ARGE, Teil 7 — Ping-Pong
Thursday, 6. May 2010
Ja, irgendwie war diese Situation am Ende zu erwarten. Letzte Woche hatten sowohl ARGE als auch die Rentenversicherung Post geschickt. Die ARGE verlangt, daß ich binnen zwei Wochen einen Rentenantrag stelle, und schickte die Unterlagen dafür gleich mit. Die Rentenversicherung lehnt meinen Widerspruch gegen den ablehnenden Rentenbescheid vom Oktober letzten Jahres ab — weitere Gegenwehr nur mit Klage vor dem Sozialgericht möglich.
Wenn ich jetzt einen neuen Rentenantrag stelle, habe ich den Nachteil, daß der Rentenbezug — sofern der Antrag angenommen wird — von vorn beginnt. Also wieder jedes Jahr eine überprüfende Untersuchung und jedes Jahr wieder die Sorge, ob die Rente denn erhalten bleibt oder wieder Mist festgestellt wird. Wenn der Rentenbezug jedoch weiterläuft, habe ich die Hoffnung, daß spätestens die nächste Untersuchung die letzte vor der fristlosen Verrentung ist.
Klage ich dagegen jetzt vor dem Sozialgericht, dann ist das Stellen eines neuen Antrags recht sinnfrei. Er würde vermutlich abgelehnt werden, entweder mit Hinweis auf das laufende Verfahren oder mit der Begründung aus der Zurückweisung des Widerspruchs. Dafür erwarte ich mir von einer sozialgerichtlichen Entscheidung, wenn sie dann mal ergangen ist, deutlich mehr Rechtssicherheit.
Ich habe heute an die ARGE geschrieben, daß ich den Weg der Klage bevorzugen würde (dafür habe ich noch bis 28. Mai Zeit), eben wegen der höheren Rechtssicherheit, und daher erst einmal keinen neuen Rentenantrag stellen möchte. Mit der Klage warte ich jetzt allerdings noch, bis sich die ARGE (hoffentlich schnell) entschieden hat. Denn wenn sie mich zwingen, den neuen Rentenantrag zu stellen, dann kann ich die Klage und somit die für mich vermutlich bessere Variante vergessen.
Diskriminierung erlaubt
Tuesday, 26. January 2010
Hartz IV wirkt, stellte Twister gestern auf Telepolis Online fest. Das durfte ich ebenfalls gestern mal wieder am eigenen Leibe erfahren.
Ich habe ja gegen den ablehnenden Rentenbescheid Widerspruch eingelegt. Daraufhin rief mich im Oktober eine Dame von der Rentenversicherung an und wollte wissen, wer mein behandelnder Psychiater ist. Nachdem sie sich dann von der Verblüffung erholt hatte, weil ich sagte, ich habe keinen, fragte sie nach meinem Hausarzt. Ja, sowas in der Art hatte ich zu der Zeit, ich kämpfte ja mit einer Luftröhrenentzündung. Also schickte sie mir eine Aufforderung für diesen Arzt, einen Diagnosebericht zu erstellen.
Ent- statt Versicherung
Thursday, 15. October 2009
Meine Krankenkasse hatte mich bereits mit Schreiben vom 18. September gefragt, wie es denn nach dem 1. November mit meiner Krankenversicherung weitergehen soll. Ich war erstmal etwas verblüfft gewesen, denn von dem ablehnenden Bescheid der Rentenversicherung wußte ich zu dem Zeitpunkt noch nichts. Ich fragte per Mail nach, erhielt aber keine Antwort.
Bei der ARGE hieß es dann gestern, ich solle der Krankenkasse melden, daß ich ALG II beantragt habe; wenn der Antrag durch ist (was ja locker bis Anfang Dezember dauern kann), sei ich dann rückwirkend über die ARGE weiterversichert. Also rief ich heute bei der TKK an, um diese darüber zu informieren.
Bei der Gelegenheit erfuhr ich, daß die Rentenversicherung Bund die TKK auf elektronischem Wege bereits am 15. September über die Einstellung der Rentenzahlungen zum 31. Oktober informiert hatte. Das entsprechende Schreiben der Rentenversicherung an mich ist jedoch auf den 1. Oktober datiert und war am 5. Oktober in meinem Briefkasten. Das sind fast drei Wochen Differenz!
Durch diese Schlamperei hat die Rentenversicherung also meine Absicherung bei der Krankenkasse gefährdet und mir damit unnötig Zeit gestohlen, um Widerspruch einzulegen und weitere Maßnahmen zu ergreifen. Ich kann froh sein, daß die TKK geduldig ist und deswegen jetzt nicht auch noch Terror veranstaltet. Andere Krankenkassen sehen das ja vielleicht nicht so gelassen.
Existenzangst reloaded
Sunday, 11. October 2009
Mitte Mai hatte ich bereits den Antrag auf Verlängerung der Erwerbsminderungsrente gestellt. Als ich Ende August „schon” Mitte Juni zu einem Düsseldorfer Psychiater geladen wurde, um mich für diesen Antrag untersuchen zu lassen, war das für mich nur noch Formsache. An meiner Arbeitsfähigkeit, insbesondere meiner Konzentrationsfähigkeit und der Fähigkeit, Leistungs-/Zeitdruck auszuhalten, hat sich, seit ich die Rente beziehe, leider — und teilweise „dank” Repressionsamt („Sozialamt”) nichts geändert.
Aus der Formsache wurde nun eine Sache der Existenzangst, denn dieser Psychiater beschloß, meine Depressionen seien nicht mehr so schlimm (leicht- statt mittelgradig), und ich sei deswegen jetzt ohne Probleme wieder in der Lage, mindestens 6 h/Tag zu arbeiten. Ob er zu dieser Einschätzung gedrängt worden war oder der Rentenversicherung von sich aus einen Gefallen tun wollte, kann ich nicht beurteilen, da ich den Mann vorher noch nie gesehen hatte. Jedenfalls bekam ich letzten Montag Nachmittag den ablehnenden Rentenbescheid, und das heißt, daß mich die Rentenversicherung der ARGE zum Fraß vorwirft.
Thema verfehlt, Frau Zypries
Monday, 15. December 2008
Dat war wohl nix. OK, ehrlich gesagt, habe ich nicht mehr als solches Bla-Bla erwartet, als ich meine Anfrage bei abgeordnetenwatch.de stellte. Aber Frau Zypries gab sich ernsthaft Mühe, meine geringen Erwartungen noch zu unterbieten.
„Während der Rentner aufgrund seiner geleisteten Beiträge eine Rente erhält,” — ja, nur leider nicht genug zum Leben. Das oft genug selbst dann, wenn jemand fast sein Leben lang gearbeitet und Kinder großgezogen hat, wie es bei meiner Mutter der Fall ist, die als Altersrentnerin aus der Rentenversicherung kaum mehr bekommt als ich. Also kommt man um den Sozialhilfebezug gar nicht herum, wenn es keine anderen Einnahmen gibt. Abgesehen davon habe ich selbst durchaus jahrelang in die Rentenversicherung eingezahlt, ich bin ja nicht von der Schulbank aus direkt in Rente gegangen.
Aber der letzte Satz ist echt das beste und zeugt von so richtig Null-Ahnung: „Sozialhilfe stellt zumindest ein Mindestmaß an gesellschaftlicher Teilhabe sicher.” Ah ja. Was ist ein Mindestmaß an gesellschaftlicher Teilhabe? Die Alternative zwischen einmal im Monat ins Kino oder alle zwei Monate eine CD kaufen? (more…)
Rentenerhöhung
Tuesday, 1. July 2008
Mit der von der Bundesregierung großkotzig angekündigten Rentenerhöhung um ganze 1,1 % steigt auch der Sozialhilfesatz zum heutigen Tag um ganze 4 Euro (tatsächlich ausbezahlt wird das aber erst zum nächsten Monat). Davon kann ich noch nichtmal einen einzigen Kaffee trinken gehen, denn:
- Milch kostet nach aktuellem Stand im Vergleich mit vor einem Jahr 12 bzw. 13 Cent mehr (fettarme von 49 auf jetzt 61 und Vollmilch von 55 auf 68 Cent, Preise: Rewe; bei Aldi ist es noch eine Ecke teurer). Mein Verbrauch liegt bei mindestens 1/3 l pro Tag.
- Fertiggerichte für Mikrowelle oder Wasserbad stiegen im gleichen Zeitraum um zwischen 30 Cent und über einen Euro. Die Qualität nahm dabei teilweise auch noch gewaltig ab.
- Von frischem Obst, Gemüse und Fleisch reden wir mal gar nicht …
- Selbst mein mittlerweile nur noch selten ausgeübtes Hobby Fotografie muß ich wohl noch weiter einschränken, denn sowohl die Entwicklung der Filme als auch die Fotoabzüge sind durch den gestiegenen Ölpreis teurer geworden (Entwicklung von 2,50 Euro auf 3,50 Euro und Bilder in 10 x 15 von 15 auf 19 Cent). Freie Entfaltung der Persönlichkeit fällt also noch stärker flach. Nicht daß Sozialhilfeempfängern dieses Recht aus Art. 2 GG, wiederholt in § 1 SGB I überhaupt noch real zugestanden wird …
Und das sind nur so ein paar Beispiele. Von den 4 Euro bleibt also im Vergleich zum Vorjahr weniger als Null übrig. Und das feiert die Bundesregierung dann als „Beteiligung der Rentner am Aufschwung” — man könnte drüber lachen, wenn’s nicht zum Heulen wäre.
Rentenerhöhung
Friday, 14. March 2008
Die Bundesregierung plant ab 1. Juli eine Rentenerhöhung, um ganze 1,1 %. Gleichzeitig sollen die Beiträge zur Pflegeversicherung um 0,25 % steigen. Also: Meine Rente beträgt zur Zeit rund 354 Euro. Wenn unterm Strich (positiv gerechnet) ein Prozent Steigerung übrig bleibt, dann sind das ganze 3,54 €. Welch ein Luxus!
Aber ich muß sowieso anders rechnen. Da mein Einkommen auf den Sozialhilfesatz festgenagelt ist, muß ich das Prozent dort aufschlagen. Dann sind das noch ein paar Cent weniger, nämlich 3,47 €. Also, Leute: Paaartyyyy!!!!!elf
(Wer Ironie findet, darf sie behalten.)
Kommunikation (3)
Tuesday, 11. September 2007
Heute um 12:30 Uhr kam ein Anruf auf der Praxis; morgen um 10:00 Uhr kann ich dort antreten. Warum nicht gleich so?
Kommunikation (2)
Friday, 7. September 2007
Pustekuchen. Als ich am Dienstag spät abends aus Berlin zurückkam, war ein Brief im Briefkasten (datiert vom 30.08.), der mir sagte, daß ich genau an diesem Dienstag vormittags in der Praxis hätte vorsprechen sollen. Anrufe in der Praxis am Mittwoch und Donnerstag landeten auf einem abgeschalteten Anrufbeantworter, der einen PIN-Code zum Abhören haben wollte.
Also wieder bei der Rentenversicherung angerufen und mich diesmal doch etwas heftiger beschwert. Da diese Arztpraxis anscheinend nicht kommunizieren kann, verlangte ich, an eine andere verwiesen zu werden. Die RV erkannte in dem Problem jedoch keinen Beschwerdegrund. Stattdessen machte die Dame den Vorschlag, ich solle der Ärztin doch einen Zettel mit möglichen Terminen und meinen Kontaktdaten in den Briefkasten werfen (in welchem Zeitalter sind wir hier eigentlich?).
Nun ja, was tut man nicht alles für die Rente … ich hab das also gemacht und warte nun auf weitere, ähm … Kommunikation.
Kommunikation (1)
Wednesday, 29. August 2007
Anfang August hatte ich die Verlängerung der Erwerbsminderungsrente beantragt. Um meinen Anspruch zu prüfen, sollte ich nun zu einer Psychiaterin, damit die Rentenversicherung von dort ein Gutachten über meine Erwerbsfähigkeit bekommt. So weit, so gut.
Die erste Einladung bekam ich gestern — für morgen. Da ich heute Abend nach Berlin fahre, geht das schlecht. Ich rief also gleich in der Praxis an (Telefonnummer stand nicht dabei, die mußte ich erstmal raussuchen), um eine Terminverschiebung zu vereinbaren. Am Telefon war eine total pampige Sprechstundenhilfe, die mir in einem unverschämten, arroganten, hochnäsigen Ton erklärte, daß ich ja wohl schon kommen müßte, wenn mir das wichtig sei.
Ich teilte ihr mit, daß das nicht möglich ist, weil ich bereits Fahrscheine für eine Reise gekauft habe, die ich nicht zurückgeben oder umtauschen kann (29-Euro-Tickets der Bahn — Umtausch und Rückgabe ausgeschlossen). Daraufhin meinte sie: Ich streich den Termin jetzt. Ich fragte, wie ich nun an einen neuen komme: „Keine Ahnung.” Ich hab bei Ärzten und insbesondere Psychiatern schon viel erlebt, aber sowas noch nicht!
Ich rief direkt bei der Rentenversicherung an und fragte, ob das gängige Praxis sei. Nein, selbstverständlich nicht, und natürlich könnte ich einen solchen Termin verschieben!, hieß es sofort. Man werde sich mit der Praxis in Verbindung setzen und mir telefonisch einen neuen Termin mitteilen.
15 Minuten später kam der Rückruf: Ja, die Sprechstundenhilfe sei dort wirklich „völlig unfähig” (O-Ton RV!), sie sei eine Aushilfe, könne wohl nicht mit dem Terminsystem der Praxis umgehen und läßt das anscheinend an allen Anrufern aus. Man werde das klären und mich „in ein paar Tagen” wegen eines neuen Termins anrufen.
Hausbeleuchtung
Sunday, 27. May 2007
Eben las ich bei Michael Fuchs einen Blogeintrag über ein beleuchtetes „Energiesparhaus”. Das erinnert mich doch dran, was hier in den letzten Monaten passierte.
Ich sehe das Hochhaus der Rentenversicherung in der Friedrichstraße von meinem Fenster aus, und da stand im Winter und im Frühjahr ein Kran dran. Irgendwann im Frühjahr stellte ich fest, daß man an dem Gebäude Leuchtstoffröhren oder sowas angebracht hatte, denn sobald es dämmert, leuchten die Kanten des Gebäudes meist in blau, manchmal aber abwechselnd in allen Regenbogenfarben. Und das Logo der RV obendrauf strahlt ebenfalls in starker Beleuchtung. Soweit, so gut …
… aber was wirklich zum Kotzen ist: Etwa zur gleichen Zeit ging ein Schreiben der RV an alle Rentner heraus, daß man zukünftig, um zu sparen, Veränderungen an der Rentenhöhe nicht mehr mit einem separaten Schreiben erfahren werde, sondern schlicht über seinen Kontoauszug. Zum Beispiel die Änderung, daß wegen einer Erhöhung der Krankenkassenbeiträge meine Rente leider in Zukunft um einen guten Euro niedriger ausfallen werde.
