funktionalität beliebig sind und keinen Sinn ergeben, werde ich beschuldigt, keine Ahnung davon zu haben, wie es sei, Elternteil eines Kindes mit „echtem Autismus“ zu sein und ich das nicht sagen würde, wenn mein Kind nicht „hochfunktional“ sei. Ich bin sehr, sehr traurig, wenn ich an die Kinder solcher Eltern denke. Kein Kind sollte jemals das Gefühl haben, es werde nicht vollständig und bedingungslos geliebt. Und solche Eltern brechen mir ebenfalls das Herz, denn sie drehen einer liebenden und schönen Beziehung mit ihren eigenen Kindern den Rücken zu. Das ist mit Unterstützung und Verständnis nicht auszugleichen.

Wenden wir uns zuerst diesen Funktionalitäts-Labels zu.

Was heißt „hochfunktional“? Was ist „niederfunktional“?

Oft scheint die Unterscheidung daran festgemacht zu werden, wieviel gesprochene Sprache das Kind verwendet, welche als „funktionale Sprache“ eingestuft wird.

Also ist ein Kind, das reden und sich mit jemandem unterhalten kann, „hochfunktional“?

Was ist mit einem Kind, das stattdessen Schrift verwendet?

Was ist mit einem Kind, das manchmal die Sprache verliert und dann alles tippt, um zu kommunizieren?

Was ist mit einem Kind, das sich manchmal mit dem Tippen schwertut und dann stattdessen Bilderkarten verwendet, um zu kommunizieren?

Was ist mit einem Kind, das die Bilderkarten zu überwältigend findet und dann auf die einzige Weise kommuniziert, die es noch kennt, mit Frustration und manchmal SVV [selbstverletzendes Verhalten]? Oh, Ihr wußtet nicht, daß dieses Verhalten Kommunikation ist? Denn genau das ist es.

All das beschreibt mein Kind. Es gibt Tage, da paßt alles zusammen, sie wird vollständig unterstützt und ihre sensorischen Bedürfnisse werden befriedigt, und dann kann sie lebhafte gesprochene Gespräche führen, sogar mit Fremden.

Aber viel öfter schreibt sie auf, was sie sagen möchte.

Zu Hause tippt sie den größten Teil ihrer Kommunikation, denn hier gibt es schon gar keinen Druck, sich „anzupassen“ und kein autistisches Verhalten zu zeigen.

An den Tagen, an denen sie mit der schwierigen Aufgabe zu reden an ihren Grenzen angekommen ist, benutzt sie die Bilderkarten. Meistens jedoch, wenn sie zu erschöpft ist, um zu reden, kommt ihre Frustration heraus und sie kommuniziert auf dem einzigen Wege, den sie dann noch kennt. Manche Leute nennen das „schlechtes Benehmen“. Ich weiß es besser.

Ist das jetzt ein „hochfunktionales“ oder „niederfunktionales“ Kind?

Sagt es mir.

Was ist mit den Dingen, bei denen sie Hilfe braucht?

Mit ihren 11 Jahren braucht sie mich immer noch an ihrer Seite, um einschlafen zu können. Sie braucht auch eine Menge Hilfe, um durchschlafen zu können, aber das ist in Ordnung. Das braucht sie halt, und ich bin ihre Mutter. Das wird von mir erwartet.

Obwohl sie mit Begeisterung lernt, braucht mein Kind visuelle Pläne und Checklisten, um konzentriert und „auf dem Weg“ zu bleiben. Ohne diese kommt sie oft durcheinander und wird unruhig, weil sie nicht sicher ist, was der nächste Schritt in ihrer Schularbeit ist. Wir unterstützen sie, weil sie es wert ist, und alles Lamentieren darüber, wieviel Unterstützung sie braucht, ändert nichts daran, daß sie sie braucht. Es würde ihr nur ein schlechtes Gefühl geben, so zu sein, wie sie ist, und zu den Dingen, die sie als Hilfestellung benötigt. Weil wir sie wertschätzen, wissen wir, daß unsere Hilfe sie lehren wird, zu verstehen, daß ein Bedürfnis nach Unterstützung nicht beschämend ist.

In unserem Badezimmer stecken Bilderkarten am Medizinschrank, um ihr beim Toilettengang und mit der Hygiene zu helfen. Sie würde oft Schritte vergessen, wenn es keine visuellen Hinweise gäbe, um sie daran zu erinnern.

Mein „hochfunktionales“ Kind kann noch nicht allein auf die Toilette gehen und muß immer noch Windeln tragen. Wir unterstützen und lehren sie, aber wir beschämen sie niemals öffentlich oder sonstwie dafür, daß sie behindert und auf einem anderen Entwicklungsstand ist als andere Kinder im selben Alter.

Moment, macht sie das nicht „niederfunktional“? Ich bin verwirrt, denn sie liest auch den „Hobbit“, was sie sicher „hochfunktional“ macht.

Es ist fast so, als hätte ich recht damit, wenn ich sagte, daß Funktionalitäts-Labels beliebig, ableistisch und völlig frei erfunden sind.

Vielleicht sind es ja sensorische oder Ernährungsdinge, die über das Funktionalitäts-Label entscheiden?

Wir sind ziemlich vorsichtig mit unserer Nahrung, denn viele Lebensmittel triggern Anfälle oder Migräne bei unserem Kind. Obwohl diese Dinge nichts mit Autismus zu tun haben, sind sich viele Leute nicht darüber im Klaren oder verstehen es nicht, also dachte ich, ich nehme das mal dazu, um ihr Funktionalitäts-Label zu bestimmen. Zusätzlich zu diesen gesundheitlichen Bedenken ist sie durch sensorische Einflüsse bei Geschmack und Textur [von Lebensmitteln] in ihrer Ernährung noch weiter eingeschränkt.

Mein Kind hat auch verschiedene sensorische Schwierigkeiten mit der akustischen Verarbeitung, was es sehr schwierig für sie macht, mit ihr in volle Geschäfte oder Gaststätten zu gehen. Also kommen wir ihr entgegen, statt völlig Fremden im Internet zu erzählen, daß Autismus an unserer schweren Zeit als Eltern schuld sei oder an den ganzen Anpassungen, die nötig sind, um sie zu unterstützen. (Nur zur Info, wir essen dann eben später oder früher, wenn wir ausgehen wollen, um die Menschenmassen zu meiden, und wir entschuldigen uns nicht dafür oder werden verlegen, wenn sie autistische Verhaltensweisen in der Öffentlichkeit zeigt. Sie hat genauso ein Recht darauf, an der Gemeinschaft teilzuhaben, wie alle anderen auch, und gleichzeitig authentisch zu sein.)

Sie benötigt auch eine Menge propriozeptiven und vestibulären Input und eine Menge Pausen über den Tag, um ausgeglichen und fröhlich zu sein. Wir verbringen viel Zeit auf dem Trampolin, beim Kreiseln oder Schwingen. Wir verwenden eine Menge Zeit für Stimming. Denn das Wissen, wann man sich um sich selbst kümmern muß, ist ein wichtiger Schritt zu Selbstbestimmung; wir bestärken sie immer darin, sich bemerkbar zu machen, wenn sie eine Pause braucht oder Zeit für sensorisches Spiel. Manche Tage verbringt sie mehr mit Pausen als mit Schularbeit. Also ist sie „niederfunktional“, weil ihre sensorischen Bedürfnisse so intensiv sind, oder ist sie „hochfunktional“, weil sie ihre Bedürfnisse für Körper und Geist selbst erkennt?

Verwirrendes Zeug, diese Funktionalitäts-Labels!

Da ich nicht weiß, ob sie überhaupt in eine dieser „Kategorien“ von Autismus passen würde, und weil ich sie respektlos ihr gegenüber als menschliches Wesen empfinde, weigere ich mich, Funktionalitäts-Labels zu verwenden. Mein Kind ist autistisch, und ich liebe und akzeptiere sie, egal wieviel Unterstützung sie benötigt. Egal wieviel gesprochene Sprache sie verwendet. Egal was, denn ihr Leben ist es wert, gelebt zu werden. Ehrlich gesagt bin ich angewidert von denen, die mich dazu zwingen wollen, sie in eine Kategorie einzuordnen und auf der Basis, was sie kann oder nicht kann, zu bestimmen, was sie wert ist.

Wie kann es jemand wagen, dem Leben meines Kindes einen Wert zuzuweisen?

Also: Reden wir über Eure Schlußfolgerungen

Wer nun annimmt, mein Kind sei „hochfunktional“ (was immer damit gemeint sein mag), weil ich erzähle, daß es nicht in Ordnung ist, anhand eines Funktionalitäts-Levels zu bestimmen, wieviel Akzeptanz ein autistischer Mensch verdient, der zieht Schlußfolgerungen aus der eigenen Bigotterie. Er unterstellt, daß ich mein Kind nur lieben und akzeptieren könne, weil ich nicht wisse, wie es sei, mit einem „wirklich autistischen“ Kind klarkommen zu müssen. Ist Euch klar, daß das mehr über Euch als über autistische Menschen, mich oder mein Kind aussagt?

Es bedeutet, Ihr denkt, einen Menschen zu lieben, den Ihr als „hochfunktional“ einstuft, sei einfacher, als einen Menschen zu lieben, der mehr Unterstützung braucht.

Es bedeutet, daß es in Ordnung sei, jemanden zu akzeptieren, der in der Lage ist, sich anzupassen, aber nicht jemanden, dessen Behinderung das unmöglich macht.

Es bedeutet, daß manche autistischen Menschen mehr wert sind als andere.

Es bedeutet, daß Ihr denkt, es sei in Ordnung, die sehr realen Bedürfnisse nach Unterstützung von Leuten, die Ihr als „hochfunktional“ betrachtet, als nicht vorhanden anzusehen, denn wenn sie sich zeitweise anpassen können, dann sollten sie auch in der Lage sein, sich mit den Gegebenheiten abzufinden und sich immer anzupassen.

Es bedeutet, daß Ihr das wichtigste über Autismus nicht wißt.

Es bedeutet auch, daß Ihr ein tief verwurzeltes und ziemlich besorgniserregendes ableistisches Weltbild habt, das Ihr mal einsehen und gegen das Ihr Hilfe in Anspruch nehmen solltet. Ihr schuldet das Euren Kindern.

Persönlich empfinde ich diese Schlußfolgerungen unglaublich beleidigend, denn sie bemessen aufgrund von eigener Ignoranz dem Leben meines Kindes einen Wert bei. Wagt es nicht, das meinem Kind anzutun. Mein Kind braucht eine Menge Unterstützung. Ich liebe und akzeptiere sie dennoch vollständig und absolut, egal auf welche Art sie sich entwickelt. Ich bin angeekelt und fühle mich beleidigt von denen, die denken, meine Liebe für sie sei nur bedingt und basiere nur darauf, daß sie keine „echte“ Autistin sei. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. Ich akzeptiere alles an ihr, ihre Gaben, ihre Herausforderungen, ihr komplettes Selbst. Sie kann nicht von ihrer Neurologie getrennt werden, und ich würde das auch nie von ihr verlangen.

Ihr verletzt und entmenschlicht mein Kind und alle autistischen Menschen, wenn Ihr Euer ableistisches Weltbild aufrecht erhaltet.

Hört auf, Leuten zu erzählen, daß manche Autisten es wert seien, akzeptiert zu werden, aber andere nicht. Hört auf, Schlußfolgerungen über mein Kind und andere autistische Menschen zu treffen, die auf Eurer eigenen Ignoranz und Euren Vorurteilen basieren. Am wichtigsten: Hört auf, über Autismus zu reden, als würdet Ihr ihn wirklich verstehen. Denn wenn Ihr solche Funktionalitäts-Labels verwendet, wird klar, daß Ihr gar nichts verstanden habt.

Über die Autorin

Romana Tate ist das Pseudonym einer vielbeschäftigten Mutter. Sie schreibt nicht unter ihrem richtigen Namen, um die Privatsphäre ihres Kindes zu schützen, wollte aber trotzdem etwas über die Schlußfolgerungen von Leuten über Funktionalitäts-Labels sagen. Sie mag es, Zeit mit ihrer Familie zu verbringen und Eltern und Familien über die Erziehung ihrer autistischen Kinder mit Leidenschaft, Akzeptanz und bedingungsloser Liebe zu informieren.

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Im Netz aufgefischt #183 http://blog.atari-frosch.de/2014/10/19/im-netz-aufgefischt-183/ http://blog.atari-frosch.de/2014/10/19/im-netz-aufgefischt-183/#comments Sun, 19 Oct 2014 16:27:48 +0000 http://blog.atari-frosch.de/?p=11295 Asyl

Autismus

Computersicherheit

Das darf ja wohl nicht wahr sein!

Datenschutz / Privatsphäre

Fotografie

Geheimdienste

Hartz IV & Co.

Mindestlohn

Reichsbürger

Überwachung

Und sonst so?

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Meine autistische Welt http://blog.atari-frosch.de/2014/10/14/meine-autistische-welt/ http://blog.atari-frosch.de/2014/10/14/meine-autistische-welt/#comments Tue, 14 Oct 2014 11:45:42 +0000 http://blog.atari-frosch.de/?p=11307 Ihr sagt, Autisten lebten in einer „eigenen Welt“, also zumindest in einer anderen als Ihr. Und das, obwohl wir uns auf demselben Planeten befinden, denselben Raum teilen und dieselbe Luft atmen. Indem Ihr unsere Gedanken als „eigene Welt“ bezeichnet, grenzt Ihr uns aus, und es schwingt schon deutlich mit, daß „unsere“ Welt nicht die richtige sei.

Aber wie sieht denn Eure „richtige“ Welt aus?

In Eurer Welt sind Recht und Gerechtigkeit eine Frage des Geldes.

In Eurer Welt müssen Menschen wunschgemäß funktionieren, fast wie Maschinen; auf „Empfindlichkeiten“ kann da keine Rücksicht genommen werden. Wer nicht funktioniert, der muß eben Nachteile hinnehmen – nicht nur die, die er von Natur aus schon hat, sondern noch weitere, die Ihr einfach bestimmt, also Nachteile wie Armut, Verzicht auf Teilhabe, Ausgrenzung bis hin zur Isolation, Folgekrankheiten und früherem Tod.

In Eurer Welt wird das, was irgendwie anders ist, nur schwer bis gar nicht akzeptiert. Statt Vielfalt als Vorteil und Stärke einer Gesellschaft zu erkennen, seht Ihr nur die Nachteile und Schwächen derer, die nicht Euren Normen entsprechen, und Schwächen wiederum seht Ihr als Last.

In Eurer Welt ist jeder, der – egal ob freiwillig oder unfreiwillig – nicht auf Anweisung und gegen Geld arbeitet, obwohl er sonst keine Einnahmen hat, ein Schmarotzer, der von Euren Steuergeldern lebt. Überflüssig, wertlos, faul, und am besten rechtlos. Seine Bedürfnisse interessieren Euch nicht. Daß Eure wertvollen Steuergelder, von der er es wagt, leben zu wollen, tatsächlich woanders verplempert werden, davor verschließt Ihr allerdings die Augen – genauso wie davor, daß es Euch jederzeit selbst treffen kann, plötzlich außerhalb dieser Arbeitswelt zu stehen.

In Eurer Welt ist es normal, zu lügen, wenn es Vorteile bringt. Ihr geht sogar teilweise so weit, es ehrlichen Menschen vorzuwerfen, wenn sie nicht lügen, um sich einen Vorteil zu sichern. Lügen erscheint Euch einfacher, als auf der Wahrheit zu bestehen. Erst recht, wenn diese Wahrheit unbequem ist.

In Eurer Welt ist es normal, Regierungen und Abgeordnete zu akzeptieren, die Euch falsche Versprechungen machen oder Entscheidungen aufgrund von offensichtlich falschen Informationen treffen. Es ist Euch egal, Ihr hört schon gar nicht mehr hin und wählt dann den, der die am schönsten klingenden Versprechen gibt – obwohl Ihr wißt, daß er sie nie einhalten wird und das auch gar nicht vorhat. Oder Ihr wählt gar nicht mehr und beschwert Euch dann über die, die von den anderen gewählt wurden.

In Eurer Welt gelten klare Ansagen als Affront. Ihr wollt nicht, daß eine Lüge „Lüge“ genannt wird. Ihr sagt „Konflikt“ statt Krieg. Totalüberwachung nennt Ihr „Sicherheit“, aber unsere tatsächliche, persönliche, wirtschaftliche oder gesundheitliche Sicherheit interessiert Euch nicht.

Ihr sagt, „wir betrachten die Entwicklung mit Sorge“ statt zu sagen, daß da was total falsch läuft und wer daran schuld ist.

Ihr zermatscht und verdreht die Sprache, nur damit alles schön glatt und freundlich klingt. Und Ihr merkt nicht, daß Ihr damit auch die Wahrheit und die eigene Realitätswahrnehmung zermatscht und verdreht.

Und Ihr maßt Euch an, Eure Welt als die „richtige“ zu bezeichnen und uns Autisten aus unserer „falschen“ Welt herausholen und in Eure hineinzwingen zu wollen?

An so eine Welt möchte ich weder angepaßt werden noch mich selbst anpassen.

In meiner Welt wird die Wahrheit gesagt, und ein Versprechen ist etwas wert. In meiner Welt heißt Sicherheit, daß ich keine Angst um meine Existenz haben muß. In meiner Welt ist Vielfalt Stärke. In meiner Welt steht nicht Arbeit gegen Geld, sondern der Mensch im Mittelpunkt.

Aber ich lebe ja nur in einer eigenen Welt, und so mancher nennt mich deswegen naiv.

Manchmal glaube ich, Ihr seid nur neidisch. :-)

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Im Netz aufgefischt #182 http://blog.atari-frosch.de/2014/10/12/im-netz-aufgefischt-182/ http://blog.atari-frosch.de/2014/10/12/im-netz-aufgefischt-182/#comments Sun, 12 Oct 2014 10:09:17 +0000 http://blog.atari-frosch.de/?p=11269 Autismus

Bedingungsloses Grundeinkommen

Edward Snowden

Freiheit statt Angst

Geheimdienste

Gesundheit

Hartz IV & Co.

Polizeigewalt

Sexarbeit

Überwachung

Wissenschaft

Und sonst so?

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Im Netz aufgefischt #181 http://blog.atari-frosch.de/2014/09/28/im-netz-aufgefischt-181/ http://blog.atari-frosch.de/2014/09/28/im-netz-aufgefischt-181/#comments Sun, 28 Sep 2014 11:59:12 +0000 http://blog.atari-frosch.de/?p=11249 Arbeit

#aufschrei

Autismus

Behinderung / Inklusion

Edward Snowden

Ermittlungsbehörden

Geheimdienste

Google

Hartz IV & Co.

Inzest

Telefonie

Überwachung

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Im Netz aufgefischt #180 http://blog.atari-frosch.de/2014/09/21/im-netz-aufgefischt-180/ http://blog.atari-frosch.de/2014/09/21/im-netz-aufgefischt-180/#comments Sun, 21 Sep 2014 12:43:04 +0000 http://blog.atari-frosch.de/?p=11204 Asyl

Autismus

Bedingungsloses Grundeinkommen

Computersicherheit

Datenschutz

Elektronische Gesundheitskarte

Freihandel

Geheimdienste

Hartz IV & Co.

Backschafter @BackschafterBo
#Sanktionen der #Jobcenter werden zumindest in Optionskommunen bereits im Voraus in den Haushalt mit einberechnet. Nett!

13:08 – 16. Sep. 2014

Kirche

NSU

Polizei / Polizeigewalt

Recht auf Vergessen

Rüstung

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Fotos in Google Maps/View http://blog.atari-frosch.de/2014/09/20/fotos-in-google-maps-view/ http://blog.atari-frosch.de/2014/09/20/fotos-in-google-maps-view/#comments Sat, 20 Sep 2014 14:33:42 +0000 http://blog.atari-frosch.de/?p=11233 Google Plus begrüßte mich heute mit der freudigen Mitteilung, daß einige meiner bei Picasa eingestellten Fotos für Google Maps übernommen wurden. Ich wußte erst nicht so recht, ob ich das gut oder schlecht finden sollte. Google macht ja nichts ohne Grund, sprich, ohne Gewinnerzielungsabsichten.

Dann habe ich mir das Ganze mal genauer angesehen und muß leider zu dem Ergebnis kommen, daß ich das eher nicht gut finde, und das gleich aus mehreren Gründen:

In der genaueren Ansicht der übernommenen Fotos sollte ich bestätigen, ob das Foto an der genannten Stelle aufgenommen wurde. Ich habe ja bei vielen Fotos die – zumindest ungefähren – Standort-Koordinaten angegeben. Sie bezeichnen den Standort der Kamera bei der Aufnahme, nicht unbedingt den Standort aller gezeigten Objekte.

Google nennt bei der Standort-Bezeichnung allerdings nicht bevorzugt die eigentlichen Orte, sondern Firmen, die dort in der Nähe ansässig und bei Google Maps gemeldet sind. Das heißt letztendlich, mit meinen Fotos wird für Firmen geworben. Kandidaten waren dabei ein Eiscafé, mehrfach eine Weinstube, aber auch Firmen abseits vom Gastgewerbe.

So hatte ich CC-BY-NC-SA nicht gemeint, Google. Wenn die Firmen mit meinen Fotos werben möchten, sollen sie gefälligst dafür bezahlen. Und zwar mich, nicht Euch. (Nein, das kostet die Firmen derzeit vermutlich nichts, aber ich wette, da kommt noch was nach.)

In den meisten der übernommenen Fotos habe ich das erstmal geändert.

Auch da noch ein Punkt: Habe ich den Ort einmal definiert und möchte ihn danach nochmal korrigieren, so geht das nicht mehr. Was einmal übernommen wurde, kann nicht noch einmal editiert werden. Ich kann mir gut vorstellen, daß so eine Menge ungenauer Ortsangaben für die Fotos zustande kommen. Damit tut Google weder sich noch den beworbenen Firmen einen Gefallen.

Außerdem kann ich ein Foto nicht aus View/Maps wieder herausnehmen, wenn ich meine, daß es ungeeignet sei. Denn die Fotos wurden offensichtlich nicht von Menschen, sondern von Algorithmen ausgewählt. Dabei muß es zwangsläufig zu Fehleinschätzungen kommen. Und spätestens, wenn jemand völlig falsche Angaben über den Standort macht und das auch später nicht korrigiert, wird’s vermutlich lustig.

Wird echt Zeit, daß ich mir einen Mediagoblin aufsetze und meine Fotos und Videos selbst hoste. Dazu bräuchte ich aber erst einmal einen „etwas“ stärkeren Server. Immerhin habe ich da gerade was in Aussicht.

[Update 2014-09-20 16:55] Alex machte mich noch auf einen weiteren Punkt aufmerksam, der auch nicht in Ordnung ist:

Alexander Schestag @alexschestag
@AtariFrosch du hast einen Punkt vergessen. Persönlichkeitsrechte der abgebildeten Personen.

16:46 – 20. Sep. 2014

Oh ja! Es ist schon ein Unterschied, ob jemand zum Beispiel auf einer Demo fotografiert wird – und ja, bei den übernommenen Fotos ist mehr als eines dabei, das ich jeweils im Rahmen einer Demonstration gemacht hatte – und das dann in einem Album zur Demo zu sehen ist oder ob das Foto dann auf einmal unter dem Suchbegriff einer Firma erscheint, mit welcher die abgebildete Person nichts zu tun hat. Oder vielleicht nicht einmal was zu tun haben will. [/Update]

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