Geschmolzenes Nudelsieb
18. July 2010 um 17:30 Uhr von frosch

Eigentlich geht’s mir derzeit gar nicht so übel, daß ich übermäßige Verpeilung befürchten müßte. Trotzdem ist es mal wieder passiert: Ich habe vorhin nach dem Kochen vergessen, den Gasherd abzustellen. Auf der Platte stand noch ein Topf mit einem Rest Spätzle — im reingehängten Nudelsieb. Nach etwa einer guten halben Stunde fiel mir dann schon der seltsame Geruch auf. Kein Wunder: Das Nudelsieb war geschmolzen, und geschmolzener Kunststoff duftet nicht gerade nach Rosenwasser. Das Wasser habe ich nachträglich in den Topf geschüttet, damit er schneller auskühlt; während der guten halben Stunde war der Topf unten leer gewesen.
Kristina Schröders Nichtkommunikation
16. July 2010 um 15:41 Uhr von frosch
Die Bundesfamilienministerin Kristina Schröder gibt sich gern modern. Deshalb nutzt sie — sogar einen verifizierten — Twitter-Account. Allerdings nicht zur Kommunikation, sondern nur zum Rausblasen von Angeber-Nachrichten.
Am 5. Juni teilte sie beispielsweise mit, daß sie bei der Eröffnung der ‘Langen Tafel’ in Berlin am Alexanderplatz dabei gewesen sei (war da nicht noch ein Tweet darüber, daß die Schirmherrin der Tafeln ist? Ich meine ja, aber der ist jetzt weg). Die Proteste, die sie dazu bekam, ignorierte sie mit dem Hinweis, sie könne ja nicht alle Tweets an sie beantworten (Twitter läßt mich gerade nicht weit genug zurückblättern, um die doch gehörige Anzahl an Antwort-Tweets rauszusuchen). Ich hatte darüber bereits gebloggt (Tafeln und Sozialstaat).
Kaputte Bahn
11. July 2010 um 20:20 Uhr von frosch
„Zu besichtigen sind die Trümmer eines aus Geltungsdrang und Habgier kaputtgesparten, ehemals funktionierenden öffentlichen Verkehrsmittels”, erklärte XiongShui vor einer Stunde auf Twitter. Ja, so ist das.
Wir hatten mal eine gute, zuverlässige, pünktliche und sichere Bahn. Bis so ein paar Hornochsen auf die Schnapsidee kamen, es sei doch eine tolle Sache, die Bahn zu privatisieren und an die Börse zu bringen. Die Deutsche Bahn. Eine unserer wichtigsten Infrastruktur-Einrichtungen. Wie bescheuert muß man sein?
Trotz jährlicher, teils massiver Fahrpreiserhöhungen scheint es mittlerweile eher die Ausnahme als Normalzustand zu sein, daß ein Zug pünktlich kommt — und das längst nicht mehr nur an besonders heißen oder kalten Tagen.
Ausrasten verboten
10. July 2010 um 12:24 Uhr von frosch
In aller Ruhe verkündet ein Mitarbeiter eines faschistischen Repressionamtes im Hochtaunus einem Arbeitslosen und seiner Frau, daß sie jetzt einfach mal kein Geld mehr bekommen, weil ein Mensch mit gleichem Allerwelts-Namen und gleichem Geburtsdatum woanders einen Arbeitsvertrag hat. Man unterstellt einfach mal, er sei jener welcher, denn das ist ja praktischer, als beispielsweise mal noch die Rentenversicherungsnummern abzugleichen. Außerdem kann man mal wieder hervorragend sparen. Das können diese Ämter ja überhaupt am besten, ist ja auch ihr Job. Dem Familienvater erklärt man dann eben, wenn er seine Wohnung verliere, könne er ja mit seiner Familie ins Obdachlosenheim gehen.
Eliteschulen
10. July 2010 um 9:24 Uhr von frosch
In Frankreich hat die L’Oreal-Chefin, die reichste Frau Europas, Frau Liliane Bettencourt, auf die Regierungspolitik Einfluß genommen, um unter anderem einen angenehmeren Steuerbescheid zu bekommen. Was mir in diesem Artikel aber direkt ins Auge stach:
In Frankreich sind alle Spitzenpolitiker und Wirtschaftsbosse auf den Grandes Ecoles gewesen – den Eliteschulen der Republik. Die Netzwerke aus diesen Schulen spielen eine große Rolle, auch weil viele Absolventen in ihrem Leben zwischen Staatsdienst und Manager-Posten hin und her wechseln.
Sind unsere Regierigen wegen dieser Netzwerke schon lange so wild drauf, Eliteschulen zu gründen bzw. zu fördern? Denn zwischen Staatsdienst und Manager-Posten hin und her wechseln können hier ja einige auch ganz gut …
Warnschilder vor Kostenfallen
8. July 2010 um 11:54 Uhr von frosch
Das wird jetzt wohl erst richtig modern, Verkehrsschilder im Internet aufstellen zu wollen, oder was? Nachdem Zensursula mit ihren Stopschildern grandios gescheitert ist, versucht es ausgerechnet Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) nun mit Warnschildern vor Abo- und Kostenfallen.
Jaaa, wir haben Sommerloch. Aber Frau Leutheusser-Schnarrenberger muß sich nicht auf Teufel komm’ raus wie so ein Polit-Hinterbänkler mit so einem Quatsch ins selbige fallen lassen, will sie den Internet-Profis gegenüber glaubwürdig bleiben. Denn: Seriöse Anbieter geben natürlich alle Kosten an, und die unseriösen werden sich wohl kaum freiwillig ein Schild vor das Bestellformular pappen. Das ist wieder mal so eine Maßnahme in dem Sinne „Einbrechern soll es verboten werden, Handschuhe zu tragen”.
Also, wie soll das dann gehen? Mal wieder per DNS-Manipulation durch die Zugangsprovider? Danke, hatten wir schon. Der nächste, bitte.
Was ist Medienkompetenz?
5. July 2010 um 19:49 Uhr von frosch
Der @karpfenpeter rief vor ein paar Stunden auf Twitter dazu auf, man möge doch mal in seinem Blog Medienkompetenz definieren und dann (sofern das auch andere tun) sich gegenseitig verlinken.
Da wir es mit einem zusammengesetzten Hauptwort zu tun haben, zerlegen wir das doch erstmal. Also:
- Was sind Medien?
- Was ist Kompetenz?
Bahntickets nur noch per Handy?
5. July 2010 um 14:42 Uhr von frosch
Diese, ‘tschuldigung, durchgeknallte Idee ließ Bahnchef Rüdiger Grube laut der Süddeutschen verlauten. Danach sollten Kundenschalter und Fahrscheinautomaten abgeschafft werden.
Herr Grube setzt also voraus, daß jeder, der mit der Bahn fahren möchte, gefälligst ein passendes Smartphone zu besitzen hat. Und natürlich, daß der Mobilfunk-Empfang überall gut genug ist, um damit zuverlässig Fahrscheine buchen zu können. Schließlich hat natürlich auch jeder einen Internetzugang, um sich über Tarife und Fahrzeiten zu informieren, denn am Schalter soll das ja nicht mehr gehen.
Militante Nichtraucher
5. July 2010 um 14:11 Uhr von frosch
In Bayern hat der Wähler gesprochen: Ein strenges Rauchverbot für öffentliche Räume und Gaststätten wird (wieder) in Kraft gesetzt. Die Initiatoren des strengen Rauchverbotes versuchen nun, das gleiche auch bundesweit zu erreichen. Ich finde das prima
Ein oft gehörtes Argument von Rauchern ist: Du mußt da ja nicht hingehen, wo geraucht wird. Ach, wirklich? Als Kind bzw. Jugendliche hatte ich keine Wahl. Mein Vater rauchte Kette, und ich entwickelte mit 16, 17 einen fürchterlichen Raucherhusten — der ihn in seiner Sucht nicht weiter störte. Meinem Arzt mußte ich mehrfach bestätigen, daß ich wirklich nicht selbst rauche. Sein Rat: „Halten Sie sich von den Rauchern fern.” Damit mußte ich bis zu meinem 18. Geburtstag warten; am selben Tag noch zog ich aus. Danach dauerte es noch eine Weile, bis der Husten sich endlich legte. Bis heute dürfen Eltern diese Körperverletzung an ihren Kindern begehen, ohne daß sich jemand dran stört.
Ist immer etwas …
4. July 2010 um 19:26 Uhr von frosch
… damit nicht wird langweilik”, pflegte meine ungarisch-stämmige Gesangslehrerin vor 20 Jahren zu sagen. Das dekliniere ich hier grade mal wieder durch.
Der UMTS-Stick läuft ja jetzt, und auch für meinen defekten Infrarot-Kopfhörer habe ich ein funkendes Ersatzexemplar gefunden, und sogar eines, das dieselben Akkus verwendet.
Auf Augenhöhe
2. July 2010 um 12:34 Uhr von frosch
Bei Heise Online heißt es heute: Websperren: EU-Kommission will schnell handeln. Mit den altbekannten Zensursula-Lügen soll wieder einmal versucht werden, Zensur in diesem viel zu freien Internet einzurichten.
Die Peinlichkeit besteht diesmal gleich in zwei Äußerungen:
Malmström antwortete auf diese Fragen nur zurückhaltend und brachte ihre Haltung auf eine simple Formel: „Wir wissen nicht, was wir nicht wissen”. Zwar sei der Umfang des Handels mit Kinderpornografie nicht bekannt, man wisse aber, dass es ihn gebe.
Gesetz statt htaccess
29. June 2010 um 13:38 Uhr von frosch
Bisher habe ich ja die Leistungsschutzrecht-Geschichten nur sehr am Rande verfolgt. Aber was heute u. a. über Heise hereintickerte, veranlaßt mich zu einem großen Facepalm:
Christian Nienhaus, Vorsitzender des Zeitungsverlegerbands Nordrhein-Westfalen (ZVNRW) und Geschäftsführer der Mediengruppe WAZ, hat die Forderung der Zeitungsverleger nach einem Leistungsschutzrecht bekräftigt. Auf dem medienforum.nrw in Köln sagte Nienhaus, “Unternehmen wie Google leben davon, systematisch unsere Inhalte abzugreifen. Deswegen brauchen wir ein eigenes Leistungsschutzrecht, um unser Eigentum zu schützen”.
Ich übersetze das mal für Politiker: „Wir sind zu blöd, die Zugangskontrollmechanismen unseres Webservers (.htaccess) zu benutzen, deshalb müßt Ihr gefälligst ein Gesetz machen, das uns vor dem bösen Google schützt.”
Rechtsfreier Raum Hartz IV? (2)
28. June 2010 um 16:49 Uhr von frosch
Erst vor gut drei Wochen hatte ich im Artikel Rechtsfreier Raum Hartz IV? die Vermutung geäußert, daß man neben den ganzen neuen Schikanen für Hartzer deren Klagemöglichkeiten einschränken werde.
Ich hasse es manchmal wirklich, recht zu behalten.
CDU-Rhetorik
28. June 2010 um 12:50 Uhr von frosch
Spiegel Online berichtet heute darüber, daß die CDU einen Intelligenztest für Einwanderer fordert. Der Artikel, der ansonsten ruhig als Sommerloch-Füllung gelten darf, strotzt nur so vor irreleitender Rhetorik.
Allein schon der Teaser:
Provokanter Vorschlag aus der Union: Politiker von CDU und CSU verlangen eine neue Einwanderungspolitik, bei der Ausländer sich einem Intelligenztest unterziehen müssen. Humane Gründe dürften nicht länger das einzige Kriterium für Zuwanderung sein.
Das Provokante dürfte dem Sommerloch geschuldet sein. Im Usenet nennt man sowas einen „Troll”, also eine Provokation um der Provokation willen, nicht um des Inhalts willen. „Wir werfen einfach mal was in den Raum, dann haben die Leute was zum Diskutieren.” Wir müssen uns fragen: Cui bono? Wer profitiert davon bzw. wovon soll denn gerade mal wieder abgelenkt werden?
Hardware-Handbücher
27. June 2010 um 14:50 Uhr von frosch
Es ist echt ein Krampf. Fast jedesmal, wenn ich zu einem älteren Stück Hardware das Handbuch im Netz suche, suche ich mir einen Wolf. Die Handbücher liegen bei den Herstellern oft nicht mehr auf (als ob Speicherplatz so teuer wäre), oder sie liegen (in englischer Sprache) auf asiatischen Websites, die mit Glück in englischer, mit Pech in koreanischer oder chinesischer Sprache ausgeliefert werden. Wie heißt „download” auf koreanisch?
Drittanbieter machen sich dann einen Spaß draus, die Anleitungen in obskuren Formaten oder mit dem Zwang zur Abgabe einer Mailadresse anzubieten, auf die sie dann spammen können. Ein Mainboard-Handbuch fand ich zum Beispiel mal in einer .exe-Datei. Da muß man erstmal drauf kommen, daß man die unter Linux einfach mit unzip behandeln muß und dann ein PDF zum Vorschein kommt (so geschehen bei einem Board des alten seefunk-Rechners).
Bisher hatte ich das Theater überwiegend mit Mainboard-Manuals, heute ist mal ein Drucker dran. Nachdem mir der brother HL-8e nun überhaupt kein Papier mehr einziehen will, habe ich den zweiten hier rumstehenden Drucker aktiviert, das ist ein HP LaserJet IIIp. Als der mir nun bei den ersten Probeausdrucken das Papier im unteren Teil in Wellenform ondulierte, versuchte ich vergeblich, ihn zu öffnen, um ihn ggf. zu reinigen. Was brauche ich also? Genau, eine Anleitung.
