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Schrödingers Hardware

17. April 2020 um 17:16 Uhr von Atari-Frosch

Ende letzten Monats habe ich mir ja einen „neuen“ PC eingerichtet. Und weil der im Verhältnis zu den Geräteslots im Gehäuse recht wenig Anschlußmöglichkeiten für SATA (und natürlich gar keine für IDE) onboard hat, hatte ich mir ein IDE-DVD-ROM geschnappt und einen IDE/USB-Adapter drangesteckt, weil ich dafür schlicht keinen SATA-Anschluß mehr frei hatte. Dieses mittlerweile von einigen als altmodisch eingeordnete Gerät brauche ich weiterhin, um Filme und Serien zu schauen, die ich auf DVD gekauft habe und auch weiterhin zu kaufen gedenke.

Wenige Tage nach Inbetriebnahme des DVD-ROMs erklärte mir Linux, daß es kein optisches Laufwerk im System gebe. Einfach so. Am Abend zuvor hatte ich es noch genutzt.

Nun ist ein Umbau oder auch nur „aufschrauben und reingucken“ bei dieser Maschine ein größerer Aufwand als bei der bisherigen. Weil das Teil doch recht groß und schwer ist, habe ich es regulär unter dem Tisch stehen, und die Kabel kommen von hinter dem Tisch an die Anschlüsse. Um daran was machen zu können, muß ich also jedesmal unter den Tisch kriechen (was vor allem meine Knie nicht sehr lustig finden), die Kabel abziehen, dann mich wieder aufrappeln und die Kiste auf den Tisch hieven. Und wenn ich fertig bin, das ganze zurück: Kiste runterhieven, unter den Tisch krabbeln, Kabel wieder reinstecken – dabei möglichst keins vergessen – und mich wieder aufrappeln.

Deshalb verzichtete ich erst einmal seufzend auf die letzten Folgen Stargate. Ich würde sowieso nochmal in den PC reinschauen müssen, denn mir war aufgefallen, daß der vom bisherigen PC gewohnte „beep“ nicht funktionierte. Außerdem wollte ich eventuell mal noch eine PCIe-Grafikkarte reinstecken; derzeit nutze ich die Onboard-Grafikkarte.

Heute beim Einschalten dann: PC geht an, der Boot-Prozeß beginnt (vom USB-Stick, auf dem die /boot-Partition steht), erzählt mir aber dann immer wieder, daß ein bestimmtes Device nicht ansprechen würde.

Und nicht irgendeins.

Die Systemplatte.

Ich probierte es mehrfach, aber nichts zu machen, die Platte sprach nicht mehr an. Bei einem weiteren Versuch sprang ich ins BIOS und stellte fest, daß diese Platte dort gar nicht angezeigt wurde. Nur die beiden großen, identischen Datenplatten, die das RAID1 bilden, waren da.

Darauf hatte ich erstmal einen „Systemausfall“, sprich, einen Anfall von exekutiver Dysfunktion. Eine halbe Stunde lang ging einfach gar nichts.

Schließlich schaffte ich es, unter den Tisch zu kriechen und die Kiste hochzuholen. Auf dem Tisch nahm ich den Gehäusedeckel ab und gab der Maschine dann wieder Strom, um zu fühlen, ob die entsprechende Festplatte überhaupt noch anläuft. Sie lief.

Der nächste Schritt bestand darin, Monitor-, Tastatur- und Mauskabel nach vorn zu ziehen und die drei Geräte anzuschließen. Den USB-Stick zum Booten hatte ich abgezogen, ich wollte ja nur ins BIOS.

Das BIOS zeigte mir die Platte mit an, als wäre nichts gewesen.

Ja will der mich verarschen?

Nebenbei drückte ich auch nochmal gegen die Anschlüsse des DVD-ROM, konnte aber nicht erkennen, daß da irgendwas locker gewesen wäre. Dann machte ich alles wieder zu, hob die Kiste wieder auf den Boden und schloß sie wieder an.

Ja, und jetzt geht alles wieder. Auch das DVD-ROM, übrigens. Der Beep dagegen kann nicht funktionieren, es ist nämlich kein Lautsprecher drin …

Ich fände es ja nicht lustig, wenn der jetzt verlangt, daß ich ihn alle zwei Wochen oder so hochhole und die Hardware streichle, damit alles funktioniert. Ich bin echt kein Fan von „Schrödingers Hardware“. 😒

7 Kommentare zu “Schrödingers Hardware”

  1. Bird quakte:

    Naja! Diese IDE-Anschlüsse machen mir nicht den besten Eindruck, was Stabilität betrifft. Ein leichter Wackler sorgte dafür, dass die Festplatten im laufenden Betrieb Strom verlieren (und sich der PC damit aufhängt). Manchmal fehlten sie danach im BIOS, manchmal nicht.
    In der Tat, Festplatte streicheln, Kabel abziehen und besonders energisch draufstecken, schon tun’s die alten IDE-Geräte wieder seit Jahren übrigens ohne Schwierigkeiten. Ein klarer Fall von Computer-Esoterik.


  2. Atari-Frosch quakte:

    @Bird: Bist Du sicher, daß Du IDE hier nicht mit SATA verwechselst? Mir ist es in über 20 Jahren PC-Schrauberei noch nie passiert, daß ein IDE-Stecker irgendwo wackelte. SATA kann dagegen tatsächlich leicht abrutschen, weswegen es ja auch SATA-Kabel mit Clip gibt.


  3. Bird quakte:

    @Frosch: Interessante Beobachtung! Nein, bisher fand ich einige IDE-Stecker weniger optimal. Es ist vor allem der 4-pin Stromstecker, der gut sitzen muss. Das lange, platte Kabel für Festplatten und Laufwerke ist dagegen wirklich gut (abgesehen davon, dass manche damit die Pins an ihren Festplatten verbiegen, wenn die Kabel zu aggressiv abgezogen wurden). SATA hatte ich noch nicht so viele und (vielleicht) daher noch keine Probleme damit gehabt. Mal sehen.


  4. Atari-Frosch quakte:

    Die „langen, platten Kabel“ sind ja die IDE-Kabel. Der Stromstecker, den Du meinst, ist ein generischer 12-V-Anschluß und hat mit IDE jetzt nicht explizit was zu tun. Wobei auch die ziemlich abgenutzt oder verbogen sein müßten, damit sie einfach so rausrutschen können. Eigentlich sitzen auch die normalerweise ziemlich fest.

    Bei SATA dagegen sind beide Stecker – Daten wie auch Strom – sehr flach und haben damit in der Buchse weniger Halt. Da hatte ich schonmal „Spaß“ mit: Bei meinem vorherigen Server schien von jetzt auf eben keine Festplatte mehr vorhanden zu sein. Der hatte auch zwei Platten wie dieser hier, aber die hatte ich nicht zum RAID1 zusammengebunden. Keine Festplatte mehr hieß in diesem Fall, daß auch die Backups weg waren. Du kannst Dir vielleicht vorstellen, daß mich das erstmal ziemlich fertiggemacht hatte. Ich schrieb dann Hetzner an, die mir kurz später zurückmeldeten: Wir haben dann mal die Stecker wieder befestigt. 😉 – und ja, das waren SATA-Platten.


  5. SackOhneSenf quakte:

    @Frosch: Ein Tip aus der Praxis, zu Problemen wie du sie schilderst. Wenn das häufiger auftritt, einfach mal Netzteil wechseln. Schwächelt ein sonst einwandfreies Netzteil beim einschalten, kann es zu allen möglichen Phänomenen kommen (Laufwerke nicht gefunden, USB nicht gefunden, plötzlich keine Netzwerkkarte erkannt, etc.).


  6. Atari-Frosch quakte:

    @SackOhneSenf: Sollte in dem Fall der PC nicht einfach ganz ausgehen, wenn die Geräte zu viel Strom ziehen? Erlebt habe ich das schon, aber ich weiß natürlich nicht, ob das alle Netzteile so machen; es wäre aber naheliegend.

    Allerdings trifft das hier wohl eher nicht zu: Das DVD-ROM hat definitiv immer Strom, auch wenn es sich nicht ansprechen läßt. Da hängt es offensichtlich an der Datenverbindung. Ob die Systemplatte bei dem einen Mal des scheinbaren Ausfalls Strom hatte, konnte ich allerdings natürlich nicht prüfen, das sieht man ja von außen nicht unbedingt. Die HDD-LED ist hier leider sehr unzuverlässig, weil sie für alle SATA-Geräte Zugriffe anzeigt. Wird also auf irgendeins zugegriffen, leuchtet sie auf. Bisher kam das auch noch nicht wieder vor, daß sie plötzlich nicht mehr ansprechbar war.

    Wenn es sich hier um ein systematisches Problem handeln sollte, würde ich dann eher auf das Mainboard tippen.


  7. SackOhneSenf quakte:

    @Frosch: Deine Konzentration auf das Mainboard ist wohl das, was die meisten in der Situation machen würden.

    Elektronik Entwickler können dir aber bestätigen, dass Probleme mit Netzteilen nicht nur einfach schwarz/weiß sind. Beim Einschalten des Boards müssen die ganzen Geräte und Geräteanschlüsse (auf dem Mainboard) initialisiert werden. In dieser Zeit benötigen die einzelnen Komponenten in aller Regel kurzzeitig mehr Strom. Auf einem Oszi parallel zur Stromversorgung gut als Dellen und Peaks nach unten zu sehen ist.

    Zudem haben Netzteile eine kleine, aber doch eben vorhandene Anlaufzeit, in der sie möglicherweise auf solche Strom Peaks allergisch reagieren können (sprich die Spannungseinbrüche summieren sich auf).

    Es geht dabei nicht um lange Störungen, sondern um Aussetzer im Millisekunden Bereich. Obwohl es aussieht als würden die Geräte anlaufen und korrekt mit Strom versorgt werden, können die Störungen reichen, dass genau in dem Moment der Initialisierung ein Gerät oder Anschluss nicht genug Saft hat und sich daher nicht wie erwartet verhält … unbekanntes Verhalten bedeutet dann eben Gerät nicht gefunden, also versucht die Software es auch nicht nochmal.

    Mit dem Endeffekt, dass alle Geräte und das Mainboard nach kurzer Zeit genug Strom bekommen und alles top läuft, aber die Software einzelne Teile nicht erkannt hat und somit auch nicht anzeigt bzw. nutzt.

    Mit dem Auge und Beobachtung der LEDs kannst du solche Störungen nicht erkennen. Da brauchst du schon ein teures Oszi mit Speicherfunktion … und viel Zeit und Nerven die Ursache zu suchen.

    … einfacher ist es da mit der Methode der Praktiker: Bei unerklärlichen Problemen nicht einzelnen Teilen die Schuld zuschieben, sondern schlicht mal mit unterschiedlichen Netzteilen probieren, oder Komponenten die anscheinend keine Probleme machen ausbauen, um die Last beim Einschalten zu reduzieren.


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