Im Netz aufgefischt #3
Sunday, 5. October 2008
Heute: Cooles und völlig uncooles.
- Heise Newsticker: Projekt Blinkenlights in Toronto neu aufgelegt — einfach nur cool.
- Heise Newsticker: Dorfbewohner verlegen DSL-Anschluss selbst — auch cool.
- Heise Newsticker: Sicherheitsrisiko Telekomgate — völlig uncool.
- Heise Newsticker: OOXML-Standardisierung: Norwegische Experten treten zurück — sehr cool! Aber warum eigentlich nur 13 von 23, und nicht alle?
- Ruhrnachrichten: Bald Weg frei für Bundeswehr-Einsatz im Inland? — absolut uncool: Schäuble gibt sich wieder alle Mühe, uns das Wochenende zu verderben. Dazu passend:
- Telepolis Online: Schäubles Scheinargumente (Teil 1) von Michael Lohmann. Cool!
Und zum Schluß noch ein cooler Werbelink: T-Shirts (nicht nur) für Rollstuhlfahrer von Alex Schestag bei Spreadshirt. Viel Spaß beim Stöbern.
Im Netz aufgefischt #1
Sunday, 6. July 2008
In dieser neuen Rubrik publiziere ich Links zu Artikeln, die ich für wichtig, interessant oder bemerkenswert halte — vor allem, wenn ich mal wieder keine Zeit oder Lust habe, meinen Senf dazuzugeben oder die Artikel für sich sprechen.
- Telepolis Online: AOK: „Alle Oder Keiner”
- Tagesschau: Vom Terrorismus-Vorwurf ist kaum noch was übrig
- c’t Hintergrund: Milchmädchenrechnung beim Bundesmelderegister
Interessant vor allem, wenn man den zweiten und den dritten Artikel in Gedanken miteinander kombiniert …
Fußballfreie Zeit
Monday, 30. June 2008
Was tun gegen die fußballlose Zeit? fragt die Tagesschau heute in ihrem „Schlußlicht”. Meine Antwort, die ich auch per Mail dort hingeschickt habe, sieht so aus:
Hallo,
ich bin ehrlich gesagt ganz froh, daß der Rummel endlich vorbei ist. Und was tun? Sich zum Beispiel endlich mal gegen die überbordende Datensammelei der Bundesregierung wehren, oder sich überhaupt mal darüber informieren, was uns da als „Sicherheitsmaßnahmen” verkauft wird: Der Verlust unserer Freiheit.
Vor lauter Fußball und EM und Rumgegröhle haben die meisten Leute vermutlich noch nicht mal die ganzen Datenpannen der letzten Wochen mitbekommen. Auch, daß morgen in Luxemburg über die Klage Irlands gegen die Vorratsdatenspeicherung entschieden wird, ging völlig unter, sogar bei der Tagesschau. Und wer weiß schon, daß es am 11. Oktober wieder eine Großdemo in Berlin gibt, diesmal in einem europäischen Rahmen, wieder unter dem Motto „Freiheit statt Angst”? Niemand außer den „üblichen Verdächtigen”, vermutlich. Allen anderen hat man ja schon erfolgreich eingehämmert, daß sie „nichts zu verbergen” hätten.
Also, was tun? Informieren, Freiheit verteidigen.
Merkel lügt munter mit
Tuesday, 15. January 2008
Angela Merkel nimmt nun also Roland Koch nicht nur in Schutz, sondern sie lügt gleich munter mit. Das berichtet heute tagesschau.de unter der Überschrift Merkel gibt Koch Rückendeckung mit Bezug auf die heutige Bundespressekonferenz, in welcher Merkel wider besseres Wissen behauptete, daß die Hälfte aller Straftaten durch Jugendliche von ausländischen Jugendlichen begangen würden. Und: Es dürfe keine Tabus bei Wahlkampfthemen geben.
Warum wird dann nicht gleich mit rechtsextremen Positionen geworben? Oder mit dem Bau von Arbeitslagern für „Sozialschmarotzer”? Schließlich will man das ja sowieso, und Tabus darf es ja keine geben.
Allerdings muß ich ihr zustimmen, wenn sie sagt, es gebe zu viel Kriminalität in Deutschland. Ständig werden unsere Grundrechte angegriffen, und kleinste Kleinigkeiten genügen, um als Terroverdächtiger ins Schußfeld des BKA zu kommen. Wir werden immer stärker videoüberwacht, Fluggastdaten wandern munter in die USA und andere Länder, und unsere Kommunikationsdaten werden nun auch gespeichert (oder sollen zumindest, falls man sich denn auf einen Standard dafür einigen kann, bevor das Bundesverfassungsgericht die VDS wieder kassiert hat). Die Sozialhilfe bewegt sich auf einem menschenunwürdigen Niveau, und wer sein Demonstrationsrecht wahrnehmen will, den knastet man schon gern mal eben rechtswidrig ein.
… ach, das war nicht gemeint? Wie schade.
Terrorisierte Hochzeitsreisende
Sunday, 6. January 2008
Soweit sind wir also schon. Es genügen ein paar seltsame Gerüchte in einem Dorf, um eine Hausdurchsuchung ohne Durchsuchungsbefehl durchführen zu dürfen — und warum? Weil die Bewohner eines Ferienhauses auf muslimische Weise gekleidet waren, angeblich im Voraus bezahlt haben (was gar nicht stimmte) und die Vorhänge zugezogen hatten. Das sind natürlich handfeste Gründe, völlig klar. In was für einem Staat leben wir nochmal?
Kein „War on Terror” in Großbritannien mehr
Tuesday, 1. January 2008
Wow, das nenne ich mal eine gute Nachricht. Wie unter anderem die Website military.com berichtet, möchte der chief prosecutor des Landes (entspräche bei uns wohl dem Bundesstaatsanwalt), Sir Ken Macdonald, daß der Begriff „Krieg gegen den Terror” nicht mehr verwendet wird. Stattdessen möchte er die Täter als Fantasten, Narzißten, Mörder und Kriminelle bezeichnen und dementsprechend behandeln. Er gehe davon aus, daß es keinen Krieg zwischen dem Islam und dem Westen gebe.
Auch der Begriff „islamischer Terrorist” soll nicht mehr verwendet werden. Er sei nicht hilfreich, da damit von der Religion eines Menschen gleich darauf geschlossen werden würde, er sei ein Terrorist.
Des weiteren griff der Staatsanwalt die Pläne der britischen Regierung an, Terrorverdächtige länger als 28 Tage ohne Anklage festhalten zu wollen. Die Praxis habe gezeigt, daß das vorhandene Limit ausreicht. Stattdessen beschuldigte er die Minister, aufgrund von Vermutungen Gesetze zu machen.
Wenn das deren Bundesstaatsanwalt sagt, sagt das zwar noch lange nicht die britische Regierung, und er wird auch noch lange, lange nicht in den USA gehört, aber das ist doch mal ein Anfang!
Dortmund.Er.Wacht
Sunday, 14. October 2007
Die Piratenpartei veranstaltet am Dienstag, dem 23.10.2007 eine Mahnwache in Dortmund (Zertifikat spinnt ein wenig rum, einfach bestätigen). Dem werd ich mich wohl auch anschließen. Immerhin waren die Piraten immer recht zahlreich vertreten, wenn andere Organisationen was auf die Beine gestellt haben, da kann man auch mal bei den Leutchen vorbeischauen, wenn sie selbst was auf die Beine stellen. Und schließlich kann es gar nicht genug Protestaktionen gegen die Einschränkung der Bürgerrechte im Namen der Terrorismusbekämpfung geben!
Nur mal so eine Frage …
Monday, 17. September 2007
Nachdem yallas Fall auch bei Heise und in weiteren Medien gelandet ist und im Heise-Forum ausführlich diskutiert wird, bleibt bei mir eine Frage: Wieso kam derjenige, der über yallas Exit-Node in dieses Polizeiforum postete, überhaupt auf die Idee, eine solche Bombendrohung gegen eine ARGE auszusprechen? Könnte es nicht doch ein klein wenig an der menschenunwürdigen Höhe des Sozialsatzes liegen? Oder ein winziges Stückchen weit daran, wie Sozialhilfe- und ALG-Empfänger bei den Ämtern behandelt werden und immer wieder versucht wird, auch diesen minimalen Sozialsatz noch zusammenzustreichen, um zu „sparen”?
Immerhin macht es die Regierung ja vor, die Terrorverdächtige erschießen und neuerdings grundgesetzwidrig entführte Flugzeuge abschießen lassen will: Was im Weg ist, einfach abknallen.
Ohne Gewalt in irgend einer Form gutzuheißen: Verstehen kann ich es, wenn jemand die ARGEn dermaßen satt hat.
Polizeiterror gegen Betreiber von TOR-Exit-Node
Sunday, 16. September 2007
Ich war und bin fassungslos. Weil deutsche Polizeibehörden unfähig sind, vernünftig zu ermitteln — oder weil sie nicht wollen?, — wurde ein Freund von mir wie ein Schwerverbrecher behandelt. Aber lest seinen Bericht selbst: TOR madness reloaded
Er wurde also verhaftet und in Kosten gestürzt, weil er es wagte, sich für Anonymisierung im Internet zu engagieren — ein durchaus legitimes Interesse, das auch gesetzlich abgedeckt ist. Eine Google-Suche von wenigen Sekunden hätte genügt, um klarzustellen, dass die betreffende IP zu einem TOR-Node gehört. Oder man hätte mal bei einer Abteilung nachfragen können, die vom Internet ein bißchen Ahnung hat. Wenn man denn gewollt hätte.
Aber es ist natürlich einfacher, dem Terror-Hype nachzugeben und erst zu „schießen”, bevor man frägt bzw. Antworten zuläßt. Wenn das Schule macht, können wir uns auf einen echten Polizeistaat gefaßt machen. Und solche Behörden wollen immer mehr Befugnisse, wollen Videoüberwachung überall, Vorratsdatenspeicherung (wer mit wem telefoniert, SMS oder E-Mails austauscht — auf die inhaltliche Speicherung warte ich ja nur), Fingerabdrücke von allen, Terrordatenbanken, immer mehr, immer mehr …
Das kann nicht meine Welt sein. Wo bleibt mein Raumschiff?
Sicherheit — aber für wen?
Sunday, 15. April 2007
Verschiedene Medien berichten heute über die Demonstration „Freiheit statt Angst”, die gestern in Frankfurt am Main stattfand. Was dabei nicht aufgeführt wird, sind Situationen, in welchen wir viel häufiger gefährdet sind, verletzt zu werden oder ums Leben zu kommen, als bei einem Terroranschlag.
- Was ist mit der Sicherheit der ca. 11.000 bis 12.000 Menschen, die jedes Jahr in Deutschland und meist wegen Depressionen Suizid begehen?
- Was ist mit der Sicherheit der über 5.000 Menschen, die in Deutschland jedes Jahr bei Verkehrsunfällen getötet werden? Was mit der Sicherheit derer, die in Verkehrsunfällen verletzt werden und bleibende Schäden behalten?
- Was ist mit der Sicherheit von Einbruchsopfern?
- Was mit der Sicherheit von Stalking-Opfern?
Wie hoch ist dagegen die Wahrscheinlichkeit dafür, daß der durchschnittliche deutsche Bürger von einem Terroranschlag betroffen wird?
Das ist aber alles wohl nicht wichtig. Tote können nicht mehr wählen, und sie können sich nicht dagegen wehren, daß ihr Andenken gegen die Lebenden verwendet wird.
Statt die sozialen Bedingungen im Land zu verbessern, womit in einigen, wenn nicht gar vielen Bereichen die Kriminalitätsrate sinken würde (denn warum sollte jemand kriminell werden, wenn es auch legal geht?), wird hier viel Geld in Maßnahmen verbrannt, die uns immer mehr Rechte nehmen, aber kein bißchen mehr an echter Sicherheit bringen. So eine Politik will ich nicht.
