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Computer und was das Leben sonst noch so zu bieten hat

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PC-Reinigung

29. Januar 2018 um 20:07 Uhr von Atari-Frosch

Nachdem ich gestern auf Twitter geschrieben hatte, daß ich einen PC „entnikotinisiert“ habe, fragte @ShySmurf nach, was ich dafür benutzt habe:

Das kommt immer drauf an, welcher Verschmutzungsgrad vorliegt. Die häufigsten Verschmutzungen, denen ich bislang begegnet bin, sind:

  1. verstaubt,
  2. Nikotin,
  3. Küchendämpfe (vor allem Fettdämpfe).

(Ich hatte aber auch mal ein kaputtes Netzteil in einem fast nagelneuen PC, in welchem sich, wie auch im gesamten PC-Gehäuse, seltsamer weißer, feiner Staub befand, der zwar nicht klebte, aber trotzdem so überhaupt nicht auf den Staubsauger reagierte. Da stellte sich dann heraus, daß die Eigentümerin direkt neben dem laufenden PC Katzenstreu umgeschüttet hatte …)

OK, fangen wir mit den Werkzeugen an. Optimalerweise habe ich greifbar:

  • die notwendigen Schraubendreher usw., um den PC zu öffnen und alle Teile herausnehmen zu können;
  • einen handelsüblichen Staubsauger mit Schlauch, am besten mit schmaler Düse;
  • einen nicht zu breiten, sauberen Malerpinsel (meiner ist etwa 5 cm breit);
  • einen weichen Lappen (besser mehrere);
  • Wärmeleitpaste wäre außerdem ganz super.

Wenn auch die Tastatur reinigungsbedürftig ist (also: meistens), brauche ich zusätzlich:

  • eine Schüssel oder einen Eimer mit mindestens 3 l Fassungsvermögen;
  • Zugang zu warmem Wasser;
  • Spülmittel oder Allzweckreiniger;
  • (optional) ein Draht- oder Nudelsieb;
  • eine Küchenrolle.

Generell empfiehlt es sich außerdem, Kleidung zu tragen, die problemlos schmutzig werden darf.

Ich nehme mir also zuerst den Computer vor. Als erstes trenne ich ihn vom Stromnetz, falls das nicht vorher schon geschehen ist, und falls das Netzteil einen Schalter hat, stelle ich ihn auf Off. Das ist überaus wichtig!

Nach dem Öffnen empfiehlt es sich nicht, intuitiv erstmal reinzupusten (ist mir mal bei einem Kunden in den späten 1990ern passiert, ich fragte dann meinen damaligen Partner „siehst Du mich noch?“ 😀) Erst ist also mal der Staubsauger dran. Eine schmale Düse ist leider nicht bei jedem Gerät dabei, aber wenn, setze ich sie ein. Ansonsten tut es auch das offene Ende des Rohres. Die Leistung des Staubsaugers drehe ich dabei üblicherweise voll auf, egal wieviel Watt er hat; je mehr, desto besser. Und wenn er dann schon läuft, sauge ich damit auch gleich die Seitenwand bzw. Seitenwände ab, wenn es darin Lüftungsgitter gibt, die sich gern mit Staub zusetzen.

Der Staubsauger schafft nie alles, dazu ist er ein zu grobes Werkzeug, aber alles, was lose ist, räumt er schonmal weg. Gegen die feineren Reste hilft üblicherweise der Malerpinsel. Bei den Lüftungsgittern ist eher ein Lappen angebracht, ggf. feucht.

Dann geht es ans Eingemachte: Alles, was bewegliche Teile hat oder ein bewegliches Teil ist, schraube ich raus, sofern ich nicht direkt drankomme. Das sind vor allem CPU-Lüfter und -Kühlkörper, eventuell weitere Gehäuselüfter, und wenn dazugesteckte Grafikkarten einen Lüfter haben, dann sitzt der üblicherweise so, daß man ebenfalls nicht sinnvoll drankommt. Beim Ausbau von Lüftern, egal an welcher Stelle, muß darauf geachtet werden, wie herum sie befestigt sind, nicht daß sie hinterher die Luft in die falsche Richtung transportieren. Weitere Teile wie Festplatten oder sonstige Geräte, deren eventuell verstaubte oder verschmutzte Seiten nicht erreichbar sind, wenn sie im Gehäuse verschraubt sind, kommen auch mit raus.

Nicht ganz unwichtig ist es an dieser Stelle, sich zu merken, welche Kabel zu welchem Gerät gehören und wo sie einzustecken sind. Also zum Beispiel ein separates Stromkabel für die Grafikkarte(n), Lüfteranschlüsse auf dem Mainboard, Anschlüsse für Frontpanels auf dem Mainboard, sofern es nötig ist, diese abzuziehen usw.

Wenn es nur ums Entstauben geht, können die Teile jetzt mit dem Pinsel und/oder einem maximal leicht feuchten Lappen abgewischt werden. Kühlkörper reinige ich mit einem sehr schmalen Schraubendreher, mit dem ich den Staub und ggf. weiteren Schmutz aus den Schlitzen, Rillen etc. raushole.

Bei der Gelegenheit prüfe ich auch, wie leicht die Lüfter noch drehen. Ein Lüfter, der sich nach Anschubsen gar nicht mehr so wirklich bewegen will, sollte vor der Wiederinbetriebnahme des Rechners ausgetauscht werden. Dreht der Lüfter zwar noch, aber nicht mehr so wirklich leicht, dann rate ich zum baldigen Austausch. Die Gefahr ist, daß der Prozessor (auch auf Grafikkarten!), den der Lüfter kühlen soll, überhitzt und dann kaputt ist oder – in seltenen Fällen – direkt in Flammen aufgeht, wenn die Notabschaltung nicht funktioniert oder es schlicht keine gibt. Ganz besonders wichtig ist der einwandfreie Zustand des CPU-Lüfters, wenn die CPU übertaktet wurde.

Finde ich im PC mehr als nur Staub, dann habe ich es meist mit Nikotin, selten (zusätzlich) mit den Hinterlassenschaften von Fettdämpfen zu tun. Beides läßt sich mit Staubsauger oder Pinsel gar nicht entfernen, das Zeug klebt nämlich. Hier muß es schon ein feuchter Lappen sein. Platinen kann man mit einem leicht feuchten Lappen durchaus abwischen, ohne daß was kaputtgeht. Dabei muß darauf geachtet werden, möglichst keinen Druck auf die Platinen auszuüben, das mögen die nämlich nicht so.

Bei ausgebauten Lüftern darf es mehr Feuchtigkeit sein, eventuell mit etwas Spülmittel dabei. Danach mit einem anderen feuchten Lappen ohne Spülmittel nachwischen – sonst ist das nächste, was da klebt, das getrocknete Spülmittel, was es wiederum beim nächsten Mal schwieriger machen kann, auch den einfachen Staub wegzubekommen. Natürlich ist es außerordentlich wichtig, alle feucht abgewischten Teile danach gut zu trocknen bzw. trocknen zu lassen, bevor wieder Strom ins System kommt.

Apropos Strom: Das Netzteil ist ja auch noch da drin. Auf PC-Netzteilen steht meistens, daß man sie nicht öffnen soll, weil das gefährlich sei und auch gar keine zu wartenden Teile drin seien. So ganz stimmt letzteres leider nicht; auch der Lüfter im Netzteil bedarf hin und wieder einer Reinigung, und auch im Netzteil selbst zwischen Kondensatoren und Spulen machen sich Staub, Nikotin und Fettdämpfe nicht sonderlich gut, um es mal freundlich auszudrücken. Ich hatte da mal so einen Fall. Da war dann allerdings auch nichts mehr zu reinigen, denn das Netzteil war bereits erledigt, als ich um Hilfe gebeten worden war.

Wenn ich dann doch mal ein PC-Netzteil ausbauen und aufmachen muß, weil es reinigungsbedürftig aussieht, achte ich darauf, daß es seit mindestens 24 Stunden nicht mehr am Stromnetz war. Ich habe zwar schon einmal ein Netzteil geöffnet, das kurz vorher noch Strom hatte, aber wohl war mir dabei nicht. Der Grund ist, daß die Kondensatoren darin die volle Netzspannung von 230 V noch einige Zeit halten können. Kommt man dann mit dem Finger, einem nicht abgesicherten Schraubendreher oder einem anderen Metallteil dran, bekommt man „eine gewischt“. Und auch wenn der Schreck zwar heftig, aber nur kurz ist und es den meisten Menschen vermutlich nicht schaden wird: Es ist mal mindestens unangenehm. Menschen mit Implantaten und ganz besonders mit Herzschrittmachern müssen hier aber besonders aufpassen: So ein kurzer, aber heftiger Stromschlag kann für sie lebensgefährlich werden.

Innerhalb des Netzteils verwende ich gar keine Feuchtigkeit. Strom und Feuchtigkeit in Kombination tun meistens eher unerwünschte Dinge, und falls ich was übersehe, ist dann eben noch Feuchtigkeit drin. Hier belasse ich es, wenn es irgendwie geht, bei Staubsauger und Pinsel oder einem trockenen Lappen; hartnäckigere Hinterlassenschaften kratze ich dann eher mit einem Schraubendreher ab. Netzteil-Lüfter wiederum können meistens ausgebaut und separat genauso wie CPU-Lüfter gereinigt werden; vor dem Wiedereinbau muß natürlich auch wieder sichergestellt sein, daß alles trocken ist.

Wenn dann alles wieder sauber und trocken ist, wird der PC wieder zusammengeschraubt. Daß die Lüfter in die richtige Richtung zeigen müssen, damit der Luftstrom auch so transportiert wird, wie das vorgesehen ist, hatte ich ja schon erwähnt.

Beim Einbau des CPU-Kühlkörpers achte ich darauf, daß zwischen Kühlkörper und CPU noch genug Wärmeleitpaste vorhanden ist. Das Zeug pappt da nicht aus Spaß: Es verbessert die Übertragung der von der CPU erzeugten Hitze auf den Kühlkörper, besonders (aber nicht nur) dann, wenn die Oberfläche von Kühlkörper und/oder CPU nicht ganz eben ist. Auf der Oberfläche von CPU-Gehäusen sind üblicherweise Informationen über die CPU eingraviert, da fehlt also Kontaktfläche zum Kühlkörper hin. Die Wärmeleitpaste legt sich in diese Lücken und füllt sie auf. Wärmeleitpaste ist zwar ziemlich teuer; der Verlust der CPU durch Überhitzung kostet aber in jedem Fall deutlich mehr!

Bevor ich jedoch wieder einschalte, schaue ich mir die Tastatur an. Eine saubere Tastatur an einem schon länger eingesetzten Computer ist eher selten, es sei denn, sie ist erst vor kurzer Zeit ausgetauscht worden. Tastaturen bekommen meist noch mehr ab als der eigentliche Rechner: Nicht nur Staub und ggf. Nikotinablagerungen, sondern auch verschüttete Getränke, Krümel von Keksen, Chips und anderen trockenen Lebensmitteln sowie ggf. Tabak. Und weil es so aufwendig ist, eine Tastatur zu reinigen, kaufen sich wohl die meisten Leute einfach eine neue Tastatur. Bei Menschen, die nur ein geringes Einkommen haben, verbietet sich das aber oft genauso wie für den Fall, daß eine hochwertige, teure Tastatur genutzt wird.

(Abgesehen davon, daß ich es für eine Sauerei halte gegenüber den Menschen in China etc., die uns das Zeug unter teils miserablen Arbeitsbedingungen zusammentackern müssen, aber das muß jeder für sich entscheiden.)

Von der Tastatur ziehe ich zunächst alle Tastenkappen ab; dabei hilft ein flacher Schlitzschraubendreher. Zumindest bei Tastaturen mit ungewöhnlichem Layout mache ich vorher ein Handy-Foto, damit ich hinterher nachsehen kann, welche Tastenkappe wohin gehört. Besonders aufpassen muß man je nach Tastatur auf die längeren Tasten wie Leertaste, Return, Enter oder die rechte Shift-Taste: da ist manchmal eine Art dünne Metallstange drunter, damit die Taste besser abfedert. Diese lasse ich entweder an der Tastatur oder, besser, in der Tastenkappe, damit ich hinterher nicht suchen muß, welche zu welcher Taste gehört. Die Tastenkappen kommen dann in eine Schüssel mit warmem Wasser und Spülmittel. Darin dürfen sie erstmal einweichen.

Im selben Eimer weiche ich auch den Lappen ein, mit dem ich dann an die Tastatur gehe. Auch wenn die Tastatur als wasserdicht gilt, wringe ich den Lappen dabei möglichst gut aus, bevor ich ihn benutze. Mit dem Lappen und, wenn es ganz hartnäckige Hinterlassenschaften gibt, mit dem Schraubendreher, entferne ich alles, was da nicht hingehört.

Ist die Tastatur selbst sauber, geht es an die Tastenkappen. Sofern ein Sieb vorhanden ist, lege ich das über einen Abfluß und kippe den Inhalt des Eimers in den Sieb. Den halte ich dann unter fließendes Wasser und „rühre“ auch ein bißchen mit der Hand darin herum, damit möglichst aller Schmutz und alle Spülmittelreste abgehen. Wenn kein Sieb greifbar ist, nehme ich die Tastenkappen mit der Hand aus dem Eimer, halte sie unter das fließende Wasser und lege sie dann auf eine geeignete Unterlage (zum Beispiel ein Lappen oder eine andere Schüssel). Nun nehme ich jede einzelne Tastenkappe, reibe sie gut mit einem Stück Küchenpapier ab und setze sie dann an der (hoffentlich) richtigen Stelle wieder auf die Tastatur. Ja, das ist nervig. Ja, das ist langweilig. Aber es lohnt sich üblicherweise 😄

Das einfachste bei einer PC-Reinigung ist übrigens die Maus, sofern es sich um eine solche ohne Kugel handelt – aber ich glaube, Kugelmäuse sind heutzutage eher nur noch selten im Einsatz. In den meisten Fällen genügt es nämlich, die Maus mit einem leicht feuchten Lappen abzuwischen und wieder trockenzureiben. Auf der anderen Seite habe ich den Eindruck, daß man modernere Computermäuse gar nicht mehr richtig aufmachen kann, um sie von innen zu reinigen, falls das doch nötig sein sollte.

Die alten Kugelmäuse reinigt man übrigens, indem man den Boden öffnet, die Kugel rausnimmt, sie feucht abwischt und wieder gut trocknet. Die Kontakträder innen sehen häufig so aus, als liefe ein graues oder schwarzes Band um sie herum; das ist der Dreck, der weg muß. Entfernt werden kann er meist mit einem Schraubendreher, weil man mit einem Lappen nicht gezielt genug drankommt. Dabei sollte so wenig Druck wie möglich auf die Räder ausgeübt werden. Wenn dann rundherum alles weggekratzt ist, kann man die Kugel wieder einsetzen und den Boden verschließen.

Story am Rande: Bei meiner ersten Computermaus, nämlich der zum Atari ST, dachte ich zuerst tatsächlich, daß diese schwarzen Ringe um die Räder aus Gummi und notwendig seien, bis ich eines besseren belehrt wurde 😀

Achja, auch den Bildschirm sollte man natürlich nicht vergessen. Manchen Leuten scheint ein versifftes Display ja so gar nichts auszumachen; mich stört sowas immer gewaltig. Auch hier hilft ein feuchter Lappen. Bei LCD- und TFT-Displays sollte man drauf achten, nicht mehr Druck auf die Display-Oberfläche auszuüben als unbedingt notwendig. Spülmittel oder Allzweckreiniger sind hier nicht so geeignet. Falls ein feuchter Lappen allein nicht genügt, um das Display sauber zu bekommen, nimmt man hier – wie auch bei Röhrenmonitoren – besser Glasreiniger. Es gibt aber auch spezielle Reinigungssprays für Displays aller Art zu kaufen; mit solchen habe ich bisher nur gute Erfahrungen gemacht. Der Bildschirm sollte nach Möglichkeit ausgeschaltet, optimalerweise ausgekühlt sein, bevor man Glasreiniger oder Reinigungsspray anwendet.

Ja, und dann kommt die Stunde der Wahrheit. Ich tendiere mittlerweile dazu, das Gehäuse eines PCs vor dem ersten Einschalten noch nicht zuzuschrauben. Denn wenn ich es vorher zuschraube, muß ich es fast garantiert nochmal aufschrauben, weil ich irgendwas vergessen habe, zum Beispiel ein Kabel, das noch nicht auf beiden Seiten da steckt, wo es hingehört.

Beim Einschalten achte ich auf die Geräusche: Piept er öfter als normal? Ist etwas lauter als sonst, oder hört man ein Gerät – insbesondere Lüfter – nicht, das man hören sollte? Dann am besten gleich wieder ausschalten und nachsehen, was da schiefgelaufen ist.

Noch was zum Zeitaufwand: Für einen PC (ohne Tastatur, Maus, Display), der nur verstaubt ist, würde ich maximal eine Stunde Zeit kalkulieren, eher weniger. Ist er allerdings mit Nikotin, Fett oder sonstwas verklebt, würde ich eher zwei bis vier Stunden ansetzen. Für eine Tastatur allein kalkuliere ich je nach Zustand eine bis zwei Stunden. Der Zeitaufwand für Display und Maus ist, wie geschildert, eher gering.

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