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Pandora’s Clock

24. Februar 2022 um 14:48 Uhr von Atari-Frosch

Derzeit schaue ich ja mal wieder MacGyver (von DVD). Und dann las ich heute, daß Rußland die Ukraine überfallen hat. Hat natürlich nichts miteinander zu tun, aber mein Gehirn mixt manchmal Informationen auf, sagen wir, interessante Weise: Die Hauptrolle in MacGyver spielt Richard Dean Anderson. Der spielt ebenfalls die Hauptrolle in der Verfilmung AKA „Mini-Serie“ Pandora's Clock. Und die hat an einer Stelle auch die Ukraine zum (Neben-)Thema.

Zeit, Buch und die zweiteilige Verfilmung mal wieder auszugraben.

Die Verfilmung von 1996 lief irgendwann Ende der 1990er Jahre im linearen TV – welcher Sender, weiß ich nicht mehr sicher, ich meine aber, das war im ZDF. Ich hatte vorher was von einem Film mit Richard Dean Anderson gelesen und hatte den Videorecorder am Start. Ich hab die Aufnahmen noch, aber das ist halt leider nur die deutsch synchronisierte Fassung.

Daher suchte ich später jahrelang nach der DVD mit der originalen Tonspur. Daß es sie gab, wußte ich. Aber die Suche erwies sich als schwierig: Die DVD wurde auf eBay nur selten, und wenn, dann zu Mond-Preisen angeboten. Wie ein Sammlerstück; was darauf hindeutet, daß es nicht so wirklich viele Pressungen gab.

Bei der Suche hatte ich einmal vergessen, auf „Filme und Serien“ einzugrenzen, und stieß dabei auf das Buch (englisch). Das müßte so um 2012 herum gewesen sein. Der Preis war OK, und ich kaufte es umgehend. Als ich dann zum Lesen kam, zog ich es fast am Stück durch und stellte positiv erstaunt fest, daß sich Buch und Verfilmung kaum unterscheiden und man bei der Verfilmung versucht hatte, möglichst viele Details aus dem Buch mit einfließen zu lassen. Trotzdem empfand ich das Buch als … deutlich intensiver als die Verfilmung. Das ging mir danach noch wochenlang im Kopf herum.

Im Oktober 2018 schließlich ploppte ein bezahlbares Angebot für die DVD auf: für knapp 25,00 € konnte ich sie „versandkostenfrei“ (das heißt, eigentlich mit eingerechneten Versandkosten) bestellen – aus Spanien, wo die Serie unter dem Titel „El Reloj De Pandora“ verkauft wird, unter anderem mit der originalen Tonspur. Und es war sogar eingeschweißte Neuware gewesen.

Ich habe eben nochmal aktuell nach DVD und Buch gesucht: Die Verfilmung wird dreimal für gut 20,00 € plus Versand aus Spanien angeboten – und einmal für 264,10 € aus den USA (plus 24,24 € Versand). Daran hat sich also innerhalb von mindestens zehn Jahren nichts geändert. Das englischsprachige Buch ist heute immer noch, auch aus Deutschland, für wenige Euro gebraucht erhältlich. Neuware ist selten, aber auch für unter 20,00 € zu bekommen, dann allerdings nur aus den USA mit entsprechenden Versandkosten.

Nachdem ich mir die Serie nun also erneut und diesmal im Original angesehen hatte, hatte ich direkt das Gefühl, daß irgend etwas fehlte. Ich brauchte etwas Zeit, um mir darüber klar zu werden, was da fehlt. Es ist eine nicht ganz unwichtige, nicht ganz so kurze Szene. Und als ich nochmal darüber nachdachte, woher ich diese DVD gekauft hatte, wurde mir auch klar, warum genau diese Szene in der spanischen Version fehlt.

Es ist die Szene, in der Yuri, der ukrainische Söldner-Pilot, seiner Verlobten in einem glühenden Monolog erklärt, daß er für die Freiheit und Unabhängigkeit der Ukraine alles tun würde.

In Spanien wurde diese Szene herausgeschnitten.

Warum?

Der spanische Staat ist sehr dezentral organisiert, dezentraler als ein Bundesstaat. Er besteht aus 17 sogenannten Autonomie-Gebieten, von denen es in einigen Bestrebungen gibt, sich komplett von Spanien zu lösen, insbesondere in Katalonien. Diese Unabhängigkeitsbestrebungen sind vom spanischen Staat offensichtlich nicht gern gesehen. Vermutlich deshalb wurde die Szene mit der glühenden Rede für die Unabhängigkeit dann halt rausgeschnitten. Man könnte auch sagen: zensiert.

Wie eine Form von Zensur kommt es mir aber auch vor, daß die Verfilmung, obwohl mit Top-Schauspielenden besetzt und sicher nicht ganz billig produziert, schon wenige Jahre nach Erscheinen praktisch nicht mehr bzw. nicht mehr vollständig (also inklusive der in Spanien herausgeschnittenen Szene) zu bekommen ist.

Ja, ich weiß, Zensur nennt man ein Weglassen von Informationen eigentlich nur dann, wenn es explizit auf staatliche Veranlassung hin geschieht. Aber ich habe keinen anderen Begriff für das, was ich hier festgestellt habe. Ob eine staatliche Veranlassung der Verknappung vorliegt, weiß ich nicht.

Aber man kommt ins Grübeln, wenn man sich die erzählte Geschichte mal genauer ansieht. Also unabhängig von dem „Abstecher“ in die Ukraine.

Denn obwohl insbesondere in der Werbung für die Verfilmung das „Killervirus“ und die Ausnahmesituation im Flugzeug in den Vordergrund gestellt werden, vermutlich weil „Action“ besonders gut zieht, ist es primär ein Geheimdienst-Thriller. Insbesondere der amerikanische CIA wird dargestellt als eine Organisation, die eiskalt über Leichen geht und um seine Interessen zu wahren auch den amerikanischen Präsidenten unter Druck setzt.

Aber es ist bestimmt reiner Zufall, daß das Buch und die DVD offenbar trotz Nachfrage nicht mehr produziert werden.

Wer eins davon in die Finger bekommt: Lese- bzw. Anschau-Empfehlung. Insbesondere für das Buch (das es übrigens, wie ich vorhin feststellte, auch als Hörbuch gibt) sollte man sich meiner Erfahrung nach etwas zeitliche „Luft“ zum Durchdenken nehmen.


History

Ein Kommentar zu “Pandora’s Clock”

  1. Michael Richter quakte:

    Dann lad dir die Serie doch einfach irgendwo als MKV runter.


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