Froschs Blog http://blog.atari-frosch.de Computer und was das Leben einer Frau sonst noch so zu bieten hat Sun, 25 Jan 2015 13:28:38 +0000 en-US hourly 1 Im Netz aufgefischt #197 http://blog.atari-frosch.de/2015/01/25/im-netz-aufgefischt-197/ http://blog.atari-frosch.de/2015/01/25/im-netz-aufgefischt-197/#comments Sun, 25 Jan 2015 13:28:38 +0000 http://blog.atari-frosch.de/?p=11854 Asyl

Autismus

Computersicherheit

Datenschutz

Geheimdienste

Gesundheit

Guantanamo

Haasenburg GmbH

Hartz IV & Co.

LGBTI

Pegida & Co.

Polizei

Raif Badawi

Urheberrecht

Verschlüsselung

Und sonst so?

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Im Netz aufgefischt #196 http://blog.atari-frosch.de/2015/01/18/im-netz-aufgefischt-196/ http://blog.atari-frosch.de/2015/01/18/im-netz-aufgefischt-196/#comments Sun, 18 Jan 2015 16:00:49 +0000 http://blog.atari-frosch.de/?p=11821 Autismus

Behinderung / Inklusion

Charlie Hebdo

Computersicherheit

Elektronische Gesundheitskarte

Esoterik und Scharlatanerie

Geheimdienste

Hartz IV & Co.

Islamismus

Jugendschutz

Pegida & Co.

Qualitätsjournalismus

Verschlüsselung

Vorratsdatenspeicherung

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(No) Spirit of Health 2015 http://blog.atari-frosch.de/2015/01/17/no-spirit-of-health-2015/ http://blog.atari-frosch.de/2015/01/17/no-spirit-of-health-2015/#comments Sat, 17 Jan 2015 22:17:28 +0000 http://blog.atari-frosch.de/?p=11844 Es scheint, es hat sich bei Kongreßhallenbetreibern noch immer nicht so wirklich herumgesprochen, daß es eine ziemlich dumme Idee ist, sich für einen „Spirit of Health“-Kongreß herzugeben. Nachdem sich letztes Jahr die Betreiber des Hannoveraner Congress Centrum mit einigem Bla-Bla herausredeten, warum sie den „Spirit of Health“ 2014 nicht mehr loswerden konnten, fanden die Veranstalter das einen vollen Erfolg und laden erneut zu einem solchen Kongreß ein – diesmal in Kassel.

Davon erfahren habe ich auf sehr, ähm, eigenartigem Wege. Heute erhielt ich eine Spam-E-Mail mit einer britischen Absender-Adresse, die behauptete, ein „Newsletter“ des Jim-Humble-Verlags zu sein. Offenbar hat der saubere Jim-Humble-Verlag allerdings keinen seriösen Mailversender dafür gefunden:

Received: from multiple-run.simabok44.com (unknown [111.79.73.12])
  by seewind.atari-frosch.de (Postfix) with SMTP id 732FC25344
  for ; Sat, 17 Jan 2015 17:35:04 +0100 (CET)
From: "Matthew Meyers" 
To: frosch@atari-frosch.de
Subject: Jim Humble Newsletter

Ein whois auf die IP-Adresse des einliefernden Hosts ist eindeutig:

inetnum:        111.72.0.0 - 111.79.255.255
netname:        CHINANET-JX
descr:          CHINANET JIANGXI PROVINCE NETWORK
descr:          China Telecom
descr:          No.31,jingrong street
descr:          Beijing 100032
country:        CN

Der Header weist also aus, daß die Mail über einen chinesischen Host, also höchstwahrscheinlich über ein chinesisches Botnet, versandt worden ist. Das ist natürlich äußerst seriös. (Nicht.)

Genauso sieht dann auch die Liste der geladenen Redner aus: Unseriös. Bis auf einen war es nicht schwierig, den Leuten ein wenig hinterherzuspüren:

Dr. med. Joachim Mutter
ist offenbar ein Freund von Verschwörungstheorien:

Das Problem ist: Die „Hauptkrankmacher“ werden von allen Regierungen und der Medienwelt weltweit geheim gehalten und sogar finanziell unterstützt. Sie werden sogar vor berechtigten Schadensersatzansprüchen geschützt. Der Grund ist ganz einfach: Die Regierungsmitglieder und Medien sind praktisch immer nur Marionetten von großen Industrie-Konzernen oder Standesorganisationen.

Außerdem hält er Autismus offenbar für eine Erkrankung des Gehirns.

Quelle: Gesundheit ist ein politisches Problem – Interview mit Dr. med. Joachim Mutter vom 29.06.2014.

Ekkehard Sirian Scheller
praktiziert etwas, was er Infopathie oder auch Neue Dunkelfeldmikroskopie nennt und damit (auch erfundene) Krankheiten behandelt. Er propagiert Angst vor Elektrosmog und warnt vor „Parasiten“. Außerdem steht er auf „MMS“, die von Jim Humble beworbene Chlorbleiche, die ja bekanntermaßen so ziemlich alles heilen soll.
Dr. Andreas Kalcker
ist ebenfalls ein Fan von „MMS“, wie Psiram berichtet:

[…] engagierte sich als Medizinlaie insbesondere für das nicht zugelassene Arzneimittel MMS, vor dem zahlreiche Gesundheitsbehörden weltweit wegen der Nebenwirkungen und Wirkungslosigkeit warnen. Nach Kalcker heile MMS „95% aller Krankheiten“

Kein Wunder, daß er sich von Jim Humble gerne als „MMS-Bischof“ bezeichnen läßt.

Dr. med. Markus Peters
wirbt auf der Website seiner Praxis mit einer „biologischen Krebstherapie“, die auch Oncothermie genannt wird. Nunja.
Sepp Holzer
will mit der Natur kommunizieren. Nur seltsam, daß wohl jeder, der sich kritisch äußert, direkt von seinem Hof fliegt.
Adrian Jones
ist ein großer Anhänger der sogenannten Schwarzen Salbe, die die damit behandelten Patienten auch durchaus mal umbringen kann und auch ansonsten ziemlich häßliche Wirkungen hat. – Nein, ich meine nicht Nebenwirkungen, denn die versprochene Wirkung tritt natürlich nicht ein.
Andreas Bachmair
sucht nach und macht den Menschen Angst vor Impfschäden. Daher soll man sich und seine Kinder seiner Meinung nach besser nicht impfen lassen – Krankheiten dürfen sich wohl gerne beliebig ausbreiten, es gibt ja dann bestimmt irgend ein Heilmittelchen in der homöopathischen Apotheke.
Hanna Blahova
publizierte ein Buch zum Thema „Parasiten“ – natürlich über den Jim-Humble-Verlag. Ansonsten konnte ich über die Dame nicht viel in deutscher oder englischer Sprache finden, die meisten Suchergebnisse scheinen tschechisch zu sein.
Dr. med. Tullio Simoncini
… darf zumindest in seinem Heimatland Italien nicht mehr praktizieren, weil er eine obskure „Backpulver-Therapie“ bei Krebs anwendete und das zu so ein paar Todesfällen führte. Trotzdem darf er beim „Spirit of Health“ 2015 genau darüber referieren: Sein Vortrag heißt „Krebstherapie mit Natriumbicarbonat“ – er ist also offenbar beim Backpulver geblieben.
Dr. Leonard Coldwell
heißt eigentlich Bernd Klein und versucht sich offenbar immer wieder mit lustigen Pseudo-Medikamenten und -Therapien. Beim Rationalwiki kann man gar nicht verstehen, …

… Why a man with a stratospheric cure rate and tens of thousands of happily ex-cancerous punters would choose to leave the country where he performed his medical miracles, change his name, take up motivational speaking and get arsey about being known by his former name […]

Billy Best / Gaston Neassens
Ich unterstelle mal, daß damit dieselbe Person gemeint ist? Jedenfalls ist Herr Neassens Franzose, der auch ein wirkungsloses Allheilmittel vertreibt. Sein Goldesel heißt 714-X.
Dirk Schrader
ist Tierarzt in Hamburg und meint, auch Tiere solle man besser nicht impfen.
Dr. Josè Miguel Sempere Ortell
Über den Menschen selbst ist nicht viel zu finden, er macht wohl vor allem in Krebstherapie mit nur teilweise zugelassenen Medikamenten. Beim „Spirit of Health“ will er über die Meerwassertherapie nach Quinton referieren.
Dr. med. Dietrich Klinghardt
beruft sich auf Germanische Neue Medizin, befürwortet die Familienaufstellung nach Hellinger und behauptet, verschiedenste Krankheiten von Depressionen über Morbus Parkinson bis zu Alzheimer in fortgeschrittenem Stadium mit täglich ein paar Löffeln Galactose (einem Zucker) heilen zu können. Er meint, Autismus sei ein menschengemachtes Krankheitsbild, das umso stärker sei, je mehr das Kind mit „Giften“ belastet sei. Er ist natürlich Impfgegner und beruft sich auf die längst widerlegte Studie von Andrew Wakefield, der versuchte, nachzuweisen, daß Autismus durch Impfungen entstehe.
Dr. Stanislaw Burzynski
befaßt sich mit der als wirkungslos nachgewiesenen Eigenurintherapie – na dann Prost.
Michael Vogt
schließlich moderiert das Ganze, und auch dieser Herr ist nicht, sagen wir, unvorbelastet. Wegen Kontakten in die rechte Szene mußte er die Universität Leipzig verlassen. Ansonsten betätigt er sich offenbar zusätzlich bei obskuren verschwörungstheoretischen TV-Sendern.

Da kann das Kongress Palais Kassel ja sehr stolz auf das sein, was sie sich da eingefangen haben. Wie ich so höre, stellt man sich dort auf Nachfrage auf denselben Standpunkt wie letztes Jahr das HCC in Hannover:

Mela Eckenfels @Felicea
@AtariFrosch Der Spiegel (oder Stern?) hat ja schon mit denen geredet. Die reden sich genauso raus wie Hannover letztes Jahr.

20:11 – 17. Jan. 2015

Mir wäre dann danach, eine Demo anzumelden.

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Im Netz aufgefischt #195 http://blog.atari-frosch.de/2015/01/11/im-netz-aufgefischt-195/ http://blog.atari-frosch.de/2015/01/11/im-netz-aufgefischt-195/#comments Sun, 11 Jan 2015 13:59:49 +0000 http://blog.atari-frosch.de/?p=11780 Autismus

Bedingungsloses Grundeinkommen

Charlie Hebdo

Computersicherheit

Edward Snowden

Elektronische Gesundheitskarte

Hartz IV & Co.

Justiz

LGBTI

Oury Jalloh

Pegida & Co.

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ÖPNV

Schule

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Und sonst so?

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Im Netz aufgefischt #194 http://blog.atari-frosch.de/2015/01/04/im-netz-aufgefischt-194/ http://blog.atari-frosch.de/2015/01/04/im-netz-aufgefischt-194/#comments Sun, 04 Jan 2015 12:30:41 +0000 http://blog.atari-frosch.de/?p=11737 Autismus

Bedingungsloses Grundeinkommen

CCC

Computersicherheit

Geheimdienste

Hartz IV & Co.

Kapitalismus

Pegida & Co.

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Online-Einkauf bei Rewe http://blog.atari-frosch.de/2014/12/31/online-einkauf-bei-rewe/ http://blog.atari-frosch.de/2014/12/31/online-einkauf-bei-rewe/#comments Wed, 31 Dec 2014 17:38:15 +0000 http://blog.atari-frosch.de/?p=11700 Der wöchentliche Einkauf wird für mich langsam zum Problem. Ich hatte es schon so organisiert, daß ich nur noch einmal die Woche in den Laden muß, und gehe dann auch immer erst nach 22:00 Uhr rein (Montag bis Freitag ist hier bis Mitternacht geöffnet). Denn die Kombination aus engen Gängen, herumstehenden Paletten, dem Gefühl, ständig selbst im Weg zu stehen, rumrennenden Kunden und Verkäufern und der meistens extrem nervenden Dudelmusik kann ich nicht mehr verarbeiten. Unter akuten Depressionen kommt der Overload dann noch viel leichter als sonst schon.

Also habe ich vor Weihnachten – trotz gewisser Bedenken – einen größeren Einkauf online bei Rewe bestellt.

Für mich war’s der erste Lebensmittel-Online-Einkauf überhaupt. Zwar hatte ich vorher schon vieles online bei unterschiedlichsten Anbietern online gekauft, aber eben keine alltäglichen Lebensmittel.

Das vorgegebene Lieferfenster wurde eingehalten (15:00 bis 17:00 Uhr, gekommen sind sie ca. 16:30 Uhr).

Der Rest klappte auch soweit. Der Lieferschein kam um ca. 14:30 Uhr per Mail. Dort wurde auch aufgelistet, was sie nicht liefern können – damit muß man halt rechnen.

Da ich nichts dazu angegeben hatte (und nicht wußte, daß man das explizit tun muß), haben sie allerdings für die meisten nicht lieferbaren Artikel „Ersatz-Artikel“ reingepackt. Die waren fast alle teurer als die gewünschten Artikel und auch nicht unbedingt immer ein echter Ersatz – wer kommt denn auf die Idee, eine Biskuitrolle als Ersatz für Honigkuchen zu liefern? Oder eine Joghurtsorte im 250-g-Becher einer teuren Marke anstelle eines 150-g-Bechers einer anderen Marke, die gerade im Sonderangebot war? – Nunja, ich lasse mir in Zukunft jedenfalls keinen „Ersatz“ mehr liefern, sondern habe dann eben Pech.

Etwas seltsam fand ich, daß ein Hausmarken-Artikel (Marke „Ja!“) nicht im Shop aufgelistet ist und es in der entsprechenden Sparte nur deutlich teurere Produkte anderer Marken zu Auswahl gibt (Instantkaffee).

Bezahlen kann man dann per Lastschrift, PayPal, Kreditkarte oder Rechnung. Letzteres heißt nicht in bar an der Wohnungstür, sondern binnen 14 Tagen per Überweisung.

Was geliefert wurde, kann man zurückweisen, was ich dann heute mit den meisten „Ersatz-Artikeln“ gemacht habe. Mitbekommen hatte ich noch von jemand anderem, daß man nur eine begrenzte Anzahl an Getränkekisten und -Kartons bestellen kann – was aber verständlich ist, weil die Fahrer das Zeug ja schleppen müssen.

Die beiden Herren kamen völlig klaglos zu mir in den 5. Stock (kein Aufzug!).

Noch ein Negativum: Die Artikel wurden teils in Papiertüten (das war ja OK) und teils in Plastiktüten geliefert. Das kommt mir sehr ungelegen, da ich eigentlich keine Plastiktüten mehr benutzen wollte. Aber da werde ich mal nett nachfragen, ob sie das anders regeln und nur noch Papiertüten nehmen könnten.

Mindestbestellwert ist 40 €, bis 100 € Bestellwert fallen außer bei der ersten Lieferung zu Neukunden 3,90 € zusätzlich an; ab 100 € Bestellwert fallen die weg.

Doch, insgesamt ist das gut gelaufen. Wenn ich bedenke, was mir das an Nerven erspart hat, lohnen sich die 3,90 € extra. So nebenbei habe ich da jetzt noch ein größeres Angebot, weil der nächste Rewe bei mir relativ klein ist und längst nicht die volle Produktpalette anbieten kann. Die Lieferung kommt wohl von einem zentralen Lager.

Wenn es andere Anbieter in Düsseldorf gibt, die auch liefern, ohne dabei Luxus-Preise zu verlangen, würde ich die aber auch gerne mal testen. Denn was bei Rewe nicht zu erfahren ist, auch nicht aus den Datenschutzbestimmungen, ist, ob die Daten aus den Einkäufen, die über die buchhalterische Notwendigkeit hinausgehen (zum Beispiel, welche Artikel ich in welcher Menge gekauft habe), gespeichert werden und wenn ja, wie lange und wer da alles reingucken darf.

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Im Netz aufgefischt #193 http://blog.atari-frosch.de/2014/12/28/im-netz-aufgefischt-193/ http://blog.atari-frosch.de/2014/12/28/im-netz-aufgefischt-193/#comments Sun, 28 Dec 2014 13:56:05 +0000 http://blog.atari-frosch.de/?p=11694 Dies ist das letzte „Im Netz aufgefischt“ für dieses Jahr. Hoffen wir, daß wir im nächsten Jahr mehr positive Nachrichten sammeln können. Euch wünsche ich einen angenehmen Jahresausklang und alles, was Ihr Euch für’s neue Jahr so wünscht.

Ausländerfeindlichkeit, Pegida & Co.

Computersicherheit

Datenschutz

Folter

Geheimdienste

Hartz IV & Co.

Telekommunikation

Wahlen

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Liebeserklärung an die Vielfalt http://blog.atari-frosch.de/2014/12/25/liebeserklaerung-an-die-vielfalt/ http://blog.atari-frosch.de/2014/12/25/liebeserklaerung-an-die-vielfalt/#comments Thu, 25 Dec 2014 21:53:02 +0000 http://blog.atari-frosch.de/?p=11722 Die Weihnachtsbotschaft der Hedonistischen Internationalen

In den letzten Wochen haben Menschen in Dresden und anderswo Angst, Kälte, Kleinmut, Rassimus, Islamophobie und Fremdenfeindlichkeit auf die Straße getragen. Wir sind nicht nur verunsichert, sondern sehen das friedliche Zusammenleben in diesem Land erschüttert. Was wir in Dresden sehen, sind nicht die üblichen Nazis, aber Menschen, die letztlich die gleiche menschenverachtende Ideologie verbreiten.

Doch unser Land sieht anders aus.

Wir leben schon heute Vielfalt.

Wir finden es normal, daß der marokkanische Schwager mit uns Weihnachten feiert. Und es dann kein Schweinefleisch zu essen gibt. Wir haben Freundinnen und Freunde aus Rußland, Usbekistan, Mali, Österreich und Tunesien. Wir lernen von anderen und merken, daß andere von uns lernen. Das ist Zusammenleben, auch wenn wir manchmal Dinge nicht verstehen. Wir interessieren uns für andere Kulturen, Religionen und Ansichten und werden niemandem eine Kultur überstülpen.

Wir gehen mit muslimischen Bosniern und Iranern und ihren Kindern zusammen auf den Martinsumzug, weil uns allen das Teilen und das Ritual mit den Laternen so gut gefällt. Wir sind gerührt, wenn die 5jährige Nichte sagt, daß sie in weniger Ländern Ausländerin sei als eine Deutsche, weil sie nämlich zwei Pässe habe.

Wir trinken augenzwinkernd mit Moslems guten Wein und lachen zusammen. Wir trinken Tee beim Opferfest und erkennen, daß Nächstenliebe nicht nur beim christlichen Weihnachtsfest seinen Platz hat und Alkohol trinken nicht zwingend für Geselligkeit nötig ist.

Wir sind neugierig, was der russische Oberst, den wir kennenlernen, zu erzählen hat. Wir sehen Begegnung als Bereicherung des Lebens. Sie eröffnet Perspektiven, die wir davor noch gar nicht erahnen konnten. Wir lachen verschmitzt mit der häkelnden türkischen Oma in der U-Bahn über eine skurrile Situation. Und freuen uns über ihr Gesicht, das wir noch Jahre später vor Augen haben. Uns werden täglich die Augen geöffnet von der Vielfalt, die auf uns einprasselt.

Wir lernen Sprachen in der Schule und können uns damit auf der ganzen Welt verständigen. Wir haben keine Angst, wenn Kinder aus aller Herren und Frauen Länder mit unseren Kindern in den Kindergarten und die Schule gehen. Weil unsere Kinder so von klein auf interkulturell lernen. Weil für sie Vielfalt normaler sein wird als für uns.

Wir sehen, wie liebevoll eine Bulgarin unsere Großeltern pflegt, wie fair der pakistanische Junge in der E-Jugend Fußball spielt. Wir erinnern uns an den Geschmack von Kardamom, der in einem Tee war, der uns angeboten wurde.

Wir sind nicht stolz auf den Ausgang der Geburtslotterie, die den einen zum Deutschen und die andere zur Bolivianerin macht. Wir leben und lieben in binationalen Beziehungen und Ehen. Wir ziehen unsere Kinder zweisprachig auf, damit sie mit ihren Großeltern im Ausland reden können.

Wir sehen den Austausch der Kulturen als Bereicherung unseres Lebens, egal ob wir dabei portugiesischen Weichkäse oder iranische Heavy Metal Bands kennenlernen. Wir lachen über den serbischen Film, nordamerikanische Serien und Karnevalsbräuche in Ecuador.

Wir übernehmen Wörter aus anderen Ländern in unseren Sprachschatz, weil wir Dinge so besser ausdrücken können. Wir übernehmen Feste und Bräuche und stellen auf einmal ausgehöhlte Kürbisse ins Fenster. Wir sind überzeugt davon, daß Kulturen und Sprachen erst dadurch leben, daß sie sich vermengen, vermischen, bereichern und befruchten.

Wir wollen in einem Land leben, das Menschen auf der Flucht offensteht. Wir leben in einem Einwanderungsland, und wir wollen eine Willkommenskultur, anstatt die Mauern um Europa zu vergrößern. Wir sind entsetzt darüber, daß so viele Menschen an den Außengrenzen sterben. Wir verstehen, daß Menschen fliehen, egal aus welchem Grund. Wir wollen Flüchtenden ein neues Zuhause geben und die Möglichkeit, frei und in Würde zu leben. Ohne uns dabei auf die Schulter zu klopfen.

Wir sind davon überzeugt, daß wir zusammen den richtigen Weg finden können, der allen Teilen der Gesellschaft Rechnung trägt. Diese Auseinandersetzung wird nicht immer einfach sein, sondern manchmal auch von Konflikten geprägt. Diese Konflikte wollen wir konstruktiv, friedlich und mit Respekt austragen und verhandeln. Dabei ist Migrationshintergrund für uns ein Zeichen der Stärke und Lebendigkeit der Gesellschaft.

In unserem Land ist es egal, welches Geschlecht jemand hat oder sich selbst zuschreibt. Es ist egal, wer wen einvernehmlich liebt. In unserem Land sind alle Menschen gleich. In unserem Land wollen wir sozial gerecht zusammenleben und gemeinsam die richtigen Fragen für die Zukunft stellen. Wir werden diejenigen politisch herausfordern, die soziale Spaltung vorantreiben oder Umverteilung verhindern. Wir wollen gelebte Solidarität, Mitgefühl und Empathie statt sozialer Kälte, Egoismus und deutschen Volksgenossen.

Zusammenleben und Austausch von Kulturen heißt für uns nicht Aufgabe von Werten, Ethik und Idealen. Vielmehr sehen wir, daß es Werte gibt, die in jeder Kultur zu Hause sind. Auf ihnen bauen wir auf. Eine vielfältige Gesellschaft ist nicht einfach: Wir diskutieren hart in der Sache, wenn uns etwas nicht paßt, aber wir finden gemeinsam Grenzen und Leitplanken des Zusammenlebens.

Wir stehen an der Seite aller Menschen in diesem Land, die friedlich und respektvoll miteinander leben wollen. Egal wo sie herkommen oder welche Religion sie haben. Egal ob sie eine andere Sprache sprechen oder andere Sitten und Gebräuche haben.

Wir wollen einfach zusammenleben. Wir wissen auch, daß viele der Ideale noch nicht umgesetzt sind.

Das heißt für uns:

Wir werden haßerfüllten Angsthasen, Rassisten und Fremdenfeinden dieses Land nicht überlassen, sondern an einer offenen und vielfältigen Gesellschaft weiterarbeiten. Was wir in Dresden und anderswo sehen, ist nicht die Mitte der Gesellschaft, sondern Deckungsmasse von Nazis und Brandstiftern. Sie stellen nicht die richtigen Fragen, sondern treten nach unten. Sie sind diejenigen, die einer toleranten und freien Gesellschaft und Kultur im Wege stehen.

Wir danken deshalb all den Menschen, deren Ur-Großeltern, Großeltern, Eltern oder die selbst aus einem anderen Land hierher gekommen sind von ganzem Herzen, daß sie hier sind. Wir danken ihnen, daß wir Neues kennenlernen dürfen. Wir danken ihnen, daß wir immer wieder neu über uns nachdenken. Wir danken ihnen für eine ständige Neuausrichtung von dem, was wir unsere gewachsene Kultur nennen.

Zukunft geht nur zusammen.

––––––––––

Verbreitet die Liebeserklärung an die Vielfalt. Sie soll überall auftauchen, an ihr soll kein Weg vorbeiführen. Bloggt diese Weihnachtsbotschaft, postet sie auf Facebook, fotografiert sie für Instagram, verlinkt sie, twittert sie, leitet sie weiter, schickt sie per Mail, vertont sie, macht Videos, druckt sie aus, hängt sie auf, plakatiert. Macht eine Lawine daraus, eine frohe Botschaft der Menschlichkeit, eine Liebeserklärung an die Vielfalt, einen Appell für das friedliche Zusammenleben. Und dann geht auf die Straße und demonstriert. Wir sind viel mehr als wir denken.

(Quelle: Liebeserklärung an die Vielfalt – eine Weihnachtsbotschaft, Lizenz unbekannt)

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Zynische Weihnachtsgrüße von der Arbeitsagentur http://blog.atari-frosch.de/2014/12/25/zynische-weihnachtsgruesse-von-der-arbeitsagentur/ http://blog.atari-frosch.de/2014/12/25/zynische-weihnachtsgruesse-von-der-arbeitsagentur/#comments Thu, 25 Dec 2014 17:50:50 +0000 http://blog.atari-frosch.de/?p=11709 Kurz vor Weihnachten erhielten unter anderem Bundestagsabgeordnete eine Weihnachtskarte von der Bundesarbeitsagentur. Das berichteten mehrere MdB, zum Beispiel Katja Kipping (Die LINKE) via Twitter.

In edlem Golddruck auf rotem Grund wurde da – im Inneren durch beeindruckende Zahlen unterlegt – aufgezählt, wie die Bundesarbeitsagentur Hartz IV sieht:

Probleme lösen · Menschen stärken · Existenzen sichern ·
Chancen bieten · Zukunft planen · Ziele setzen · Geduld haben · Wege finden · Mut machen · Hoffnung geben

Probleme lösen
Das gilt vor allem für die Probleme der Bundesregierung, die Erwerbslosigkeit im Land zu verstecken. Des weiteren wird mit Hartz IV das „Problem“ von Arbeitgebern gelöst, für möglichst viel und möglichst gute Arbeit möglichst wenig bezahlen zu müssen.
Menschen stärken
Damit sind wohl primär die wenigen Menschen gemeint, die so viel Geld haben, daß sie schon gar nicht mehr wissen, wohin damit.
Existenzen sichern
Ja, die der Angestellten in der BA und in den ARGEn, die sich tagtäglich damit abrackern, anderen das Leben zur Hölle zu machen, um die oben genannten Probleme zu lösen.
Chancen bieten
Besonders für die Gewinner der Hartz-Reform bieten sich natürlich eine Menge Chancen. Zum Beispiel für die Anbieter sinnloser „Kurse“, für die Zeitarbeit und für die „privaten Arbeitsvermittler“, die mit den Vermittlungsgutscheinen fett Kohle machen.
Zukunft planen
Ja, die Zukunft der Erwerbslosen, die wird geplant. Aber nicht mehr durch die Erwerbslosen, die sollen sich ja nicht einbilden, daß sie beim weiteren Verlauf ihres Lebens noch irgendwie mitzureden hätten. Ihre Zukunft wird geplant von Schreibtischtätern und ihren Vorgesetzten bis hoch zu Heinrich Alt und seinem Kollegen Frank Weise, dahingehend, daß sie gefälligst für jedes Geld oder auch ohne Lohn jede beliebige Arbeit zu verrichten hätten.
Ziele setzen
Die Ziele dafür werden in den Eingliederungsvereinbarungen gesetzt, die oft genug immer noch nicht vereinbart, sondern mit „hier unterschreiben, sonst gibt’s kein Geld“ den Erwerbslosen hingeklatscht werden. Darauf, ob die Erwerbslosen diese Ziele überhaupt erreichen können, kommt es ja nicht an, hauptsache, sie sind gesetzt.
Geduld haben
Man muß nur genug Unterlagen verlieren und lange genug warten oder generell einen Erwerbslosen lange genug drangsalieren, dann klappt das schon damit, daß er aus der Statistik verschwindet. Ob durch Obdachlosigkeit, Verhungern oder Suizid, ist ja egal. Warte, warte nur ein Weilchen – dann wird auch der hartnäckigste Kämpfer um die Grundrechte aufgeben.
Wege finden
Ja, die ARGEn finden immer wieder neue Wege, um Erwerbslose aus der Statistik zu kicken oder sie wenigstens sanktionieren zu können. Der Gesetzgeber unterstützt sie dabei nach Kräften, indem er Gesetze so schwammig formuliert, daß man daraus alles mögliche machen kann. Mitwirkungspflicht heißt zum Beispiel, daß das ARGE problemlos Unterlagen „verlieren“ kann, es kann den Erwerbslosen ja nochmal rennen lassen, um sie erneut zu beschaffen. Und nochmal, und nochmal, und noch ein viertes Mal.
Mut machen
Mut gemacht wird den Angestellten bei den ARGEn damit, daß sie, wenn sie nur genügend Erwerbslose schikaniert und genügend Geld durch Sanktionen eingespart haben, auch noch Prämien kassieren dürfen. Den Erwerbslosen wird dagegen dazu Mut gemacht, sich abzumelden und bitteschön zu verhungern.
Hoffnung geben
Ja, die Arbeitgeber hegen wirklich immer größere Hoffnungen darauf, daß sie vom Staat bald komplett mit kostenlosen Arbeitskräften beliefert werden, die sich nicht wehren dürfen, weil sie sonst direkt alles verlieren.

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, daß Hartz IV purer Zynismus, pure Menschenverachtung und purer Wirtschaftsfaschismus ist, dann ist dieser mit dieser Weihnachtskarte geliefert worden.

Die beste Reaktion aus den Reihen der Bundestagsabgeordneten war die des Linken Klaus Ernst:

Klaus Ernst @ernst_klaus
Und was kostet diese Hochglanz #HartzIV Werbebroschüre der #Arbeitsagentur? Wir fragen da mal die #Bundesregierung:

14:29 – 19. Dez. 2014

– auch wenn ich nicht glaube, daß er eine Antwort bekommen wird, denn die Bundesregierung verrät ja generell nicht, wieviel sie wem dafür bezahlt, ihre asoziale Politik schönzureden.

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Im Netz aufgefischt #192 http://blog.atari-frosch.de/2014/12/21/im-netz-aufgefischt-192/ http://blog.atari-frosch.de/2014/12/21/im-netz-aufgefischt-192/#comments Sun, 21 Dec 2014 15:36:26 +0000 http://blog.atari-frosch.de/?p=11652 Ausländerfeindlichkeit / Pegida & Co.

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Deutsche Telekom

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