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Gefährder

19. März 2018 um 21:56 Uhr von Atari-Frosch

Laut ARGE Düsseldorf und Polizei Düsseldorf bin ich jetzt ein Gefährder. Weil, ähm, … OK, der Reihe nach.

Ich hatte letzte Woche sowohl am Mittwoch (14.03.) als auch am Donnerstag (15.03.) jeweils eine Vorladung zum ARGE bekommen. Einmal Sachbearbeiter, einmal Leistungsabteilung (interne Kommunikation können und wollen sie ja nicht, Mitwirkungspflicht einfordern ist viel praktischer). Am Mittwoch lief das sogar noch recht locker, auch wenn ich erstmal vor der Tür des eigentlich zuständigen Sachbearbeiters stand, an der ein Schild hing, daß er gar nicht da sei (ohne Begründung) und man in ein anderes Zimmer zu jemand anderem gehen sollte.

Diese Sachbearbeiterin schien mir jetzt auch nicht problematisch – OK, sie redete viel, was mir Probleme machte, meine Gedanken zusammenzuhalten. Es ging um meine berufliche Zukunft. Sie wollte meinen Lebenslauf in den PC eintippen, und obwohl ich den letztes Jahr zum eigentlich zuständigen Sachbearbeiter mitgebracht hatte, war er nun angeblich unauffindbar. (Ja, diese verschwindenden Unterlagen, ne.) Und natürlich nicht ins System erfaßt worden. Ich schrieb ihr den URL zum Lebenslauf auf meiner Website auf, weil ich es für unsinnig halte, dafür nochmal extra hinzulatschen, um etwas zu bringen, was sie schon haben.

Ich erwähnte auch, daß ich da noch eine zweite Vorladung für den Folgetag zur Leistungsabteilung habe. Sie meinte, die Dame dort sei eine „ganz Nette“. Und falls die „viiiiiel zu teure“ Wohnung zur Sprache kommen sollte, solle ich dort sagen, ich hätte Bestandsschutz, weil ich dort ja schon so lange wohne. Was man in der Leistungsabteilung wirklich wollte, wußte ich natürlich nicht, denn beide Vorladungen kamen nur mit den üblichen Textbausteinen und Sanktionsdrohungen daher, aber nicht mit einem individuellen Thema. Wäre vermutlich zu anstrengend, das da auch noch reinzuschreiben.

Am Donnerstag war ich dann also ohne große Sorge bei der Leistungsabteilung. Und kam mit einem halb abgefangenen Meltdown nach Hause.

Der Meltdown war ohne Umweg über einen erkennbaren Overload gekommen. Von jetzt auf eben.

Ich hatte schon den letzten „Fallmanager“ gewarnt, das war etwa 2015 gewesen. Bringt mich nicht in einen Meltdown, ich verliere die Kontrolle, es kann Verletzte geben. Ergebnis war die Androhung eines Hausverbots gewesen. Verstanden haben sie nichts. Aufgeschrieben hat's aber offenbar auch niemand, denn den jetzigen Sachbearbeitern war das Thema offenbar wieder ganz neu. (Kommunikation und so, sagte ich ja schon.)

Es scheint, daß beim Übergang zwischen zwei Sachbearbeitern etwa dasselbe passiert wie beim Übergang zwischen zwei Schulstunden: Die Tafel wird geputzt, alles auf Null. Was vorherige Sachbearbeiter angerichtet haben und die Folgen davon werden damit unsichtbar, und das interessiert da auch niemanden mehr. Erst recht nicht, was in früheren Jahren getan wurde und heute noch Folgen hat.

Am Freitag Mittag setzte ich mich dann an eine E-Mail an die Abteilungs-Mailadresse (eine individuelle der Sachbearbeiterin habe ich nicht bekommen).

Sehr geehrte Frau L.,

Sie hatten vorgestern versucht, mir zu vermitteln, daß das „Jobcenter“ jetzt doch so eine nette Behörde geworden sei. Ich glaubte Ihnen nicht, und gestern in der Leistungsabteilung bestätigte sich meine Erfahrung mal wieder.

Oh, ich glaube Ihnen, daß die Damen dort sehr freundlich klingen können. Der Tonfall war auch „freundlich“. Ich nenne es allerdings scheißfreundlich, wenn mir „ganz freundlich“ schon wieder an die Wohnung gegangen wird.

Sie, Frau L., sagten mir, ich hätte Bestandsschutz. In der Leistungsabteilung wollte man davon nichts hören, angeblich sei ich trotzdem drüber. Wer hat mich jetzt belogen?

Oh, und es dürfte Sie, Frau L., interessieren, daß die eine der Damen dort ein herablassendes „Ach, die Frau L. …“ abließ, als ich sagte, daß Sie mir das erklärt haben. Sie können sich ja jetzt überlegen, ob Sie die Damen dort immer noch für „freundlich“ halten.

Zu den Namen: Vorgeladen war ich zwar zu Frau B., gesprochen habe ich aber mit der daneben sitzenden Dame – irgendwas mit C… am Anfang. Das war auch die mit der herablassenden Bemerkung, die andere hat dazu gegrinst.

Ja, ich bin dort gestern ausgetickt. Und es wird jedesmal wieder passieren, wenn mir meine Wohnung ohne Not streitig gemacht wird.

Das war ein Meltdown, und es kostete mich die Kraft für den ganzen restlichen Tag, diesen Kontrollverlust so weit einzugrenzen, daß ich niemanden gefährdet habe. Ich habe die Gefahr eines solchen Meltdowns schonmal dem Vorgänger von Herrn C. erklärt – worauf man mir ein Hausverbot androhte, statt dafür zu sorgen, daß ich diesem Kontrollverlust nicht mehr ausgesetzt werde.

Seit mir das faschistische Repressionsamt, das sich selbst „Sozialamt“ nennt, im Jahr 2002 eine Wohnung genommen hat, habe ich diesbezüglich ein Trauma. Autistische Menschen *sind* viel leichter zu traumatisieren als neurotypische (= nicht autistisch, nicht AD(H)S, nicht HSP).

Die einzige Möglichkeit, solche Situationen wie gestern zu verhindern, besteht darin, VERDAMMT NOCHMAL meine Wohnung in Ruhe zu lassen.

(Wie mir ein jetzt sinnlos erzwungener Wohnungswechsel bei der Arbeitssuche helfen soll, konnte ich nicht mehr fragen, aber ich glaube nicht, daß dazu jemandem in Ihrer Behörde eine Antwort einfällt, die jenseits von Dummblah liegt.)

Ich sagte Ihnen am Mittwoch, daß die Leistungsabteilung immer wieder alles mögliche versucht, um Leute loszuwerden, Akten für immer zumachen zu können, auch und gerade wenn es mit der Vermittlung nicht so dolle aussieht. Und natürlich wollen sie im Nachhinein nicht hören, welchen Schaden sie damit anrichten oder daß sie überhaupt was falsch gemacht haben könnten, erst recht nicht absichtlich. Wieso auch, sogar die Staatsanwaltschaft guckt weg, wenn Unterlagen verschwunden werden (das StGB nennt das Unterschlagung, aber der Rechtsstaat gilt ja nicht für Zwangsverarmte).

Die Damen da unten wollten mir das gestern auch nicht glauben, daß ihre eigene Abteilung von mir die Begehung von Straftaten (Diebstahl, Untreue) gefordert und meine Briefe mit den Erklärungen stillschweigend auf dem Weg vom Hausbriefkasten (!) zur Akte haben verschwinden lassen. Und zur versuchten Zwangsverrentung schwiegen sie ganz. Beide Male hatte ich jeweils 4,5 Monate lang kein Geld bekommen, weil alle Auszahlungen gestoppt worden waren. Gegenwärtigkeitsprinzip? Ach nein, ist nicht so wichtig, geht ja nur um so faule Sozialschmarotzer, ne. :-/

Das ist ja einer der Zwecke der regelmäßigen Personalwechsel: Keiner weiß oder will auch nur ansatzweise wissen, was der Vorgänger gemacht hat, niemand ist verantwortlich, keiner ist schuld, und der zynisch „Kunde“ genannte Delinquent bleibt mit der resultierenden Scheiße alleine. Und die nächsten Sachbearbeiter fangen mit dem Draufdreschen wieder von vorne an. Diese faulen Schmarotzer müssen doch kaputtzukriegen sein.

So.

Sollte da in Richtung meiner Wohnung nochmal irgendwas passieren, merken Sie sich meine Warnung genau und geben Sie sie auch weiter, am besten per Aktennotiz – und ja, es ist eine Warnung, keine Drohung, denn ich habe darauf keinen Einfluß: Bringen Sie mich nicht noch einmal in einen Meltdown. Lassen Sie meine Wohnung in Ruhe. Ein Meltdown, den ich nicht so wie gestern ein Stück weit abfangen kann, ist gefährlich für alle Beteiligten. Ich kann in dem Fall für niemandes körperliche Unversehrtheit garantieren.

Und Ihre Behörde ist weiterhin kein „Jobcenter“, sondern bleibt, wie ich sie seit Jahren nenne, ein ARGE: Ein Amt für Repression, Grundrechtsentzug und Existenzvernichtung.

Ich würde mich ja schämen, dort zu arbeiten.

Mit freundlichen Grüßen

Meine Intention war, einen weiteren Meltdown zu vermeiden, damit nicht doch noch was passiert – und so nebenbei, um meine Ressourcen zusammenzuhalten, denn mir macht das ja auch keinen Spaß. Und ich habe nicht vor, jemanden zu verletzen. Verliere ich die Kontrolle, habe ich darauf aber keinen Einfluß mehr.

Rausschicken konnte ich die Mail dann allerdings erst am Freitag Abend, denn nachmittags hatte UnityMedia hier einen mehrstündigen vollständigen Ausfall (Telefon und Internet). Sie wurde also erst heute Morgen gelesen.

Aber ja, diese Neurotypischen und ihre Interpretationen …

Heute kurz vor 14:00 Uhr klingelte es an der Türe. Über die Sprechanlage meldete sich „Polizei!“. Ich machte unten auf, drehte oben den Schlüssel in der Wohnungstür aber noch ein zweites Mal rum und schielte hoch zur Sicherung – um sie im Notfall rausziehen zu können, damit der PC hinten im Zimmer sofort stromlos wird. Man weiß ja nie. Dann machte ich das Fensterchen in der Tür auf.

Eine Frau und ein Mann, relativ jung. Erst verlangten sie, ich solle die Tür richtig aufmachen. Ich fragte warum: Sie wollten nicht rein, aber sehen, ob ich „was in der Hand“ habe. Ich zeigte meine leeren Hände. Als nächstes zeigten sie mir einen Ausdruck der obigen E-Mail. Ob ich die geschrieben hätte.

Ja klar. 🙂

(Ich war gar nicht mehr dazu gekommen, zu erklären, warum ich auf gar keinen Fall aufmachen würde. Personen mit Schußwaffen kommen mir nicht in meine Wohnung, nicht mal ansatzweise. Ganz egal, warum sie die tragen. Schon aus Prinzip.)

Dann erst rückten sie damit raus, daß das eine „Gefährderansprache“ sei, ausgelöst vom ARGE Düsseldorf. Weil die sich bedroht fühlen und Angst hätten.

(Die ganze Sinnlos-Diskussion bis hin zu der sinngemäßen Andeutung des Polizisten, daß ich doch eigentlich dankbar sein müßte, daß ich Hartz IV beziehen dürfte, lasse ich jetzt mal weg; der hatte mit dem Thema aus Opfersicht offensichtlich noch nie zu tun gehabt.)

Im Nachhinein hat mich das ziemlich sprachlos gemacht. Und ja, es kostete mich schon wieder den halben Tag.

Also: Sie haben Angst und lassen eine Gefährderansprache machen.

Wen interessierte meine Angst und wer machte eine Gefährderansprache gegen diejenigen, die immer wieder meine Existenz gefährdeten,

  • als mir im November 2000 der Sachbearbeiter im faschistischen Repressionsamt trocken erklärte, daß ich keine Grundrechte habe, weil ich bedürftig bin?
  • Als selbiger Sachbearbeiter selbst die Unterlagen verschwinden ließ, die ich ihm direkt und unter seinen Augen auf den Schreibtisch gelegt hatte?
  • Als ich wegen dieser Vorerfahrungen nach einer Bezugsunterbrechung einen neuen Antrag stellen mußte, stattdessen erstmal in eine schwere Depression verfiel und zwei Monate brauchte, bis ich den Antrag tatsächlich stellen konnte?
  • Als daraufhin vier Monate lang meine Unterlagen im 2- bis 3-Wochen-Takt verschwunden wurden, während man sich immer neue sinnlose Zettelchen ausdachte, die ich vorzulegen hätte – um sie wiederum verschwinden zu lassen?
  • Als mir im August 2002 die Wohnung gekündigt wurde?
  • Als ich dann anrief und erfuhr, man würde mich gar nicht kennen und von mir gar nichts vorliegen haben, ich einen neuen Antrag stellen solle und die bisher aufgelaufenen Schulden nicht übernommen werden würden, und ich einen Nervenzusammenbruch erlitt?
  • Als auf den neuen Antrag hin das Spielchen „Unterlagen einfordern, Unterlagen verschwinden lassen“ von neuem begann?
  • Als ich noch versuchte, vor dem Amtsgericht gegen die Kündigung vorzugehen und mir der Richter eiskalt erklärte, das sei ja nicht Problem des Vermieters, wenn das Amt nicht zahle?
  • Als ich etwa zum Zeitpunkt der Räumung den ablehnenden Bescheid des faschistischen Repressionsamtes bekam mit der Begründung, ich hätte meiner Mitwirkungspflicht nicht Genüge getan? Nachdem sie die eingereichten Unterlagen bis zu 5mal und einmal die gesamte Akte hatten verschwinden lassen?
  • Als Ende 2003 der Mitbewohner der neuen WG auszog und mich das Repressionsamt sofort wieder unter massiven Druck setzte, wissend, daß der Mietsatz in Düsseldorf so niedrig ist, daß man dafür nicht mal eine Hundehütte bekommt?
  • Als ich Anfang 2004 für dann insgesamt sieben Monate akut suizidal wurde deswegen?
  • Als ich im Juli 2004 in die Klinik nach Grafenberg gebracht und dort in eine zu 50 % überbelegte, laute Akutstation gesperrt wurde, in der Menschen nur geparkt werden, aber sich keiner kümmert?
  • Als ich dort aus lauter Verzweiflung in den Hungerstreik trat, bis ich endlich doch in eine ruhige Abteilung kam (deren Existenz man vorher geleugnet hatte)?

Ich könnte noch länger so fortfahren, bis hin zu den Existenzvernichtungsversuchen des ARGE selbst 2014 und 2015/16 mit jeweils > 4,5 Monaten ohne Geld. Während letzterem wurde ich wieder suizidal.

Leute im ARGE Düsseldorf, Ihr wißt überhaupt nicht, was ANGST ist.

Und solange Ihr Euch nicht mit den Verbrechen des faschistischen Repressionsamtes und dessen Auswirkungen auseinandersetzt, solange Ihr Euch nur an die Buchstaben dieses asozialen Zwangsarbeits- und Zwangsverarmungsgesetzes haltet, solange Ihr selbst immer wieder versucht, mir meine Existenzgrundlage und Wohnung unterm Hintern wegzuziehen, solange Euch meine individuellen Probleme scheißegal sind, seid Ihr Teil des Problems.

Wer ist hier eigentlich der Gefährder?

4 Kommentare zu “Gefährder”

  1. Alexandra Neubauer quakte:

    Also ich kann die ARGE schon verstehen. Ich meine Du hast ja mehr oder weniger mit Gewalt gedroht. Darauf werden die ARGE-Leute sicher geschult sein, in solchen Fällen die Polizei einzuschalten.
    Und nochwas: dass die angeblich absichtlich Unterlagen verschwinden lassen, das halt ich für eine unrealistische Phantasie. Das wird einfach nur schlecht organisiert sein dort bei der ARGE.


  2. Daniel Rehbein quakte:

    Ich verstehe den Sinn der E-Mail nicht. Was soll diese E-Mail bewirken? Welche Reaktion sollte diese E-Mail bei der Adressatin Frau L. hervorrufen?

    In den ersten beiden Absätzen betonst Du mit recht drastischen Worten, daß die Behörde für Dich nicht nett und nicht freundlich ist. Beschreibst Du das gegenüber Frau L., um sie als Verbündete zu gewinnen? Möchtest Du, daß Frau L. Deine Situation versteht und Dir beisteht?

    Dazu passt aber nicht, daß Du im Absatz danach mit Frau L. darüber diskutieren willst, ob sie Dich belogen hat. Nach Deiner Schilderung hat Frau L. ja versucht, Dir beizustehen, indem Sie Dir den Tipp gegeben hat, Dich gegenüber der Frau C. in der Leistungsabteilung auf den Bestandsschutz Deiner Wohnung zu berufen. Dieser Tipp hat sich leider als nicht zielführend erwiesen. Ist Frau L. deshalb jetzt eine Lügnerin? Was erwartest Du von Frau L., was soll sie jetzt tun?

    Du steckst Frau L. die Information, daß ihre Kolleginnen von der Leistungsabteilung schlecht über sie reden. Warum?

    Du beschreibst rechts ausführlich Deinen Meltdown. Der ist nach Deiner Schilderung aber gar nicht bei Frau L. passiert, sondern in der Leistungsabteilung. Was soll Frau L. mit der Beschreibung des Meltdowns machen? Du hast ja in den Absätzen davor noch beschrieben, daß Frau L. bei ihren Kolleginnen von der Leistungsabteilung schlecht angesehen ist, daß diese herablassende Bemerkungen über sie machen und komisch grinsen. Also ist doch nicht zu erwarten, daß Frau L. mit Deiner E-Mail zu ihren Kolleginnen von der Leistungsabteilung geht und denen Deinen Meltdown erklärt. Die würden ja doch wieder nur über sie grinsen, damit wäre Dir überhaupt nicht geholfen. Was soll Frau L. also mit Deiner E-Mail tun?

    Es ist allerdings auch nicht wirklich eine gute Erklärung. Es fängt an mit „Das war ein Meltdown“, ohne daß dieser Begriff erklärt würde. Selbst jemand, der sich schon mal mit Autismus beschäftigt hat, muß den Begriff „Meltdown“ nicht zwingend kennen. Es steht da allerdings erst mal gar nichts von Autismus. Erst zwei Absätze später beginnt ein Satz mit „Autistische Menschen sind…“. Man muß sich zusammenreimen, daß Du mit „autistische Menschen“ auch Dich selbst meinst.

    Diese ganze E-Mail kann nur dann einen Sinn ergeben, wenn Du davon ausgehst, daß derjenige, der sie liest (also Frau L.) Dir sehr wohlgesonnen ist und sich die Zeit nimmt, über die Bedeutung des Inhaltes nachzudenken. Aber kann Frau L. wohlgesonnen diese E-Mail lesen, wenn Du den Text mit Flüchen und Schimpfwörtern durchsetzt?

    In den drei Sätzen vor „So“ sprichst Du Frau L. direkt an („Ich sagte Ihnen…“) und setzt sie in den Gegensatz zu ihren Kolleginnen von der Leistungsabteilung („Die Damen da unten“). Da denke ich wieder, Du möchtest Frau L. Deine Situation erklären und sie als Verbündete gewinnen. Aber es passt nicht so recht zum Rest und vor allem nicht zu dem Schlusssatz, dass Frau L. sich schämen solle. Da stehe ich hier wieder mit einem großen Fragezeichen im Gesicht.

    Nach dem „So“ steht der Absatz mit der Warnung. Nun lese ich ja schon recht lange über Deine Situation und insbesondere über den ganzen Frust, der sich bei Dir in jahrelangem Kontakt mit der Arge angesammelt hat. Aber ich versuche mich mal in jemanden hineinzuversetzen, der Deine Situation nicht so genau kennt, und der von Autismus keinerlei Ahnung hat. Der (bzw. „die“, nämlich Frau L.) liest nun Formulierungen wie „Merken Sie sich meine Warnung genau“ und „Ich kann für niemandes körperliche Unversehrtheit garantieren“. Solche Formulierungen erinnern ja durchaus an Schutzgelderpressungen, wo der Mafiosi zum Restaurantbesitzer sagt „Ich drohe nicht, das ist bloß eine Warnung. Das, was passiert, hast Du Dir selbst zuzuschreiben“.

    Vielleicht war es gar nicht Frau L., die aufgrund dieser E-Mail die Polizei gerufen hat. Mir erscheint es plausibler, daß die E-Mail zunächst von einem Mitarbeiter der zentralen Poststelle gelesen wurde. Jemand in der Poststelle hat von Deiner Situation noch weniger Ahnung als Frau L., und von Autismus und Meltdowns vermutlich auch noch nie etwas gehört. Bei ihm schrillen aufgrund der Formulierung deshalb die sprichwörtlichen Alarmglocken. Und er sagt sich: Lieber einmal zu viel die Polizei rufen als einmal zu wenig.

    Nun kann es sein, daß aufgrund dieser Vorgänge die E-Mail gar nicht an Frau L. weitergeleitet wurde. Aber selbst, wenn die E-Mail bei Frau L. angekommen sein sollte, bleibt ja die Frage: Was soll sie tun mit der Warnung vor dem Meltdown?

    Die Kolleginnen von der Leistungsabteilung reden schlecht über Frau L., sie machen herablassende Bemerkungen und grinsen komisch. Frau L. hat also gar keine Chance, ihren Kolleginnen von der Leistungsabteilung dieser Warnung zu erklären. Und Frau L. hat offensichtlich auch keinen Einfluß darauf, ob ihren Kolleginnen von der Leistungsabteilung Dir die Wohnung streitig machen oder nicht. Soll Frau L. also die Warnung ignorieren? Aber zum Ignorieren hast Du doch die E-Mail nicht geschrieben?


  3. Atari-Frosch quakte:

    @Alexandra: Damit gehörst Du zu den Autoritätsgläubigen. Wenn Du mir nicht glauben willst, glaubst Du’s ja vielleicht den Fachanwälten für Sozialrecht? Die nehmen mittlerweile die teure Anwaltszustellung, weil selbst Einschreiben nicht unbedingt „ankommen“.

    Ausführlicher: Fassungslos.

    EDIT: Und nein, ich habe nicht gedroht. Wenn Leute nicht zwischen Warnung und Drohung unterscheiden können, ist das nicht mein Problem.


  4. Daniel Rehbein quakte:

    Mir ging diesen ganze Angelegenheit gestern und heute noch weiter durch den Kopf. Es hat mich wirklich beschäftigt. Ich habe mich gefragt: Was kann so eine Warnung bewirken? Wie geht es in dieser Sache weiter?

    Aus Deiner Beschreibung schließe ich, daß die Leistungsabteilung der Meinung ist, daß Deine Wohnung keinen Bestandsschutz habe, und daß sie zu teuer sei. Sie werden Dir also weiterhin die jetzige Wohnung wegnehmen wollen.

    Nehmen wir mal an, die Warnung aus Deiner E-Mail hat tatsächlich die Leistungsabteilung erreicht. Die Mitarbeiterinnen der Leistungsabteilung werden darin aber keine Argumente sehen, Dir die Wohnung nicht wegnehmen zu wollen. Denn es steht nichts darin, was sich vielleicht auf gesetzliche Paragraphen berufen würde, was vielleicht doch einen Bestandsschutz begründen würde, oder was einen Vergleich im Mietspiegel anstellt.

    Das einzige Argument ist, daß Du bei Infragestellen Deiner Wohnung in einen Meltdown gerät und deswegen nicht mehr für die körperliche Unversehrtheit der Mitarbeiterinnen der Leistungsabteilung garantieren kannst.

    Diesem Argument werden die Mitarbeiterinnen der Leistungsabteilung dadurch begegnen, daß sie Dich gar nicht mehr zum Gespräch einladen. Sie werden Dir Deine Wohnung in Deiner Abwesenheit wegnehmen. Das wird die Schlußfolgerung sein, die sie aus der Warnung ziehen. Sie werden Dir einen Brief schreiben, in dem sie Dich auffordern, bis zu einem bestimmten Stichtag in eine preiswertere Wohnung umgezogen zu sein. Sie werden versuchen, Dich vor vollendete Tatsachen zu stellen.

    Es ist eine total vertrackte Situation. Hast Du einen Anwalt, der Dich da jetzt vertreten kann?


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