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12.000mal von analog nach digital

4. April 2018 um 22:56 Uhr von Atari-Frosch

Mir war von Anfang an klar, daß es ein Mammut-Projekt wird, meine analogen Fotos (bzw. Negative) und Dias zu digitalisieren, zu beschriften, teils überhaupt erst wieder zeitlich einzuordnen und bei möglichst vielen davon die möglichst genaue geografische Position festzustellen. Im Januar leistete ich mir endlich einen Dia- und Filmscanner, um das Mammut-Projekt wenigstens mal anfangen zu können, und zwar einen Reflecta X7-Scan für 115,00 €. Der Scanner ist ein Stand-Alone-Gerät, benötigt also keinen Treiber, sondern arbeitet völlig ohne PC. Gespeichert werden die Scans als JPG auf einer SD-Karte, die nicht zum Lieferumfang gehört; ich hatte aber hier noch eine mit 32 GB Speicherkapazität übrig. Die SD-Karte kann man dann über USB mounten oder direkt am PC einstecken.

Ich hatte im Januar bei eBay einen Filmscanner bis 120,00 € gesucht, und dieses Gerät war zu dem Zeitpunkt eines der wenigen, die in dieser Preisklasse mehr als 1.800 dpi liefern. Das klingt viel; allerdings reden wir hier von Vorlagen in der Größe 24 x 36 mm bzw. bei den Pocket-Filmen sogar nur 6 x 9 mm. Das sind hier also meine ersten Erfahrungen nach dem Scannen und Bearbeiten von rund 1.000 Pocket-Negativen, 2.500 Dias und einigen Kleinbild-Negativ-Filmen.

Als das Gerät ankam, mußte ich mich erstmal durch eine Menge Verpackungsmaterial kämpfen. Da war alles in Plastikfolie, und fast alles jeweils einzeln: Gerät, jeweils zwei Führungsschienen (Kleinbild, Pocket, Dias und noch was Quadratisches, das mir nicht geläufig ist), Netzteil, Akku, USB-Kabel und so ein Reinigungsteil. Ich scannte testweise ein paar Dias … und war erstmal etwas enttäuscht.

Nachdem ich Conrad Elektronik, den Verkäufer, angeschrieben und gefragt hatte, ob das so soll, was ich beobachtet hatte, wurde ich aufgefordert, das Gerät zurückzuschicken, sie würden es austauschen. Also vermutete ich erstmal, es solle wohl nicht so. Dann kam (verdammt schnell übrigens) das Ersatzgerät, und ich mußte feststellen: Doch, das soll wohl so …

Das war meine Fehlerbeschreibung, die ich der Rücksendung des ersten Geräts beigelegt hatte:

Getestet: Kleinbild-Dias 24 x 36 mm von 1985 und 1986, optisch einwandfrei, keine Farbstiche, alles klar erkennbar.

Auf dem Gerät: Der Scanner erfaßt die Dias offenbar nicht in voller Breite, da fehlt ungefähr 1 mm, weil der Erfassungsbereich um diesen Wert zu schmal ist. Die Höhe scheint vollständig zu sein.

Scans:

  • Es fällt zunächst auf, daß die Bilddateien für die Auflösung eigentlich zu klein sind. Bei 10 mpx oder 4416 x 2944 px müßten die Dateien eigentlich mehrere MB groß sein. Tatsächlich bleiben sie grundsätzlich unter 2 MB Größe. Zum Vergleich: Mit meiner Canon EOS 350D erzeugte Bilder (8 mpx, 3456 x 2304 px) sind zwischen 2,5 und 8 MB groß.
  • Des weiteren zeigen alle Dateien auf das Tagesdatum 1. Januar 2010 (wobei das nicht so schlimm ist, aber es fällt halt auf).
  • Bei den Außenaufnahmen wird das Himmelsblau entweder einfach weiß oder zu einem verwaschenen grau-blau. Das läßt sich auch mit Bildbearbeitung nicht mehr korrigieren, weil die Bildinformation schlicht nicht mehr da ist. Da diese Farben so bereits im Display zu sehen sind, hat das eher nichts mit JPG-Packverlusten zu tun.
  • Trotz der hohen Auflösung gehen viele Bilddetails verloren, die Bilder sind teils stark verrauscht (Außenaufnahmen wesentlich stärker als Innenaufnahmen). Schilder mit Text sind nicht mehr sinnvoll ablesbar, weil Teile der Buchstaben fehlen; feinere Linien verschwinden ganz.
  • In allen Bildern bis auf eines sind die Rot-Anteile zu hoch, teils über das ganze Bild verteilt, teils nur stellenweise. Mit diversen Farbwerkzeugen in GIMP bekomme ich davon maximal einen Teil weg und verliere dann regulär bei den anderen Farben, und das Rauschen nimmt noch zu. Auch hier: Das ist bereits im Display am Gerät so erkennbar.
  • Bei Innenaufnahmen ist der Rotstich weniger ausgeprägt; trotzdem haben einzelne Elemente einen erhöhten Rot- bzw. Violett-Anteil: Bei einer Personenaufnahme hat die Person auf dem gescannten Bild statt rein dunkelblonder Haare solche mit einem violetten Stich, während die (helle) Hautfarbe und die Farbe der Kleidung korrekt wiedergegeben werden.
  • Das einzige Bild ohne Farbfehler ist eine Innenaufnahme bei sehr hellen Lichtverhältnissen (Kunstlicht) und ohne Blitz. Aber auch das ist so verrauscht wie die anderen.

Generell wirken die Scans bei der Bildschirm-Darstellung auf 100 %, als sei die Auflösung entweder ungenügend für die kleinen Vorlagen und/oder stark interpoliert, obwohl das Gerät angeblich 3.200 dpi optisch können soll und sich damit von den meisten Geräten in der Preisklasse bis 120 € abhebt, die im allgemeinen nur bis 1800 dpi (optisch) gehen. Pixelgenau ist da gar nichts; in manchen Bereichen ist alles zu Klecksen vermanscht.

Dadurch sehen die gescannten Bilder aus, als seien es Abzüge von sehr altem und/oder schlechtem Farbfilm-Material. Aber wie eingangs erwähnt, sind die Vorlagen trotz ihres Alters einwandfrei.

Das waren allerdings nur etwa ein Dutzend Bilder gewesen. Mittlerweile habe ich einiges an Erfahrungen gesammelt. Gescannt sind mittlerweile sämtliche Dias, bearbeitet ist davon etwa die Hälfte. Insgesamt werden es wohl etwa 12.000 Einzelbilder werden: Neben den Pocket-Fotos und Kleinbild-Dias hatte ich geschätzt 6.000 Kleinbild-Fotos gemacht.

Erwähnen sollte ich vielleicht noch, daß ich zwar schon seit vielen Jahren mit The GIMP Dinge tue (arbeiten kann man das eher nicht nennen), aber mit der Art von Bildbearbeitung, die hier nötig ist, noch nicht wirklich Erfahrung hatte. Letzteres, ähm, ändert sich gerade. 😉

Beim derzeitigen Stand kann bzw. muß ich feststellen:

  • Wenn man irgendwie kann, sollte man sich wirklich ein Gerät mit höherer Auflösung und mehr Einstellmöglichkeiten leisten. Ich habe gesehen, daß es Geräte mit 6.400, 7.200 und sogar bis 10.000 dpi gibt. Die Preise fangen ab etwa 300,00 € an und gehen hoch bis auf 4.500 € (eBay, Stand: Ende März 2018). Dabei steigt nicht unbedingt die Auflösung, sondern vor allem der Komfort und das Zubehör. – Allerdings sind das nicht immer Stand-Alone-Scanner, und es ist offenbar völlig normal, daß es nur Angaben zu und Treiber für Windows und MacOS gibt. Ob die Geräte das Scanner-Protokoll SANE sprechen, steht üblicherweise nicht dabei. Und selbst wenn, heißt das nicht, daß der SANE-Treiber in Linux die Geräte komplett ausnutzen kann; es kann durchaus sein, daß dann zum Beispiel nicht die volle Auflösung zur Verfügung steht.
  • Mit der Helligkeitsregelung am Reflecta X7-Scan – der einzigen Einstellmöglichkeit am Gerät – kann man durchaus Details „retten“, die sonst auf dem Scan schlicht verschwinden würden. Das betrifft nicht nur Schilder, die dann doch noch mit zusammengekniffenen Augen irgendwie ablesbar werden, sondern zum Beispiel auch Oberleitungen von Zügen oder Straßenbahnen. Der eine Nachteil davon ist, daß das Rauschen teils massiv zunimmt. Der andere besteht darin, daß auch nur minimal im Original angedeutete Farbstiche massiv verstärkt werden und die Bilder auf jeden Fall nachbearbeitet werden müssen, um die Farbfehler wenigstens einigermaßen wieder rauszuziehen.
  • Besonders scheint der X7-Scan Rotstiche zu mögen. Selbst bei Bildern, die im Original definitiv keinen Rotstich haben, muß ich oft die rote Farbkurve im GIMP zumindest minimal nach unten ziehen. Das fällt vor allem bei Bildern auf, die sehr dunkle Anteile haben, zum Beispiel, wenn Teile des Bildes im Schatten liegen. Drehe ich am Scanner die Helligkeit höher, dann verschwinden Details und Konturen im helleren Bildteil; drehe ich dunkler, wird der Schattenbereich rötlich, und dann verschwinden Konturen und Details halt dort.
  • Bei vielen Bildern (Tageslichtaufnahmen) erweist es sich als hilfreich, erst im unteren Bereich die rote Farbkurve ein Stück nach unten zu ziehen, dann ggf. mit der „schwarzen“ Farbkurve leicht aufzuhellen, dann nochmal rot nach unten nachzukorrigieren und schließlich – wenn sich dadurch, insbesondere im Bereich des Himmels, ein Grünstich ergibt –, die grüne Farbkurve im oberen Bereich minimal nach unten zu ziehen. Klappt oft, aber nicht immer. Vor allem kann ich keine festen Werte für diese Methode einspeichern, denn das muß ich bei jedem einzelnen Bild wieder neu ausbalancieren.
  • Eklig sind Blaustiche. Habe ich eher selten, aber kommt vor. Denn da haut mir GIMP sehr schnell einen Gelbstich rein, wenn ich die blaue Farbkurve auch nur leicht nach unten ziehe. Dann lieber direkt am Scanner dafür sorgen, daß Blau nicht überhand nimmt, wenn das mit der Helligkeit da irgendwie machbar ist.
  • Daß die Breite des Scan-Feldes nur 35 mm und nicht 36 mm beträgt, ist generell ärgerlich, scheint aber üblich zu sein. Anscheinend ist noch niemandem in der Branche aufgefallen, daß Negative und Dias einen Millimeter breiter sind.
  • Pocket-Negative werden zu kleineren JPGs verarbeitet als Kleinbild-Vorlagen. Trotzdem leidet auch hier die Detail-Genauigkeit. Ob das generell stärkere Rauschen und die häufigeren Rotstiche der Pocket-Scans daran liegt oder hier damit zusammenhängt, daß das Filmmaterial noch älter ist als das Kleinbild-Filmmaterial, kann ich mangels Vergleichsmöglichkeit mit einem anderen Scanner nicht beurteilen.

In den letzten Tagen habe ich ein paar Diskussionen gehabt, weil mir zwei verschiedene andere Geräte zum Testen angeboten worden waren, und zwar

  • ein HP Scanjet G4010 (Flachbettscanner mit Durchlichtaufsatz, offiziell maximale Auflösung 4.800 x 9.600 dpi)
  • und ein Reflecta ProScan 7200 (offiziell maximale Auflösung 3.600 dpi).

Der ScanJet wurde zwar beim SANE-Projekt mit einem Treiber bedacht. Der kann allerdings nach dortigen Angaben aus dem Gerät nur maximal 2.400 dpi rausholen. Das wäre gegenüber dem X7-Scan eher keine Verbesserung. Eine Windows-Umgebung möchte ich mir hier nicht aufbauen müssen, obwohl ich rein technisch die Möglichkeit dazu hätte. Allerdings fehlt es mir zum einen derzeit am Platz (ja, hier steht zu viel rum, bei gleichzeitig zu wenig passenden Möbeln), zum anderen „fehlt“ es mir generell massiv an einer Motivation dazu, Windows einzusetzen.

Der ProScan wiederum kann laut Kritik bei filmscanner.info – Test report Reflecta Filmscanner ProScan 7200 – nicht die versprochenen 3.600, sondern „nur“ 3.250 dpi. Der Autor des Testberichts lobt das Gerät trotzdem, weil es „sogar“ 90 % der versprochenen Leistung bringt, was dem Autor wohl ungewöhnlich vorkommt. Leider weiß ich nicht, wie ich messen könnte, ob der X7-Scan die versprochene Auflösung liefert. Ich kann ja schlecht die Pixel zählen. 😉

Ob ich eines der Geräte testen werde, weiß ich noch nicht, so richtig Lust dazu habe ich nach diesen Angaben jetzt nicht unbedingt.

Was mich am ProScan – und auch bei anderen, die ich auf eBay gesehen hatte – noch generell stört, ist die irreführende Zahl im Produktnamen. Dem Produktnamen nach könnte man nämlich vermuten, daß der Scanner mindestens auf einer Achse 7.200 dpi schafft. Tut er aber offenbar nicht. Möglicherweise kann er auf diesen Wert interpolieren, denn das wäre ja eine genaue Verdoppelung der offiziellen Auflösung, aber ich kann mir nicht vorstellen, daß man damit eine bessere Qualität rausholen kann. Eher wird das Bild unschärfer.

Zunächst mache ich also mal mit dem X7-Scan weiter. Und damit Ihr auch was davon habt, stelle ich sie, soweit das mit Datenschutz, Persönlichkeitsrechten und auch dem Urheberrecht (siehe unten) vereinbar ist, öffentlich aus, und zwar hier: Atari-Frosch mit Knips. Die dort eingesetzte Software ist Piwigo, und bis auf Kleinigkeiten (irgendwas ist ja immer, ne) bin ich davon sehr angetan.

Ein Teil der Fotos ist privat gestellt, kann also nur von Leuten mit Account und entsprechenden Gruppenrechten eingesehen werden. Nacktfotos sind aber keine dabei. 😉

Und wenn die ganzen analogen Bilder durch sind, geht's an die Aufnahmen aus den Digitalkameras (HP Photosmart, Canon EOS 350D) und Smartphones (HTC Desire, Doogee X5pro), also von 2005 bzw. April 2009 bis aktuell. Da schätze ich die Anzahl derzeit auf ca. 30.000, plus ein paar Videos. Von 2009, 2017 und 2018 habe ich da ja schon einen Teil hochgeladen.

Nach dem Hochladen kommt ja dann noch der zweite Teil der Bearbeitung: Die Meta-Daten. Bei den analogen Bildern fehlen sie erstmal vollständig; in den Exif-Daten steht ja der Scanner, nicht die ursprüngliche Kamera. Zu den Meta-Daten gehören aber auch die Geo-Position (dafür hat Piwigo ein ziemlich geniales Plugin, um OpenStreetMap zu nutzen), optimalerweise ein Zeitstempel (bei den analogen Bildern kann ich froh sein, wenn ich Jahr und Monat weiß oder herausfinde, aber Piwigo will zur Erfassung mindestens ein Tagesdatum haben), und natürlich eine Beschreibung. Derzeit kümmere ich mich nach dem Upload vor allem um das Geotagging, alles andere muß bis später warten.

Achso: Ich lade die Bilder nicht in der vollen Auflösung hoch. Den Platz auf dem Server hätte ich sogar, aber ich halte nichts davon. 1200 x 800 (Kleinbild) bzw. 1200 x 900 (Pocket) sollten auch auf größeren Bildschirmen vollauf genügen. Einzelne Bilder schneide ich außerdem, die haben dann aber nach Möglichkeit auch 1200 px in der Breite.

Eine Übersicht über die Alben findet sich außerdem auf meiner statischen Website unter Fotografie.

Noch ein bißchen Statistik:

  • Die analogen Bilder entstanden in den Jahren 1982 bis 2008:
    • von März 1982 bis Juni 1985 mit einer Kodak Ektra 110 etwa 1.000 Fotos,
    • von Juli 1983 bis Juli 1985 mit einer geliehenen Agfa Kleinbildkamera etwa 350 Dias,
    • von August 1985 bis etwa 1998 mit einer Revue AC4Sp ca. 4.500 Dias
    • von 1998 bis ca. Frühjahr 2001 mit derselben Kamera sowie
    • von ca. Frühjahr 2001 bis Ende 2008 mit einer Canon EOS 650 zusammen etwa 6.000 Fotos.
  • Gut 500 Dias, die außerdem noch bei mir sind, stammen aus einer Revue AC3, die nicht mir gehört und mit der ich selbst nur wenige Aufnahmen gemacht habe. Ich habe diese Dias trotzdem digitalisiert, teils schon deshalb, weil sie Serien von mir ergänzen. (An dieser Stelle könnte sich jemand angesprochen fühlen. Meld Dich bitte mal, zum einen wegen Urheberrechts-Gedöns und zum anderen wegen Datierungen. Ich hab keine Kontaktdaten mehr von Dir.)
  • Nur so nebenbei: Mit der Agfa und der Revue habe ich aus einem 36er-Film durch geschicktes Einlegen jeweils 38 bis 39 Bilder herausgeholt. Mit der analogen Canon ging das nicht mehr, da hat die Elektronik mit halbautomatischem Einzug zugeschlagen und mir immer nur 36 Bilder erlaubt 😉
  • Die Dias füllen mit ihren Revue-Magazinen (Fassungsvermögen: 36 Dias) und vier Revue-Rundmagazinen (für je 100 Dias) vier Bananenkartons.
  • Ein Dia-Magazin oder die Streifen eines Negativ-Films mit jeweils 36 Bildern durchzuscannen dauert bei mir am X7-Scan mit etwas Übung immer noch 25 bis 30 Minuten. Ohne jegliche Nachbearbeitung, versteht sich.

6 Kommentare zu “12.000mal von analog nach digital”

  1. Daniel Rehbein quakte:

    Im Keller im Haus meiner Mutter lagern noch zahlreiche alte Negative (in Farbe und schwarz/weiß) sowie Dia-Positive von meinem Vater, der viel gewandert ist und photographiert hat. Da sind lange Wandertouren mit einem Studienfreund in den 60ern entlang von Rhein und Mosel, Bilder schöner Altstädte, und auch Bilder vom kleinen Daniel.

    Meine Mutter hatte vor ein paar Jahren schon mal einen Scanner gekauft, weil der im Katalog des Weltbild-Verlags angepriesen wurde. Das war ein Low-Cost-Gerät einer Eigenmarke von Pearl (ja, Weltbild macht auch Vertrieb für Pearl), und mit den Ergebnissen waren wir beide überhaupt nicht zufrieden.

    Nun habe ich die Einschätzung, daß meine Mutter, da sie Zeit hat, sich in Ruhe zu Hause hinsetzt und die einzelnen Bilder nacheinander einscannt. Meiner Mutter kann ich aber keine Nachbearbeitung von Farbkurven oder anderen Bildparameters in Gimp zumuten. Statt dessen bräuchte man einen Scanner, der direkt gute Ergebnisse liefert.

    Aufgrund Deiner Artikels habe ich mich auf der Homepage von Reflecta näher umgesehen. Das von Dir erwähnte Gerät „ProScan 7200“ finde ich dort nicht, statt dessen aber ein Gerät „CrystalScan 7200“, das beworben wird mit einer besonderen Staub- und Kratzererkennung.

    Ich durchschaue aber nicht so recht: Bringt das was? Sollte man den Kauf dieses Gerätes in Erwägung ziehen? Mit oder ohne der angebotenen Software?

    Testberichte, die ich dazu im Web finde, sind leider immer aus der Sicht von IT-affinen Anwendern geschrieben, nicht aus Sicht einer 79jährigen alleinstehenden Frau, die sich mühsam mit ihrem PC auseinandersetzt, aber doch die Begriffe „Dateiformat“ und „Verzeichnis“ nicht voneinander unterscheiden kann, sondern alles, was sie in einem Speichern-Dialog auswählen kann, als „Register“ bezeichnet – und die dann im Nachhinein ihre Dateien nur per Zufall wiederfindet.


  2. Atari-Frosch quakte:

    Hallo Daniel, einen Scanner, der „direkt gute Ergebnisse liefert“, kann es nicht geben. Denn der Scanner (oder die Software) ist nicht in der Lage, zu erkennen, welche Helligkeit und welche Farbanteile in einem beliebigen Bild „richtig“ sind oder nicht. Da muß ein Mensch drüberschauen und ggf. nachregeln. Der Scanner weiß nicht: Gehört das so dunkel oder müßte der Bereich heller werden? Oder: Ist der hohe Rotanteil ein Farbstich oder ist das zum Beispiel ein Sonnenuntergang, wo nun einmal viel Rot mit drin ist – oder sogar beides? Und in welchem Maß muß eine Farbe entfernt werden, damit dieses eine Bild wieder „richtig“ ist? Das läßt sich nicht einmal für einen zusammengehörigen Film einheitlich festlegen, sondern wirklich nur Bild für Bild. Das schafft keine Software.

    Den Umgang mit der Farbkurve (in GIMP) finde ich jetzt aber nicht soooo schwer. Klar, man muß die Maus sehr genau führen können, und die Augen müssen auch mitmachen. Abgesehen davon ist gerade die Farbkurve ein einfach zu bedienendes und gleichzeitig sehr mächtiges Werkzeug.

    Zu konkreten Geräten kann ich Dir nichts raten, weil ich selbst bisher nur mein eigenes kenne. Es gibt aber Foren, in denen sich Leute treffen, die schon seit Jahren analoge Fotos und Dias scannen und nachbearbeiten, da kann man Dir sicher besser weiterhelfen.

    Der im Artikel erwähnte HP ScanJet G4010 gehört einem Freund von mir im Raum Braunschweig. Der möchte den Scanner eigentlich gern verkaufen. Das Gerät hat seinen Angaben nach noch kaum Betriebszeit, ist also quasi neuwertig. Für mich ist es wie gesagt uninteressant, weil seine vollen Fähigkeiten nur unter Windows oder MacOS genutzt werden können. Wenn Du Interesse hast, sag Bescheid, dann stelle ich den Kontakt her.

    Der ProScan 7200 ist schon etwas älter, es kann also durchaus sein, daß er beim Hersteller bereits den Status EOL hat. Das konkret erwähnte Gerät gehört +Holger Baust, der hatte sich in diesem Thread auf Google+ gemeldet: Gibt es Erfahrungen mit einem HP Scanjet G4010 Flachbettscanner mit Durchlichteinheit unter Debian Linux? Tut der mit SANE? – eventuell magst Du ja Kontakt aufnehmen und das Gerät zumindest mal testen?


  3. Daniel Rehbein quakte:

    Ich habe heute mit meiner Mutter darüber gesprochen, und ich habe jetzt den Eindruck, es ist weniger als technische als vielmehr eine psychologische Frage.

    Meine Mutter ist mit mir in den Keller gegangen und hat aus verschiedenen Schränken Kisten bzw. Schubladen geholt. Es sind sechs Kisten, in denen sich geschätzt jeweils etwa 10 Diaprojektor-Magazine, gefüllt mit Dias, befinden. Zusätzlich befinden sich darin auch noch Dias in kleineren Schachteln, schwarz/weiß-Negativstreifen in Schutzhüllen, einzelne Photoabzüge und Ansichtspostkarten. In den Magazinen sind teilweise kleine Papierzettelchen, auf denen mein Vater Jahreszahl oder Ort notiert hat.

    Ich bin kaum dazu gekommen, mit meiner Mutter über technische Fragen zu sprechen. Statt dessen war ich die ganze Zeit damit beschäftigt, abzuwehren, daß meine Mutter irgendwas aus den Kisten wegschmeisst.

    Meine Mutter macht eine Kisten auf, greift darin liegende Abzüge heraus, schaut kurz darauf und sagt „Daniel, was willst Du denn damit?“. Sie blättert weiter und sagt „Das interessiert doch keinen mehr“. Und ehe ich mich versehe, hat sie einen Photoabzug zerrissen.

    Meine Mutter hat auch kein Verständnis für die Sortierung der Photos. Mein Vater hatte die Photos ja in die Magazine einsortiert, um sie mit dem Diaprojektor zu zeigen. Also kann man davon ausgehen, daß die Reihenfolge einen Sinn ergibt und daß die Dias alle gleich orientiert sind. Man müsste beim Einscannen also jeweils eine Dia heraussuchen, auf dem Schrift zu sehen ist, um zu entscheiden, wie herum es eingescannt werden muß (um nicht spiegelverkehrt zu sein), und dann müsste man die Dias des jeweiligen Magazins in genau der Reihenfolge und in genau der Orientierung einscannen.

    Meine Mutter nimmt aber einfach wahllos irgendwelche Dias aus den Kästen, hält sie gegen das Licht, sagt dann „Ach, das taugt doch alles nichts mehr“, und nach meinem Protest packt sie die Dias dann irgendwie wieder zurück. Ich hatte meine Mühe, meine Mutter von den Kisten abzuwehren. Und dann musste ich mir die ganze Zeit anhören, daß ich doch ohnehin keinen Platz habe, um das alles aufzubewahren, daß das doch ohnehin alles verblasst ist, daß ich doch gar keine Zeit habe für so etwas, daß ich doch nicht in der Vergangenheit leben soll, daß noch so viele andere Sachen bei meiner Mutter lagern, die irgendwo aufbewahrt oder weggeschmissen werden müssen, etc.

    Ich habe mir eine kleine Plastikbox (kein Projektor-Magazin) mit Dias herausgegriffen und diese mit dem Gerät von Pearl (bzw. Somikron) eingescannt, um mal ein paar Beispiel von den Photos zu haben.

    Obwohl diese Dias in einer geschlossenen Plastikschachtel gelagert haben, haben sie teilweise doch sehr viel Schmutz angesammelt:
    http://www.magik.de/PICT0914.JPG

    Mal sehen die Farben noch halbwegs gut aus, mal ist das Bild total überstrahlt. Ich bin allerdings nicht dazu gekommen, mal zu prüfen, ob das am Scanner oder am Dia liegt.
    http://www.magik.de/PICT0922.JPG
    http://www.magik.de/PICT0923.JPG
    (Der kleine Junge links unten auf dem ersten Bild bin übrigens ich.)

    Ich hatte die Vorstellung, daß ich einen besseren Diascanner besorge, und daß meine Mutter dann die diversen Dias der Reihe nach einscannt. Sie ist den ganzen Tag zu Hause und sucht sinnvolle Beschäftigung. Aber sie selbst sieht das wohl nicht als sinnvoll an. Statt dessen möchte sie die Kisten am liebsten unbesehen wegschmeissen.

    Bei der weiteren Diskussion stellte sich dann heraus, daß es meine Mutter deprimiert, alte Bilder zu sehen, wo sie noch jung ist. Sie wird in einigen Monaten 80, sie hat eine künstliche Hüfte und einen Herzschrittmacher. Dann habe ich ihr gesagt, daß ich jemanden suche müsse, der Zeit hat, damit der dann die Bilder für mich einscannt. Das möchte sie aber auch nicht. Sie möchte nicht, daß jemand fremdes unsere Dias in die Hand bekommt. Nun will sie sie vielleicht doch einscannen.

    Sie spricht dann aber immerzu davon, daß man ja erst mal aussortieren müsse. Das schwahnt mir natürlich fürchterliches: Die meisten Bilder wird sie wegschmeissen, die Dia-Magazine werden auseinandergeruüft sein, man wird nicht mehr zuordnen können, was zusammengehört, und was wie herum (nicht nicht spiegelverkehrt) gehört. Das muß ich irgendwie verhindern. Beim digitalen Photographieren sortiere ich auch nicht aus.

    Zu häufig habe ich mich in der Vergangenheit geärgert, nicht noch ein weiteres Bild aus einer anderen Perspektive oder mit einer anderen Belichtung zu haben. Deswegen sollte man doch alles Bildmaterial, was man überhaupt zur Verfügung hat, erhalten. Aber das bekomme ich meiner Mutter nicht verständlich gemacht.

    Einige weitere schwarz/weiß-Abzüge, die in einer der Kisten lagen, wollte sie auch schon wegschmeissen. Ich habe mir die näher angesehen und gegoogelt. Diese Photos zeigen Listernohl, ein Dorf im Sauerland, das Anfang der 1960er-Jahre für die Bigge-Talsperre aufgegeben wurde. Meine Mutter hat eine Drucker-/Fax-/Scanner-Kombination, da habe ich die Bilder eingescannt:
    http://www.magik.de/CCF14042018_00000.jpg
    http://www.magik.de/CCF14042018_00001.jpg

    Mein Vater hat Photos gemacht von Orten, die es heute nicht mehr gibt! Und wenn ich nicht aufpasse, sind die Bilder irgendwann weg.

    Diese Kisten mit den Dias und den anderen Materialien waren bislang im Keller in verschiedenen Schränken und Regalen. Nun habe ich sie mit meiner Mutter zusammen hervorgeholt. Wenn ich Pech habe, fängt meine Mutter jetzt tatsächlich an, darin herumzuwühlen, alles durcheinanderzubringen und vieles wegzuschmeissen.


  4. Atari-Frosch quakte:

    Autsch. Das mit dem Wegschmeißen kenne ich. Meine Mutter hat alle Dias und Fotos meines Vaters „entsorgt“, obwohl sie wußte, daß ich die haben möchte – ich konnte sie nur lange einfach nicht nach Düsseldorf transportieren. Als sie mir das mitteilte, war das einer dieser Tage … Ich war wirklich stinksauer.

    Tja, wenn sie sie auch nicht weggeben will … ansonsten hätte ich angeboten, es mit dem Scannen einmal hier zu versuchen. Deiner Beschreibung nach klingt das nach etwa 500 [Korrektur nach nochmal Lesen: eher] 1.200 Bildern. Fotos kann ich nicht scannen; da würde ich es aber einfach mal mit Abfotografieren versuchen.


  5. Daniel Rehbein quakte:

    Hast Du ähnliche Erfahrungen mit Staub und Schmutz auf Dias wie in dem Beispiel, das ich verlinkt habe?

    Säuberst Du die Dias vor dem Einscannen? Pinsel? Druckluft?


  6. Atari-Frosch quakte:

    Meine Dias sind offen gerahmt, also ohne Glas, und die Magazine sind natürlich nicht vollständig geschlossen, weil sie sonst im Projektor nicht funktionieren könnten. Das heißt, die haben natürlich so hier und da mal Staub abbekommen. Allerdings nicht in der Größenordnung wie auf Deinen Links zu sehen. Die Magazine wiederum habe ich immer in geschlossenen Schränken gehabt, und seit ich in dieser Wohnung hier lebe, stecken sie in den Bananenkartons. Ich hab zu wenig Schränke.

    Die Negative wiederum habe ich grundsätzlich in den Fototaschen belassen, in denen sie vom Labor kamen, das schützt auch schon recht gut. Nur wenn ich Abzüge gebraucht habe (also meist kurz nach dem Entwickeln, später eigentlich nicht mehr), habe ich sie rausgenommen. Bei den Negativen besteht eher bzw. zusätzlich die Gefahr, daß sie in der Tasche aufeinander reiben, was Kratzer verursachen kann.

    Ich hätte wohl tatsächlich besser darauf achten müssen, ob die Dias und Negative auch „sauber“ sind, da sind einige dabei, auf denen Staub zu sehen ist. Die werde ich wohl später nach und nach nochmal sauber scannen, aber erst will ich mal grundsätzlich alles drin haben.

    Zum Reinigen (auch des Scanners innen) war dem Scanner ein kleines Werkzeug beigelegt, ein Plastikstiel mit einem Stück sehr weichem, flusenfreiem Stoff dran. Bei der Menge an Dias und Negativen, die ich habe, ist das auf Dauer natürlich zu wenig, und reinigen kann man dieses Werkzeug auch nicht sinnvoll. Teilweise habe ich auf die Dias aber auch einfach draufgepustet – dabei muß man halt aufpassen, daß man nicht versehentlich, ähm, Feuchtigkeit draufbringt.

    Derzeit bin ich noch beim Nachbearbeiten der eingescannten Dias (ich habe bereits alle „drin“). Wenn ich dann wieder ans Scannen gehe, will ich es mal mit einem Antistatik-Tuch versuchen, wie man sie auch für Schallplatten verwendet. Davon habe ich nämlich einen guten Vorrat hier.


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