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Scharfe Video-Aufnahmen

13. August 2019 um 17:56 Uhr von Atari-Frosch

– nicht was Ihr wieder denkt 😉

Ich dachte gestern, für Videos von beweglichem Zeug wie fahrenden Modelleisenbahnen sollte ich zukünftig wohl doch eher die Sumikon ActionCam nehmen. Die Videoaufnahmen der Canon EOS 750D haben scheinbar keine gute Tiefenschärfe. Die Kamera verstellt deshalb dauernd das Objektiv, um die Schärfe des Hauptmotivs zu halten – und schafft's dann doch nicht immer.

Das war jedenfalls mein vorläufiges Fazit nach der Bearbeitung der ersten paar Videos, die ich an diesem Wochenende auf der FrOSCon in St. Augustin gemacht habe. Mein Motiv waren die Modelleisenbahnen des Projekts Free Your Model Train oder kurz FYMT des Vereins Freie Software Freunde, bei dem ich Mitglied bin und für den ich zusammen mit anderen Vereinsmitgliedern den Stand betreut habe.

Ich habe das Schärfeproblem mit der Canon auch schon früher und teils wesentlich schlimmer erlebt: Im Extremfall war der Servo dann ständig damit beschäftigt, das Objektiv zu verdrehen, das Video wurde größtenteils unscharf, der Akku wurde deswegen schneller leer, und das Drehgeräusch des Objektivs störte dann auch noch sehr aufdringlich die Tonaufnahme. Die Videodateien kann man dann einfach nur noch löschen, da ist dann nichts mehr zu retten.

Ein großer Nachteil der ActionCam ist allerdings, daß ich über nichts eine Kontrolle habe – sie hat ja kein Display und auch keinerlei Einstellmöglichkeiten; auch das Objektiv ist komplett starr und statisch. Ich muß also, ohne was zu sehen, selbst herausfinden, in welchem Abstand und welchem Winkel ich sie auf das Motiv halten muß, damit hinterher alles paßt. Solange ich sowieso keinen Ton bei den Videos haben will wie jetzt am Wochenende auf der FrOSCon, macht es dann auch nichts, daß das Mikrofon der ActionCam nichts taugt. Aber so gar nichts. – Daß sie dann „nur“ in 1280 x 720 und nicht wie die Canon in 1920 x 1080 aufzeichnet, ist dabei eher egal; zum Veröffentlichen auf meiner Media-Website skaliere ich die Videos sowieso auf diese Größe runter.

Ein großer Vorteil der ActionCam ist übrigens, daß der Akku einfach viel länger hält als bei der Canon. Sie kann mindestens drei Stunden lang am Stück aufzeichnen. (Wenn der Akku voll ist. Wenn die Cam eine Zeitlang ungenutzt bleibt, ist der Akku auch ohne Verbrauch leer, und ich muß ihn erst wieder aufladen, bevor ich die Cam wieder benutzen kann.) Mit dem kleineren Akku der Canon (1050 mAh) bekomme ich gut 30 Minuten zusammen, mit den zwei größeren (jeweils 1350 mAh) vermute ich die Kapazitätsgrenze bei jeweils etwa 50 Minuten – das habe ich bisher aber noch nicht ausprobiert. Also selbst, wenn ich alle drei Akkus voll auflade und dann nacheinander damit filme, komme ich nicht auf die Zeit, die die ActionCam mit ihrer einmaligen Akku-Ladung schafft – und hätte dann auch noch zwei Unterbrechungen durch den Akku-Wechsel.

Mein Smartphone wiederum kann nur Video mit 640 x 480 aufzeichnen, obwohl diese Kamera bei Fotos auf 8 mpx kommt. Das ist mir dann doch wieder etwas zu wenig, und die Qualität ist auch nicht gerade berauschend, auch wenn das Mikro dann wieder mehr taugt als das der ActionCam. Einen Vorteil hat die Smartphone-Kamera aber auch: Sie kommt mit weniger Licht aus als die Canon.

Und als ich mit all diesen Überlegungen und einem weiteren bearbeiteten Video durch war, durfte ich feststellen, daß die Canon das doch besser kann. Denn das weitere bearbeitete Video hatte plötzlich eine wunderschöne Tiefenschärfe und änderte die Schärfeeinstellungen gar nicht mehr. Da fiel mir ein, daß ich den Servo für dieses Video kurz nach dem Start abgeschaltet hatte. Es schien also, daß ich wohl die besseren Ergebnisse bekomme, wenn ich den Servo nur anfangs benutze und dann abschalte. Von vornherein abschalten scheint nicht zu gehen, ich habe jedenfalls keinen entsprechenden Menüpunkt gefunden.

Diese Erkenntnis hatte ich dann unter anderem auf Pluspora gepostet, wo ich dann allerdings nochmal eine ausführliche Belehrung von Marcus Wißmann bekam:

Ich kenne mich auch nicht so gut aus mit Videos mit der DSLR, habe aber einen Profi-Kameramann (u.a. dt. Kamerapreis) im Bekanntenkreis, den ich mal diesbezüglich befragt habe, weil mir die Grundeinstellungen beim Videofilmen überhaupt nicht klar waren.

Als Faustregel solltest Du die Belichtungszeit fest auf die Hälfte der Dauer eines Frames einstellen. Bei PAL-Bildwiederholtfrequenz von 25 FPS wären das dann 1/50s Belichtungszeit. Die Belichtungszeit spielt da wirklich eine große Rolle: Ist sie zu lang, wird praktisch alles wegen Bewegungsunschärfe verschwommen, ist sie zu kurz, ist jedes Frame knackscharf, das entspricht aber nicht unseren Sehgewohnheiten bei Filmen. Zudem erfasst Du während der Zeitdauer eines Frames (z.B. 1/25s) nicht genug Realität, wenn Du z.B. mit 1/1000s Belichtungszeit arbeitest. Bei den analogen Filmkameras früher, die mit 24FPS gearbeitet haben, war das ähnlich: Man hat die Hälfte der Zeitdauer eines Frames belichtet, die andere Hälfte brauchte man, um den Film weiterzutransportieren.

Die Blende ist der Parameter, den Du vorgeben kannst und solltest, je nach gewünschter Schärfentiefe. […]

Wenn Belichtungszeit fest und Blende (je nach Wunsch) auch fest ist, bleibt nur noch ein Parameter, der zur Belichtungssteuerung vorhanden ist: Die ISO-Zahl, welche die Kamera automatisch regeln sollte, damit die Frames optimal belichtet werden. Daher bitte nicht fest auf ISO100 stellen! Wenn die Lichtsituation sehr hell ist und man mit kleiner Blendenzahl (z.B. f/2.0) arbeiten möchte, um freizustellen, kann es sein, dass ISO100 bereits zu empfindlich ist. Dann benutzen die Profis Graufilter und verkürzen nicht die Belichtungszeit! Diese bleibt immer konstant.

[…]

Meine Antwort war:

Also: Ich fotografiere üblicherweise auf der Einstellung Av, gebe also die Blende vor und lasse die Kamera die passende Belichtungszeit finden. Die Belichtungszeiten der Kamera bei der vorgegebenen Blende 22 lagen dort zwischen 2 und 15 Sekunden; ich habe die Kamera deshalb auch immer irgendwo fest draufgelegt (Stativ natürlich wie üblich vergessen 😊).

Die Videos vom letzten Wochenende sind doppelt bewegt: Sowohl die Kamera als auch das primäre Motiv waren in ständiger Bewegung. Ich bin mit der Kamera in der Hand neben der fahrenden Modelleisenbahn hergelaufen. Trotzdem kann man jetzt nicht behaupten, es sei alles verschwommen. (Videos lade ich nachher zusammen mit den Fotos hoch, eins encodet gerade noch).

Dabei wähle ich, wann immer das möglich ist, ISO 100 … sagen wir, alte Gewohnheit aus Analog-Zeiten, als alles über 21 DIN mehr oder weniger verrauscht wurde. Manchmal würd ich am liebsten noch weniger nehmen, aber die Canon kann das nicht 😉 Was sie aber kann, ist ISO automatisch wählen und dabei eine Obergrenze setzen (z. B. Auto, aber nicht mehr als ISO 800). Wenn 100 gar nicht geht, gehe ich normalerweise auf maximal 400 (z. B. Außenaufnahmen bei trübem Wetter).

Die Frame-Rate müßte ich nachsehen; würde also heißen, ich gehe entweder auf Manuell und gebe Blende und Belichtungszeit vor oder ich gehe auf Tv und stelle die Belichtungszeit fest ein, wobei die Tiefenschärfe dann davon abhängt, welche Blende die Kamera dazu wählt.

[…]

– worauf Marcus noch ein paar Informationen hinterherschob:

Ja, Auto-ISO ist das Zauberwort. Setze die max. erlaubte ISO auf den Höchstwert (denk nicht an das Rauschen: Zum einen Rauschen die heutigen Sensoren recht wenig und zum anderen schaltet die Kamera bei Auto-ISO doch nur hoch, wenn es anders nicht geht.) Wenn Du meistens im Av-Modus knippst (was sinnvoll ist), ist die Belichtungszeit nach unten ja durch die Brennweite begrenzt (Verwacklungsgefahr). Und ein verwackeltes Bild ist stets schlechter als ein scharfes, das aber etwas mehr rauscht.

Beispiel: Brennweite 200mm → am APS-C-Sensor multipliziert die Kamera die Brennweite (200) mit dem Crop-Faktor 1,6 und nimmt davon den Kehrwert. Also ist die maximale Belichtungszeit 1/320s freihand. Eben die übliche Faustformel für verwackelfreie Belichtungszeiten. Reicht das Licht nicht aus, setzt die Kamera dann über Auto-ISO den ISO-Wert hoch. Anders geht es ja nicht.

würde also heißen, ich gehe entweder auf Manuell und gebe Blende und Belichtungszeit vor

Genau! Beim Filmen auf M-Modus, Belichtungszeit fest einstellen (1/50s bei PAL oder 24FPS, 1/60s bei NTSC/30FPS etc.) Blende wie gewünscht einstellen und ISO auf Auto-ISO und damit der Kamera die Belichtungssteuerung überlassen. Wenn es weniger rauschen soll, brauchst Du entweder mehr Licht oder eine kleinere Blendenzahl, anders geht es nicht.

Tv geht natürlich auch, aber wie beim Fotografieren will man beim Filmen die Schärfentiefe meistens vorgeben, um nicht überrascht zu werden.

[…]

Damit hab ich dann wieder was zum Ausprobieren. Manchmal merkt man halt schon, daß ich keine Profi-Ausbildung in diesem Bereich habe …

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